Die Buchmacher - Archiv

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Die Buchmacher vom 11.07.2005 - buchreport.express

Der Buchreport vermutet, dass die "Preisschlacht um Potter" (ET: 16. Juli) den Handel bluten lässt: "Unter dem Strich bleibt für die Buchhändler nur wenig oder nichts". Großfilialisten, Online-Buchhändler und Buchclubs überböten sich beim Unterbieten der empfohlenen Ladenpreise und setzten damit auch alle anderen Anbieter unter Zugzwang (empfohlener Preis in Deutschland: 24,90 Euro, günstigstes Angebot: 15,75 Euro).

Die Zanolli-Pleite hat auch BK Bücherknüller in die Insolvenz gerissen. Ob die von Guido Zanolli geführte GZ-Bücherwelt (Inhaberin: Antje Zanolli) die Krise übersteht, ist noch nicht abzusehen. "Seit der Gründung von Bücherknüller in 2003 hat die Branche gerätselt, wer das ehrgeizige Wachstum des Buchdiscounters finanziert. Eigentümer von Bücherknüller ist die MH Beteiligungsgesellschaft Hattingen, die Fäden zog jedoch Guido Zanolli als 100-prozentiger Gesellschafter", hat der Buchreport von einem Insider erfahren. Grund für die verdeckte Operation: "Zanolli konnte nicht offiziell eine eigene Shop-Kette aufbauen und gleichzeitig die großen Filialisten beliefern." Die ersten Zanolli-Schäfchen sind "im Trockenen" (siehe "Personalien").

Das erste Halbjahr 2005 endet mit einer positiven Umsatzbilanz. Kurz bevor der Einzelhandel sich auf die traditionell schwachen Umsatzmonate im Sommer einstellt, hat die Buchbranche im vergangenen Monat mit einem Plus von 3,94 Prozent (gegenüber Juni 2004) zugelegt, die ersten sechs Monate schlossen die Buchhandlungen mit einem kumulierten Plus von 2,13 Prozent ab. Der Buchreport hat errrechnet, dass sich die Sortimenter das Plus mit Mehrarbeit erkauft haben: Bei sinkenden Buchpreisen sei eine höhere Stückzahl über die Ladentheken gegangen.

In den Urlaub nehmen die Deutschen Hörbücher und Schöne Literatur mit. Diese beiden Warengruppen verzeichneten neben dem Schulbuch - wie zu Beginn der Ferien üblich - die höchsten Umsatzzuwächse. Insgesamt schneidet sich das Taschenbuch mit 27,68 Prozent das größte Stück vom Umsatzkuchen ab.

Kalter Wind bläst dem neuen Linksbündnis aus WASG und PDS aus dem politisch ambitionierten Schriftsteller-Lager entgegen. In ihrer in Berlin präsentierten Erklärung gingen u.a. Wolf Biermann, Hans Christoph Buch, Klaus Harpprecht, Uwe Kolbe, Günter Kunert, Monika Maron und Peter Schneider hart mit Lafontaine und Gysi ins Gericht. Die neue Linkspartei sei weder neu noch links, so wie die PDS nicht für demokratischen Sozialismus stehe, betonten die Autoren. Es entbehre nicht einer unfreiwilligen Komik, wenn die PDS als Nachfolgepartei der SED heute die Rückkehr des westdeutschen Wohlfahrtsstaates propagiere.

Personalien: Michael Zachrau, früher Vertriebsleiter bei Zanolli, arbeitet seit 1. Juli im Verkauf bei Naumann & Göbel mit. Christian Ruzicska, ehemals Tropen Verlag, ist neuer Programmleiter bei Henschel.

Meldungen: Auf allen Bestsellerlisten ist die alte auch die neue "Nummer 1". Spannung verspricht die Hardcover Belletristik-Liste in zwei Wochen, dann ist das englische Original vom sechsten "Potter" in den Handel gekommen.

Die Buchmacher vom 05.07.2005 - buchreport.express

Das Bestsellergeschäft spitzt sich weiter zu, konzentriert sich immer mehr auf Titel, die die ersten Plätze der Bestsellerlisten einnehmen. "Von den Umsätzen, die der Buchhandel im ersten Halbjahr 2005 mit den 50 am besten verkauften Titeln gemacht hat, gingen bei den Romanen allein 30,56 Prozent auf das Konto der drei bestplatzierten Titel", hat der Buchreport ausgerechnet. Umso wichtiger wird es für die Verlage, ihre Spitzentitel ganz nach vorn in die Listen von Spiegel und Gong zu bringen. Buchreport geht davon aus, dass für die drei erstplatzierten Bücher ein Automatismus greift: "Die Titel rücken in den Buchhandlungen auf die Stapelplätze vor und profitieren zusätzlich von der Mundpropaganda."

Die erfolgreichsten Verlage des ersten Halbjahres 2005 - auf Grundlage der Bestsellerlisten - sind Lübbe, gefolgt Goldmann und Droemer/Knaur. Die Spiegel Bestsellerliste Hardcover Belletristik der ersten sechs Monate führt Hanser mit sechs Titeln unter den "Top 50" an, bei den Hardcovern Sachbuch war Droemer mit vier platzierten Titeln am erfolgreichsten.

Längst hat sich Weltbild plus als zweitgrößter stationärer Buchhändler etabliert, aber erst jetzt, elf Jahre nach der Gründung, ist die Firmierung aus der Verlagsgruppe Weltbild und der Buchhandlung Heinrich Hugendubel amtlich. "Die Anmeldung wurde im Zuge der Übernahme von Anteilen der Wohlthat'schen nötig", weiß der Buchreport. Sie war allerdings "nur Formsache". Am Joint Venture Weltbild plus halten beide Gründungsunternehmen 50 Prozent.

