Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 74 von 86

Magazinrundschau vom 30.11.2004 - New Yorker

In einer Glosse macht George Saunders einen Vorschlag zur Lösung sämtlicher Probleme im Irak: Alle 300 Millionen Amerikaner sollten zwecks Aufbauhilfe unbewaffnet und geschlossen in den Irak gehen; bei rund 25 Millionen Irakern wäre dann jeder von ihnen für "einen zwölftel Iraker" zuständig. "Die beste medizinische Versorgung und neuesten Behandlungsmethoden? Haben wir mitgebracht. Probleme mit der Wasserversorgung? Bitte sehr. Kein Strom? Dass ich nicht lache. Amerikanische Elektriker sind die besten Elektriker der Welt." Und wenn der Irak dann schließlich friedlich und in einen Zustand "ekstatischer Normalität" versetzt worden sei, "dann könnten wir alle in den Sudan gehen und dort weitermachen."

Weiteres: In einem ausführlichen Porträt stellt Laura Miller den irischen Pionier der Fantasy-Literatur Lord Dunsany (mehr hier und hier) vor. Atul Gawande lotet die Untiefen des amerikanischen Gesundheitswesens aus und beschreibt, was passiert, wenn Patienten "herausbekommen, wie gut ihre Ärzte wirklich sind". Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Foreigners" von Andrew O?Hagan.

Besprechungen: Peter Schjeldahl wirft einen Blick auf die neue Präsentation der MoMA-Bestände ("leicht anzuschauen"). John Lahr sah die neue Show von Dame Edna (mehr) "Back with a Vengeance!? und eine Inszenierung von Woody Allens Stück "A Second Hand Memory". Adam Gopnik rezensiert Michael Dregnis Biografie über Django Reinhard ("Django: The Life and Music of a Gypsy Legend", Oxford). Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Biografie über den russischen Choreografen George Balanchine.

Sasha Frere-Jones bespricht das neue Album "Encore" von Eminem. Es ist das schlechteste von allen, findet sie, nur einen Song nimmt sie aus: "Mosh". Und Anthony Lane besichtigte Oliver Stones neuen Monumentalfilm über "Alexander" - den Großen -, ein Projekt, das Stone "unerklärlicherweise" schon seit über 30 Jahren gereizt habe. "In der Zwischenzeit war Stone gezwungen, seine Zeit mit läppischen kleinen Kammerspielen wie 'Natural Born Killers', 'Born on the Fourth of July' und 'Platoon' zu füllen. Aber jetzt endlich ist die Stunde gekommen - zwei Stunden und fünfzig Minuten, um genau zu sein."

Nur in der Printausgabe: die Ergebnisse eines Forschungsberichts über die tatsächlichen Entscheidungsgründe für einen Präsidentschaftskandidaten, ein Porträt von Ole Anthony, dem pastoralen Vorsteher der Trinity Foundation, der die geldgeilen "Multimediapfaffen" geißelt, sowie Lyrik von Günter Grass, Mark Strand und Louise Glück.

Magazinrundschau vom 23.11.2004 - New Yorker

In einem wunderbaren Text erinnert sich Jonathan Franzen (mehr) an seine Kindheit und an die zentrale Rolle, die die Peanuts darin spielten. "Ein Beispiel: Linus nervt Lucy und bettelt sie an, ihm eine Geschichte vorzulesen. Damit er Ruhe gibt, schnappt sie ein Buch, schlägt es irgendwo auf und liest: 'Ein Mann wurde geboren, lebte und starb. Ende.' Sie wirft das Buch zur Seite und Linus hebt es ehrfürchtig auf. 'Was für eine faszinierende Geschichte', sagt er. 'Man könnte sich fast wünschen, den Typ gekannt zu haben.' Die perfekte Albernheit von Sachen wie diesen, ihre buddhistische Unergrüdlichkeit entzückten mich schon mit zehn Jahren." Gegen Ende des Texts schildert er eine herrlich bizarre Szene zwischen seinen Eltern, in der es um die - titelgebende - "Behaglichkeitszone" auf dem Heizungsthermostat ging. "Ich frage mich, warum 'cartoonhaft' eine Abwertung geblieben ist. Ich habe jedenfalls mein halbes Leben gebraucht, um es zu schaffen, meine Eltern als Cartoons zu sehen. Und wenn ich selbst etwas cartoonmäßiger würde: Was wäre das für ein Sieg."

