Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 18 von 33

Die Buchmacher vom 26.07.2004 - Börsenblatt

Der Streit zwischen Bertelsmann Club und Börsenverein um Parallelausgaben ist mit einem außergerichtlichen Vergleich beigelegt worden. "Der Club verpflichtet sich damit, die Regelungen des Potsdamer Protokolls einzuhalten - diese waren zuvor vom Börsenverein und dem Club an die Veränderungen des Markts angepasst worden", erläutert das Börsenblatt. Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann sprach von einer Lösung "im Sinne der gesamten Buchbranche". Was Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels von der Einigung hält, hier.

Immer noch behandeln viele Publikumsverlage ihre Internetseiten stiefmütterlich. "Händler, Lehrer, Lizenznehmer und Journalisten finden auf den Homepages häufig nicht die gewünschte Unterstützung", so das Fazit einer Studie, die die Unternehmensberatung Heinold, Spiller & Partner gemeinsam mit der Content Business Agentur econcon durchführte. Wenig fortschrittlich ist beispielsweise, dass nur zwei von zwölf befragten Verlagen ihren Geschäftskunden geschlossene Online-Bereiche anbieten. DTV schnitt mit seinem Online-Auftritt am besten bei den Kunden ab, gefolgt von Diogenes und Random House.

Darf klassische Literatur für den Schulgebrauch vereinfacht werden? fragt das Börsenblatt auf seiner Meinungsseite. Dafür spricht sich Eleonore Kunz aus: "Für leseschwache Schüler ist auch die bearbeitete Klassikerausgabe alles andere als ein Angebot zur Bequemlichkeit", gibt die Redaktionsleiterin Deutsch im Cornelsen Verlag zu Bedenken. Sie sieht in den Light-Versionen keinen Ersatz der Original-Klassiker, sondern eine Ergänzung, ein zusätzliches Angebot, aus dem Lehrer für ihre Schüler die passende Lektüre wählen können. "Not amused" von der Modernisierung der Klassiker ist Georg Behütuns. Für den Schulleiter und Vorsitzenden des Fachverbands Deutsch in Bayern ist sie "Kulturfrevel" und der "Missbrauch wehrloser Autoren".

In die festgefahrene Auseinandersetzung um allgemeine Vergütungsregeln für Urheber kommt Bewegung. Unter Vermittlung des Bundesjustizministeriums hätten Verleger und Autorenvertreter ihre Positionen ausgetauscht, nun liege ein Kompromissvorschlag auf dem Tisch, berichtet das Börsenblatt. Neu ist eine klare Abkehr von einheitlichen Vergütungsregeln hin zu einer Genre spezifischen Vergütung. In vielen Punkten habe sich das Ministerium den Positionen der Verlage angenähert. Bis zur Buchmesse sollen die Parteien Vorschläge für eine Modifizierung des Papiers einreichen.

Meldungen: Zur Halbzeit der ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" haben mehr als 60.000 Leser ihr Lieblingsbuch nominiert. Der vom Börsenverein initiierte Branchen-Monitor Buch hat für das Sortiment im ersten Halbjahr 2004 einen Anstieg des Barumsatzes von 0,3 Prozent (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) berechnet.
Stichwörter: Bundesjustizministerium, Dtv

Die Buchmacher vom 19.07.2004 - Börsenblatt

Obwohl der Branchenumsatz im letzten Jahr um 1,7 Prozent sank, gab sich Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann auf der Pressekonferenz des Börsenvereins gewohnt optimistisch. "Das ist kein wirtschaftlicher Sonderweg des Buchmarkts. Wir haben es vielmehr mit einer generellen Konsumschwäche bei Käufern zu tun", diktierte Schormann den Journalisten. Die Vorschauen ließen auf ein starkes Herbstprogramm 2004 schließen, die Branche könnte das Jahr mit einer schwarzen Null abschließen. Dem Internet-Buchhandel traut Schormann für die Zukunft keine Übermachtsstellung zu: "Es ist zweifelhaft, ob er jemals einen Marktanteil von zehn oder mehr Prozent erreichen wird." Mehr.

Dass Verlagsneugründungen Chancen bergen, glaubt Literaturkritiker Elmar Krekeler. Der Marebuch-Verlag etwa, "das schlagendste aller Beispiele", hat eine Nische in der Verlagslandschaft gefunden. Einhergehend mit dem Verlagszuwachs sei leider auch die Titelflut, klagt Krekeler auf der Meinungsseite des Börsenblatts. Gerade die großen Verlage schleuderten, getreu nach dem Motto "Irgendwas wird schon hängen bleiben im Feuilleton und im Buchhandel", zu viele Neuerscheinungen auf dem Markt. Somit werde die orientierungslose Kundschaft weiter verwirrt, die Kritiker von Albträumen geplagt.

