Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.12.2021 - Bühne

"Es hat in Deutschland nie eine Entnazifizierung gegeben", sagt der Regisseur Falk Richter im FR-Gespräch, das Katja Thorwarth anlässlich seiner Premiere von Thomas Bernhards "Heldenplatz" an den Münchner Kammerspielen mit ihm geführt hat. Heute sei "faschistisches Denken und rechtsextremes Gedankengut" wieder "salonfähig" geworden: "In Deutschland verschieben Neurechte und radikalisierte Konservative den politischen Diskurs immer weiter nach rechts. Die Sprache wird gewaltsamer und heizt die reale Gewalt an: Die Anschläge in Halle und Hanau haben gezeigt, dass Juden und nichtweiße Menschen in Deutschland nicht mehr sicher sind. Der Staat hat die radikalen Rechten und ihre Gewaltexzesse nicht im Griff. Wichtige staatliche Institutionen wie die Polizei, die Bundeswehr oder der Verfassungsschutz sind selbst tief in rechtsextreme Netzwerke verstrickt. Wer soll also den Opfern zu Hilfe eilen?"

In Bergamo, im vorigen Jahr eine Corona-Hochburg, fand am Rande des Donizetti-Festivals eine Konferenz zur Zukunft der Oper statt, berichtet Michael Stallknecht in der NZZ. Besprochen wurde unter anderem, wie man junges Publikum in die Oper locken könnte: "Um potenziellen Empfindlichkeiten der heute Anfang 20-Jährigen entgegenzukommen, setzt die Tagung vorsorglich auch schon einmal auf ein ganzes Bündel angesagter Themen: Um mehr Diversität, Geschlechtergerechtigkeit und die Umsetzung des Klimaschutzes im Opernbetrieb geht es, um moralisch einwandfreie Leitungsstrukturen und den Umgang mit rassistischen und Gender-Stereotypen in kanonischen Stücken. Wobei die Frage bleibt, ob sich mit so viel ausgestellter politischer Korrektheit nicht am Ende ebenso viele Zuschauer vertreiben wie eventuell neue hinzugewinnen lassen."

Markus Lüpertz gibt mit 80 Jahren sein Regiedebüt mit "La Boheme" am Staatstheater Meiningen. Für das Buch zwei der SZ haben Roman Deininger und Christiane Lutz den Maler einige Wochen begleitet und porträtiert. Sympathischer Typ! "Am Pausentisch des Malsaals, voll mit Baumkuchen, Fruchtgummi, Pinseln und Farben, klingt das so: Emanzipation? Gute Idee, aber leider unrealistisch, da komme der Sex dazwischen, bei dem seit jeher der Mann eine bestimmte Leistung erbringen müsse und die Frau eher nicht. Politik? Gute Idee, leider zu wenig Ideale. Kirche? Gute Idee, leider alles verkackt. Und wer ist eigentlich diese Adele, der alle Feuilletons der Nation gerade seitenweise Berichterstattung widmen? Überhaupt, die Feuilletons, alle ahnungslos."

Außerdem: Im Tagesspiegel blickt Frederik Hanssen in die ungewisse Zukunft des Theaters des Westens, dessen Untermietvertrag mit Stage Entertainment kommendes Jahr ausläuft. Für die SZ porträtiert Till Briegleb die Schauspielerin Barbara Nüsse, die derzeit als Pippi Langstrumpf und als Christian Krachts Mutter in "Eurotrash" am Hamburger Thalia Theater zu sehen ist.

Besprochen werden Frank-Lorenz Engels Inszenierung von Albert Hussons "Wir sind keine Engel" im Frankfurter Remond-Theater (FR) und Mathias Schönsees Inszenierung von Moritz Rinkes "Der Mann, der sich Beethoven nannte" an der Neuköllner Oper (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.12.2021 - Bühne

Nach dem Besuch einiger Theaterinszenierungen in Russland erkennt Kerstin Holm in der FAZ: "Da gesellschaftspolitische Themen wieder, wie zu Sowjetzeiten, in der Ersatzöffentlichkeit der Kultur verhandelt werden müssen, machen Inszenierungen Furore, die den Zynismus der im Zuschauersaal sitzenden, durch ihre Aufstiegsorientiertheit klassensolidarisch miteinander verbundenen besseren Gesellschaft unterhaltsam persiflieren, vorzugsweise im Gewand aktualisierter Klassiker." Etwa "Dmitri Krymows bitterer Abgesang auf Russlands europäische Kultur durch ein depressiv farcenhaftes Remake von Anton Tschechows 'Die Möwe', das er unter dem Titel 'Kostik' im Puschkin-Theater herausbrachte."