Weiteres: David Sedaris (mehr) erzählt gleichermaßen komisch wie melancholisch von den "Grenzen der Liebe"; im Zentrum seiner Geschichte stehen zwei schwule wetteifernde Hypochonder und ein gemeines Furunkel. Robert Gottlieb porträtiert George S. Kaufman, den "vermutlich größten Hitschreiber" in der Geschichte des Broadway. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Joke" von Roddy Doyle.

Elizabeth Kolbert stellt Fritz Ringers neue Max-Weber-Biografie vor. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einem Sammelband amerikanischer Comics vor 1945 und einer Geschichte des Zeichentrickfilms. Alex Ross sieht mit dem Wechsel von James Levine von der New Yorker Met zu den Bostoner Philharmonikern "eine neue Ära" anbrechen. Und David Denby sah im Kino "Kinsey", die Filmbiografie des Sexualwissenschaftlers Alfred C. Kinsey mit Liam Neeson in der Hauptrolle.

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über die Suche nach Menschen auf der Flucht, ein Fan verabschiedet sich von der Oper, und Lyrik von Yehuda Amichai.

Magazinrundschau vom 16.11.2004 - New Yorker

In einem sehr lesenswerten Artikel denkt Malcolm Gladwell differenziert und beispielsreich über Facetten des "geistigen Eigentums" und des "geistigen Diebstahls" nach. Anlass ist Bryony Laverys Broadway-Stück "Frozen" über die Beziehung zwischen einem Serienmörder und einer Psychiaterin. Vorbild für die weibliche Hauptrolle war die - real existierende - Psychiaterin Dorothy Lewis. Lavery hatte sich ausführlich und teilweise wörtlich aus Veröffentlichungen der Ärztin bedient und deren persönliche Erfahrungen dramatisiert. Lewis, so Gladwell, sei nicht nur wütend, weil die Autorin "ihre Lebensgeschichte kopiert", sondern auch weil sie sie "verändert" habe; und damit "nicht nur wütend über den geistigen Diebstahl", sondern "auf die Kunst". Das sei verständlich, nur sei "Kunst kein Verstoß gegen die Ethik". Die "grundlegende Verlogenheit fundamentalistischer Verteidiger gegen Plagiate" besteht für Gladwell in ihrer Behauptung, es gebe keinerlei "Einfluss- oder Entwicklungsketten" für Sätze und Gedanken, sondern dass "Schriftstellerworte einer Jungfrauengeburt entstammen und das ewige Leben haben".

Weitere Artikel: Sasha Frere-Jones porträtiert die britisch-tamilische HipHoperin Maya Arulpragasam, die unter dem Künstlernamen M.I.A. auftritt und bewertet ihre Musik als "Beispiel für zeitgenössische bodenständige Weltkultur" (hier ist ein aktuelles Video zu sehen). In einem ausführlichen Essay begibt sich Anthony Lane auf Spurensuche und erzählt, wie es vor hundert Jahren zur Erfindung der Figur Peter Pan durch den schottischen Journalisten, Dramatiker und Kinderbuchautor James Matthew Barrie (mehr) kam. Anlass ist der neue Film "Finding Neverland", "eine etwas ausgeschmückte Version" eben dieser Geschichte mit Johnny Depp als J.M. Barrie. Peter Schjeldahl bespricht die große Raffael-Ausstellung in der National Gallery in London. Zu lesen ist außerdem David Denbys Essay über das Kino von Pedro Almodovar und die Erzählung "My Heart is a Snake Farm" von Allan Gurganus.