1,57 Millionen Zuschauer lockte Bücherfee Elke Heidenreich bei der Auftaktsendung zur ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" vor den Fernseher. 35.000 Menschen haben bereits eine Stimme für ihr Lieblingsbuch abgegeben, darunter auch "zahlreiche Titel, die nicht auf der Vorschlagsliste des ZDF stehen". Favorisiert würden populäre Bestseller ebenso wie moderne Klassiker, hat das Börsenblatt vom ZDF erfahren. Mit gleich drei Titeln sei John Irving vertreten, stark platziert auch Herrmann Hesse. Unter den Werken von Thomas Mann habe "Der Zauberberg" gute Chancen. Prominentestes Kinderbuch bislang ist nicht "Harry Potter", nein, Cornelia Funkes "Tintenherz" befinde sich auf dem ersten Platz.

Der europäische Buchmarkt wächst. Schon vor der EU-Erweiterung, im Jahr 2002, hätten Verlage innerhalb der Union rund 20,6 Milliarden Euro umgesetzt (0,8 Prozent mehr als in 2000), fasst das Börsenblatt das Ergebnis einer aktuellen Studie der Federation of European Publishers, die auf Schätzugen der nationalen Verlegervereinigungen beruht, zusammen. Die Zahl der Neuerscheinungen habe 2002 bei rund 466.000 (im Vergleich zu 2000: plus 1,3 Prozent) gelegen. Circa 3,5 Millionen Titel seien vor zwei Jahren lieferbar gewesen, die meisten davon in Großbritannien (1,1 Millionen) und in Deutschland (900.000). Lehrbücher konnten sich mit 42 Prozent das größte Stück vom Umsatzkuchen abschneiden.

Helga von Beuningen
erhält den mit 12.000 Euro dotierten Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis. Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Kulturstaatsministerin Christina Weiss hat die Mittel für den Deutschen Literaturfonds (hier die Homepage) von bisher 560.000 Euro auf mehr als eine Million Euro pro Jahr aufgestockt - neben Autoren können damit künftig auch Editionsprojekte gefördert werden. Der Umsatz im Sortimentsbuchhandel stieg, laut Institut für Handelsforschung an der Uni Köln, vergangenen Monat um sieben Prozent (gegenüber dem Vorjahresmonat). Die Vertretung der Schulbuchverlage, VdS Bildungsmedien, protestiert gegen die Forderung einiger Ministerpräsidenten (Bayern, Niedersachsen) zur alten Rechtschreibung zurückzukehren - damit seien für die Schulbuchverlage Kosten von rund 250 Millionen Euro verbunden.

Die Buchmacher vom 07.07.2004 - Börsenblatt

Die aktuelle Bundesgerichtshof-Entscheidung, die Übersetzern mehr Rechte gegenüber den Verlagen einräumt (siehe Archiv), finden deutsche Verleger problematisch. "Ein Verlag muss eine Übersetzung zurückweisen können, wenn sie Qualitätsstandards nicht genügt", bemängelt DVA-Chef Jürgen Horbach im Börsenblatt. Europa-Verleger Vito von Eichborn warnt davor, die Rolle des Übersetzers - "vor allem gutes Handwerk" - überzubewerten. KiWi-Verlagsleiter Helge Malchow sieht im Kern des Urteils gar "eine nicht unerhebliche Bedrohung für die notwendige Gestaltungsfreiheit der verlegerischen Arbeit."

Das Börsenblatt blickt in einer neuen Serie auf die Buchbranche der neuen EU-Länder und startet mit Polen. Die Rahmenbedingungen des polnischen Buchhandels entsprächen mittlerweile marktwirtschaftlichen Erfordernissen, heißt es in der Analyse. 1994 sei ein Urheberrechtsgesetz in Kraft getreten, seit 1995 schaffe ein regelmäßig aufgelegtes "Verzeichnis lieferbarer Bücher" Transparenz, und noch bis 2007 seien Bücher von der Mehrwehrtsteuer befreit. Der durchschnittliche Buchpreis liegt in Polen bei 7,46 Euro. 2.500 Buchhandlungen stehen 20.000 Verlage gegenüber, die rund 23.000 Titel pro Jahr produzieren.

