Die Buchmacher - Archiv

buchreport.express

281 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 29

Die Buchmacher vom 17.10.2005 - buchreport.express

Kurz vor Beginn der Buchmesse sieht der Buchreport den Börsenverein vor gravierenden Problemen. Der Übertritt von Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann zur Thalia-Kette (siehe Archiv) hat zu seinem Rücktritt geführt. Schormanns Stellvertreter, Gottfried Honnefelder, gab letzte Woche sein Ausscheiden als Verleger bei DuMont bekannt - auch er ist also in 2004 unter anderen Voraussetzungen gewählt worden. Der Buchreport wusste noch nichts vom Rücktritt Schormanns, aber schien schon die richtigen Ahnungen zu haben: Ein Desaster wäre ein solcher Rücktritt, heißt es. Auf die Schnelle lasse sich weder ein Nachfolger finden noch ein Ersatzmitglied nominieren.

Neues von der Bücherpleite des Jahres: Mit 22,3 Millionen Euro stehen die Zanolli-Brüder nach den ersten Gläubigerversammlungen in der Kreide. Forderungen meldeten unter anderem die Buchabrechnungsgesellschaft, die Vereinigte Verlags-Auslieferung, ehemalige Zanolli-Mitarbeiter, die Kölner AOK und die Bundesanstalt für Arbeit an. Damit nicht genug: Den größten Schuldenberg befürchtet der Buchreport in der Hinterlassenschaft des Karl Müller Verlags (die Gläubigerversammlung steht noch aus). Über Karl Müller haben die Zanollis die Lizenzen gekauft und verwertet. Die nach der Insolvenz gegründete Auffangesellschaft hat mit dem Abverkauf der 16 Millionen Bücher aus den Zanolli-Lagern begonnen. Deren Erlös soll unter den Gläubigern aufgeteilt werden. Da nach Buchreport-Recherchen nicht für alle Bücher feststeht, wie sie in die Lager gekommen sind und wem sie gehören, wird die Abwicklung behindert.

Ein aktueller Richterspruch zur Übersetzervergütung versetzt die Verlage in Alarmstimmung. Nach dem ersten von mehreren für die kommenden Wochen anstehenden Urteilen wird das Normseitenhonorar (circa 13 Euro) der Übersetzer zwar nicht erhöht, ihnen stehen jedoch ab dem ersten verkauften Exemplar eine Absatzbeteiligung von zwei Prozent (wird mit dem Seitenhonorar verrechnet) sowie 25 Prozent der Nebenrechtserlöse (zum Beispiel Club-, Taschenbuch- und Sonderausgaben, Verfilmung, Vertonung, Merchandising) zu. Die Nebenrechtsbeteiligung würde vor allem kleine Verlage, die ihre Bücher nicht hausintern mehrfach verwerten, treffen, erklärt der Buchreport.

Personalien: Kim Landgraf wechselte zum 1. Oktober aus dem Lektorat von Artemis & Winkler als Programmleiter zum Anaconda Verlag. Lutz Kroth, Mitgründer des Buch- und Medienversands Zweitausendeins, zieht sich aus Altersgründen aus dem operativen Geschäft zurück, an seiner Statt rücken die vier Prokuristen in die Chefetage auf.

Meldungen: Mit dem Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste wird der Literaturwissenschaftler und Essayist Karl Heinz Bohrer ausgezeichnet. Neue Reihen: Die Welt und Die Welt am Sonntag haben die auf sechs Wochen angelegte DVD-Reihe "Biografien der Weltgeschichte" gestartet, Die Zeit schickt Anfang November die "Welt- und Kulturgeschichte" in 20 Bänden ins Rennen, die SZ erzählt ab Mitte November in 15 Folgen "Die Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften".

Die Nachfrage lässt zwar täglich nach (am sechsten Verkaufstag wurden nur noch sieben Prozent des Umsatzes vom Erstverkaufstag gemacht), dennoch spielt "Harry Potter und der Halbblutprinz" weiterhin "in einer eigenen Liga", lässt die Nummer 2 der Bestsellerliste, Dan Browns "Sakrileg", abgeschlagen hinter sich. Mehr.

