"Es hat in Deutschland
nie eine Entnazifizierung gegeben", sagt der Regisseur
Falk Richter im
FR-
Gespräch, das Katja Thorwarth anlässlich seiner Premiere von
Thomas Bernhards "Heldenplatz" an den Münchner Kammerspielen mit ihm geführt hat. Heute sei "
faschistisches Denken und rechtsextremes Gedankengut" wieder "salonfähig" geworden: "In Deutschland verschieben Neurechte und radikalisierte Konservative den politischen Diskurs immer weiter nach rechts. Die
Sprache wird gewaltsamer und heizt die reale Gewalt an: Die Anschläge in Halle und Hanau haben gezeigt, dass Juden und nichtweiße Menschen in Deutschland nicht mehr sicher sind. Der Staat hat die radikalen Rechten und ihre Gewaltexzesse nicht im Griff. Wichtige staatliche Institutionen wie die Polizei, die Bundeswehr oder der Verfassungsschutz sind selbst tief in
rechtsextreme Netzwerke verstrickt. Wer soll also den Opfern zu Hilfe eilen?"
In
Bergamo, im vorigen Jahr eine Corona-Hochburg, fand am Rande des Donizetti-Festivals eine Konferenz zur
Zukunft der Oper statt,
berichtet Michael Stallknecht in der
NZZ. Besprochen wurde unter anderem, wie man junges Publikum in die Oper locken könnte: "Um
potenziellen Empfindlichkeiten der heute Anfang 20-Jährigen entgegenzukommen, setzt die Tagung vorsorglich auch schon einmal auf ein ganzes Bündel angesagter Themen: Um mehr
Diversität, Geschlechtergerechtigkeit und die Umsetzung des
Klimaschutzes im Opernbetrieb geht es, um
moralisch einwandfreie Leitungsstrukturen und den Umgang mit rassistischen und Gender-Stereotypen in kanonischen Stücken. Wobei die Frage bleibt, ob sich mit so viel ausgestellter politischer Korrektheit nicht am Ende ebenso viele Zuschauer vertreiben wie eventuell neue hinzugewinnen lassen."
Markus Lüpertz gibt mit 80 Jahren sein
Regiedebüt mit "La Boheme" am Staatstheater Meiningen. Für das Buch zwei der
SZ haben Roman Deininger und Christiane Lutz den Maler einige Wochen begleitet und porträtiert. Sympathischer Typ! "Am Pausentisch des Malsaals, voll mit Baumkuchen, Fruchtgummi, Pinseln und Farben, klingt das so:
Emanzipation? Gute Idee, aber leider
unrealistisch, da komme der Sex dazwischen, bei dem seit jeher der Mann eine bestimmte Leistung erbringen müsse und die Frau eher nicht. Politik? Gute Idee, leider zu wenig Ideale. Kirche? Gute Idee, leider
alles verkackt. Und wer ist eigentlich diese Adele, der alle Feuilletons der Nation gerade seitenweise Berichterstattung widmen? Überhaupt, die
Feuilletons, alle ahnungslos."
Außerdem: Im
Tagesspiegel blickt Frederik Hanssen in die ungewisse Zukunft des
Theaters des Westens, dessen Untermietvertrag mit Stage Entertainment kommendes Jahr ausläuft. Für die
SZ porträtiert Till Briegleb die Schauspielerin
Barbara Nüsse, die derzeit als Pippi Langstrumpf und als Christian Krachts Mutter in "Eurotrash" am Hamburger Thalia Theater zu sehen ist.
Besprochen werden
Frank-
Lorenz Engels Inszenierung von
Albert Hussons "Wir sind keine Engel" im Frankfurter Remond-Theater (
FR) und
Mathias Schönsees Inszenierung von
Moritz Rinkes "Der Mann, der sich Beethoven nannte" an der Neuköllner Oper (
nachtkritik).