Der 1968 in Dresden geborene Chirurg und Schriftsteller Uwe Tellkamp ist Träger des mit 22.500 Euro dotierten Ingeborg Bachmann-Preises 2004. Ausgezeichnet hat die Jury Tellkamps Romanauszug "Der Schlaf der Uhren". An Zeit, dem immer wiederkehrenden Motiv im Text, interessiere ihn das Vergängliche, erzählte der frischgekürte Preisträger im Börsenblatt-Interview. Gegen die Zeit anzuschreiben, das sei für ihn Literatur, Lebensbewahrung. Im Frühjahr 2005 soll der fertige Roman "Der Eisvogel" bei Rowohlt Berlin erscheinen. Weitere Preise gingen in Klagenfurt an Arne Ross (Text), Guy Helminger (Text) und Wolfgang Herrndorf (Text).

Personalien
aus der Buchbranche.

Meldungen: Rund 50 neue Übersetzungen belletristischer Werke von Autoren aus der arabischen Welt wird es in diesem Jahr passend zum Gastlandauftritt bei der Frankfurter Buchmesse geben. Für über Zwischenbuchhändler Libri georderte Books On Demand-Titel, eigentlich, wie der Name sagt, nur speziell auf Kundenwunsch gedruckt, besteht ab sofort ein Remissionsrecht.

Die Buchmacher vom 28.06.2004 - Börsenblatt

Die Amazon-Auslistung (siehe Archiv) hat Diogenes bei stationärem Handel und Endkunden sympathisch gemacht. Die positiven Reaktionen hätten den Verlag selbst überrascht, erzählte Diogenes-Geschäftsführer Stefan Fritsch dem Börsenblatt. Amazon übt derweil weiter Druck auf die Verlage aus. In den USA hat der Online-Riese, laut Branchenblatt Publishers Weekly, im Frühjahr neue Werbeverträge vorgelegt. Sollten Verlage sich nicht kooperativ zeigen, droht Amazon, könnten sie künftig einen schweren Stand haben. Es ist etwa von einer Einschränkung der Suchfunktionen die Rede. (Da schaltet man seine Verlagswerbung doch besser gleich beim Perlentaucher!)

Pathetische Worte fand Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann in seiner Rede zum 27. Kongress der Internationalen Verleger-Union in Berlin: "Die Fragen nach der Freiheit des Publizierens und nach der Sicherung des Urheberrechts erhalten eine völlig neue Dimension. Sie können nicht mehr national, sondern müssen international beantwortet werden." Vier Tage lang bezogen Verleger u.a. Stellung zu Themen wie Analphabetismus, Urheberrecht oder der Finanzierung von Bibliotheken. Welche Resolutionen auf dem mittlerweile zu Ende gegangenen IVU-Kongress verabschiedet wurden, hier.

1998 erhielt er den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (mehr), jetzt wird er selbst Mitglied: der diesjährige Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino. Daneben sind Günter Herburger, Gert Heidenreich, Petra Morsbach, Ivan Kadlecik, Jorge Semprun und Adolf Muschg in die Akademie gewählt worden. Aufnahmetag ist der 1. Juli. Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Bill Clintons Memoiren "My life" sind bis zum Erstverkaufstag rund zwei Millionen Mal vorbestellt worden - in Deutschland erscheint der rund 11000 Seiten starke Wälzer unter dem Titel "Mein Leben" am 8. Juli bei Econ (siehe auch Buchreport). Die Auslieferung der Autobiografie von Gloria v. Thurn und Taxis, "Die Fürstin" (Heyne), ist per einstweiliger Verfügung gestoppt worden; in Passagen über den verstorbenen Ex-Manager des Fürstenhauses, Rolf Levedag, seien dessen Persönlichkeitsrechte verletzt worden. Die fiktive Tötung des Bundeskanzlers in Reinhard Liebermanns Krimi "Das Ende des Kanzlers" (Betzel) stellt eine "schwerwiegende Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts" dar, befand das OLG Hamburg und verbot die Veröffentlichung und Verbreitung des Titels.

Die Buchmacher vom 21.06.2004 - Börsenblatt

Auch Privatpersonen, die regelmäßig neue Bücher im Internet anbieten, müssen sich an das Preisbindungsgesetz halten. Diese kürzlich vom Oberlandesgericht Frankfurt getroffene Entscheidung wird unter anderem den Buchhandel über Ebay verändern. Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann begrüßte das Urteil, sprach gegenüber dem Börsenblatt von einem "guten und wichtigen Tag für den deutschen Buchhandel". Jetzt sei klargestellt, dass das Internet beim Verkauf von Büchern kein rechtsfreier Raum sei. Rechtsanwalt Christian Russ glaubt, dass neue Bücher nun vorsichtiger über Internet-Marktplätze angeboten werden.