"Sie können davon ausgehen, dass auch bei uns nicht alle geimpft sind, aus unterschiedlichen Gründen. Damit müssen wir umgehen", sagt Tilman Michael, Chordirektor der Oper Frankfurt im FR-Gespräch mit Judith von Sternburg über Singen und Proben unter Pandemie-Bedingungen: "In den ersten Wochen wurde hier alles geprüft und auch umgerüstet. Sie sehen die beiden großen Luftreiniger dort vorne, die wir brauchten, weil ausgerechnet dieser Saal belüftungstechnisch nicht gut ist. Der Stand am Anfang war: Hier, wo sonst bis zu hundert Choristen gemeinsam proben, dürfen maximal acht Leute singen - aber nur, wenn wir Trennwände benutzen! Es bleibt kompliziert, und gerade Sänger werden damit wohl noch sehr lange zu tun haben, sofern nicht alle geimpft sind."

Außerdem: Im Standard-Interview mit Ljubiša Tošić spricht Barrie Kosky über seine Don-Giovanni-Premiere an der Wiener Staatsoper, die erneut nicht vor Publikum stattfindet. Die typischen Kampnagel-Themen "Postmigration, Postkolonialismus, Queerness" entdeckt Nachtkritiker Falk Schreiber nun auch beim Hamburger "Nordwind-Festival", das unter anderem mit Andreas Constantinous Stück "Champions" über den Corona-Tod seiner Eltern und deren Umgang mit seiner Homosexualität eröffnete. Besprochen wird Sharon Eyals "Rhapsody" an der Pariser Oper. (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.12.2021 - Bühne

Szene aus "Anfang und Ende des Anthropozäns". Foto: Konrad Fersterer

Science Fiction schaut sich Christine Dössel (SZ) vorerst lieber weiterhin im Kino an, auch wenn sie Jens-Daniel Herzogs Inszenierung von Philipp Löhles Science-Fiction-Stück "Anfang und Ende des Anthropozäns" am Staatstheater Nürnberg inhaltlich einiges abgewinnen kann. Aber: "Ein großer, verschiebbarer Plastikrahmen in Bildschirmform, wie er in Nürnberg als multifunktionales Requisit für die Zukunftswelt dient, stinkt dagegen schon mal ab (Ausstattung: Mathias Neidhardt); auch wenn die fantasievolle Analogumsetzung prinzipiell einen besonderen Charme haben kann (könnte) und natürlich auch die Nürnberger mit Videoprojektionen (Karolin Killig) arbeiten. Aber es schaut doch immer ein wenig nach ambitioniertem Jugendtheater und Unterfinanzierung aus. Wo wir die Zukunft doch von Regisseuren wie Ridley Scott und Christopher Nolan viel hochwertiger kennen.

Für die taz besucht Judith Poppe den Zentralen Busbahnhof in Tel Aviv, "ein siebenstöckiges Monstrum aus Beton", in dem kulturelle Nischenprojekte untergekommen sind und das nun dichtgemacht werden soll: "Nitai Naman hat dort gemeinsam mit ihrem 2020 verstorbenen Vater professionelles Qualitätstheater aufgebaut und einen Treffpunkt für Anwohner. Kinder aus den umliegenden Vierteln, deren Eltern aus Äthiopien und Eritrea geflohen sind, erhalten hier die Möglichkeit, sich auszudrücken. Gefährdete Jugendliche aus der Nachbarschaft erlernen Bühnenberufe und nehmen an Empowerment-Workshops teil. 'Es passiert so viel Gutes hier', sagt die 57-jährige Theaterdirektorin und bricht in Tränen aus: 'Ich weiß nicht, ob wir das anderswo fortsetzen können.' Von der geplanten Schließung hat Nitai Naman erst aus den Medien erfahren. Niemand hat sie vorab informiert, sie hat keine schriftliche Kündigung erhalten."