Amazon will sich im Verleih von Filmen einen Namen machen, hat sogar das Ziel, "der beste Ort zu sein, an dem man DVDs leiht". Ab einem Monatsbeitag von 9,99 Euro können sich Kunden in Deutschland ohne weitere Kosten bis zu sechs DVDs monatlich zuschicken lassen. Gut passen könnte den "Amazonen" folgende Statistik: Die Fachzeitschrift Videowoche hat ermittelt, dass im ersten Quartal 2005 7,1 Prozent aller DVD-Ausleihvorgänge in Deutschland übers Netz abgewickelt wurden."Wettbewerber wie die Online-Videothek Amango.de blicken neidisch auf den großen Stamm bereits gelisteter Kunden, denen Amazon jetzt die Ausleihe schmackhaft machen kann", vermutet der Buchreport.

Personalien: Heribert Meffert, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung, hat aus Krankheitsgründen seinen Abschied zum 1. Januar 2006 angekündigt. Nach interner Planung soll Bertelsmann-Chef Gunther Thielen, Vorgänger von Meffert, 2007 an die Spitze der Stiftung zurückkehren.

Meldungen: Regisseur Peter Jackson ("Der Herr der Ringe") hat sich die Filmrechte an "In meinem Himmel", dem Debütroman von Alice Sebold, gesichert. Kinderbuchautor Max Bollinger wird neuer Träger des Großen Preises der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Die Zeit startet zur Frankfurter Buchmesse, in Kooperation mit BI/Brockhaus, eine 20-bändige Reihe zur Welt- und Kulturgeschichte (mehr). Nach Berichten der FAZ steigt im Fall der Regierungsübernahme durch CDU/CSU die Mehrwertsteuer, Insider gehen jedoch nicht von einer Erhöhung des verminderten Mehrwertsteuersatzes (Bücher, Lebensmittel) aus. Hier die aktuellen Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 27.06.2005 - buchreport.express

Die Branche stöhnt unter steigenden Kosten und fallenden Umsätzen, verschenkt aber trotzdem weiterhin Geld. Das folgert der Buchreport aus der neuen Logistikumfrage, die der Börsenverein unter zwölf Verlagsauslieferungen durchgeführt hat. Demnach sind in 2004 die Remissionen gestiegen, die Exemplare pro Rechnung gesunken und die Zahl der elektronischen Aufträge ist zurückgegangen. Der Anteil des Buchhandels am Gesamtumsatz der Auslieferungen hat, alarmiert das Branchenmagazin, um "besorgniserregende" 2,31 Prozent (auf 56,91 Prozent) abgenommen.

Schade findet der Buchreport im Hinblick auf die Logistik-Statistik, dass Rationalisierungspotenziale ungenutzt bleiben. Erfolg versprechend seien beispielsweise buchhändlerische Kooperationen, wie sie etwa die eBuch-Gemeinschaft mit "Anabel" praktiziert: eine Kombination aus Zentrallager, computergestütztem Gemeinschaftseinkauf und Lagerergänzung über das Barsortiment.

Zuversichtlich gibt sich der Insolvenzverwalter des MA-Pleitiers Zanolli: "Das wird kein schlimmes Verfahren" (siehe auch Archiv). Was den verhaltenen Optimismus der Juristen nähre, seien die Interessensbekundungen mehrerer Parteien aus der Buch- und Investmentbranche, das ursprüngliche Zanolli-Kerngeschäft - den Vertrieb, weniger die Produktion von MA-Ware - mit einer Auffanggesellschaft fortzuführen, schreibt der Buchreport. Wer Zanolli retten will, hat das Branchenmagazin nicht erfahren, nur so viel: Der bisherige Investor 3i und der Weltbild-Konzern, welcher sich immer mehr im Billigbuch-Sektor ausbreitet, wollen nicht dazugehören.

Erfolgreich schlagen sich die Hörbuch-Edition der "Brigitte" und die SZ-Cinemathek. Im Buchreport-Hörbuch-Ranking haben die "Brigitte"-CDs elf der zwölf ersten Plätze erobert (nur "Illuminati" von Dan Brown hat sich auf Platz 2 eingemischt). Noch beeindruckender wirken die Zahlen des Buchreport-DVD-Rankings: Die bisher 16 erschienenen Film-DVDs der SZ belegen die Plätze 1 bis 16. Nicht ganz so leicht haben es die SZ-Discothek (Band "1968" liegt auf Rang 23 am weitesten vorn). Noch weit abgeschlagener als die Pop-Edition rangiert die Handelsblatt Mangagerbibliothek. Der absatzstärkste Titel, "Die besten Zitate und Aphorismen für Manager", kletterte auf Platz 122 des Sachbuch-Totalrankings.

Während die FAZ schon mit Einzelheiten ihrer Comic-Edition rausrückt, hüllt sich die "Bild"/Weltbild-Kooperation, am gleichen Projekt arbeitend, in Schweigen. Die Reihe "Klassiker der Comicliteratur" der Frankfurter startet vorrausichtlich im September. Sie soll 20 Bände umfassen, circa fünf Euro pro Band kosten, wöchentlich erscheinen und jeweils einem Comic-Charakter gewidmet sein. Als Protagonisten sind Superman, Spiderman, Batman, Hägar, Prinz Eisenherz, die Peanuts und FAZ-hauseigene Comic-Serie "Strizz" angedacht. Der Buchreport und FAZ-Marketingleiter Jan Klage gehen von inhaltlichen Überschneidungen im Comic-Wettbewerb der Zeitungshäuser aus, handelt es sich doch um Klassiker.

Die Verkaufskurven für die Billigbücher aus den Bibliotheken der SZ und der Bild-Zeitung sinken rapide. Dafür könnte es zwei Gründe geben: Den weitgehenden Abverkauf der Bestände oder die Sättigung des Bedarfs an Billigware. Nach Gesprächen mit Buchhändlern vermutet der Buchreport, dass die erste Alternative zutrifft. Bei den beiden Pionier-Reihen werde nicht mehr nachgedruckt, Fortsetzungen folgten aber ganz gewiss.