Ein weiteres Urteil mit weitreichenden Folgen für die Buchbranche fällte das Landgericht Hannover: Das Land Niedersachsen darf keine Rabatte bei Schulbuchsammelbestellungen fordern. Thomas Wrensch, Vorsitzender des LV Niedersachsen des Börsenvereins, will bei Buchhandlungen, die gegen das Verbot der Nachlassgewährung verstoßen, Regressansprüche geltend machen. Er vermutet, dass das Land durch weitere gerichtliche Instanzen gehen wird.

Nordkorea beteiligt sich möglicherweise - trotz problematischer politischer Situation - am Gastlandauftritt Korea 2005 der Frankfurter Buchmesse. Buchmessedirektor Volker Neumann und sein Stellvertreter Holger Ehling stellten die Weichen für eine Teilnahme; bei einem Besuch in Pjöngjang führten sie Gespräche mit Regierungsvertretern und Verlagen. Neumann geht davon aus, dass eine Beteiligung Nordkoreas dem Gastlandauftritt "insgesamt mehr Aufmerksamkeit sichert". Von südkoreanischer Seite habe es bereits grünes Licht gegeben, weiß das Börsenblatt. Mit einer Entscheidung ist im Juli zu rechnen.

Dass die Deutschen immer älter werden, ist schlecht für die Sozialkassen - aber gut für Verlage und Buchhandel. "Die Älteren sind seine Kunden der Zukunft", schreibt Boris Langendorf, der die wirtschaftliche Entwickung für den Buchhandel beobachtet, im Börsenblatt. Senioren seien buchaffin und noch dazu kaufkräftig wie nie, erklärt der Wirtschaftsexperte. Langendorf glaubt, dass die ältere Generation für anspruchsvolle Literatur aus kleineren Verlagen und den Einkauf in individuellen Buchhandlungen einstehen wird.

Träger des Friedenspreises 2004 wird der 1950 in Budapest geborene Erzähler und Romancier Peter Esterhazy sein. Der Stiftungsrat würdigt den Preisträger als eine der weithin vernehmbaren Stimmen der Nachgeborenen, die die Zerstörung des Menschen durch Terror und Gewalt und seine Wiederauferstehung in Trauer und Ironie gestalte. Zuletzt war Esterhazy mit seinem autobiografischen Familienroman "Harmonia Caelestis" in den Fokus der Öffentlichkeit geraten - kurz vor Beendigung des Werks hatte der Autor erfahren, dass sein Vater 23 Jahre lang für die ungarische Geheimpolizei aktiv war (mehr im Perlentaucher-Archiv). Die Preisverleihung findet am 10. Oktober in der Frankfurter Paulskirche statt.

Jürgen Habermas (mehr) erhält im November den Kyoto-Preis, neben dem Nobelpreis eine der höchsten Auszeichnungen für Verdienste um Wissenschaft und Kultur. Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Der Europa Verlag Zürich legt im Herbst, 52 Jahre nach dem Tod seines Verlegers Emil Oprecht, wieder ein Programm vor: Sonderausgaben von Werken Thomas Manns, Albert Einsteins u.a.. Der Börsenverein klagt gegen den Dokumentlieferdienst für Bibliotheken, Subito, als Interessenvertreter der wissenschaftlichen Verlage - deren Geschäft leidet unter dem E-Mail-Versand von Aufsätzen zu sehr günstigen Konditionen, wie ihn Subito praktiziert. Der Anteil von Büchern und kartografischen Erzeugnissen am Gesamtumsatz der Druckunternehmen wird nach Angaben des Bundesverbands Druck und Medien immer geringer - in 2003 betrug er 6,9 Prozent (1995: 7,7 Prozent).

Die Buchmacher vom 14.06.2004 - Börsenblatt

"Ulysses", der Schlüsselroman des Iren James Joyce (mehr), spielt am 16. Juni 1904, welcher als "Bloomsday" zum Stichtag der literarischen Moderne wurde. Zum 100. Jahrestag am Mittwoch erscheinen eine Reihe von Novitäten, die wichtigste ist sicherlich die aufwändig kommentierte Ausgabe (bei Suhrkamp). Die sei grandios und ohne Vorbild - auch im angelsächsischen Raum - schwärmt Wolfgang Schneider im Börsenblatt. Vielleicht werde nun der eine oder andere Kritiker die moderne Aura der Unverständlichkeit vermissen.

