
Mark Danner hat den als "streng vertraulich" deklarierten Report des Internationalen Roten Kreuzes über die "Behandlung von 14 hochrangigen Gefangenen in CIA-Gewahrsam" gelesen (
und ins Netz gestellt), der detailliert festhält, dass und wie diese Gefangenen
systematisch gefoltert wurden. Allerdings
vermisst Danner Antwort auf die entscheidende Frage: "Der einzige Weg, Folter politisch greifbar zu machen und aus dem Zentrum einer 'Politik der Angst' zu räumen, ist, den sie umgebenden, aus der Geheimhaltung resultierenden Mythos mit offiziellen und überzeugenden Informationen darüber zu ersetzen, wie sie angewandt und
was damit tatsächlich erreicht wurde. Dass dies bisher nicht der Fall war, ist die Ursache dafür, dass trotz unzähliger Berichte, Untersuchungen und Enthüllungen, die uns ein sehr farbiges und lebendiges Bild von der Folterpolitik der Regierung Bush geben, die Gesellschaft in dieser Frage
keinen Schritt weiter gekommen ist. Wir haben es bisher nicht geschafft, überparteilich, glaubwürdig und politisch entscheidend herauszufinden, ob mit diesen Handlungen das erklärte und immer noch behauptete Ziel erreicht wurde: die Sicherheitsinteressen des Landes zu verteidigen."
J.M. Coetzee ist fasziniert von der ganz vorbildlichen Ausgabe der
Briefe Samuel Becketts aus den Jahren 1929 bis 1940: "Wanderungsbewegungen von Künstlern stehen nur grob in Verbindung mit den Schwankungen der
Wechselkurse. Trotzdem ist es kein Zufall, dass Beckett 1937, nach der neuerlichen Abwertung des Franc, Irland verließ, um wieder nach Paris zu gehen. Das Geld ist ein immer wiederkehrendes Thema in seinen Briefen, besonders zum Ende eines Monats hin. Seine Briefe aus Paris sind voller ängstlicher Notate darüber, was er sich leisten kann und was nicht (Hotelzimmer, Essen). Auch wenn er niemals hungerte, lebte er eine feinere Version von der Hand in den Mund. Bücher und Bilder waren sein einziger persönlicher Luxus. In Dublin lieh er sich dreißig Pfund, um ein Bild von Jack Butler Yeats zu kaufen, dem Bruder von William Butler Yeats. In München kaufte er sich die kompletten Werke von
Kant in elf Bänden."
Weiteres: Der
Historiker Orlando Figes stellt die Memoiren des Herausgebers der Yale University Press,
Jonathan Brent, vor,
"Inside the Stalin Archives", der erzählt, wie er sich für die große Edition "Annals of Communism" in die
sowjetischen Archive begab, deren Leiter meist wichtige Dokumente an Historiker und Journalisten
verkauften und so zu ganz unbescheidenem Wohlstand kamen. Figes findet auch einige deutliche Worte zu den jüngsten Schikanen der russischen Obrigkeit gegen die
Organisation Memorial. (Anne Applebaum hat über diese Ausgabe in Slate
geschrieben.) David Hare
macht sich einige grundlegende Gedanken über
Israels Mauer und die irritierende Tatsache, dass ein Großteil der Israelis dafür ist: "Haben Sie je erlebt, dass 84 Prozent einer Bevölkerung für etwas sind?" Und Hilary Mantel
setzt sich mit
Marilyn Frenchs vierbändiger
"Geschichte der Frauen" auseinander.