Heute in den Feuilletons

Ein Gedanke wie eine Granate

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.11.2010. Unentschuldbar findet Richard Wagner in der NZZ Oskar Pastiors Securitate-Dienste. In der FAZ dagegen hätte Ernest Wichner gern mal ein paar handfeste Beweise statt Gerüchten über die angebliche Spitzeltätigkeit Pastiors. Im Blog Neunetz fragt Marcel Weiss, warum Deutschland in 12 Jahren Internet keine einzige internationale Erfolgsgeschichte aufzuweisen hat. Die Welt sieht den Kulturalismus der Uno blamiert. Die Zeit gibt Mina Ahadi Schuld an der Verhaftung zweier deutscher Journalisten im Iran. Die SZ erzählt wie einem verliebten albanischen Maler etwas zuviel Himmelblau zum Verhängnis wurde.

NZZ, 18.11.2010

Unentschuldbar findet der Autor Richard Wagner die Securitate-Dienste Oskar Pastiors, die durch die jüngsten Veröffentlichungen konkretere Gestalt angenommen haben: "Pastior handelte nicht aus Überzeugung, er war allem Anschein nach in seine Rolle bei der Securitate aus Angst geraten, er fürchtete zu Recht das Gefängnis. Angst ist in einer solchen Situation nicht nur verständlich, sie ist durchaus legitim, sie legitimiert aber zu nichts, auch zur Denunziation nicht. Angst ist kein Freibrief, und auch Homosexualität ist es nicht, selbst wenn sie als Straftat gilt. Es gibt Angelegenheiten, bei denen es ums Prinzip geht, nicht ums Detail. Man kann sich nicht aus der Schlinge ziehen und sie anschließend einem anderen umlegen."

Weiteres: Uwe Justus Wenzel schreibt zum heutige Welttag der Philosophie. Andreas Kilcher erinnert an den 1910 in Lemberg geborenen Ökonomen und Religionsgelehrten Friedrich Weinreb. Besprochen werden auf der Filmseite der erste Teil des letzten Harry-Potter-Bands "The Deathly Hallows" und Julian Schnabels Palästina-Drama "Miral (das Bettina Spoerri nicht mal als gutgemeint durchgehen lässt) sowie Arno Camenischs Prosaband "Hinter dem Bahnhof" (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Aus den Blogs, 18.11.2010

Und das ist jetzt - was Netzthemen angeht - die progressivste Partei in Deutschland, seufzt Marcel Weiss nach dem netzpolitischen Kongress der Grünen am Wochenende. Es ging nur um Risiken. Wie wärs mal mit etwas Experimentierfreude? "Für diese Experimentierfreude braucht es Unternehmergeist. Den gibt es in den USA, nicht so sehr in Deutschland. Dass die USA international so erfolgreich im Web ist, liegt nicht allein daran, dass der Heimatmarkt und der Talentepool größer sind. Das hilft, ist aber nicht der alleinige Auslöser für den enormen wirtschaftlichen Erfolg, den die USA im Web hat. Schweden, ein kleineres Land als Deutschland, kann gerade mit dem Musiksstreaming-Dienst Spotify eine internationale Erfolgsgeschichte vorweisen. Frankreich hat den Shoppingclub Vente-Privee. Deutschland hat in 12 Jahren Internet im gesellschaftlichen Mainstream nicht eine einzige internationale Erfolgsgeschichte auf die Beine bekommen."

Gestern brachte die SZ eine Doppelseite über die "Giganten in Jeanshosen" von Facebook, Apple und Google, die auf unsere "Seelen" aus sind. Bei Carta zeigt sich Christoph Kappes leicht fassungslos, angesichts der geballten Heuchelei. Er zitiert ein Beispiel zu den Gewinnzahlen: "'Apple, ein ehemals siecher Hardware-Hersteller, der vor etwas mehr als 10 Jahren seine auch damals schon sehr schönen Produkte kaum an den Mann zu bringen wusste, treibt inzwischen mit jedem Quartal Umsatz und Gewinn in die Höhe.' Bei Apple und Google seien 'schon diese Margen ? mythisch'. Hier halten wir uns kurz bei der Frage auf, was an diesem Margen 'mythisch' ist: Sind Margen der alten Griechen bekannt? Sind 25 Prozent Umsatzrendite viel - oder vielleicht das Ziel vieler Unternehmen, von deutschen Banken bis Werbeholdings? Was ist eigentlich das Renditeziel der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH), die 2002 immerhin knapp 20 Prozent erzielte und wie muss man die EBITDA-Rendite Axel Springers in Höhe von 26,3 Prozent im Segment Zeitungen national attributieren?"