Die Buchmacher vom 11.10.2005 - buchreport.express

Der Buchreport glaubt noch an einen positiven Jahresabschluss für die Buchhändler. Die aktuelle Umsatztrendstudie des Branchenmagazins kommt nach den ersten neun Monaten des Jahres auf ein kumuliertes Plus von 2,2 Prozent - die Erstverkäufe von "Harry Potter VI" (Verkaufsstart: 1. Oktober) noch nicht mit einberechnet. Joanne K. Rowlings kleiner Zauberer ist es dann auch, der dem Buchreport Anlass zum Optimismus gibt (siehe Artikel unten), darüber hinaus würden die Billigbibliotheken und das Weihnachtsgeschäft vermutlich im letzten Quartal für gute Umsätze sorgen. Stimmt die Prognose, nimmt der Buchhandel aller Voraussicht nach einen Sonderstatus unter den Einzelhandelssparten ein. Der Einzelhandelsverband rechnet für 2005 insgesamt mit einem Minus von einem Prozent.

Die Vermutung, die die Buchmacher schon seit Wochen (siehe Archiv) haben, wird jetzt mit Zahlen bestätigt: Politikbücher erhielten durch die vorgezogene Bundestagswahl keinen Anschub. Ganz im Gegenteil, das Sachbuch lieferte im September mit einem Umsatzminus von 8,48 Prozent (in Bezug auf den Vorjahresmonat) das schlechteste Ergebnis im Warengruppenvergleich des Buchreports. Die drei meistverkauften Sachbücher des letzten Monats: der Rechtschreib-Duden, Corinne Hofmanns "Wiedersehen in Barsaloi" und Peter Hahnes "Schluss mit lustig - Das Ende der Spaßgesellschaft" (mehr).

Euphorische Stimmung bei Carlsen: Rund eine Million Exemplare des neuen Potter-Bands gingen nach Verlagsrecherchen am Erstverkaufstag durch die Kassen. Eine Zahl, mit der keiner gerechnet hat und die dennoch für den Buchreport ganz logisch ist, hätten doch die Medien diesmal im Vorfeld nicht so viel Getöse gemacht, keine großen Erwartungen geschürt. Letzte Woche schrieb das Magazin noch über einen "abebbenden Harry Potter-Hype" (siehe Archiv), diesmal heißt es: "Weil das Besondere im Hype um Harry mittlerweile zur Routine geworden ist, erreichte das Beben in den Massenmedien nicht mehr die Höchstwerte auf der Potterskala, die bei Erscheinen der letzten Bände zu verzeichnen waren." Hier der vollständige aktuelle Artikel, der unter anderem den "Potter-Rausch im Detail" beschreibt.

Abschreibende Wikipedia-Autoren kratzen am Image der freien Internet-Enzyklopädie. Der jüngst erbrachte Nachweis, dass einige Beiträge in der Wikipedia "1 zu 1" aus anderen Quellen übernommen sind, und der damit verbundene Verstoß gegen das Urheberrecht, lässt Wikimedia-Mitglied Mathias Schindler weiterhin ruhig schlafen. Er kontert im Buchreport: "Die Zahl der Fälle bei denen zum Beispiel Journalisten aus der Wikipedia abschreiben, ohne die Quelle zu nennen, ist größer." Verhindern, dass geklaute Artikel in die Wikipedia gelangen, könne man nicht. Man könne aber dafür sorgen, dass solche Artikel innerhalb einer Woche entfernt würden.

Der Handel mit gebrauchten Büchern blüht in den USA wie nie zuvor. Das haben auch die amerikanischen Sortimenter gesehen und räumen dem Second-Hand-Segment immer größer Flächen ein. Bereits 65 Prozent der stationären Buchhändler seien beim Gebrauchtbuchgeschäft dabei, zitiert der Buchreport eine neue Studie der Book Industry Study Group. Dass vor allem die Nachfrage nach gebrauchter Unterhaltungsliteratur überdurchschnittlich schnell steigt, bereitet den Verlegern jenseits des Atlantiks Sorge. Sie könnten die Verlierer des Trends sein, denn gut möglich ist, dass sich der florierende Second-Hand-Markt auf Dauer negativ auf den Absatz der Neuerscheinungen auswirkt.

Personalien: Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, ist in die Akademie Deutscher Buchpreis des Börsenvereins berufen worden. Mehr. Christiane Düring arbeitet seit Anfang Oktober als Programmleiterin im Arena Verlag, vorher war sie Belletristik-Lektorin bei Lübbe.

Meldungen: Der österreichische Tosa Verlag zieht unter das Dach des größten privaten Verlags der Alpenrepublik, Carl Ueberreuter. Der Manga-Spezialist Tokyopop steigt ins DVD-Geschäft ein. Jan Philipp Reemtsma wird mit dem "Preis der Kritik" des Hamburger Hoffmann und Campe-Verlags ausgezeichnet, das heißt in Naturalien: 99 Flaschen Wein und die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Werkausgabe. Der frühere Börsenvereins-Vorsteher Gerhard Kurtze will sich mit einem Förderverein für die Buchstadt Leipzig und das buchwissenschaftliche Angebot der örtlichen Universität stark machen. Aus dem Stand weg auf den Spitzenplatz der Spiegel Bestsellerliste Belletristik ist "Harry Potter und der Halbblutprinz" gesprungen. Was sich sonst in den "Top 50" der Buch-Charts getan hat, hier.

