
Heute kein Enthüllungsbericht von Seymour Hersh, sondern der zu wenig Hoffnung Anlass gebende
irakische Alltag: Nir Rosen
berichtet aus
Falludschah, dem Ort des heftigsten Widerstands gegen die US-Invasion: "Fallduschah ist eine der in Sachen Religion konservativsten Städte im 'sunnitischen Dreieck', aber das Zusammentreffen des von
Moqtada al-Sadr angeführten schiitischen Aufstands und der Belagerung Falludschahs durch die US-Marines hatte über die religiösen Differenzen hinweg eine
kuriose Solidarität gestiftet. Ein hier lebender Dichter rezitierte eine Gedicht, das den Titel 'Tragödie von Falludschah' trägt. Ich habe ihn kaum verstanden, wegen seines starken Akzents, aber diese Sätze habe ich herausgehört: 'Falludschah ist eine große
Dattelpalme. Sie wird nie erlauben, dass jemand ihre Datteln berührt. Sie wird
Pfeile in die Augen derjenigen schießen, die von ihr probieren wollen. Dies ist Falludschah, deine Braut, O Euphrat! Sie wird nie einen anderen lieben als dich. (...) Amerikaner haben ein Loch gegraben und die Wurzeln der Dattelpalme herausgerissen.'"
Bestätigung findet die Skepsis von Rosens Reportage in den
nüchternen Zahlen, über die ein Kommentar von George Packer
informiert: "Eine Umfrage, die die CPA (die provisorische Kontrollmacht im Irak) in Auftrag gegeben hat, kam zum Ergebnis, dass
zwei Prozent der Iraker großes Vertrauen in die Koalitionskräfte haben, achtzig Prozent haben gar keins und mehr als die Hälfte glaubt, dass alle Amerikaner sich benehmen wie die Gefängnisaufseher in Abu Ghraib."
Besprechungen: Andrew Kirsch
bespricht eine neue
Dylan-Thomas-Biografie - und informiert in einem Exkurs zur
Wirkungsforschung darüber, dass der Name Dylan 1914, im Jahr der Geburt des Autors, so gut wie unbekannt war und auf eine obskure Figur der walisischen Mythologie zurückgeht. Neunzig Jahre und einen Popmusiker, der dem Dichter zu Ehren das Pseudonym Bob Dylan annahm, später, ist Dylan immerhin auf Platz 19 der männlichen Vornamen in den USA. Die Biografie ist im übrigen
klatschverliebt, aber in Ordnung, meint Kirsch. Etwas weniger gut, aber auch nicht ganz schlecht
findet Thomas Mallon einen Roman von
Jerry Stahl, der den skandalumwitterten
Stummfilmkomiker Fatty Arbuckle als Ich-Erzähler wieder auferstehen lässt.
David Denby
gerät sehr ins Schwärmen über
Julie Delpy und Richard Linklaters "Before Sunset" (besser als Rohmer!) - und wünscht sich sogleich einen dritten Teil dieser Fortsetzungsromanze. Für einen mittelmäßigen und zutiefst überflüssigen Film hält er dagegen
Steven Spielbergs Flughafen-Komödie
"The Terminal".
Ganz was anderes: Paul Simms
betet zu Gott und bittet darum, ihn bloß keinen
komischen Tod sterben zu lassen. Keine Luftschiffe, kein Unfall mit einem Kerl namens Roger Crash. Und: "Wenn ich
beim Sex sterben muss, dann bitte nicht aus einem der folgenden Gründe: extreme Austrockung, unerkannte Allergie gegen Öle mit Fruchtgeschmack oder 'Massage'öl, Hautkomplikationen wegen
Teppichverbrennung oder im Zusammenhang mit dem Gebrauch - oder Missbrauch - von Gegenständen, die als 'seltsam' zu bezeichnen sind."