Nur in der Printausgabe: Jane Kramer berichtet in einem Brief aus Europa von einem "Kulturkrieg", den das Kopftuchverbot für islamische Schülerinnen ausgelöst habe. Und Roger Angell schreibt über die Red Sox.

Magazinrundschau vom 08.11.2004 - New Yorker

John Updike hat das von Yoshio Taniguchi umgebaute MoMA besichtigt. Leicht fröstelnd schreibt er: "Nichts in dem neuen Gebäude ist aufdringlich, nichts billig. Es ist atemberaubend, keine Kosten wurden gescheut. Es hat den Zauber einer Bank nach Geschäftsschluss, einer Honigwabe, aus der man den Honig entfernt hat und ist von einem sanften Schimmer durchzogen. Der geniale Projektleiter William J. Malloney, der mich führte, zitierte den Architekten, der dem Museumsvorstand etwas gesagt habe wie: 'Besorgen Sie mir viel Geld, und Sie bekommen viel Architektur dafür. Wenn Sie noch mehr Geld beschaffen, lasse ich die Architektur verschwinden.' Und irgendwie ist sie das tatsächlich, verschwunden."

Paul Goldberger dagegen lobt die Eleganz, mit der Taniguchi den Erweiterungsbau ins Stadtbild eingefügt habe. Taniguchi habe vor allem "ein Paradox begriffen, das seinem Projekt innewohnte: dass nämlich das Gelingen, das Museum als es selbst zu erhalten, zumindest zum Teil von seiner Fähigkeit abhängen würde zu erkennen, wie viel dafür verändert werden musste."

Weiteres: In einer ausführlichen Analyse untersucht Jon Lee Anderson, ob im Irak, wo Bushs "De-Baathifizierungsprogramm" die Unruhen anheize, noch ein Kurswechsel möglich ist. "Wehe uns!" überschreibt Hendrik Hertzberg seinen Kommentar über den Ausgang der Präsidentenwahl. ("Hier, im traurigsten Bezirk der traurigsten Stadt des traurigsten Staats unseres rot-weiß-blauen Landes, war die vergangene Woche keine glückliche. Wir haben den Blues".) Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Triumph of the Southside Ladyjacks" von James Ellis Thomas.

Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einem Buch von Tom Wolfe ("I Am Charlotte Simmons") und einer Biografie über P. G. Wodehouse. Anthony Lane sah im Kino den neuen Zeichentrickfilm der Macher von "Findet Nemo", "The Incredibles", und eine Wiederaufführung von Samuel Fullers "The Big Red One", der auch nach 25 Jahren nichts von seiner "Hartnäckigkeit" verloren habe.

Nur in der Printausgabe: ein Artikel über ängstliche Eltern, die furchtbar viel Geld ausgeben, um ihre Kinder groß zu bekommen, eine Reportage über das Steuern eines Schiffs, das größer als die Titanic ist, ein Bericht über einen französischen Medienskandal und eine Bewertung der amerikanischen TV-Wahlberichterstattung.

Magazinrundschau vom 01.11.2004 - New Yorker

In einem Essay denkt Malcolm Gladwell über Formen der Verarbeitung von Unglück oder schrecklicher Erfahrungen nach. Unter Einbeziehung neuerer psychologischer Studien vergleicht er in einem literaturwissenschaftlichen Exkurs zwei Romane, deren Protagonisten denkbar unterschiedliche mit ihren Problemen umgehen: Sloan Wilsons Roman "The Man in the Gray Flannel Suit" von 1955 über das Leben der amerikanischen Mittelklasse in den Vorstädten ("verblüffend aktuell") und Tim O'Briens Vietnam-Roman "In the Lake of the Woods" von 1994. Gladwells Fazit: Der Unterschied zwischen den Romanen liege darin, dass wir heute nicht begriffen, "dass die Wirklichkeit den Befürchtungen nie entspricht". Wilsons Buch "stammt aus einer Zeit und einer Kultur, die das Vertrauen und die Klugheit besaß, diese Wahrheit zu verstehen". Den Schlusssatz von Wilsons Held - "Ich liebe dich mehr als ich sagen kann" - würde heute wohl niemand mehr schreiben, "aber nur deshalb, weil wir für die Tatsache blind geworden sind, dass die Vergangenheit früher oder später verblasst". Vierzig Jahre später, in O'Briens Roman, zerbricht der Held an seinem Kriegstrauma.