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat entschieden, "dass die Presse einen Anspruch auf Auskunft über die objektiven Begleitumstände des Todes der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig hat", meldet Florian Rötzer bei Telepolis. Die erbetenen Auskünfte könnten nicht mit dem Hinweis auf schutzwürdige Interessen der Verstorbenen oder ihrer Hinterbliebenen verweigert werden: "Das Gericht sieht ein legitimes öffentliches Interesse an den Hintergründen des Tods gegeben, weil Heisig der Öffentlichkeit bekannt war und weil es Vermutungen über einen Zusammenhang zwischen ihrem Tod und ihrer Arbeit gibt."

Perlentaucher, 18.11.2010

Thierry Chervel schreibt: "Ein ungutes Schweigen umgibt den Fall der beiden deutschen Journalisten, die vom iranischen Regime mit Spionagevorwürfen ins Gefängnis gesteckt wurden, weil sie über die drohende Steinigung Sakineh Ashtianis berichten wollten."
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Stichwörter: Thierry Chervel

FR, 18.11.2010

Sven Hanuschek resümiert die immer wieder aufflackernde Debatte über Alfred Anderschs Verhalten im Nationalsozialismus. Besprochen werden David Yates' Verfilmung von "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1", Hirokazu Kore-edas Film "Still Walking", ein Auftritt von Root 70 beim Festival Enjoy Jazz in Mannheim, Daniela Löfflers Inszenierung von Ibsens "Wildente" in Düsseldorf und Lisa Cholodenkos Film "The Kids Are All Right" mit Julianne Moore und Annette Bening als Ehepaar.

Welt, 18.11.2010

Ziemlich blamiert sieht Richard Herzinger die Unesco dastehen, die sich erst durch weltweite Proteste davon abbringen ließ, ihren heutigen Welttag der Philosophie in Teheran abzuhalten: "Die Unesco folgt der politischen Logik eines Kulturalismus, der die Harmonie zwischen allen Mitgliedstaaten der UN herstellen will, indem er im Namen des schwammigen Begriffs der 'Kultur' von den politischen Formen und moralischen Prämissen abstrahiert, unter denen sich unabhängiges Denken überhaupt entwickeln kann. Genau das aber machen sich Diktaturen wie die der Islamischen Republik Iran systematisch zu Nutze."

Weiteres: Peter Beddies konnte beim Besuch am Filmset im schwedischen Trollhättan Lars von Trier eine Information über den neuen Film "Melancholia" entringen: "So viel Science Fiction steckt nicht drin. Aber es geht um zwei Schwestern und die Kollision der Erde mit einem Planeten." Franziska Felber feiert "Calvin und Hobbes", die vor 25 Jahren das Licht der Comicwelt erblickten.

Besprochen werden eine laut Manuel Brug großartige, nur leicht "dunkeldeutsch" dräuende Inszenierung von Paul Hindemiths "Mathis der Maler" an der Pariser Bastille-Oper, Julian Schnabels Palästina-Film "Miral" (laut Hanns-Georg Rodeks "hemmungslos naive Malerei"), die Take-That-Doku "Look Back, Don't Stare" und Adrian Marthalers Rossini-Inszenierung "Guillaume Tell" in Zürich.

TAZ, 18.11.2010

Ingo Arend berichtet über eine heftige Diskussion in Berlin zwischen den Architekten Vittorio Lampugnani und Hans Kollhoff. Gar nicht einig waren sie sich über die Gestaltung der Berliner Mitte: "Als Lampugnani nonchalant bekannte: 'Ich habe keine Probleme damit, dass die Mitte mal eine Zeit lang leer bleibt', brach der ganze Horror Vacui einer verunsicherten Klasse aus Kollhoff: 'Ohne so einen Halt kommt man nicht aus', begründete er sein bedingungsloses Plädoyer für die klassische Stadt mit einem klar definierten Zentrum."

