Der
Buchreport glaubt noch an einen
positiven Jahresabschluss für die Buchhändler. Die aktuelle
Umsatztrendstudie des Branchenmagazins kommt nach den ersten neun Monaten des Jahres auf ein
kumuliertes Plus von 2,2 Prozent - die Erstverkäufe von "Harry Potter VI" (Verkaufsstart: 1. Oktober) noch nicht mit einberechnet.
Joanne K. Rowlings kleiner Zauberer ist es dann auch, der dem
Buchreport Anlass zum Optimismus gibt (siehe Artikel unten), darüber hinaus würden die Billigbibliotheken und das Weihnachtsgeschäft vermutlich im letzten Quartal für gute Umsätze sorgen. Stimmt die Prognose, nimmt der Buchhandel aller Voraussicht nach einen Sonderstatus unter den Einzelhandelssparten ein. Der Einzelhandelsverband rechnet für 2005 insgesamt mit einem Minus von einem Prozent.
Die Vermutung, die die Buchmacher schon seit Wochen (siehe
Archiv) haben, wird jetzt mit Zahlen bestätigt: Politikbücher erhielten durch die vorgezogene Bundestagswahl keinen Anschub. Ganz im Gegenteil, das Sachbuch lieferte im September mit einem Umsatzminus von 8,48 Prozent (in Bezug auf den Vorjahresmonat) das schlechteste Ergebnis im Warengruppenvergleich des
Buchreports. Die drei meistverkauften Sachbücher des letzten Monats: der Rechtschreib-Duden,
Corinne Hofmanns "Wiedersehen in Barsaloi" und
Peter Hahnes "Schluss mit lustig - Das Ende der Spaßgesellschaft" (
mehr).
Euphorische Stimmung bei
Carlsen: Rund eine Million Exemplare des neuen Potter-Bands gingen nach Verlagsrecherchen am Erstverkaufstag durch die Kassen. Eine Zahl, mit der keiner gerechnet hat und die dennoch für den
Buchreport ganz logisch ist, hätten doch die Medien diesmal im Vorfeld nicht so viel Getöse gemacht, keine großen Erwartungen geschürt. Letzte Woche schrieb das Magazin noch über einen "abebbenden Harry Potter-Hype" (siehe
Archiv), diesmal heißt es: "Weil das Besondere im Hype um Harry mittlerweile zur Routine geworden ist, erreichte das Beben in den
Massenmedien nicht mehr die Höchstwerte auf der Potterskala, die bei Erscheinen der letzten Bände zu verzeichnen waren."
Hier der vollständige aktuelle Artikel, der unter anderem den "Potter-Rausch im Detail" beschreibt.
Abschreibende
Wikipedia-Autoren kratzen am Image der freien
Internet-Enzyklopädie. Der jüngst erbrachte Nachweis, dass einige Beiträge in der Wikipedia "1 zu 1" aus anderen Quellen übernommen sind, und der damit verbundene
Verstoß gegen das Urheberrecht, lässt
Wikimedia-Mitglied
Mathias Schindler weiterhin ruhig schlafen. Er kontert im
Buchreport:
"Die Zahl der Fälle bei denen zum Beispiel
Journalisten aus der Wikipedia abschreiben, ohne die Quelle zu nennen, ist größer." Verhindern, dass geklaute Artikel in die Wikipedia gelangen, könne man nicht. Man könne aber dafür sorgen, dass solche Artikel innerhalb einer Woche entfernt würden.
Der
Handel mit gebrauchten Büchern blüht in den
USA wie nie zuvor. Das haben auch die amerikanischen Sortimenter gesehen und räumen dem Second-Hand-Segment immer größer Flächen ein. Bereits 65 Prozent der stationären Buchhändler seien beim Gebrauchtbuchgeschäft dabei, zitiert der
Buchreport eine neue Studie der
Book Industry Study Group. Dass vor allem die Nachfrage nach gebrauchter Unterhaltungsliteratur überdurchschnittlich schnell steigt, bereitet den Verlegern jenseits des Atlantiks Sorge. Sie könnten die Verlierer des Trends sein, denn gut möglich ist, dass sich der florierende Second-Hand-Markt auf Dauer negativ auf den Absatz der Neuerscheinungen auswirkt.
Personalien: Die Präsidentin des
Goethe-Instituts,
Jutta Limbach, ist in die
Akademie Deutscher Buchpreis des
Börsenvereins berufen worden.
Mehr.
Christiane Düring arbeitet seit Anfang Oktober als Programmleiterin im
Arena Verlag, vorher war sie Belletristik-Lektorin bei
Lübbe.
Meldungen: Der österreichische
Tosa Verlag zieht unter das Dach des größten privaten Verlags der Alpenrepublik,
Carl Ueberreuter. Der Manga-Spezialist
Tokyopop steigt ins
DVD-Geschäft ein.
Jan Philipp Reemtsma wird mit dem
"Preis der Kritik" des Hamburger
Hoffmann und Campe-Verlags ausgezeichnet, das heißt in Naturalien: 99 Flaschen Wein und die Düsseldorfer
Heinrich-Heine-Werkausgabe. Der frühere
Börsenvereins-Vorsteher
Gerhard Kurtze will sich mit einem
Förderverein für die
Buchstadt Leipzig und das buchwissenschaftliche
Angebot der örtlichen Universität stark machen. Aus dem Stand weg auf den Spitzenplatz der
Spiegel Bestsellerliste Belletristik ist "Harry Potter und der Halbblutprinz" gesprungen. Was sich sonst in den "Top 50" der Buch-Charts getan hat,
hier.