Das Halbjahresende nimmt der Buchreport zum Anlass, Bestseller-Bilanz zu ziehen. Fazit ist, dass nur ein kleiner "Club" von Buchmachern die Rankings für "Spiegel" und "Gong" genährt hat: In der Bestsellerliste Hardcover Belletristik tauchten in den ersten sechs Monaten des Jahres 31 Verlagsnamen auf, im Sachbuch 36, in der Bestellerliste Taschenbuch Belletristik waren's 17 Verlage, im Sachbuch 15. Insgesamt tummelten sich 255 Titel in den vier Verkaufscharts. Hier die aktuellen "Top 50"der einzelnen Rubriken.

1,5 Millarden Dollar könnte nach vorsichtigen Schätzungen der US-Markt bis Ende 2006 mit Gebrauchtbüchern in die Kassen bringen. Eine Summe, die die deutschen Buchhändler nicht kalt lassen kann, meint der Buchreport. Doch bisher habe nur Hugendubel in Berlin das Geschäft mit Second-Hand-Büchern getestet, darüber hinaus seien es die Internet-Spezialisten, die diesen Markt für sich entdeckt hätten. Beunruhigend sind die Details, die in den USA mit dem Trend zum gebrauchten Buch einhergehen: Im Gegensatz zum Handel, der teilweise überraschend hohe Margen erzielt bzw. von den Vermittlerprovisionen lebt, gehen Autoren und Verlage leer aus.

Personalien: Harald Heker, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins und "Architekt der Reformen", gab bei den Buchhändlertagen seinen vorweggenommenen Abschied (am 31. Dezember geht er in Frankfurt von Bord und wechselt zur GEMA), ein Nachfolger wird weiterhin gesucht. Ulrike Ostermeyer, bisher Lektorin bei dtv, übernimmt zum 1. September die belletristische Programmleitung des Ullstein Verlags. Imre Török löst Fred Reinersdorfer als Vorsitzender des Verbands Deutscher Schriftsteller ab.

Meldungen: RTL und der norwegische Schibsted-Verlag ziehen im Geschäft mit Gratis-Zeitungen eine Zusammenarbeit in Erwägung, zunächst in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und im Ruhrgebiet. Die Internetsuchmaschine Google plant die Einrichtung eines Online-Bezahl-Services in direkter Konkurenz zum eBay-Unternehmen Pay-Pal.

Die Buchmacher vom 20.06.2005 - buchreport.express

Das Magazin kommt nachmal auf die von ihm bereits in der letzten Woche angekündigte Insolvenz desGroßantiquars Zanolli zurück (siehe Archiv). Betroffen sind nicht nur die Zanolli-Brüder und Investor 3i, sondern auch viele Gläubiger: Druckereien, die Buchhändlerische Abrechnungsgesellschaft (der Buchreport vermutet einen Verlust von 3,5 Millionen Euro), Verlage ("Fast jeder Verlag hat mehr oder weniger regelmäßig Reste nach Köln verkauft") und Großabnehmer aus dem Buchhandel (darunter Karstadt und Kaufhof) trifft es besonders hart. Das Branchenmagazin rechnet nach der Zanolli-Pleite mit einer riesigen Flut von Billigbüchern: "Sie wird sich zusätzlich zu vorhandenen Niedrigpreisangeboten über den Markt ergießen und Absatzwege ebenso verstopfen wie die Frage nach der Preisbindung erneut ins Gespräch bringen."

Diesmal sagt der Buchreport Trends bei den Sachbuch-Novitäten voraus. "Der Boom der Biografien und Autobiografien hält auch im Herbst 2005 unvermindert an", so eine der Prognosen. Als Autoren versuchten sich zunehmend prominente Zeitgenossen, Politiker wie Helmut Kohl (Droemer) oder Helmut Schmidt (Rowohlt) und TV-Bekanntheiten wie Reinhold Beckmann (Rowohlt) oder Maybrit Illner (Diederichs). Mit Jubliäen a la Schiller und Einstein, die im Frühjahr und letzten Herbst die Kassen klingeln ließen, können die Sachbuch-Verlage in der nächsten Saison wohl nicht rechnen. Sie hoffen darauf, mit der Erklärung weltpolitischer Zusammenhänge aus wirtschaftlicher Sicht und der Analyse innerdeutscher Verhältnisse den Zeitgeist zu treffen, glaubt der Buchreport nach Durchsicht der Verlagsvorschauen.

Die Branche läuft sich im Hype um "Harry Potter" (Erscheinungstermin des Originals: 16. Juli, deutsche Ausgabe: 1. Oktober) warm. "Er wird umtanzt wie das goldene Kalb aus der Bibel. Und in seiner wahren Heilswirkung auf die Gesamtbilanz ähnlich grotesk überschätzt", schreibt Rainer Uebelhöde in seinem Kommentar, den vom deutschen Carlsen Verlag aufgrund der Startauflage erwarteten Umsatz mit "Buch und Buchhandel in Zahlen 2004" vergleichend. Den Verlagen würde er raten, sich nicht nur am Getrommel um vermeintliche Megaseller zu orientieren: "Erst ein breites Programm erzeugt dauerhafte Stabilität. Und mit einer Monokultur werden weder Buchhändler noch Leser glücklich."

Die Buchhändlertage in Berlin sind am heutigen Montag bereits vorbei. Vor der im Rahmen des Branchenstreffs stattfindenen Hauptversammlung des Börsenvereins vergangenen Freitag machte sich der Buchreport Gedanken zur zweiten Stufe der Verbandsreform. "Der Strukturwandel der Branche verläuft so schnell, dass heute beschlossene Reformen morgen schon nicht mehr wirksam seien können", gibt er zu Bedenken. Der Börsenverein stecke trotz eines rigiden Kostensenkungsprogramms wegen des Mitgliederschwunds in permanenter Finanznot. Die 2002 ausgegliederten Wirtschaftsbetriebe dürften kaum in der Lage sein, Gewinne abzuliefern, glaubt das Branchenmagazin. Darüber hinaus wollten sich die Landesverbände nicht unterbuttern lassen und es würde künftig schwieriger, Mitglieder zu ehrenamtlichen Tätigkeiten zu motivieren.