Weiteres: Dagmar Leischow porträtiert die kanadische Rockmusikerin Melissa Auf der Maur, die derzeit in Deutschland tourt. Birgit Glombitza spricht mit Julian Schnabel über dessen neuen Film "Miral". Arno Frank unterhält sich mit dem britischen Songwriter Damon Gough alias Badly Drawn Boy über dessen neues Album "It's What I'm Thinking".

Besprochen werden Lisa Cholodenkos Film "The Kids Are All Right" über eine lesbische Kleinfamilie, und die DVD von Werner Herzogs "My Son, My Son, What Have Ye Done".

Und Tom.

Zeit, 18.11.2010

Im politischen Teil schreibt Mariam Lau zum Fall der beiden vom iranischen Regime ins Gefängnis gesteckten deutschen Journalisten. Die beiden hatten den Sohn der von Steinigung bedrohten Iranerin Sakineh Ashtiani interviewen wollen und wurden zusammen mit dem Sohn und dessen Anwalt festgenommen. Schuld an dem Desaster, das seinen bisherigen Höhepunkt jetzt in der Vorführung der Journalisten im iranischen Fernsehen (Auszüge bei RTL) hatte, ist für Lau die Menschenrechtlerin Mina Ahadi, die sich für Sakineh Ashtiani einsetzt: "In der deutsch-iranischen Exilopposition ist Mina Ahadi nicht besonders gut gelitten. Hat sie, so lautet ein oft geäußerter Verdacht, den Sohn Sakineh Ashtianis und die beiden ahnungslosen Journalisten in die Falle der Mullahs tappen lassen, um so ein Exempel zu statuieren?" (Und wer genau hatte diesen Verdacht "oft geäußert"? Ach richtig, das war das Fernsehen des Achmadinedschad, mehr zur "Logik der Beschwichtigung" hier.)

Khue Pham porträtiert den schwarzen Berliner Rapper Harris, zu dessen obersten Maximen gehört, ordentlich deutsch zu sprechen: "Harris musste zur Sunday School gehen. Die anderen Kinder lachten ihn aus, weil er Socken mit roten und blauen Streifen trug. Als sie herausfanden, dass seine Mutter weiß war, riefen sie: 'You Nazi!' Harris war umgeben von lauter Menschen, die aussahen wie er, aber er wurde von ihnen nicht akzeptiert, weil er woanders herkam. Er prügelte sich mit den anderen, er schrieb nach Kreuzberg, er heulte, als ihm seine Mutter ein Foto von sich schickte. Nach drei Monaten verkrachte er sich mit seinem Vater und flog zurück nach Berlin. Er war froh, wieder zu Hause zu sein, er wollte nie wieder in Amerika leben, er war ja kein Ami. Das wusste er jetzt. Er war Deutscher."

Das Feuilleton verehrt zu seinem hundertsten Todestag ausgiebig Leo Tolstoi. Unter anderem erklärt der Schriftsteller Wiktor Jerofejew: "Bei Dostojewski ist das Leben mit dem Gedankenband zusammengefasst, bei Tolstoi dreht sich ein Gedanke wie eine Granate, die gleich explodiert und den Fürsten Andrej Bolkonski tötet." Iris Radisch atmet beim grünen Grafen immer wieder Frischluft. Hier das ganz und gar unglaubliche Video von Tolstois Tod auf Youtube.

Weiteres: Angesichts der schnellen Abfertigung von Dominik Grafs Mafia-Epos "Im Angesicht des Verbrechens" wagen Katja Nicodemus und Christof Siemes die Vermutung, dass die ARD genau das Publikum erst geschaffen hat, das sich jetzt nicht für diese Serie interessiert. Außerdem flicht die Redaktion Woody Allen zum Fünfundsiebzigsten einen Strauß an Freundlichkeiten. Einige Körnchen Wahrheit, aber auch viel Postmarxismus, Depression und Kulturkritik findet Thomas Assheuer in Julien Coupas linksradikaler Widerstandsfibel "L'insurrection qui vient", das als "Der kommende Aufstand" jetzt auch hierzulande vorliegt. Roland Müller begegnet der Kritikerkritik des gefeierten Jungdramatikers Nis-Momme-Stockmann mit einer gehörigen Portion Herablassung: "Nur Talent? Oder doch Genie?"