Besprochen werden das Stück "Mère", das der frankolibanesische Autor, Theaterregisseur und Chef des Pariser Theatre de la Colline Wajdi Mouawads inszenierte und der kritisierte wurde, weil er den wegen Totschlags an seiner Freundin verurteilten ehemaligen Noir-Désir Sänger Bertrand Cantat für das Stück engagierte (Tagesspiegel), die Musical-Version der ZDF-Serie "Ku'damm 56" im Berliner Theater des Westens (Welt), Péter Eötvös' Oper "Sleepless" an der Berliner Staatsoper (Zeit) und Dmitri Tcherniakovs Inszenierung der "Elektra" von Richard Strauss in Hamburg (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.12.2021 - Bühne

In der NZZ stellt Regine Müller die Amsterdamer Operndirektorin Sophie de Lint vor, die als Intendantin für Zürich gehandelt wird. Besprochen werden Sharon Eyals neue, "energiegeladene" Choreografie "Promise" im Staatstheater Wiesbaden (FR) und Dennis Kellys Stück "Der Weg zurück" am Berliner Ensemble (das FAZ-Kritikerin Irene Bazinger schon bei der Uraufführung verstaubt findet).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.11.2021 - Bühne

Auch der Karpfen hat Zähne: Peter Eötvös' "Sleepless". Foto: Gianmarco Bresadola/ Staatsoper Berlin

An der Berliner Staatsoper wurde Peter Eötvös' neue Oper "Sleepless" nach Jon Fosses norwegischer "Trilogie" uraufgeführt. In der FAZ findet Jan Brachmann die Musik vielleicht etwas zu traditionell, dekorativ-illustrativ, aber die kühle Eleganz, die Eötvos glitzern lasse, kann den Kritiker doch auch betören: "Zarte Musik für eine harte Welt: erlesen perlende Harfentropfen, fischschuppig schillernde Flöten- und Klarinettenakkorde, warmer Hörnerglanz wie von flüchtigen Sonnenflecken auf dem Küstensaum unter zerzupften Kaltfrontwolken des Nordatlantiks, dazu ein fein gewirktes Gespinst der Streicher, manchmal knapp dreißigfach in Einzellinien unterteilt, aber in jeder Szene durch den Bezug zu einem wichtigen Zentralton gestützt; nicht einmal der Tod haut hier - wie noch bei Giuseppe Verdi - auf die große Trommel; er klöppelt knochentrocken, aber immer noch zart, auf der Marimba, bevor er sich wieder einen holt oder holen lässt durch Asle, den jungen zornigen Mann aus dem Dorf Dylgja."

Im Tagesspiegel hätte sich Christiane Peitz diese Moritat über prekäre Existenzen in einer herzenskalten Gesellschaft gern gefallen lassen, die Librettistin Mari Mezei aus Fosses archaische Märchen destilliert hat. Aber einen Einwand hat sie doch: "Wenn in den Klassikern der Operngeschichte Frauen sterben oder gerettet werden müssen, während die Männer handeln, misshandeln oder töten, mag das den Rollenbildern ihrer Entstehungszeit geschuldet sein. Aber eine Uraufführung im Jahr 2021, in der eine schutzlose, minderjährige Mutter mit dem Zerrbild der Hure korrespondiert und die zahlreichen Nebenfiguren ein überkommenes Macho-Klischee verkörpern, bis hin zu Arttu Kataja als gütigem Retter in versöhnlicher Baritonlage?"

Weiteres: Robert von Lucius beklagt in der FAZ das Ende der legendären Handspring Puppet Company aus Kapstadt. Besprochen werden Dennis Kellys Dystopie "Der Weg zurück" am Berliner Ensemble (Tsp), Georg Büchners "Lenz" am Landestheater Vorarlberg als Livestream (Standard)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.11.2021 - Bühne

Thom Luz' Aristophanes-Inszenierung "Wolken, Vögel, Reichtum. Foto: Sandra Then 

Obwohl es in München gerade nicht ganz leicht ist, ins Theater zu kommen, kann SZ-Kritikerin Christiane Lutz die Aristophanes-Inszenierung von Thom Luz dringend empfehlen, die im Münchner Cuvilliéstheater. Eskapismus vom Feinsten: "Aus Aristophanes' Motiven hat Luz ein rätselhaftes Stück über das Denken gebastelt und den beklemmenden Moment, in dem man mit dem Denken nicht mehr hinterherkommt und das Chaos im Kopf zulassen muss."