Die Rechtschreibreform ist durch, das Regelwerk ab August 2005 verbindlich. Mit einigen von den Kultusministern gebilligten Modifikationen, die vor allem im Bereich der Zusammen- und Getrenntschreibung mehr Wahlfreiheit gewähren. Andreas Baer, Geschäftsführer der VdS Bildungsmedien e.V. (früher: Verband der Schulbuchverlage), begrüßte die Entscheidung als einen "wichtigen Schritt", der den Schulbuchverlagen die "nötige Planungs- und Rechtssicherheit" verschafft. Es sei nun an der Zeit, mahnt Baer im Börsenblatt, sich auf die sachliche Arbeit beim Fortgang der Reform zu konzentrieren.

Eine Insel der Glückseligkeit ist der deutsche Buchmarkt, verglichen mit dem britischen. Dank der Buchpreisbindung, klärt Verleger Pete Ayrton auf der Meinungsseite des Börsenblatts auf. In Großbritannien werde der Markt von vier, fünf Buchhandelsketten und ähnlich vielen großen Verlagshäusern beherrscht. "Verlage geben viel Geld aus, um Bücher zu bewerben und die Filialisten dafür zu bezahlen, die Titel gut zu platzieren. Die Folge ist eine Standardisierung des Produkts", klagt Ayrton. Alle Bücher eines Genres sähen in Großbritannien mittlerweile gleich aus.

Kaffeeröster Tchibo steigt mit dem Label TCM ins Buchgeschäft ein. In den 870 Filialen der Hamburger Kette steht seit kurzem eine einbändige Sonderausgabe zweier Titel der britischen Bestsellerautorin Fiona Walker im Regal - für 9,99 Euro. Es bleibe aber bei Einzelaktionen, teilte eine Unternehmenssprecherin dem Börsenblatt mit.

Peter Weber (mehr im Perlentaucher-Archiv) erhält am 3. September den Schlüssel zum Stadtschreiberhaus Bergen-Enkheim. Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Die Darmstädter Jury, der unter anderem Büchner-Preisanwärter Genazino (siehe buchreport.express) angehört, wählte Ulrike Draesners Erzählband "Hot Dogs" zum "Buch des Monats Juni". Zwischenbuchhändler Libri will mit insgesamt 100.000 Euro erfolgreiche Konzepte zur Nachfolgeregelung und Neugründung im Buchhandel prämieren. Die Mitglieder der Kultusministerkonferenz haben bei ihrer Sitzung in Mainz das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen - Wissenschaftliche Einrichtung der Länder an der Humboldt-Universität zu Berlin gegründet.

Die Buchmacher vom 07.06.2004 - Börsenblatt

Das ZDF lässt diesen Sommer, in Kooperation mit dem Börsenverein und der Stiftung Lesen, das Lieblingsbuch der Deutschen wählen. Der Startschuss zur Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" fällt in der Lesen!-Sondersendung am 6. Juli. Im Börsenblatt rufen Lesen!-Moderatorin Elke Heidenreich und Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann die Sortimenter auf, die "beispiellose Leseinitiative" zu unterstützen und Kunden zu motivieren, sich an der Wahl zu beteiligen. Für die Buchhändler könnten die demografischen Details des Wahlergebnisses (Was lesen Frauen, Männer, die verschiedenen Altersgruppen usw.?), die in ihrer Größenordnung deutschlandweit einmalig wären, interessant sein.

Der Bertelsmann Club geht weiter in die Offensive und setzt seine Prioritäten stärker aufs stationäre Geschäft. Bis Ende 2004 sollen in Berlin fünf und in Köln zwei Promotionshops, so genannte Smart Shops, eingerichtet werden. Für 2005 sind drei weitere geplant. Der Club wolle für die Dauer von drei bis vier Monaten vor allem Leerstände in Toplagen nutzen, beschreibt das Börsenblatt das neuerliche Konzept der Kundenwerbung. Im Berliner Europa-Center seien auf diese Weise in zwei Wochen 200 neue Mitglieder gewonnen worden.