Weitere Artikel: David Remnick schreibt über einen Besuch bei Amos Oz (mehr) in Israel. Meghan O'Rourke porträtiert den bekanntesten Jugendbuchautor des USA, Edward Stratemeyer (1862-1930, mehr), der so populäre Bücherserien wie die "Hardy Boys" und "Nancy Drew" begründete. In einer Kolumne beschreibt Ian Frazier mehrere Fälle heikler Urteile bei Konflikten mit Kindern ("Das Gericht entschied, dass es ganz egal sei, was für ein Tier Dumbo ist, und dass jetzt geschlafen wird"). Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Breakup Stories" von Jonathan Franzen (mehr).

Buchbesprechungen: Louis Menand rezensiert eine Studie über die nationale Bedeutung von John F. Kennedys Rede von 1961 anlässlich seiner Amtseinführung ("Ask Not: The Inauguration of John F. Kennedy and the Speech That Changed America", Holt). Peter Schjeldahl verreißt eine "fette" Biografie über den englischen Kunsthändler Joseph Duveen vor (1869-1939), der Anfang des letzten Jahrhunderts "die amerikanischen Millionäre in Kunstliebhaber verwandelte" (Meryle Secrest: "Duveen: A Life in Art", Knopf); dafür lobt er eine "kleine, eher skizzenhafte Studie", die der Dramatiker S. N. Behrmann bereits 1951 im New Yorker veröffentlicht hatte.

Alex Ross durchstreift die New Yorker Downtown Musikszene. John Lahr bespricht das Ein-Personen-Stück "9 Parts of Desire", das sich mit der Unterdrückung irakischer Frauen auseinandersetzt, und eine Inszenierung des Gerichtsdramas "Twelve Angry Men". Joan Acocella porträtiert den argentinischen Tänzer Herman Cornejo ("derzeit wohl der technisch vollkommenste Tänzer der USA"). Und David Denby sah im Kino "Ray", eine Verfilmung der Karriere von Ray Charles, und das Wiedergeburtsdrama "Birth" des britischen Regisseurs Jonathan Glazer mit Nicole Kidman, den "inzwischen dritten Film in den vergangenen sechs Monaten, in dem sich eine schöne Frau in einen Jungen verliebt, der sie an jemanden erinnert".

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über eine das FBI aufmischende Mitarbeiterin und die Ausbildung zum Spion, die Geschichte eines Mannes, der das Meisterwerk eines befreundeten Schriftstellers zerstörte, sowie Lyrik von Gerald Stern und Derek Walcott.

Magazinrundschau vom 25.10.2004 - New Yorker

Viel, viel Lesestoff in dieser Woche. In einem Kommentar rechnet der New Yorker gnadenlos und detailliert mit den "Fehlern, der Arroganz" und der "Inkompetenz" der Bush-Regierung ab und gibt eine klare Wahlempfehlung für John Kerry: "Kerrys Anlagen sind einer Feuerprobe unterzogen worden- dem Feuer wirklicher Kugeln und dem politischen Feuer, das mit Sicherheit nicht abklingen, sondern heller lodern wird sollte er gewählt werden - und er hat nicht nur bewiesen, dass er stark und unverwüstlich ist, sondern auch, dass er über eine wahrlich präsidentschaftliche Dosis würdevoller Autorität verfügt. Während Bush unbarmherzig die engen Bedürfnisse seiner Basis befriedigte, war Kerry bestrebt, die breite amerikanische Mitte anzusprechen. In einer Zeit der primitiven Vetternwirtschaft hat er ein fundamental undogmatisches Temperament bewiesen. Indem er für die Wiederherstellung des amerikanischen Mainstream warb, hat Kerry darauf beharrt, dass in dieser Wahl die dringendsten Angelegenheiten des Moments entschieden werden sollten, Angelegenheiten, die über das amerikanische Leben im kommenden halben Jahrhundert entscheidend sind. Diese Beharrlichkeit ist der Maßstab für seinen Charakter. Er ist einfach die bessere Wahl ... als Bürger hoffen wir auf seinen Sieg." Unterschrieben ist der Kommentar mit "The Editors".