Besprochen werden die Moholy-Nagy-Ausstellung "Kunst des Lichts" im Martin-Gropius-Bau, die Kleinfamilienkomödie "The Kids Are All Right" und Bücher, darunter Neuerscheinungen von und über Tolstoi, Uwe Tellkamps Dresdener Erkundungen "Die Schwebebahn" und Pierre Bourdieus "Algerische Skizzen" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages.)

Freitag, 18.11.2010

Lea Rosh, Markus Meckel und Wolfgang Wippermann unterhalten sich mit Jakob Augstein über die Frage, ob Denkmäler die richtige Medien unserer Erinnerung sind. Wippermann wird es langsam zu viel: "Wir haben hier alle zweihundert Meter ein Denkmal, das nutzt sich ab. Und dann muss auch noch jedes richtig groß sein, damit es keine Hierachisierung der Opfer gibt. Das Denkmal ist ein Medium des 19. Jahrhunderts. Seine Zeit ist vorüber."

Außerdem: Jörn Dege bringt dem Berliner Sukultur Verlag ein Ständchen, der Literatur in Automaten auf dem Bahnsteig verkauft.
Stichwörter: Jakob Augstein, Lea Rosh

FAZ, 18.11.2010

Recht scharf kritisiert der aus Banatschwaben stammende Autor Ernest Wichner, stellvertretender Vorsitzender der Oskar-Pastior-Stiftung, die unbewiesenen Vorwürfe Dieter Schlesaks (mehr in Schlesaks Blog), Pastior trage aufgrund fortgesetzter Spitzeltätigkeit eine Mitschuld am Selbstmord des Schriftstellers Georg Hoprich: "Wäre diese Geschichte wahr, das heißt, mit einem Bericht des IM 'Stein Otto' zu belegen, so wäre im Fall Oskar Pastior alles gesagt... Um aber solches auch nur in den Bereich des Vorstellbaren zu rücken, sollte man Beweise haben und nicht mit Gerüchten hantieren, die niemand auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen kann."

In einem sehr ins Detail gehenden und darum sehr interessanten Bericht erklärt Informatik-Experte Frank Rieger, was man aus der Schadwirkung des gegen iranische Atomanlagen eingesetzten Computerwurms Stuxnet über die Pläne der Angreifer bzw. ihre Vermutungen über die Urananreicherung im Iran lernen kann. Er resümiert dann: "Die Analyse von Stuxnet ist nicht vollständig abgeschlossen. Weitere Überraschungen und Erkenntnisse sind zu erwarten. Jedoch sind die deutlichen Indizien dafür, dass Stuxnet ein gezielter Cyber-Angriff auf die iranischen Anreicherungszentrifugen war, wohl nicht mehr wegzudiskutieren. Die IT-Sicherheitsbranche musste zähneknirschend eingestehen, dass ihre Verteidigungsmechanismen einem derart gezielten, hochklassigen Angriff derzeit nicht gewachsen sind."

Weitere Artikel: Jörg Heiser zeigt sich geradezu begeistert von Michaela Melians internetbasiertem Tonkunstwerk "Memory Loops", mit dem sie den Münchner Wettbewerb für ein innovatives Kunstwerk zum Gedenken an den Holocaust gewann. Eher wenig hält FAZ-Gastro-Experte Jürgen Dollase von der Idee, das französische Essen ins Unesco-Weltkulturerbe aufzunehmen - vor allem deshalb, weil es sich um ein keineswegs abgeschlossenes oder stillstehendes Gebiet handelt. Hans "Traufhöhe" Stimmann fordert eine traditionsbewusste kleinteilige Neubebauung in der Mitte Berlins. In der Glosse findet Daniel Haas, dass Rainer Langhans im Prinzip gut ins Dschungelcamp passt, wenngleich er sich als Veganer vor dem einen oder anderen dort verabreichten Wurm vielleicht ekeln wird. Über die Hintergründe der Öffnung des Grabes von Tycho Brahe in Prag - man sucht den Verdacht einer Quecksilbervergiftung zu widerlegen oder zu erhärten - informiert Lorenz Jäger. Auf der Medienseite erzählt Friederike Haupt aus Anlass der Ankündigung von Facebook, jetzt auch mit einer Kommunikationszentrale Googlemail Konkurrenz zu machen, wie Mark Zuckerbergs soziales Netzwerk immer schon erfolgreich auf Einfachheit statt Datenschutz setzt.