Taschenbuch-Verlage sehen sich einem steigenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt. "Präsenz im Handel" und "Wahrnehmung der Marke" sind derzeit wichtige Stichworte in den Marketingabteilungen der Verlage, schreibt das Börsenblatt. In den Häusern Aufbau, S. Fischer, Piper, Rotbuch, Rowohlt und Suhrkamp wird es in Kürze Sonderaktionen geben. Bei Rowohlt Taschenbuch erscheint beispielsweise im November das Paket "10 Meisterwerke für unterwegs". Dabei handelt es sich um Spitzentitel, deren Umschläge jeweils ein weltbekanntes Gemälde zeigen. Als Zusatz-Bonbon erhalten die Käufer eine Postkarte und ein Lesezeichen mit dem Cover-Motiv.

Stationäre Buchhändler mit eigenem Online-Auftritt haben im vergangenen Jahr nur einen geringen Teil ihres Umsatzes im Internet erwirtschaftet - eines der Ergebnisse einer Umfrage des Börsenvereins. Die Erwartungen an das Online-Geschäft seien nach wie vor hoch. Rund 70 Prozent der Sortimenter hätten 2003 im Vergleich zum Vorjahr mehr Geld über das Internet eingenommen.

Die Verfilmung von "Harry Potter III" läuft seit Donnerstag in den deutschen Kinos. Die meisten Buchhändler rechneten mit einem leichten Anstieg der HP-Nachfrage, besonders die Filialisten erwarteten mehr Umsatz, ergab ein Rundruf des Börsenblatts. Die Lager seien aber noch gut gefüllt, Nachbestellungen die Ausnahme.

Im Comic-Bereich deuten sich neue Trends an. Schwere Zeiten könnten bald auf Comic-Buchhandlungen zukommen. This Kahn, der demnächst seine "Comic-World" in Zürich schließt, erklärt im Börsenblatt: "Junge Comicleser laden sich neue Titel direkt aus dem Internet herunter. Der Manga-Hype hat zudem bei den Verlagen zu einer Vernachlässigung der anderen Comic-Genres geführt."

Wolf Jobst Siedler junior tritt in die Fußstapfen seines Vaters und startet im Herbst einen Verlag. Mit wjs will sich Siedler junior inhaltlich auf Bücher zur Zeitgeschichte und Politik konzentrieren. Der vor 20 Jahren von Wolf Jobst Siedler senior gegründete Siedler Verlag gehört mittlerweile zur Random House-Gruppe.

Claudia Lux hat am 1. Juni den Vorsitz des Deutschen Bibliotheksverbands übernommen. Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Die Cornelsen-Kulturstiftung beteiligt sich mit 250.000 Euro an den Kosten für die Restaurierung des Albert-Einstein-Hauses in Caputh (Potdam/Mittelmark).

Die Buchmacher vom 01.06.2004 - Börsenblatt

Wie es um kleine Verlage steht, fragt das Börsenblatt im "Thema der Woche". Unabhängige Verleger bemängeln die wachsende Unlust bei den stationären Buchhändlern, sich auf Neues einzulassen. "Für jeder verkaufte Buch müssen wir dreimal so viel Vertriebsarbeit leisten wie vor 20 Jahren", klagt Transit-Verleger Rainer Nitsche. "Man muss stärker trommeln in der 'Abteilung Radau'", sagt auch Verlegerkollege Klaus Schöffling. "Der Interessenlosigkeit, der großen Müdigkeit des Sortimentbuchhandels kann man nur mit Außenwirkung entgegentreten." Von einer allgemeinen schweren Krise des Buchhandels und insbesondere der kleineren Verlage zu sprechen, sei fahrlässig, warnt Bernd Weidmann, Geschäftsführer des Werkstatt-Verlags. Strukturelle Verschiebungen und Kostenprobleme gehörten zum ganz normalen Geschäftsleben.

Die aus dem Arabischen übersetzten Novitäten im Sommer und Herbst sind vermutlich Stoff genug für das deutsche Publikum - und den Buchmesse-Schwerpunkt. Doch sie könnten untergehen. "Problematisch für die orientalische Literatur erweist sich der Umstand, dass es kaum Kritiker gibt, die darauf spezialisiert sind", schreibt Autor und Übersetzer Stefan Weidner im Börsenblatt. Von den großen Zeitungen ließen nur NZZ und FAZ regelmäßig Bücher aus dem arabischen Raum besprechen.

Am 8. Juni wird das Urteil im Rechtsstreit zwischen einem Darmstädter Buchhändler und einem so genannten Ebay-Powerseller wegen Verstößen gegen die Preisbindung erwartet. Im Börsenblatt hebt Christian Russ, der den Buchhändler vertritt, die Spezifität des Verfahrens hervor und widerspricht somit dem Spiegel. Der hatte, unter Berufung auf Experten gemeldet, dass es sich um einen Präzedenzfall handle. Der Powerseller soll ungelesene Rezensionsexemplare, die er als Journalist kostenlos von den Verlagen erhält, verscherbelt haben. Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels habe seit Einführung des Preisbindungsgesetzes mehr als 150 Fälle dieser Art verfolgt, weiß das Börsenblatt.