Weitere Artikel: Peter J. Boyer untersucht unter der vielsagenden Überschrift "Der Gläubige", wie Paul Wolfowitz den Irak-Krieg verteidigt. Paul Simms glossiert einen Artikel in der Times, dessen Autorin auf einer Anti-Bush-Demonstration beobachtet haben will, dass eine Teilnehmerin die allfälligen "Shame!"-Rufe "mit einem Jazzriff begleitete, während ihr Freund auf einer afrikanischen Flöte improvisierte". Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Memoirs of a Muse" von Lara Vapnyar.

Besprechungen: Peter Schjeldahl führt durch eine Ausstellung aztekischer Kunst im Guggenheim Museum. John Updike bespricht eine Neuübersetzung des Pentateuch "The Five Books of Moses" (Norton). Die Kurzbesprechungen beschäftigen sich unter anderem mit Ludmilla Shterns Erinnerungen an ihren engen Freund Joseph Brodsky. Sasha Frere-Jones freut sich über die Neuauflage eines Albums von The Clash von 1979. Und Anthony Lane sah im Kino die Verfilmung von Ian McEwans "Enduring Love" durch Roger Michell und die Wiederaufführung von Peter Davis Vietnam-Dokumentation "Hearts and Minds" von 1974.

Nur in der Printausgabe: Lyrik von Anthony Hecht und Dorothea Tanning.

Magazinrundschau vom 18.10.2004 - New Yorker

George Packer kommentiert das letzte TV-Duell zwischen Bush und Kerry. Der von Bush gebetsmühlenartig gegen Kerry ins Feld geführte Begriff des Liberalismus habe, so Packer, "seine Wirkung als Beleidigung wahrscheinlich eingebüßt. Als Vision von Gleichheit und Gerechtigkeit - zwei Worte die Kerry letzten Mittwoch auszusprechen wagte - hat er nie an Bedeutung verloren". Der nächste Präsident könne dem in dieser Hinsicht gründlich lädierten Ansehen der USA wieder auf die Beine helfen, "wenn er die Macht des Amts dazu nutzen würde, die (gegenwärtige Entwicklung) zu korrigieren. Er müsste sich dabei gar nicht als Liberalen bezeichnen, sondern einfach wie einer handeln."

Weiteres: David Grann porträtiert den Washingtoner Journalisten und Politikchef der ABC News, Mark Halperin ("Insider der Insider der Insider"), und seinen jüngst auf der Website von ABC News installierten politischen Nachrichtenüberblick "The Note" ("in einem raunenden Jargon geschrieben, der für Außenseiter oft unverständlich ist"). Dana Goodyear erzählt die Hintergründe einer gerichtlichen Auseinandersetzung um mehrere Bilder von Gustav Klimt, darunter das berühmte Porträt "Adele Bloch-Bauer I"; deren Nichte, eine vor den Nazis in die USA gefüchtete Jüdin, klagt gegen den österreichischen Staat auf Rückgabe der Werke. In einer Glosse kündigt Mark Singer an, in Rente zu gehen. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Old Friends" von Thomas McGuane.

Malcolm Gladwell bespricht eine Studie über die Macht und Preispolitik der amerikanischen Pharmaindustrie ("The Truth About the Drug Companies: How They Deceive Us and What to Do About It", Random House). Die Kurzbesprechungen streifen unter anderem den ersten Band von Bob Dylans Erinnerungen.