Vier Verlage - Fischer, Rowohlt, Random House und Kunstmann - haben die neuen Vergütungsregeln für Belletristik-Autoren unterzeichnet. Ein Akt, den die Bundesregierung mit "Häppchen und Hummersalat" gefeiert hat. "Die schwarzen Schafe wird es weiter geben. Aber nun haben die Autoren das Recht, eine angemessene Vergütung einzuklagen", zitiert der Buchreport Sabine Herholz, Bundesgeschäftsführerin des Verbands Deutscher Schriftsteller (VS). Herholz hofft auf eine Diskussion über Vergütungsregeln bei Sachbüchern noch vor der Frankfurter Buchmesse. Unsicherheitsfaktoren hier: die Beteiligung mehrerer Autoren an einem Buch und eine neue Bundesregierung.

Personalien: Der Reiseverlag Travel House Media hat mit Uwe Distelrath, früher Chef des mittlerweile von Mair aufgekauften DuMont Reiseverlags, einen neuen Geschäftsführer. Travel House strebt langfristig an, sich hinter Marktführer MairDuMont und CartoTravel als Nummer 3 im Reisemarkt zu etablieren.

Meldungen: Brigitte Kronauer (mehr im Perlentaucher-Archiv) erhält am 5. November den mit 40.000 Euro dotierten Georg Büchner-Preis (mehr), ihr aktuelles Buch, "Verlangen nach Musik und Gebirge", ist bei Klett-Cotta erschienen. Thriller-Autor Thomas Harris hat das Drehbuch für die Fortsetzung von "Das Schweigen der Lämmer" vorgelegt, ein Film über die Jugend des Kannibalen Hannibal Lecter. Nordrhein-Westfalens CDU und FDP haben beschlossen, dass ab 2006 die Läden werktags rund um die Uhr offen gehalten werden dürfen. Nur 0,003 Prozent aller Daten, die 2004 weltweit produziert worden sind, wurden auf Papier gedruckt, der Rest von 99,997 Prozent entstand laut Wissenschaftlern der University of California auf Bildschirmen und blieb in Speichern zurück. Stefan Austs, Claus Richters und Gabor Steingarts Interviews zum "Fall Deutschland" (Piper) sind diese Woche der höchste Neueinsteiger in der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch. Mehr.

Die Buchmacher vom 13.06.2005 - buchreport.express

Nach Durchsicht der Verlagsvorschauen glaubt der Buchreport, dass der Buchhandel in diesem Jahr nicht mit Megasellern - wie Dan Brown im letzten Herbst- und Weihnachtsgeschäft - rechnen kann. Gleichwohl ist ihm die Konzentration auf wenige Spitzentitel aufgefallen, wobei die Schwergewichte wieder aus der Spannungsliteratur kommen. Risikominimierung werde groß geschrieben, auf Lizenzen von Titeln gesetzt, die in ihrer Heimat bereits erfolgreich waren, so ein Ergebnis der Vorschau-Analyse. "Dank" der Billigbücher trauen die Verlage sich nicht, die 20-Euro-Barriere zu durchbrechen: Der Durchschnittspreis der gesichteten Hardcover lag bei 19,79 Euro.

Der Buchreport sorgt sich um den Marktführer im Bereich Modernes Antiquariat, Zanolli. Die Kölner hätten sich wohl mit ihrem schnellen Wachstum übernommen, meint das Branchenmagazin. Die Übernahme des Karl Müller Verlags und die Eröffnung eines 35.000 Quadratmeter großen Lagers (entspricht fünf Fußballfeldern) im Herbst 2004 könnten Zanolli den Rest gegeben haben, "seit Mitte letzter Woche sind beim ,größten Ramscher der Nation' wie auch bei seinem Investor 3i (letzten Jahr gab's noch eine 20-Millionen-Euro-Finanzspritze) alle Schotten dicht". Die Gläubiger machen aus ihren Ängsten keinen Hehl mehr. "Sollte Zanolli die Krise nicht bewältigen, geraten besonders die ausländischen Drucker in Bedrängnis", prognostiziert ein MA-Experte.

Vor ein paar Wochen hatte Karstadt mit der Forderung eines "Solidaritätsbeitrags" zur Sanierung des Unternehmens (mehr siehe Archiv) in der Branche für Wirbel gesorgt. Es soll sich um einen zusätzlichen Rabatt von drei Prozent auf drei Jahre gehandelt haben, hat der Buchreport inzwischen ermittelt und weist auf die Schwierigkeiten hin, die sich daraus ergeben: "Hinsichtlich der Rabatte genießt Karstadt bereits eine Spitzenstellung". Die Verlage können jedoch nicht mehr als den Maximalrabatt von 50 Prozent aus sich rauspressen lassen. So ist das Preisbindungsgesetz.

Ein wirkliche Wahl hatte sie nicht - die Zustimmung der Club Bertelsmann-Belegschaft zu dem im April vorgestellten Sanierungsplan (siehe Archiv) fiel dementsprechend hoch aus: "Knapp 95 Prozent der Mitarbeiter haben den veränderten Arbeitsverträgen zugestimmt". Erhöhung der Wochenarbeitszeit, Gehaltskürzungen, Prämiensysteme, Umzüge von Rheda-Wiedenbrück nach Berlin und eine Neuordnung der Arbeitsbereiche sollen den Clubmitarbeitern vorerst ihre Existenz sichern, 70 Arbeitsplätze fallen jedoch dem Rotstift zum Opfer.

Im Einzelhandel gilt der Mai traditionell als umsatzschwächster Monat des ganzen Jahres. Um so erfreulicher, dass die Buchbranche letzten Monat in ihren Kassen ein Umsatzplus von 2,09 Prozent verbucht hat. Zumindest auf den ersten Blick, denn bei genauer Betrachtung der Zahlen lässt ein Minus von neun Prozent im Vorjahresmonat die aktuellen Zahlen in einem besseren Licht erscheinen. "Zu vorsichtigem Optimismus gibt auch ein Blick auf die kumulierte Umsatzstatistik für die ersten fünf Monate des Jahres Anlass: In dieser Zwischenbilanz verzeichnet der Buchhandel plus 1,79 Prozent", meldet der Buchreport. Positive Entwicklungen im Mai verzeichnen die Warengruppen Belletristik und Hörbuch. Trotz Papst-Booms entwickelte sich das Sachbuch weiterhin schwach.