Die Buchmacher vom 04.10.2005 - buchreport.express

Einen abebbenden Harry Potter-Hype hat der Buchreport im Vorfeld des Erstverkaufstags von "HP 6" ausgemacht. Lieferengpässe seien aufgrund der reichlich bemessenen Start-Auflage unwahrscheinlich, Marketing-Maßnahmen und Logistik hätten sich eingeschliffen und der Plot sei nach der halbe Million verkauften englischen Originalausgaben bereits bekannt, argumentiert das Magazin. Anzeichen einer Marktsättigung haben sich im übrigen schon früher gezeigt: Die im Januar auf den Markt gekommene Taschenbuch-Ausgabe des ersten Bandes schaffte es nicht auf die Bestsellerlisten, auf Harry Potter-Fassungen, die keiner Preisbindung unterliegen (zum Beispiel Hörbücher, DVDs, englischsprachige Bücher), gewähren viele Buch- und Medienhändler hohe Preisnachlässe.

Jane Friedman, Chefin des mächtigen US-amerikanischen HarperCollins Verlags, hat im Buchreport Unternehmens-Interna ausgeplaudert. Es reicht ihr wohl nicht mehr, was Buchhändler und Vertreter an sie herantragen, sie will direkte Information von Lesern. Punktgenaue Veröffentlichungen und die Erschließung neuer Absatzkanäle seien ihr Ziel, gab Friedman im Interview an. Deshalb soll in spätestens drei Jahren eine Datenbank funktionieren, in der mindestens sechs Millionen Datenstämme von Kunden gepflegt werden.

Der Internet-Buchhandel stagniert. Zwar prognostiziert die neueste Studie von ARD und ZDF, dass bis 2010 drei Viertel der Deutschen das Internet nutzen. Nach wie vor sei es aber eine Minderheit, die ihr Geld im Online-Handel ausgebe, schreibt der Buchreport. Laut der Studie der Rundfunkanstalten sowie einer weiteren vom Börsenverein in Auftrag gegebenen Studie, liegt der Konsumentenanteil, der Bücher per Versand kauft, bei unter zehn Prozent ohne Tendenz zum Wachstum. Wachstumschancen für Internet-Buchhandlungen könnten sich nach Ansicht des Buchreports durch eine Optimierung der Bestellmodalitäten und Service-Funktionen wie Amazons "Search Inside the Book" ergeben.

AudioBooksCologne wird in 2006 nicht mehr als Messe stattfinden. Die Kölner Hörbuchmesse im Rahmen der lit.Cologne, die zu ihrem Start im März diesen Jahres zeitgleich mit der Leipziger Buchmesse lief, war von vielen Ausstellern wegen der Terminüberschneidung kritisiert worden. Der Name ABC solle bestehen bleiben, erläuterte lit.Cologne-Geschäftsführer Werner Köhler im Buchreport. Neuer Kooperationspartner der ABC ist die in Köln mehrfach ansässige Mayersche Buchhandlung. Mit Mayerschem Personal und in den Mayerschen Räumen möchte die Buchhandelskette die Hörbücher der interessierten Verlage präsentieren.

Nicht die Verlage von Romanen, Sachbüchern oder Kinderbüchern geben weltweit den Ton an - im Buchreport-Ranking der größten Buchkonzerne rangieren Verlage für Fachliteratur ganz vorn. Größter unter den Großen ist der niederländisch-britische Riese Reed Elsevier mit 7,096 Milliarden Euro Umsatz. Erst nach vier weiteren Fachverlagsgruppen und dem Mischkonzern Reader's Digest folgt auf Platz 7 mit der Bertelsmann-Buchtochter Random House ein Publikumsverlag.

Meldungen: Der Bertelsmann Buchclub setzt mit neuem Shop-Konzept - Club-Läden mit integriertem Cafe - auf Heimeligkeit; nach Unternehmensangaben ließen sich beim Pilot-Laden in kurzer Zeit rekordverdächtig viele Mitglieder anwerben. In Bayern wird weiter um Tarifabschlüsse gerungen, ver.di will die bisher vereinzelten Streikaktivitäten in der Buchbranche (bisher legten Angestellte von Weltbild, Hüthig und Hugendubel die Arbeit nieder) im Oktober ausweiten. Die Top-Bestseller der letzten Woche sind auch die Top-Bestseller dieser Woche. Mehr.