Nach dem Vorbild der SZ-Bibliothek hat die Arbeitsgemeinschaft von Jugendverlagen (AvJ) die Planung einer Kinder- und Jugendbibliothek angestoßen. Damit solle der jüngeren Leserschaft ein interessanter Querschnitt von Kinder- und Jugendbüchern angeboten werden, berichtet das Börsenblatt. Das Buchpaket könnte nach den Vorstellungen der AvJ-Verleger etwa 50 Titel aus der Backlist der Verlage umfassen. Im Gegensatz zur SZ-Bibliothek wollen sie die Auflage limitieren.

Der Piper Verlag feierte am 19. Mai sein 100-jähriges Bestehen und stiftete aus diesem Anlass dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach sein historisches Verlagsarchiv. Die Sammlung umfasse, so das Börsenblatt, unter anderem Schriftstücke von Arno Holz, Marc Chagall, Ingeborg Bachmann und Karl Jaspers.

Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Der Versandbuchhandel hat sich in 2003 gegenüber dem Vorjahr mit einem Plus von 9,3 Prozent behauptet: Während die reinen Online-Händler um 15 Prozent zulegen konnten, melden die traditionellen Versender ein Plus von einem Prozent. Am 9. Juni verkündet das Bundesverfassungsgericht sein Urteil im Streit um die Ladenschlusszeiten. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat das Buch "Der Jahrhundertbetrug" von Arthur R. Butz auf den Index gesetzt.

Die Buchmacher vom 24.05.2004 - Börsenblatt

Buchhandlungs-Mitarbeiter werden demnächst Berater in Sachen Musik. Wenn's nach Hoffmann & Campe geht. Die Vertreter des Hamburger Verlags werden auf ihrer Herbstreise erstmals 500 Klassik- und Jazz-Titel von Universal mit im Gepäck haben. "Buchkäufer sind nachweislich in hohem Maße auch an Klassik und Jazz interessiert. Außerdem ist der CD-Fachhandel (...) in vielen Städten stark ausgedünnt", erklärte HoCa-Vertriebsleiter Uwe Marsen das Betreten neuen Terrains. Er sehe eine enorme Chance, insbesondere für das mittelständische Sortiment, so Marsen im Gespräch mit dem Börsenblatt. Die Buchhändler bekämen zur Einarbeitung umfassendes Informationsmaterial an die Hand.

Nachdem das deutsche Außenministerium die Renovierung der Germanistischen Bibliothek der Uni Bagdad mit 20.000 Euro unterstützt hat, werden in den kommenden Wochen rund 10.000 Bücher deutscher Verlage in den Irak geschickt. Die Spendenaktion unter dem Motto "Bücher für den Irak" hat Außenminister Joschka Fischer ins Leben gerufen. Verschiedene Institutionen hätten sich daran beteiligt, meldet das Börsenblatt, darunter auch der Börsenverein und die Frankfurter Buchmesse.

Der vom Statistischen Bundesamt ermittelte Preisindex Bücher lag im April um 2 Prozent über dem Vergleichsmonat des Vorjahres.

Große Hoffnungen der Druckindustrie ruhen auf dem neuen Job Definition Format (JDF), das auf der Druckmesse drupa (mehr), die Mittwoch zu Ende ging, vorgestellt wurde. Die neue Systemsprache ermögliche es, Informationen mit einem international festgelegten Standard reibungslos zwischen den einzelnen Produktionsschritten fließen zu lassen, erläutert das Börsenblatt. Das zweite große Thema bei der Drupa seien direkt in den Druckprozess integrierte Veredlungstechniken für Printprodukte gewesen.

Mit dem Internet-Buchhandel haben Verlagsauslieferungen in 2003 6,7 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet. Das geht aus der jüngsten Logistik-Umfrage des Börsenvereins hervor, bei der erstmals gesonderte Zahlen für den Online-Buchhandel abgefragt wurden.