Personalien: Sandra Schwarz verantwortet ab Juli die Redaktion Bilderbuch bei Ravensburger.

Meldungen: Juli Zeh ist erste Trägerin des neu geschaffenen Per Olov Enquist-Preises. Paul McCartney tritt in die Fußstapfen von Madonna und arbeitet derzeit an einem Bilderbuch-Projekt. Dustin Hoffmann wird eine Hauptrolle in Tom Tykwers Verfilmung des Süskind-Romans "Das Parfum" übernehmen, den Part des Parfumeurs Guiseppe Baldini. Der einzige börsennotierte deutsche Verlag, Eichborn, ist nach eigenen Angaben frei von Bankschulden - der Umsatz kletterte 2004 auf 20,4 Millionen Euro, das Ergebnis verbesserte sich nach erfolgter Trennung von defizitären Unternehmensteilen und Rückbesinnung auf das Kerngeschäft mit Büchern. Burda-Tochter Focus Magazin Verlag und Der HörVerlag planen, spätestens zur Frankfurter Buchmesse ein Downloadportal für Hörbücher namens "Claudio" zu eröffnen; zum Start will das Joint Venture circa 500 Titel von 30 Verlagen anbieten. Michel Friedman gelang diese Woche mit seinem Romandebüt der höchste Neueinstieg in die Spiegel-Bestsellerliste Belletristik. Weitere Plazierungen.

Die Buchmacher vom 06.06.2005 - buchreport.express

Weltbild, größter Buchkonzern in den deutschsprachigen Ländern, forciert sein Expansionstempo. Der Aufbau eines zweiten Filialnetzes neben Weltbild Plus (mit derzeit 278 Filialen) geht in eine weitere Testphase. Außerdem präsentiere das Unternehmen in seinem neuen Katalog die ersten Titel eines eigenen Taschenbuchverlags, berichtet der Buchreport in seiner aktuellen Ausgabe. Geplant seien Neuerscheinungen bzw. deutsche Erstausgaben mit Preisen deutlich unter fünf Euro. Die Zusammenarbeit mit der Bild-Zeitung (bisherige Projekte: Papst-Bücher, "Bild-Bestseller-Bibliothek", Volksbibel und "Bild"-Jahrbuch) soll weiter ausgebaut werden.

Mit Weltbild Plus, Weltbild-Vollsortimenten und Jokers haben die Augsburger noch nicht genug: Mit dem neuesten Coup will sich der Weltbild-Konzern die Filialen der Wohlthat'schen Buchhandlung einverleiben. Nachdem das Bundeskartellamt Weltbild Plus im April erlaubt hat, 50 Prozent der Anteile an der Wohlthat'schen zu erwerben, haben Weltbild und Hugendubel einen neuen Antrag für 51 Prozent gestellt. "Als Mehrheitseigner verschafft sich Weltbild Plus die Sicherheit, ohne abermalige Anmeldung beim Kartellamt seine Anteile über kurz oder lang auf beabsichtigte 75 Prozent aufstocken zu können", erklärt der Buchreport den Hintergrund.

Während sich Amazon und Google seit Monaten einen Wettbewerb um den Aufbau von Datenbanken für die Volltextsuche in Büchern liefern, macht endlich auch der Börsenverein mobil und will bei den Buchhändlertagen (16./17. Juni in Berlin) eine brancheninterne Digitalisierung der Bücher propagieren. "Wir sind mit einer technischen Entwicklung konfrontiert, die nicht mehr aufzuhalten ist. Es kommt nun darauf an, dass wir uns das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen", sagte Verleger Matthias Ulmer, Sprecher der AG "Volltextsuche online" im Börsenverein, dem Buchreport. Vorteilig könne sich die Möglichkeit, bereits in der Branche vorhandene Strukturen zu nutzen, auswirken. Anknüpfungspunkte böte etwa das Verzeichnis lieferbarer Bücher.
Die Ergebnisse der vom Börsenverein bei der GfK in Auftrag gegebenen Studie zur Auswirkung der Billigbuch-Editionen auf den Buchmarkt haben den Buchreport nicht wirklich schlauer gemacht, denn "so minutiös die fränkischen Forscher ihr Zahlenmaterial auch interpretiert haben, ein Fazit sind sie schuldig geblieben." Wohl erst in einem Jahr, wenn die Vergleichszahlen für 2005 vorliegen, wird sich zeigen, ob die Billig -Bibliotheken eine nachhaltige Wirkung auf die Preissensibilität der Buchkäufer haben. Unabhängig davon, schreibt das Branchenmagazin, habe die GfK herausbekommen, dass für diejenigen, die in Zeiten vor den preisgünstigen Editionen schon Bücher gekauft hätten, die "SZ"- und "Bild"-Bücher überwiegend Zusatzkäufe zum normalen Buchkonsum gewesen seien. Und immerhin: Neun Prozent der von der GfK Befragten sind durch die Billigbuch-Reihen erst zu Buchkäufern geworden.

Die Jury der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt Stiftung hat die diesjährigen Preise für literarische Übersetzungen Helga Pfetsch und Dagmar Ploetz zugesprochen. Pfetsch machte sich um ihre Übertragungen von Margaret Atwood, Saul Bellow und Toni Morrisson verdient, Ploetz übersetzte u.a. Gabriel Garcia Marquez ins Deutsche.

Meldungen: Der ehemalige Präsident des bundesdeutschen PEN-Zentrums, Schriftsteller Carl Amery, ist 83-jährig verstorben. Michel Friedman kommt ins Kino: Die Filmrechte an seinem kürzlich erschienenen ersten Roman "Kaddisch im Morgengrauen" (Aufbau) hat er der Produzentin Regina Ziegler verkauft. Nick Hornby gelang diese Woche mit "A long Way Down" (KiWi) der höchste Neueinstieg in die Belletristik-Bestsellerliste, Andreas Englisch schaffte es mit "Habemus Papam" (Bertelsmann) von 0 auf 2 in die "Top 50" der Sachbücher. Wer sonst in den Verkaufs-Charts ganz oben mitmischt, hier.