Die Buchmacher vom 26.09.2005 - buchreport.express

Ver.di hat vor dem Hintergrund der Tarifauseinandersetzungen in Bayern Warnstreiks auf den Buchhandel ausgeweitet. Warum auch die Hauptstadt-Mitarbeiter der Münchener Hugendubel-Kette vergangene Woche die Arbeit niedergelegt haben, hier.

Das Schulbuchgeschäft im Internet hat Konjunktur. Von wem der Impuls, Schulbücher online zu bestellen hauptsächlich ausgeht und welches Schulbuch es im Amazon-Totalranking unter die "Top 20"-Seller geschafft hat, hier.

Und: die Bestseller.
Stichwörter: Hugendubel

Die Buchmacher vom 12.09.2005 - buchreport.express

Politikbücher werden derzeit groß nachgefragt, weiß der Buchreport und zählt vier politische Sachbücher, die es letzte Woche in die entsprechende Spiegel-Bestsellerliste und sechs politische Sachbücher, die es in die Gong-Bestsellerliste geschafft haben, auf. Die meisten Verlage glauben zwar an die Nachhaltigkeit ihrer Wahl-Bücher, dagegen sprechen die kleinen Auflagen, mit denen sie dem Risiko des Verfallsdatums begegnen. Bei Bedarf könne immer noch nachgedruckt werden, heißt es unisono.

Der positive Buchreport-Umsatztrend der vergangenen Monate setzt sich fort: Im Vergleich zum Vorjahresmonat hatten die Buchhändler Ende August vier Prozent mehr Geld in der Kasse. Die niedrigpreisigen Sondereditionen drückten weiterhin den Durchschnittspreis der Bücher, erläutert der Buchreport. Dafür seien 6,5 Prozent mehr Exemplare verkauft worden. Gut gegangen sind letzten Monat zum Beispiel die Originalausgabe von "Harry Potter VI", die Bände der "Bild-Comic-Bibliothek" und die Jubiläums-Duden.

Weiteres: Der Stern hat eine attraktive Nische im Billigbuch-Sektor aufgetan. Zum Jahreswechsel lässt er in Kooperation mit Random House die 24-bändige Buchserie "Glanzlichter des Kriminalromans" anlaufen. Hier der vollständige Artikel. Was Amazon anpackt, scheint zu flutschen - ansonsten wird nachgeholfen. Nach dem Start ins Geschäft mit dem Verleih von Film-DVDs zieht der Onlineshop eine positive erste Bilanz. "Die Ausleihzahlen steigen kontinuierlich", teilte das Unternehmen dem Buchreport - unter Geheimhaltung der Zahlen - mit.

Meldungen: Der Kölner Kiepenheuer & Witsch Verlag hat beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde gegen das gerichtliche Verbot von Maxim Billers Roman "Esra" eingelegt; begründet wird der Schritt mit der fehlerhaften Auslegung der Kunstfreiheit. Literaturnobelpreisträger Günter Grass schreibt an seinen Memoiren, voraussichtlicher Erscheinungstermin: Herbst 2006. Der Bundesverband Presse-Grosso vermeldet nach bereits schwachen Vorjahren einen erneuten Umsatzrückgang um 1,12 Prozent.

Die Buchmacher vom 05.09.2005 - buchreport.express

Der Buchreport fordert von den Verlagen eine Reform der Novitätenauslieferung. Das Gros der Buchhändler kritisiere, dass "die Masse der Neuerscheinungen in der Belletristik und im Sachbuch nahezu zeitgleich im Februar und März und dann noch einmal im August und September" auf den Markt geworfen werden. Eine Entzerrung der Auslieferung würde den Sortimentern zu einer stressfreieren Bewältigung des Wareneingangs und einer besseren Verteilung der Rechnungen verhelfen. Weiterer Vorteil: Auch in traditionell umsatzschwachen Monaten - etwa Juni, Juli - könnten Kaufanreize geschaffen werden. Einige wenige Verlage praktizieren übrigens schon erfolgreich das Konzept der "über das Jahr verteilten Novitätenauslieferung".

Mit Spannung erwartet der Buchreport die erste Resonanz auf die von Elke Heidenreich präsentierte 26-bändige "Brigitte-Buchedition" (Start-Termin war: 27. August). Zwar hält das Magazin Heidenreich für "Deutschlands überzeugendste Buchverkäuferin", dennoch müsse sich die Reihe der Frauenzeitschrift erst noch bewähren: Sie richtet sich nur an die Hälfte der Bevölkerung, hat weniger populäre und literarisch anspruchsvollere Titel als zum Beispiel die "Bild-Bestseller-Bibliothek", kostet aber das Doppelte.