Dass das Büro nebst des darin arbeitenden Personals in der Tat zunehmend zum literarischen und filmischen Topos werden, belegt auch die BBC-Fernsehserie "The Office", der Nancy Franklin bescheinigt einfach perfekt zu sein. John Lahr sah im Theater "Reckless" von Craig Lucas und Shakespeares "Richard III". Alex Ross bespricht eine Inszenierung von Mozarts "Zauberflöte" an der Metropolitan Opera. Und David Denby ist begeistert von "Sideways", den neuen Film von Alexander Payne ("About Schmidt").

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über Altersarmut, ein Porträt des englischen Schriftsstellers Michael Frayn und Lyrik von Seamus Heaney, Wislawa Szymborska und Jack Gilbert.

Magazinrundschau vom 11.10.2004 - New Yorker

Nase voll vom amerikanischen Wahlkampf? Lesen Sie Philip Gourevitchs wirklich spannende Darstellung einer noch spannenderen Entwicklung - inzwischen behaupten ja alle, Bush werde die Wahlen gewinnen. Doch mit drei großen Reden ist es John Kerry im September gelungen, das große Thema von Bush - den Irakkrieg - quasi zu kapern. "In diesen Reden gelang es Kerry, als Kriegsgegner und Falke gegen Terroristen rüberzukommen - ein bemerkenswerter Balanceakt ... Sein 'Plan' für Irak war so skizzenhaft wie ehrgeizig - Alliierte einbeziehen, Training erhöhen, Wiederaufbau intensivieren, Aufstellung und Anwerben einer Schutztruppe der Vereinten Nationen, um Wahlen zu ermöglichen, und, wenn alles klappt, die amerikanischen Truppen innerhalb eines Jahres abziehen. Kerry behauptete nicht, es sei einfach, andere Länder zur Mithilfe zu bewegen. 'Aber ich habe Neuigkeiten für Präsident Bush', sagte er. 'Nur weil Sie es nicht konnten, bedeutet das nicht, überhaupt niemand könne es tun.'"

Weitere Artikel: Nicholas Lehmann blickt zurück auf Bushs Regierungszeit unter Berücksichtigung der Frage, warum er so radikal wurde. Anthony Lane denkt über Ronald Reagan als Schauspieler nach. Daniel Radosh berichtet über eine Universitätsklasse, deren Lehrstoff im Schreiben von Leserbriefen an die New York Times besteht. Lesen dürfen wir außerdem die Erzählung "The Alpine Slide" von Rebecca Curtis.

Anthony Lane sah im Kino "P.S.", den neuen, nach seinem "lebhaften" Debüt "Roger Dodger" sehr ruhigen Film von Dylan Kidd, und das von Gus Van Sant mitproduzierte Dokudrama "Tarnation", in dem Jonathan Caouette sein eigenes Leben erzählt. Die Kurzbesprechungen beschäftigen sich unter anderem mit einem Band zum Verhältnis der amerikanischen Neokonservativen und dem deutschstämmigen Philosophen Leo Strauss und einem Buch über lügende Präsidenten.

Nur in der Printausgabe: ein Artikel über die Mittel, die George Soros einsetzt, um Bush zu schlagen, Überlegungen zur Voraussagbarkeit des Ausgangs der Präsidentenwahl, ein Bericht über die Entscheidung zur Stammzellenforschung, die den Wählern zufällt, eine Bericht über die Bedeutung von Großstädten für die Umwelt, sowie Lyrik von Edward Hirsch, Elizabeth Alexander, Clive James und Glyn Maxwell.

Magazinrundschau vom 04.10.2004 - New Yorker

In einer umfangreichen Reportage berichtet Michael Specter über die Bedrohung, die in Russland inzwischen von AIDS ausgeht. "AIDS ist keine Thema, über das die Leute in Russland reden. Obwohl es sich hier schneller ausbreitet als anderswo in der Welt, gibt es praktisch keine Informationsspots im Fernsehen, und die Regierung tut so gut wie nichts für Prävention, Behandlung, Aufklärung oder Betreuung. In diesem Jahr beträgt das Gesamtbudget für HIV-bezogene Belange etwas über fünf Rubel pro Person - weniger als der Preis für ein Päckchen Zigaretten."