Die Buchmacher vom 24.05.2005 - buchreport.express

Immer mehr Bücher werden am stationären Buchhandel vorbei verkauft. Themenspezifische Buchangebote gibt es, laut Buchreport, seit langem in vielen Fachhandelssparten. Neu seien die "Shop-in-the-Shop-Systeme", mit denen sich beispielsweise die Mayersche Buchhandlung unter dem Motto "Best of Books" in Supermärkten ausbreite. Die Discounter und Ketten - Aldi, Lidl, Tchibo etc. - tendierten immer mehr dazu, in unregelmäßigen Abständen Einzeltitel zu Tiefstpreisen anzubieten. Und last not least hätten die Online-Buchhändler mit Anführer Amazon mittlerweile einen Marktanteil von fünf bis acht Prozent erreicht - auch hier: Tendenz steigend. Warum der Rackjobber Buchpartner jetzt sogar in Baumärkten Bücherregale aufstellen will, hier.

Bereits vor zwei Wochen spekulierte der Buchreport über eine inoffizielle Fortsetzung der "Anderen Bibliothek" (bei Eichborn) unter dem Dach der FAZ, nun sind die Rahmenbedingungen abgesteckt: "Die Andere Bibliothek"-Herausgeber Hans Magnus Enzensberger und Franz Greno sind im Boot und behalten die bisherige Arbeitsteilung Programm / Gestaltung bei. Als Kooperationspartner für die "Frankfurter Allgemeine Bücherei", so der Projekttitel, konnte die FAZ den Deutschen Taschenbuch Verlag gewinnen, bei dem einzelne Titel anschließend im Paperback erscheinen sollen. Im Oktober startet die auf zwölf Bände pro Jahr angelegte Reihe. Programmatisch geht es um Novitäten und Wiederentdeckungen aus den Bereichen Sachbuch und Belletristik.

Die Einnahmen der VG Wort sind in 2004 um knapp 4,5 Millionen Euro (im Vergleich zum Vorjahr) auf 79,12 Millionen Euro gesunken. Auf der Suche nach neuen Erlösquellen hat die Verwertungsgesellschaft einen Etappensieg erzielt: Nach einem Gerichtsurteil müssen künftig auch die Hersteller von Druckern "urheberrechtliche" Abgaben zahlen. "Bis zum endgültigen Geldregen könnten jedoch noch Jahre vergehen", erläutert der Buchreport. "Eine der beklagten Parteien, das Unternehmen Hewlett Packard, wird voraussichtlich Revision einlegen." Einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung zufolge vervielfältigen drei von vier Personen am Arbeitsplatz urheberrechtlich geschützte Dokumente mittels Druckern für private Zwecke.

Ende August geht die "Brigitte"-Buchedition, für die Elke Heidenreich die Patenschaft übernommen hat, ins Reihen-Rennen. Zehn Millionen Euro Gesamtumsatz peilt der Verlag an, bei einem Verkaufspreis von zehn Euro pro Buch - soviel sickerte schon durch. Seit letzter Woche stehen auch die 26 Titel fest. "Eine Mixtur ganz nach heidenreich'schem Geschmack", meint der Buchreport mit einem Blick auf die Liste. Die meisten Lizenzen wurden dem Hanser Verlag abgekauft (fünf Titel), gefolgt von Rowohlt (vier Titel). Nicht begeistert ist die Hermann-Harry-Schmitz-Societät über die Aktion, denn an den von ihr für 18,50 Euro vertriebenen Titel "Das Buch der Katastrophen" kommt die Brigitte ohne eine Lizenzgebühr. Das Institut trägt sich u.a. aus den Einnahmen seiner Buchpublikationen.

Meldungen: Nick Flynn ist für seinen Roman "Bullshit Nights" (Marebuch) mit dem "PEN-Martha Albrand Award for the Art of Memoir" ausgezeichnet worden. US-Kultautor T.C. Boyle ("Dr. Sex") hat seine Lesereise durch Deutschland und die Schweiz mit einem Rekordvorverkauf angetreten: Alle Veranstaltungen waren schon im Vorfeld ausverkauft. Focus plant nach einem Bericht des Nachrichtendienstes Kontakter ein eigenes Download-Portal für Hörbücher. Und: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 09.05.2005 - buchreport.express

Die Pressehäuser würden gern mehr Projekte für Zusatzgeschäfte mit Büchern anschieben, haben aber Probleme, attraktive Lizenzen, die darüber hinaus zur jeweiligen Zielgruppe passen, zu ergattern. Das schließt der Buchreport daraus, dass SZ und Bild auf Anhieb keine Anschlussprojekte für ihre ersten - erfolgreichen - Buchreihen finden konnten. Herausbekommen hat das Branchenmagazin, dass beim Hamburger Spiegel Konzepte für Buchreihen geprüft werden - allerdings keine Einzelheiten. Nach Frankfurt blickend wird über ein Folgeprojekt von Hans Magnus Enzensbergers "Anderer Bibliothek" unter FAZ-Flagge spekuliert.

In seinem Kommentar überlegt Rainer Uebelhöde, wie sich das, in erster Konsequenz sicherlich den Markt belebende, Geschäft mit Billig-Büchern weiter entwickeln könnte. Das Mischen von qualifizierten Billigangeboten mit Ramsch und den "normalpreisigen" Büchern hält der Kommentator für gefährlich, führe es doch beim Kunden in der Buchhandlung zwangsläufig zu einem krassen Wechselbad der Emotionen, auf längere Sicht zu einem stetig erodierenden Preisbewusstsein. Der Blick in andere Branchen zeige, dass solche Mischformen auch nur sehr selten eine tragfähige Überlebenschance hätten. "Setzt sich der derzeitige Trend durch", gibt Uebelhöde zu bedenken, "müssen sich die Sortimenter Gedanken machen, wie sie die Kundschaft von den Preisen der Novitäten überzeugen können." In der Mitverantwortung seien die lizenzgebenden Verlage.

