Die Branche stöhnt unter steigenden Kosten und fallenden Umsätzen,
verschenkt aber trotzdem weiterhin Geld. Das folgert der
Buchreport aus der neuen
Logistikumfrage, die der
Börsenverein unter
zwölf Verlagsauslieferungen durchgeführt hat. Demnach sind in 2004 die Remissionen gestiegen, die Exemplare pro Rechnung gesunken und die Zahl der elektronischen Aufträge ist zurückgegangen. Der Anteil des Buchhandels am Gesamtumsatz der Auslieferungen hat, alarmiert das Branchenmagazin, um "besorgniserregende" 2,31 Prozent (auf 56,91 Prozent) abgenommen.
Schade findet der
Buchreport im Hinblick auf die Logistik-Statistik, dass
Rationalisierungspotenziale ungenutzt bleiben. Erfolg versprechend seien beispielsweise
buchhändlerische Kooperationen, wie sie etwa die
eBuch-Gemeinschaft mit
"Anabel" praktiziert: eine Kombination aus Zentrallager, computergestütztem Gemeinschaftseinkauf und Lagerergänzung über das Barsortiment.
Zuversichtlich gibt sich der Insolvenzverwalter des MA-Pleitiers
Zanolli: "Das wird kein schlimmes Verfahren" (siehe auch
Archiv). Was den verhaltenen Optimismus der Juristen nähre, seien die Interessensbekundungen mehrerer Parteien aus der Buch- und Investmentbranche, das ursprüngliche Zanolli-Kerngeschäft - den Vertrieb, weniger die Produktion von MA-Ware - mit einer
Auffanggesellschaft fortzuführen, schreibt der
Buchreport. Wer Zanolli retten will, hat das Branchenmagazin nicht erfahren, nur so viel: Der bisherige Investor
3i und der
Weltbild-Konzern, welcher sich immer mehr im Billigbuch-Sektor ausbreitet, wollen nicht dazugehören.
Erfolgreich schlagen sich die
Hörbuch-Edition der
"Brigitte" und die
SZ-Cinemathek. Im
Buchreport-Hörbuch-Ranking haben die "Brigitte"-CDs elf der zwölf ersten Plätze erobert (nur "Illuminati" von
Dan Brown hat sich auf Platz 2 eingemischt). Noch beeindruckender wirken die Zahlen des
Buchreport-DVD-Rankings: Die bisher 16 erschienenen Film-DVDs der SZ belegen die Plätze 1 bis 16. Nicht ganz so leicht haben es die
SZ-Discothek (Band "1968" liegt auf Rang 23 am weitesten vorn). Noch weit abgeschlagener als die Pop-Edition rangiert die
Handelsblatt Mangagerbibliothek. Der absatzstärkste Titel, "Die besten Zitate und Aphorismen für Manager", kletterte auf Platz 122 des Sachbuch-Totalrankings.
Während die
FAZ schon mit Einzelheiten ihrer
Comic-Edition rausrückt, hüllt sich die
"Bild"/Weltbild-Kooperation, am gleichen Projekt arbeitend, in Schweigen. Die Reihe
"Klassiker der Comicliteratur" der Frankfurter startet vorrausichtlich im September. Sie soll 20 Bände umfassen, circa fünf Euro pro Band kosten, wöchentlich erscheinen und jeweils einem Comic-Charakter gewidmet sein. Als Protagonisten sind Superman, Spiderman, Batman, Hägar, Prinz Eisenherz, die Peanuts und FAZ-hauseigene Comic-Serie "Strizz" angedacht. Der
Buchreport und FAZ-Marketingleiter
Jan Klage gehen von
inhaltlichen Überschneidungen im Comic-Wettbewerb der Zeitungshäuser aus, handelt es sich doch um Klassiker.
Die
Verkaufskurven für die
Billigbücher aus den Bibliotheken der
SZ und der
Bild-Zeitung sinken rapide. Dafür könnte es zwei Gründe geben: Den
weitgehenden Abverkauf der Bestände oder die
Sättigung des Bedarfs an Billigware. Nach Gesprächen mit Buchhändlern vermutet der
Buchreport, dass die erste Alternative zutrifft. Bei den beiden Pionier-Reihen werde nicht mehr nachgedruckt,
Fortsetzungen folgten aber ganz gewiss.
Das Halbjahresende nimmt der
Buchreport zum Anlass,
Bestseller-Bilanz zu ziehen. Fazit ist, dass nur ein
kleiner "Club" von Buchmachern die Rankings für
"Spiegel" und
"Gong" genährt hat: In der
Bestsellerliste Hardcover Belletristik tauchten in den ersten sechs Monaten des Jahres 31 Verlagsnamen auf, im Sachbuch 36, in der
Bestellerliste Taschenbuch Belletristik waren's 17 Verlage, im Sachbuch 15. Insgesamt tummelten sich 255 Titel in den vier Verkaufscharts.
Hier die aktuellen "Top 50"der einzelnen Rubriken.
1,5 Millarden Dollar könnte nach vorsichtigen Schätzungen der US-Markt bis Ende 2006 mit
Gebrauchtbüchern in die Kassen bringen. Eine Summe, die die deutschen Buchhändler nicht kalt lassen kann, meint der
Buchreport. Doch bisher habe nur
Hugendubel in Berlin das Geschäft mit Second-Hand-Büchern getestet, darüber hinaus seien es die
Internet-Spezialisten, die diesen Markt für sich entdeckt hätten. Beunruhigend sind die Details, die in den USA mit dem Trend zum gebrauchten Buch einhergehen: Im Gegensatz zum Handel, der teilweise überraschend hohe Margen erzielt bzw. von den Vermittlerprovisionen lebt, gehen
Autoren und Verlage leer aus.
Personalien:
Harald Heker, Hauptgeschäftsführer des
Börsenvereins und "Architekt der Reformen", gab bei den
Buchhändlertagen seinen vorweggenommenen Abschied (am 31. Dezember geht er in Frankfurt von Bord und wechselt zur
GEMA), ein Nachfolger wird weiterhin gesucht.
Ulrike Ostermeyer, bisher Lektorin bei dtv, übernimmt zum 1. September die belletristische Programmleitung des
Ullstein Verlags.
Imre Török löst Fred Reinersdorfer als Vorsitzender des
Verbands Deutscher Schriftsteller ab.
Meldungen:
RTL und der norwegische
Schibsted-Verlag ziehen im Geschäft mit
Gratis-Zeitungen eine Zusammenarbeit in Erwägung, zunächst in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und im Ruhrgebiet. Die Internetsuchmaschine
Google plant die Einrichtung eines
Online-Bezahl-Services in direkter Konkurenz zum
eBay-Unternehmen
Pay-Pal.