Immer mehr Verlage schwimmen auf der Sonderausgaben-Welle mit. Zum selben "Kampfpreis", mit dem sich die Hardcover der SZ-Bibliothek und der "Bild-Bestseller-Bibliothek" so wunderbar verkauft haben, schiebt DuMont den Vorgänger von Michel Houellebecqs neuem Roman "Die Möglichkeit einer Insel" an: Für 4,95 Euro konkurriert "Plattform" als so genannte gebundene Erfolgsausgabe mit der Taschenbuch-Ausgabe (bei Rowohlt), die für einen Preis von 9,90 Euro schätzungsweise nur noch schwerlich Abnehmer finden wird. Schaden begrenzend für Rowohlt, dass die Sonderausgabe eine Limitierung bis zum Jahresende hat.

Die Nachfrage nach fremdsprachigen Original-Hardcovern steigt. Warum, und welche Konsequenzen dieser Trend für die Kalkulation in deutschen Verlagen hat, hier.

Amazon gelingt es fast jede Woche, sich ins Gespräch zu bringen. Diesmal schlägt Patrick Breyer Alarm: Die Online-Buchhandlung gehe unsensibel, gar gesetzwidrig mit Kundendaten um. "Amazon speichert den kompletten Klick-Stream der Kunden mit Adressen, Zahlungsdaten und Suchwörtern. Außerdem werden diese Daten gemeinsam mit ebenfalls aufgezeichneten Bestellungen und Verkäufen ohne jede zeitliche Befristung aufbewahrt", so der Vorwurf des Frankfurter Juristen im Detail. Das angegriffene Unternehmen antwortete im Buchreport, es wolle mit den gespeicherten Informationen lediglich das Einkaufserlebnis der Kunden individuell gestalten und verbessern.

Meldungen: Die Titel, die "Bücherfee" Heidenreich in ihrer "Lesen!"-Sendung (morgen, 22:15 Uhr, ZDF) bespricht, stehen fest. Zwei Tage vor der Wahl wird auf dem "Blauen Sofa" (zum ersten Mal in Berlin, im Rahmen des internationalen literaturfestivals) die Rolle der Kultur in der Politik diskutiert. Der Schriftsteller Josef Winckler bekommt in seiner Geburtsstadt Rheine ein eigenes Museum; Eröffnung ist am 27. November. Libri hat als erstes Barsortiment ein eigenes Hörbuch-Downloadportal gestartet. Die Spiegel Bestsellerliste HC Belletristik verzeichnet diese Woche zwei Neueinsteiger, wie sie unterschiedlicher kaum sein können: Susanne Fröhlich und Michel Houellebecq. Mehr.

Die Buchmacher vom 29.08.2005 - buchreport.express

Nach der lokalen, regionalen und nationalen Filialisierung folgt jetzt die weltweite Expansion: Die französische Buchkette Fnac (mit über vier Milliarden Euro Umsatz an der Weltspitze) will ihr Konzept zum Exportschlager machen. In den derzeit 122 Fnac-Medienkaufhäusern in Europa, Brasilien und Taiwan haben Bücher zwar weiter ein symbolisches Gewicht, sie liegen aber mit 18 Prozent Umsatzanteil hinter CD-Roms (33 Prozent) und CDs (23 Prozent) nur auf dem dritten Platz, beschreibt der Buchreport die Geschäftssituation. Erschrecken mag neben der Abkehr vom Buch auch die radikale Reduzierung der Produktvielfalt in den letzten Jahren und der vom Konzern vorgeschriebene Anteil der Selbstbestimmung der Filialen. In Deutschland hatte Fnac sich 1991 niedergelassen, nach kurzer Zeit aber den Rückzug angetreten.

Die "Frankfurter Allgemeine Bücherei" ist gescheitert. Das Frankfurter Oberlandesgericht verpflichtete FAB-Herausgeber Hans Magnus Enzensberger dazu, zunächst seinen Herausgeber-Vertrag mit Eichborn zu erfüllen. Die Planer der bibliophilen FAZ-Reihe hätten das Urteil mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, berichtet der Buchreport. Denn: Erst nach einer juristischen Beratung seien die Vorschauen für weit über 10.000 Euro gedruckt worden. Das Magazin sorgt sich wegen des "nicht zu beziffernden Imageschadens" für die FAZ und Enzensberger.