Der angeschlagene Karstadt-Konzern will den Verlagen einen Soli-Zuschlag abringen. Briefe mit entsprechenden Forderungen sind aufgesetzt und bereits an die Lieferanten aus der Buchbranche verschickt worden. Der Buchreport zitiert Focus-Informationen, wonach die Programme zahlungsunfreudiger Verlage aus den Karstadt-Regalen fliegen sollen. Bleibt abzuwarten, wie die in den Briefen angekündigten Gespräche zwischen der Kaufhauskette und den Buchmachern ausgehen. Ob danach die Buchregale bei Karstadt leer sein werden oder, ob sich kleine, am Existenzminimum krebsende Sortimenter Hoffnung machen dürfen, auch Finanzspritzen von den Verlagen zu erhalten?

Der Buchhandel schließt den April laut Buchreport-Umsatztrend mit einem Minus von 2,94 Prozent (im Vergleich zum Vorjahresmonat) ab. Für das Branchenmagazin ergibt das einen überraschend gering abfallenden Knick der Umsatzkurve, denn abgesehen davon, dass der März mit einem Plus von 16,84 Prozent extrem positiv ausgefallen war, fehlte dem vierten Monat diesmal das Ostergeschäft. Die April-Zahlen normalisieren die Jahresstatistik: Der kumulierte Umsatz des aktuellen Geschäftsjahres fällt von +3,38 Prozent auf +1,72 Prozent zurück.

Personalien: Tom Kraushaar, zuletzt Assistent des Rowohlt-Verlegers Alexander Fest, ist neben Verlagsgründer Michael Zöllner als weiterer Verleger und Gesellschafter beim Tropen Verlag eingestiegen.

Meldungen: Der israelische Schriftsteller Amos Oz wird neuer Träger des mit 50.000 Euro dotierten Goethe-Preises der Stadt Frankfurt. Hansjörg Schneider aus der Schweiz konnte sich über den Erhalt des diesjährigen "Friedrich-Glauser-Krimipreises" (Wert: 5.000 Euro) freuen, ausgezeichnet wurde sein Roman "Hunkeler macht Sachen" (Ammann). Die Konkurrenten in Sachen Volltext-Suche im Netz, Amazon und Google, schicken am 16. Juni Vertreter zu den Buchhändlertagen nach Berlin - dort sollen sie bei den Verlegern Sympathien für ihre Ideen gewinnen (In welchem Land des "Alten Europa" sich heftiger Widerstand gegenüber "Google Print" regt: im Börsenblatt). Die höchsten Neueinstiege in den Hardcover-Bestsellerlisten des Spiegels sind "Star Wars - Die Rache der Sith" (Random House) nach dem Drehbuch der dritten Film-Episode (sie läuft am 17. Mai in den Kinos an) sowie Ratzingers "Glaube - Wahrheit - Toleranz" (Herder). Mehr.

Die Buchmacher vom 02.05.2005 - buchreport.express

Seine Titelgeschichte widmet der Buchreport dem Bahnhofsbuchhandel und dessen Perspektiven. Auch hier nimmt die Konzentration zu: Das Führungsquartett - Valora Retail Deutschland, Schmitt & Co., HDS Retail Deutschland und Dr. Eckert - betreut mittlerweile 323 der insgesamt 467 Verkaufsstellen auf deutschen Bahnhöfen und erwirtschaftet 70 Prozent der Umsätze. Zum schmalen Mittelbau gehörten nur noch wenige regionale Bahnhofsbuchhändler wie Wittwer (Stuttgart) und Grauert (Düsseldorf), erläutert der Buchreport, die restlichen rund 100 Verkaufsstellen seien Klein- und Kleinstbetriebe mit nur minimalem Buchverkauf. Wenn die Großen noch größer werden wollten, müssten sie sich mangels anderer Möglichkeiten gegenseitig fressen. Obwohl Bücher nur 25 Prozent der Umsätze im Bahnhofsbuchhandel ausmachen, gewinnen sie an Bedeutung: "Die Margen sind besser als bei Presseerzeugnissen."

Der Welttag des Buches bleibt ohne Folgen. Mit ungezählten Einzelaktionen hätten sich die deutschen Buchhändler am 23. April um ihre Kundschaft bemüht, dabei aber wieder keine durchschlagende Wirkung im Sinne eines Branchenmarketings erzielt, fasst der Buchreport zusammen. Das Branchenmagazin vermutet als Grund die in ihrer Reichweite begrenzten Aktionen: "Sie schafften es zwar in die lokale Berichterstattung, zogen aber keine große, überregionale Medienaufmerksamkeit auf sich." Vorbildlich findet der Buchreport die Welttags-Aktivitäten der Briten, Niederländer und Spanier. Durch Groß-Kampagnen hätten sie Umsatzsteigerungen erzielt, von denen die deutsche Buchbranche nur träumen könnte.

Bücher zu aktuellen Ereignissen bestimmen den Markt. Neben Titeln von und über den neuen Papst und seinen Vorgänger seien Schriften zu Jubiläen die Renner, weiß der Buchreport. Derzeit gingen Sachbücher zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 60 Jahren (8. Mai) und zum 200. Todestag Friedrich v. Schillers (9. Mai) besonders oft über die Ladentheke. Die Jahrestage zeigen auch Auswirkungen auf die Spiegel- und Gong-Bestsellerlisten (siehe unten): Elf Bücher unter den "Top 50" beschäftigen sich mit "Nationalsozialismus", seit Monaten sind Rüdiger Safranski und Sigrid Damm mit ihren Gedanken zu Schiller (hier und hier) vertreten.

Der Buchreport konkretisiert das letzte Woche vom Börsenblatt aufgegriffene Thema "Änderungen am Preisbindungsgesetz". Einzelheiten, und für wie realistisch Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang die Änderungswünsche hält, hier.

