Nach der Heyne-Übernahme durch
Random House geht der
Verteilungskampf beim Taschenbuch in eine neue Runde. Das
Börsenblatt prognostiziert in seinem "Thema der Woche", dass "die Marktmacht des neuen Taschenbuchriesen Konkurrenten wie Handelspartner vor allem bei
Vertrieb und Marketing zu spüren bekommen werden". Auch beim Poker um
lukrative Lizenzen könnte manchem Mitbewerber die Luft ausgehen. Kleinen Buchhändlern dürfte die Ankündigung von Random House, den
Nebenmarkt-Vertrieb in die eigene Hand zu nehmen und die
Konditionen stärker an den "Leistungen des Buchhändlers" zu orientieren, Sorgen bereiten.
Mit den Goliaths der Branche nimmt es
Tanja Graf gern auf, auch in Zeiten der Krise. Die Mitbegründerin des literarischen
Schirmer Graf Verlags (sechs Titel im ersten Programm) schreibt in einem "Standpunkt", dass ein Buch sowohl
Kunstwerk als auch
Industrieprodukt sei und daher
mehrdimensionale Betreuung brauche. "In letzter Zeit scheinen kleinere, unabhängige Verlage, die keiner Konzernzentrale
Rechenschaft ablegen müssen, für diese Aufgabe besser gerüstet zu sein." Das belege auch die Tatsache, dass sich in den vergangenen Monaten Belletristik mehr denn je aus unabhängigen (Klein-)Verlagen auf den Bestsellerlisten gefunden habe.
Auf dem Markt
zurückgemeldet hat sich der auf
jüdische Themen spezialisierte
Abraham Melzer Verlag, indem er nach jahrzehntelanger Pause eine Frühjahrsvorschau mit fünf Titeln vorlegt. Vorab erschienen war 2003
Ted Honderichs "Nach dem Terror", das letzten Sommer bei
Suhrkamp wegen Antisemitismus-Vorwürfen für Wirbel gesorgt hatte (
mehr im Perlentaucher-Archiv).
Der
Kindler Verlag stoppte die Auslieferung von
Nima Zamars "Ich musste auch töten", nachdem massive
Zweifel am Wahrheitsgehalt des Buches nicht ausgeräumt werden konnten. Die Autorin beschreibt darin ihre Zeit als Spezialagentin beim
israelischen Geheimdienst. (Auf der
Kindler-Homepage wird das Buch übrigens weiterhin als "atemberaubendes Dokument" und "Highlight aus dem Winter 2004" gepriesen).
Mehr
Markttransparenz soll die monatliche
Analyse "Branchen-Monitor Buch" schaffen, die der
Börsenverein in Kooperation mit einem Marktforschungsunternehmen erstellt und ab 11. Februar als
E-Mail-Newsletter an Interessierte verschickt.
Personalien:
Dr. Julia Schade, zurzeit Verlagsleiterin Buch bei
Lübbe,
wird zum 1. Juli Programmleiterin Unterhaltung / Belletristik bei den
S. Fischer Verlagen. Mehr Personalien aus der Buchbranche
hier.
Meldungen: Der promovierte Philologe und Menschenrechtsaktivist
Rupert Neudeck hält die Laudatio auf den bosnischen Schriftsteller
Dzevad Karahasan, der am 28. März mit dem
Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet wird. Diplomatisch, ohne Zahlen zu nennen, kommentiert Bertelsmann Club-Sprecher
Rocco Thiede die Bilanz nach zwei Wochen
Bücher-Bestelldienst (siehe
Archiv): "Unsere Erwartungen sind übertroffen worden." Nach Amazons umstrittenem "Search inside the Book"-Service hat jetzt auch
Google eine
Buchinhaltssuche (die im
Börsenblatt angegebene Web-Adresse ist allerdings noch eine
Baustelle).
Das internationale Kinderhilfswerk
terre des hommes baut eine
eigene Buchreihe in Deutschland auf.
K. P. Herbach, Initiator und Leiter des
Berliner Buchhändlerkellers, ist im Alter von 59 Jahren an akutem Herzversagen gestorben.