Auf Achterbahnkurs sind die deutschsprachigen Taschenbuch-Verleger im September. "Auf der einen Seite steigt die Belletristik-Produktion auf 348 Titel (plus 9,34 Prozent), auf der anderen Seite fahren die Verlage ihre Sachbuch-Produktion auf 195 Titel (minus 27,24 Prozent) zurück", analysiert der Buchreport. Insgesamt sinke der Anteil der Novitäten gegenüber dem Vorjahresmonat um sieben Prozent. In der Kalkulation der Taschenbücher gebe es im kommenden Monat ein heftiges Auf und Ab: Sachbücher kosteten mehr als im Vorjahr (10,15 Euro durchschnittlich), belletristische Titel kosteten weniger (8,31 Euro). Billigbuchreihen sei Dank sind die Taschenbücher im September preiswerter (8,97 Euro durchschnittlich) als im Vorjahr.

Kunstbuchhandlungen wollen nicht mehr nur "Schaufenster für billige Onlinehändler" sein. Federführend beklagt der Kölner Walther König die Aktivität der Internetversender auf dem Terrain der fremdsprachigen (nicht preisgebundenen) Kunstbildbände. "In einem Brief an 50 europäische Verleger hat er um Solidarität mit dem Sortiment geworben", weiß der Buchreport. König wolle erreichen, dass die Verlage auf die großen Internethändler einwirkten, die empfohlenen Preise nicht zu weit zu unterbieten.

Meldungen: Sechs Wochen nach Erscheinen der Originalausgabe des sechsten Harry-Potter-Bands hat Übersetzer Klaus Fritz die Übertragung ins Deutsche abgeschlossen (macht 101 Seiten pro Woche). Autor Tom Wolf erhielt den Berliner Literaturpreis "Krimifuchs 2005". Der brasilianische Regisseur Walter Salles verfilmt gemeinsam mit Produzent Francis Ford Coppola Kerouacs "On the Road". Langweilig ist der Blick auf die Spiegel Bestsellerliste Hardcover Belletristik: die Plätze 1 bis 5 unverändert. Dafür etwas mehr Bewegung in den anderen Rubriken.

Die Buchmacher vom 22.08.2005 - buchreport.express

Der Buchreport greift den jüngsten Arbeitsbericht des Preisbindungstreuhänders Dieter Wallenfels auf und widmet seine Titel-Geschichte dem Dauer-Streitpunkt von Verlagen, Zwischenbuchhändlern und Buchhändlern: den Konditionen. Derzeit müssen Gerichte im Einzelfall entscheiden, ob zum Beispiel der Rabatt, den ein Verlag einer kleinen Buchhandlung gewährt, zu niedrig oder die Forderung eines Filialisten nach zusätzlichen Rabattpunkten gesetzeswidrig ist. Eine Entschärfung des Problems könnte nach Ansicht von Preisbindungstreuhänder und Börsenverein mit der Festlegung von Mindest- und Höchstrabatten einhergehen, erklärt der Buchreport. Bisher seien allerdings alle Versuche, allgemeinverbindliche Regelungen außerhalb der Gerichtsschranken zu schaffen, am Kartellamt oder auch im Verband gescheitert.

Wie erfolgreich sind die Buch-Sondereditionen der Zeitungen und Zeitschriften? wollte der Buchreport wissen und hat sich angeschaut, wo die 147 aktuell lieferbaren Titel von SZ, Bild, Brigitte & Co. auf der Liste der vom Buchhandel meistverkauften Bücher (in der Woche vom 8. bis 13. August) rangierten. Welcher Titel es auf den höchsten Platz (Platz 4) schaffte und welcher das Schlusslicht (Platz 86.231) bildete, hier.

Die Bekanntmachung, dass Google die Digitalisierung von Büchern stoppt - eine der heißesten Neuigkeiten der letzten Woche (siehe Archiv) - rückt der Buchreport durch Nachrecherche ins rechte Licht. Zum einen sei der Digitalisierungs-Stopp bis November befristet, zum anderen betreffe er nur einen kleinen Teil der "Google Print"-Aktivitäten: urheberrechtlich geschützte Titel aus den Bibliotheken Stanford, Michigan, Harvard, New York und Oxford, die Google seit Dezember ohne Rücksprache mit den Verlagen gescannt und mit kurzen Textauszügen ins Netz gestellt hat. Die Digitalisierung der urheberrechtsfreien Bibliotheksbestände führt Google fort.