Österreichs Theater sind wieder geschlossen, die Empörung ist groß. Doch der Wiener Staatsoper-Intendant Bogdan Roscic will dagegen nicht opponieren, wie er im Standard-Interview mit Stephan Hilpold erklärt: "Wir wollen uns an der Staatsoper nicht als Virologen betätigen. Es nervt nichts mehr als zusätzlicher Meinungsmüll von inkompetenter Seite. Man muss aber ehrlich sein: In den letzten Wochen war es schwer, das Infektionsrisiko für die Mitwirkenden zu beherrschen. Wir waren an mehreren Abenden knapp vor der Absage... Wer da von Staatsversagen spricht, hat noch nie einen 'ailed state' erlebt. Mir ist das zu aufgeregt. Aber das wirkliche Thema ist doch das Abgleiten von Teilen der Gesellschaft in völlige Irrationalität und wie sich die dann auch noch durchsetzt. Das hat und wird noch andere politische Auswirkungen haben, lange nach Corona. In was für einem Moment leben wir, wenn man zur Ultima Ratio der Impfpflicht greifen muss, weil Millionen von Menschen mit Vernunftgründen nicht mehr erreichbar sind?"

Besprochen werden Stefan Puchers Inszenierung von Christian Krachts "Eurotrash" für das Hamburger Thalia (mit einer sehr markanten Barbara Nüsse, wie Michael Laages in der Nachtkritik hervorhebt), Davis Böschs Inszenierung von Dennis Kellys Ökodystopie "Der Weg zurück" am Berliner Ensemble (Nachtkritik), Leos Janáceks "Katja Kabanowa" an der Komischen Oper (Tsp), die ZDF-Serie "Ku'damm 56" mit Musik vom Rosenstolz-Duo im Theater des Westens (Tsp) sowie Alice Birchs "Anatomy of a suicide" in Hannover und Guillermo Arriagas "Der Wilde" in Köln (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2021 - Bühne

Ulrich Lenz, bisher Chefdramaturg an der Komischen Oper Berlin, wird ab 2023 die Intendanz an der Grazer Oper übernehmen, meldet der Standard mit APA. Irene Girkinger, derzeit Intendantin der Vereinigten Bühnen Bozen, wird ab 2023 Johannes Reitmeier als Intendantin des Tiroler Landestheaters ablösen, meldet ebenfalls der Standard mit APA.

Besprochen wird Thom Luz' Aristophanes-Inszenierung "Die Wolken, die Vögel, der Reichtum" am Cuvielliestheater in München (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.11.2021 - Bühne

Beim Film laut der Theaterregisseurin Magz Barrawasser in der Nachtkritik längst üblich - und beim Theater dringend nötig: Intimitätskoordinatoren, die dafür sorgen, dass "intimitätssensibel" gearbeitet wird. Denn bisher gelte: "Wenn man Glück hat, hat man ein sympathisches Gegenüber für die Kussszene und bespricht in der Garderobe, ob die szenischen Berührungen in Ordnung sind. Wenn man Glück hat, reagiert die Regie offen auf Vorschläge für die körperliche Nähe. Wenn man Glück hat, steht beim Blitzumzug nicht jedes Mal jemand auf der Seitenbühne und guckt zu."

Was gilt denn nun beim Besuch der Berliner Bühnen, fragt Frederik Hanssen im Tagesspiegel. Laut Klaus Lederers Pressesprecher Daniel Bartsch bestehe "für die Häuser die Wahl zwischen drei Optionen: Fordern sie von den Geimpften und Genesenen zusätzlich noch einen tagesaktuellen Schnelltest, entfällt die Maskenpflicht am Platz. Gleiches gilt, wenn die Säle nicht voll belegt sind, sodass ausreichend Abstand gehalten werden kann. Andernfalls ist das Tragen eines medizinischen Mund-Nase- Schutzes während der gesamten Vorstellung obligatorisch."

Außerdem: Im Standard kommentiert Stephan Hilpold die Berufung von Kristina Hammer als neuen Präsidentin der Salzburger Festspiele.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2021 - Bühne