Der Autor und Lyriker Ludwig Fels (mehr) erhält den Wolfgang-Koeppen-Preis. Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Heinrich v. Berenberg - 20 Jahre lang Lektor, Übersetzer und Herausgeber für Wagenbach und Antje Kunstmann - geht im Herbst mit dem eigenen Berenberg Verlag an den Start. Die zehnstellige ISBN wird nach gut 30 Jahren umstrukturiert und ab Januar 2007 um drei Stellen erweitert. Nach der erfolgreichen Kooperation von Süddeutscher Zeitung und fünf Verlagen, die die SZ-Bibliothek hervorbrachten, arbeitet nun die Zeit mit B.I. & F.A. Brockhaus an einer gemeinsamen Aktion: Ab 27. Mai liegt der Zeit vier Wochen lang je eine Brockhaus-Wissens-CD-Rom bei. Das deutsche PEN-Zentrum fordert eine komplette Rücknahme der Rechtschreibreform.

Die Buchmacher vom 10.05.2004 - Börsenblatt

Die Verlagsumsätze sind in 2003 im Vergleich zum Vorjahr um "nur" 1,1 Prozent (2002: minus 2,8 Prozent) gesunken. Das geht aus einer Umfrage des Börsenvereins hervor, an der sich 458 Verlage beteiligt haben. Um Umsatzausfälle wettzumachen, hätten die Verlage die Kostenschraube angezogen: Die beiden größten Kostenblöcke, Herstellung und Personal, wurden jeweils um rund drei Prozent zurückgefahren. Autoren hätten sich über mehr Geld freuen dürfen: Knapp sechs Prozent gaben die Verlage mehr für Honorare aus. In die Zukunft blicken die befragten Verlage optimistisch. Für 2004 erwarten 35 Prozent eine Umsatzsteigerung und 50 Prozent stagnierende Erlöse.

Der Konflikt um Parallelausgaben (siehe Archiv) mit dem Bertelsmann Club ist - im Prinzip - beigelegt. "Vertreter des Börsenvereins und des Clubs haben sich nach einer Reihe von Gesprächen auf einen Kompromiss geeinigt, der in der Anerkennung des Potsdamer Abkommens besteht. Dieses wird im Sinne der alten Regelung fortgeschrieben", schreibt das Börsenblatt. Die Eckdaten des Kompromisses: Mindestabstand zwischen Originalausgabe und Erstankündigungstag beim Buchclub: vier statt bislang sechs Monate, Preisdifferenz: maximal 15 Prozent. Eine Ausnahme sind Bücher, die sich auf kurzfristig anstehende, öffentliche Termine wie die Fußball-WM beziehen. Der Club verpflichtet sich, keine vergleichende Werbung mehr in der Öffentlichkeit zu schalten. Das modifizierte Abkommen soll zehn Jahre gelten. Hier der vollständige Artikel.

Zahlreiche Bücher hat Volk & Welt, zu DDR-Zeiten ein Synonym für internationale Literatur, noch nach der Wende herausgebracht. 2001 war der Verlag dann wirtschaftlich endgültig am Ende, wurde von Random House aufgekauft und inkorporiert, der Verlagsname gelöscht. Verleger Klaus G. Saur preist im Börsenblatt begeistert die jüngst erschienene Dokumentation der Verlagsgeschichte von Volk & Welt, "Fenster zur Welt" (Ch. Links) an: "Allen Buchliebhabern, Verlegern und Buchhändlern ist sie uneingeschränkt zu empfehlen." Es gebe, so Saur, keinen besseren und keinen schöneren Beitrag zur Geschichte des DDR-Verlagswesens oder zu Geschichte der internationalen Literatur der vergangenen 50 Jahre.

Der Verleger-Ausschuss kritisiert Amazon. Anstoß nehmen die Verleger an der "Search inside the book"-Funktion, die dem Unternehmen durch die Weitergabe von Texten einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffe.

Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Seit der umstrittenen Verschiebung der sonntäglichen ARD-Kulturmagazine auf 23 Uhr, schalten ein Drittel weniger Zuschauer ein. Trotz der Verkürzung der Frankfurter Buchmesse, die dieses Jahr bereits am Sonntag schließt, soll der Buchverkauf am letzten Ausstellertag beibehalten werden. Die USA exportierten in 2003 Bücher im Wert von 28,7 Millionen Euro nach Deutschland, das sind 17,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Berliner Parthas Verlag bietet ab Herbst neben Sachbüchern auch belletristische Titel an. Die Genossenschaft eBuch steigt in den Zwischenbuchhandel ein und legt ein eigenes Zentrallager mit Vollsortiment an - bisher planen 30 Mitgliedsbuchhandlungen, sich an dem Projekt beteiligen.