Online-Antiquare melden den Trend zum gebrauchten Lehrbuch. "Bei Fächern, in denen das Wissen nur eine kurze Halbwertzeit hat, sind Neubücher angesagt. Klassiker, die zum Kanon zählen, sucht der akademische Nachwuchs immer häufiger bei den Gebrauchtbuch-Anbietern im Netz", geht aus einer Studie der Redaktion von abebooks auf Basis des Spiegel-Hochschulrankings hervor. Abebooks-Konkurrent ZVAB hat schon reagiert und für das studentische Publikum unter Uni ZVAB einen eigenen Link eingerichtet.

Meldungen: Martin Mosebach erhält den mit 20.000 Euro dotierten Kranichsteiner Literaturpreis des Deutschen Literaturfonds. Im September wird postum Marlon Brandos einziges, Anfang der 70er Jahre zusammen mit dem Drehbuchautor Donald Cammell verfasstes, Buch "Fan-Tan" auf den amerikanischen Markt gebracht. Zum Schluss: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 16.08.2005 - buchreport.express

Der Buchreport nimmt das neue Weltbild-Konzept (siehe auch Archiv) unter die Lupe und resümiert: "Der Konzern setzt alle Regeln außer Kraft, nach denen traditionelle Publikumsverlage bisher ihre Bücher produzieren." Im Einzelnen: Weltbild präsentiert keine kompletten Programme, konzentriert sich nur auf wenige Autoren. Die potenziellen Bestseller erscheinen nicht im Halbjahres-, sondern im Monatsrhythmus. An den Buchhandel geliefert wird erst ab 20 Exemplaren, kleinere Mengen müssen beim Barsortiment bestellt werden. Alle Titel sind trotz Großformat und sorgfältiger Ausstattung in der untersten Preiskategorie (Slogan: "Von Anfang an zum Weltbild-Preis") angesiedelt. Es gibt weder Vorschauen noch Vertreter, stattdessen ein "aktionsorientiertes Marketing".

Downloadportale und Verleihsysteme verändern den Hörbuchmarkt. "Die rasante Entwicklung lässt sich an den jüngsten Zahlen des Portals Audible ablesen: Für das zweite Quartal meldet audible.de - im Dezember 2004 gestartet - eine Umsatzsteigerung von 300 Prozent gegenüber dem ersten Quartal", schreibt der Buchreport. Nach Audible hätten sich in kurzen Abständen weitere Anbieter formiert, darunter Claudio, diadopo.de und ohrbuch.net. Gerüchten zufolge liebäugelt auch Branchenriese Amazon mit dem Einstieg ins Downloadgeschäft.

Kein Vorwärtskommen sieht der Buchreport "im Problemstau an der Baustelle Verzeichnis lieferbarer Bücher" (Archiv). "Die MVB kann sich nicht entscheiden, was das VlB in allererster Linie sein soll. Eine Marketingplattform für Verlage, ein Recherchetool für Buchhändler oder eine Datenclearingstelle. Momentan versucht man alles gleichzeitig zu sein. Ich behaupte, dass dieses Konzept nicht aufgehen kann", so bringt es ein anonymer Verfasser im VlB-Onlineforum auf den Punkt.

Nach 150 Jahren Geschäftstätigkeit steht die Hannoveraner Buchhandlung Schmorl & Seefeld vor dem Aus. Der Buchreport hat die Meldung zum Anlass genommen, sich anzuschauen, welche Traditionsbuchhandlungen dieses und vergangenes Jahr Insolvenz anmelden mussten und wer gerettet oder übernommen werden konnte.

Englischsprachige Autoren erobern die internationalen Bestsellerlisten. Das besagt eine Studie des schwedischen Fachblatts Svensk Bokhandel. Es hat ein Jahr lang die Bestsellerlisten von zehn europäischen Ländern - darunter auch Deutschland - und der USA untersucht. "In nahezu jedem aufgelisteten Land besetzen Autoren aus den USA und Großbritannien ein Drittel der Bestsellerränge", fasst der Buchreport zusammen. "In Deutschland ist ihr Anteil sogar höher als derjenige der deutschsprachigen Autoren." Ein weiterer Trend sei die geringe Zahl von Autoren auf den Listen.

Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia will sich offline neue Zielgruppen erschließen. Bis zu 50 Einzelthemen pro Jahr sollen künftig als Taschenbücher ausgekoppelt werden. Band 1 erscheint spätestens im Oktober und stellt die Wikipedia selbst in den Mittelpunkt. Die Wissensgemeinschaft sei vor allem bei aktuellen, nicht akademischen Lexikonthemen, mit denen sich traditionelle Verlage schwer tun, stark, erklärte Vertriebsleiter Kilian Kissling dem Buchreport und gab damit einen Hinweis auf die inhaltliche Richtung der Buchreihe.