Für die Kinoseite ist Michael Althen zum Besuch des "Amazonas Film Festivals" bis nach Manaus in den brasilianischen Dschungel gereist. Nicht so weit hatte es Karen Krüger, die vom türkischen Filmfestival in Frankfurt berichtet. Über Jafar Panahis Verteidigung seiner selbst und des iranischen Kinos informiert Verena Lueken. Andreas Kilb stellt mit gewisser Skepsis Hans-Jürgen Syberbergs der Rekonstruktion seines Heimatorts Nossendorf gewidmete Ausstellung im Berliner Filmhaus vor. 

Besprochen werden die Ausstellung "Musik im okkupierten Polen 1939-1945" im Neuen Marstall Berlin, die CD-Gesamtedition der Klavierwerke des litauischen Malers und Komponisten Mikalojus Konstantinas Ciurlionis, Julian Schnabels Palästina-Film "Miral" und Bücher, darunter Nick Flynns Prosaband "Das Ticken ist die Bombe" (mehr dazu in der Bücherschau ab 14 Uhr).

SZ, 18.11.2010

In der Serie zu den "Schulen der Kunst" ist Kia Vahland nach Tirana gereist, wo der Maler Edi Hila - der Lehrer unter anderem von Anri Sala - die albanischen Künstler der Zukunft ausbildet. Hila selbst war einst unter dem kunstfeindlichen Regime Enver Hodschas aus dem Verkehr gezogen worden: "Edi Hila ist kein Rebell. Er wollte nicht malen wie Picasso. 'Mir ging es gut, und ich war so glücklich, weil ich gerade meine Frau Joanna kennengelernt hatte.' Deswegen habe er 1972 im Auftrag der Partei ein besonders freundliches Bild von jungen Menschen beim Bäumepflanzen gemalt. So fröhlich und dynamisch, dass etwas Himmelblau in den Kronen der Bäume landete und die Äste zum Schwingen brachte. Ungefähr so stellten sich die Parteichargen den Expressionismus vor und schickten Edi Hila auf unbefristete Zeit in eine Hühnerfabrik zur Strafarbeit."

Weitere Artikel: Von einem alles andere als erheiternden Kongress zur politisch-intellektuellen Situation Osteuropas in Bratislava berichtet Klaus Brill: die postkommunistischen Gesellschaften, so das Fazit, igeln sich ideologisch reaktionär ein, statt sich zu öffnen. Stephan Speicher sieht die deutsche Kulturpolitik bei Bernd Neumann in den besten Händen, bei Guido Westerwelle allerdings nicht. Auf der Kinoseite geht Amin Farzanefar der türkischen Blockbuster-Parallelgesellschaft in deutschen Kinos nach. Hans Schifferle lässt sich beim Filmfestival in Winterthur von Mark Morrisroes Film "Nymph-O-Maniac" aus dem Jahr 1984 schockieren. Thomas Steinfeld erlebt Joachim Kaiser bei seiner Abschiedsvorlesung an der Münchner Volkshochschule. In der "Dreckiges Dutzend"-Kolumne hört sich Karl Bruckmaier durch neue Popsampler.

Besprochen werden Inszenierungen von Ibsens "Nora" und "Die Wildente" in Oberhausen und Düsseldorf, der erste Halb-Potter "...und die Heiligtümer des Todes", Julian Schnabels Palästina-Epos "Miral" und der Peter-Handke-Doppelpack mit Malte Herwigs Biografie und dem neuen Werk des Autors "Immer noch Sturm" (mehr dazu in der Bücherschau ab 14 Uhr).