Weiteres: John Cassidy untersucht, ob sich Amerika von fremdem Öl unabhängig machen kann. Adam Gopnik verabschiedet den Fotografen Richard Avedon, der noch bis zum Schluss in jedem New Yorker mit einem Porträt vertreten war. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Scheme of Things" von Charles D'Ambrosio.

Besprechungen: David Denby las eine Studie, die sich mit der Geburt des modernen Lebens aus dem intellektuellen Milieu in Edinburgh im 18. Jahrhundert beschäftigt ("Crowded with Genius", Harper Collins). Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Biografie der Malerin Georgia O'Keeffe. Nancy Franklin stellt die vierteilige TV-Serie "Tanner on Tanner" über einen fiktiven demokratischen Präsidentschaftskandidaten vor, mit der Robert Altman und Garry Trudeau ihre Produktion "Tanner ?88" von 1988 fortsetzen, außerdem die Dokumentation "Diary of a Political Tourist" von Alexandra Pelosi, die fast zwei Jahre lang die Kandidatensuche der Demokraten für den Präsidentschaftswahlkampf begleitet hat. Und David Denby sah im Kino Mike Leighs Sozialdrama "Vera Drake", das in diesem Jahr in Venedig den Goldenen Löwen gewann, und den Historientheaterfilm "Stage Beauty" von Richard Eyre.

Nur in der Printausgabe: Porträts der ökologischen Marketingstrategin Mary Jane Butters und des religiösen Geldschefflers Creflo Dollar sowie Lyrik von Edward Hirsch und Mark Strand.

Magazinrundschau vom 27.09.2004 - New Yorker

In seiner ellenlangen, sehr informativen Reportage aus Kirkuk untersucht George Packer, ob die Stadt zum Schlachtfeld eines neuen ethnischen Konflikts werden könnte - diesmal zwischen Kurden und Arabern. Zu Beginn erzählt er die Geschichte eines Überraschungsbesuchs von Saddam Hussein im Haus einer Familie von assyrischen Christen im Jahr 1983, die bis zur Verstaatlichung durch die Baath-Partei für die von englischen Managern geführte Öl-Gesellschaft gearbeitet hatten. "Der lange anhaltende Krieg gegen die irakischen Kurden hatte sich verstärkt, und es schien, als wolle Saddam sich der Loyalität jener versichern, die in der wichtigen Ölindustrie arbeiteten. Noch heute erinnert sich Luna Dawood an Saddams Besuch als ein wenig schwindelerregend: Er sah gut aus in seiner Militäruniform und nahm sich Zeit, das Haus zu bewundern und freundliche Fragen zu stellen. Sein Eau de Toilette war derart penetrant, dass Dawood den Geruch an ihrer Hand, die Saddams Hand geschüttelt hatte, tagelang nicht los wurde. Und das Sofa im Wohnzimmer roch so stark, dass man es weggeben musste."

Weiteres: Christopher Buckley stellt einen Katalog mit Verhaltens- und Auftrittsregeln für die Präsidentschaftskandidaten während der TV-Debatten auf ("Die Kandidaten sollen keine Helme tragen"). Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Dressmaker?s Child" von William Trevor. Ruth Franklin rezensiert den jetzt erschienenen dritten Band der autorisierten Biografie von Norman Sherry über Graham Greene ("The Life of Graham Greene", Viking). Die Kurzbesprechungen widmen sich heute Büchern, deren Autoren von ihrem Leben in fremden Ländern und Städten berichten, darunter Bombay und Honolulu. Sasha Frere-Jones wirft einen Blick auf die aktuellen Pop-Charts. Und David Denby sah im Kino die Komödie "I love Huckabees" von David O. Russell (mit Dustin Hoffman und Isabelle Huppert) und John Sayles Politthriller "Silver City" - in beiden Filmen wittert Denby das Selbstmitleid von Liberalen, die ahnen, dass Bush wiedergewählt wird.

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über Weltraumtourismus, ein Porträt des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan (mehr), ein Artikel über die Fernsehnachrichten von CBS und Lyrik von Derek Walcott und Joseph Brodsky.