Mit Rafael Sanchez Ferlosio hat ein "erklärter Verächter der schönen Literatur" (Neue Zürcher Zeitung) den Premio Cervantes, höchste Auszeichnung für das Lebenswerk spanisch schreibender Autoren, erhalten. Zwei Romane machten den Spanier in den Fünfzigerjahren bekannt: "Abenteuer und Wanderungen des Alfanhui" (neu aufgelegt bei Hanser) und "Am Jarama" (Insel). Während 30 Jahren "belletristischen Schweigens" (NZZ) schrieb Ferlosio sprach- und kulturkritische Essays.

Meldungen: Schüler mögen den "Hund von Balard" (SchirmerGraf): Deutsche, belgische und niederländische Gymnasiasten haben dem Roman des Franzosen Ludovic Roubaudi den Euregio Literaturpreis zugesprochen. Vor zwei Wochen hat das Landgericht Magdeburg dem Heyne-Verlag unter Androhung eines Ordnungsgelds von 250.000 Euro untersagt, das Cover eines Fantasy-Romans kostenfrei mit der goldenen Himmelsscheibe von Nebra zu schmücken, in gleicher Angelegenheit werden die Richter voraussichtlich morgen gegen den Piper Verlag entscheiden - das Land Sachsen-Anhalt sieht sich in Besitz der Verwertungsrechte des Sensationsfunds aus der Bronzezeit und fordert von den Verlagen für eine Scheiben-Abbildung Lizenzgebühren. Und: ein Blick auf die Bestsellerlisten.


Die Buchmacher vom 26.04.2005 - buchreport.express

Die Deutschen lieben Angst und Schrecken. Das könnte man zumindest nach einem Blick auf die Bestsellerlisten meinen, "denn", so der Buchreport, "bei nahezu jedem zweiten Titel unter den 50 bestplatzierten Büchern handelt es sich um einen Krimi." Ganz anders vor 25 Jahren, als nur eine Hand voll Spannungsromane den Sprung in die "Top 50" schaffte. Die Entwicklung vorangetrieben hätten Autoren wie Donna Leon und Henning Mankell mit ihren zum Weiterlesen animierenden Serienhelden, schreibt das Branchenmagazin. Inzwischen seien auch Sub-Genres auf Erfolgskurs: Neben klassischen Krimis fänden sich sozialkritische Krimis, Justiz-, Mystik- und Wissenschafts-Thriller sowie Horrorbücher in den Verkaufs-Charts.

Johannes Paul II hat auf dem Buchmarkt Konkurrenz bekommen. "Nachdem der Konvent Joseph Kardinal Ratzinger zum neuen Papst proklamiert hat, ist die Nachfrage nach Buchtiteln aus seiner Feder explodiert", meldet der Buchreport. Die vier meist verkauften Titel bei Amazon seien mit Ratzingers Namen verbunden, Versender Weltbild habe dem 265. Oberhaupt der katholischen Kirche sogar einen eigenen Online-Shop eingerichtet. Unerwartet hat die Papst-Wahl die Verlage Kösel und Patmos getroffen: Die "Einführung in das Christentum" (ein Klassiker von 1968, für Generationen von Schülern fester Bestandteil des Religionsunterrichts) bzw. "Joseph Ratzinger" (eine von John L. Allen verfasste Biografie über den Kardinal) waren bereits Mittwochmorgen vergriffen und müssen nachgedruckt werden.

In überwiegend zufriedene Gesichter hat der Buchreport bei den Mitarbeitern der deutschen Verlage auf der Kinderbuchmesse in Bologna, der größten Lizenzmesse für Kinder- und Jugendbücher, geblickt. "Wenn wir klagen, dann auf hohem Niveau", zeichnete der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, Klaus Willberg, ein Stimmungsbild. Auffällig sei ein Mangel an vielversprechenden Einzeltiteln, meinte Oetinger-Programmchef Markus Niesen, es werde derzeit stärker in Reihen gedacht. Nach Niesens Einschätzung hat sich das Fantasy-Genre nach dem "Harry Potter"-Boom wieder auf einem normalen Level eingependelt, aktuell nachgefragt würden besonders erzählende Sachbücher und historische Stoffe.

Die Brigitte-Hörbuchreihe "Starke Stimmen" hat Elke Heidenreich bereits erfolgreich angeschoben, jetzt wird sie im Auftrag der Frauenzeitschrift Geburtshelferin einer Buchedition. Frühestens ab Ende August sollen insgesamt 26 Titel, an deren Auswahl Heidenreich beteiligt ist, nacheinander im 14-tägigen Brigitte-Erscheinungsrhythmus ausgeliefert werden. Mit einer Billigbuch-Reihe möchten die Macher das Projekt nicht verglichen wissen: Die gebundenen Bücher kosten jeweils zehn Euro und sind somit doppelt so teuer wie die der SZ-Bibliothek, liegen jedoch unter dem Durchschnittspreis von Hardcovern (13,64 Euro in 2004).

Während "Baustellen-Manager" Marc-Oliver Sommer überlegt, an welchen Ecken und Enden beim Club Bertelsmann in Deutschland gespart werden kann (siehe "Die Buchmacher" von vergangener Woche), schöpft er in Frankreich wahrscheinlich bald aus den Vollen: Media Communications, französische Tochter der DirectGroup Bertelsmann und Holding für den Club France Loisirs, übernimmt - vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamts - die Buchkette Librairies Privat, berichtet der Buchreport. Damit stoße France Loisirs hinter Fnac auf Rang 2 im Ranking der größten französischen Buchhändler vor.

Personalien: Britta Kroker, Programmchefin und Mitglied der Geschäftsleitung bei Campus, verlässt das Unternehmen im Juni, um sich selbstständig zu machen.

Meldungen: Der in Südtirol lebende Schriftsteller Herbert Rosendorfer erhält dieses Jahr den Münchner Literaturpreis. Suhrkamp-Autor Thomas Meinecke tut es Rainald Goetz ("Abfall für alle") nach und stellt bis November aktuelle Notizen ins Internet. Mit "Lesen!" (ZDF) sorgt "die Heidenreich" weiterhin für Bestseller: Fünf der in der Sendung vom 12. April angepriesenen Bücher schafften diesmal auf Anhieb den Sprung in die "Top 50". Welche, hier.