Tschaikowskys "Nussknacker" wird am Berliner Staatsballett nicht mehr gezeigt, ärgert sich Manuel Brug in der Welt: Schuld sei wieder mal Christiane Theobald, kommissarische Ballettdirektorin und "die angeblichen, von der farbigen französischen Tänzerin Chloé Lopes Gomes erhobenen Rassismusvorwürfe. Nachdem sie wie zehn andere fristgerecht gekündigt worden war, weil die unter Waltz vergrößerte Truppe wieder verkleinert wurde, behauptete sie, sie hätte sich für 'Schwanensee' weiß schminken müssen, ihr seien weiße Schleier verweigert und sie sei aufgrund ihrer Hautfarbe diskreditiert worden. Gezielt ging Lopes Gomes vor allem gegen eine Ballettmeisterin vor. Christiane Theobald aber gab in der Öffentlichkeit die Nichtwissende, kroch zu Kreuze, gelobte Besserung und - mahnte die betroffene Ballettmeisterin, ohne sie wirklich angehört oder nachgeforscht zu haben, gleich mehrmals ab. Vor dem Bühnenschiedsgericht einigte man sich im April 2021 auf ein Jahr Weiterbeschäftigung plus 16.000 Euro Abfindung für Lopes Gomez. Jetzt macht Theobald den ganz großen Kotau vor dem Zeitgeist und setzt den 2013 für 1,5 Millionen Euro produzierten 'Nussknacker' ab. Dabei müsste sie wissen, wie bedeutend der Exotismus nicht nur als Kunstströmung, sondern auch als Annäherung an fremde Kulturen war."

Im großen Zeit-Interview mit Peter Kümmel und Volker Weidermann spricht Angela Winkler über ihre Vorbereitung auf die Rolle der Mutter in Christian Krachts "Eurotrash", das derzeit an der Berliner Schaubühne gezeigt wird und die Erinnerung an die eigene Mutter. Die Managerin Kristina Hammer wird neue Präsidentin der Salzburger Festspiele, meldet der Standard. Besprochen wird Christopher Wheeldons "Cinderella"-Inszenierung am Bayerischen Staatsballett (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.11.2021 - Bühne

Christiane Rösingers "Planet Egalia". Foto: Dorothea Tuch / HAU

Herrlich vergnüglich findet Patrick Wildermann im Tagesspiegel Christiane Rösingers feministisches Singspiel "Planet Egalia" im Berliner HAU, das recht frei nach dem Roman "Die Töchter Egalias" der norwegischen Autorin Gerd Brantenberg vom männlichen Aufbegehren gegen das Matriarchat erzählt: "Bei Brantenberg tragen die Männer einen PH, einen Penishalter ('Größe 6 mit A-Röhre'), schämen sich ihrer Körperbehaarung, schmeißen den Haushalt und werden dafür von den Ernährerinnen geringgeschätzt... Allerdings weiß auch Rösinger, dass Brantenbergs mehrhundertseitiger Roman sich nach einer Weile erschöpft, weil das Prinzip ja nicht so schwer zu verstehen ist und der Raum für Überraschungen entsprechend begrenzt. Und dass sich der Geschlechterkampf in Zeiten fluider Gender-Identitäten etwas komplexer und frontenreicher präsentiert. 'Inzwischen ist Feminismus so populär, dass er gar nichts mehr bedeutet', ächzt die Künstlerin einmal. Klar, sie polemisiert immer noch gern gegen die 'RZB' (sprich: Romantische Zweierbeziehung). Aber bei all dem kommt ihr der Klassenkampf zu kurz ('Es reicht nicht aus, wenn wir nur gendern, wir müssen bald mal alles ändern', heißt es in einem Song)."

Jetzt schließen die Theater wieder, es ist zum Verzweifeln. Noch härter dürfte die Theater getroffen haben, dass sie in Sommer und Herbst nicht gerade vom Publikum überrannt wurden, meint Georg Kasch in der Nachtkritik. Dagegen müssen sie etwas unternehmen: "Die Menschen sind entwöhnt. Der Soziologe Hartmut Rosa argumentiert, dass der Hunger nach sozialen Kontakten bei Entzug nach einer Weile nachlässt. Hat man sich also erst mal an die Gemütlichkeit von Couch und Netflix gewöhnt, fällt es umso schwerer, sich wieder aufzumachen. Wenn das stimmt, dann müssten die Theater viel mehr machen als vor der Pandemie. Sie müssten in Nichtpublikumsforschung investieren, Einladungsgesten konzipieren, für die verschiedensten Publika Erlebnis- und Vermittlungspakete schnüren. Und natürlich Theater machen, das einen um den Finger wickelt, das nachhallt, nicht mehr loslässt."

Besprochen werden Evgeny Titovs "Macbeth"-Inszenierung am Düsseldorfer Schauspiel (mit einem ungeheuerlich sympathischen André Kaczmarczyk in der Titelrolle, wie Martin Krumbholz in der SZ staunt) und ein "Otello" mit Jonas Kaufmann im Teatro San Carlo in Neapel (FAZ).