Personalien: Dan Brown-Lektor Marco Schneiders steigt zum Leiter des Gesamtprogramms bei Lübbe auf. Vorher erledigte Heike Fischer diesen Job.

Meldungen: Das von Hans Magnus Enzensberger gegründete und zuletzt im Rowohlt Verlag publizierte Kursbuch erscheint ab dem 25. August in neuem Format im Zeit-Verlag. Die Auflage liegt bei 20.000 Exemplaren. Zum Schluss: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 08.08.2005 - buchreport.express

Die Buchfilialisten weiten ihre Expansionsziele aus. Nachdem die Ketten bereits in fast allen Einkaufszentren der Großstädte vertreten sind, interessieren sie sich nunmehr für die Mittel- und Kleinstädte. Traditionsreiche kleine Sortimenter fürchten dort "amerikanische Verhältnisse" und rüsten sich in David'scher Manier, etwa durch eine Vergrößerung der Verkaufsflächen, Spezialisierung auf wenige Warengruppen oder Ausweitung des Industriegeschäfts. "Wer nicht reagiert, hat kaum eine Chance", prophezeit der Buchreport. Mehr zu den Expansionsplänen der "Großen" und zu Modellreaktionen ortsansässiger "Kleiner".

Mit der Eröffnung des Zanolli-Insolvenzverfahrens vergangenen Montag hatten die 90 verbliebenen Mitarbeiter das Nachsehen sprich die Kündigung in der Hand. Der MA-Handel des Kölner Unternehmens wird durch eine Auffanggesellschaft fortgeführt. Zwei am Verfahren Beteiligte standen, als es zur Verteilung kam, in erster Reihe: Der als Insolvenzverwalter eingesetzte Rechtsanwalt Jörg Nerlich soll gerüchteweise Anteile an der Zanolli-Nachfolgegesellschaft übernommen haben, Unternehmensgründer Guido Zanolli in führender Position am Ruder bleiben, schreibt der Buchreport. Sorgen machen dürfte dem Pleitier, dass die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen Verdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelt.

Harry Potter zaubert den Buchhändlern eine schwarze Null (im Vergleich zum Vorjahresmonat, der sogar einen Verkaufstag mehr hatte) in die Juli-Kasse. Auch der kumulierte Wert (beide Zahlen: Buchreport-Umsatztrend) sollte die Sortimenter hoffnungsfroh stimmen: Nach sieben Monaten steht er aktuell bei +1,85 Prozent. Den Buchverkäufern ginge es, nimmt man Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung hinzu, besser als den anderen Einzelhändlern, stellt der Buchreport fest. Die Umsatz-Zuwächse im letzten Monat wären im übrigen noch größer ausgefallen, hätten sich Filialisten und Onlinehändler nicht eine Riesen-Preisschlacht um den neuen Potter geliefert.

Die Warengruppen im Sortiment haben sich im Juli heterogen entwickelt. Während das Schulbuch ein Umsatzminus von 4,4 Prozent (verglichen mit Juli 2004) für sich verbuchen musste, blieb das Hörbuch mit einem Plus von knapp 14 Prozent stark und führte die Liste der Umsatzzuwächse abermals an. Schwächelnde Juli-Warengruppen waren neben dem Schulbuch das Sachbuch, Fachbuch und Hobby. Die Original-Ausgabe von "Harry Potter VI" avancierte trotz eines Erstverkaufstags Mitte Juli zum meistverkauften Belletristik-Titel des letzten Monats.

Geänderte Rahmenbedingungen bei der Lernmittelbeschaffung vermiesen den stationären Buchhändlern das Sommer-Geschäft (siehe auch Abschnitt "Warengruppen"). Zwei Faktoren zeichnet der Buchreport für die Umsatzrückgänge bei Schulbüchern verantwortlich: zum einen stetig sinkende öffentliche Ausgaben für Lernmittel und zum anderen die wachsende Konkurrenz der Onlinebuchhändler. "Sie sind in allen Bereichen, auf die es beim Schulbuchgeschäft ankommt, traditionell gut aufgestellt: Bestellservice, Logistik, Lieferzeit und Katalogisierung", begründet Christian Russ, Geschäftsführer des Bundesverbands der Versandbuchhändler.

Meldungen: Am 13. September wird der Internationale Buchpreis Corine verliehen, die diesjährigen Preisträger stehen bereits fest. Die Bestsellerlisten spiegeln diese Woche den "sommerlichen Novitätenstopp" wieder. Mehr.
Stichwörter: Corint