Magazinrundschau - Archiv

The New York Review of Books

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Magazinrundschau vom 07.10.2008 - New York Review of Books

In seinem Buch zur Kreditkrise "The New Paradigm for Financial Markets" sagt George Soros das Ende einer Ära voraus: Zu Ende gehe eine lange Phase der Stabilität, die Dominanz der amerikanischen Wirtschaft und des Dollars. John Cassidy möchte nicht dagegen wetten, zumal Soros schon sehr früh sehr hellsichtig die Krise prophezeit hat: "Mehr noch als seinen Investorenkollegen an der Wall Street, die sich all die neuen, nun implodierten Kreditinstrumente ausgedacht haben, gibt Soros die Schuld den Aufsichtsbehörden und Zentralbankern, die den hochexplosiven Geschäften noch Vorschub leisteten. Das System der Selbstregulierung überließ viele amerikanische und europäische Banken ihrem internen Risikomanagement. Für die einzige externe Kontrolle sorgten kommerzielle, von den Banken selbst bezahlte Rating-Agenturen wie Moody's und Standard & Poor. 'Ich halte es für überaus schockierend, wie Aufsichtsbehörden die Verantwortung abgegeben haben', schreibt Soros. 'Wenn sie selbst das Risiko nicht kalkulieren können, dürfen sie den Instituten unter ihrer Aufsicht nicht erlauben, es einzugehen. Das Risikomodell der Banken basierte auf der Annahme, dass das System stabil ist. Aber anders als die Marktfundamentalisten glauben, ist die Stabilität der Finanzmärkte keineswegs sicher. Sie muss aktiv von den Behörden gewährleistet werden.'"

Ein schöner Sieg, den Washington da neuerdings für sich im Irak reklamiert, spottet Peter W. Galbraith: "Religiöse Schiiten-Parteien, Irans engste Alliierte, kontrollieren die Zentralregierung des Iraks und den ölreichen Süden des Landes. Eine sunnitische Miliz mit dem Namen 'Das Erwachen' dominiert das Zentrum des Landes. Sie wird von eben den Baathisten geführt, für deren Sturz wir 2003 in das Land einmarschiert sind."

Weiteres: Colm Toibin erkennt große Ähnlichkeiten zwischen Barack Obama und James Baldwin. Sanford Schwartz bewundert Louise Bourgois, der das New Yorker Guggenheim Museum gerade eine große Ausstellung widmete. Besprochen werden auch Paul Stewarts Buch "Galapagos", Annie Proulx' Erzählungen "Fine Just the Way It Is" und eine Neuedition des Lindisfarne Evangeliums.

Magazinrundschau vom 23.09.2008 - New York Review of Books

Charles Simic hat den neuen Roman von Philip Roth gelesen: "Indignation", die Geschichte eines 19-jährigen US-Soldaten, der im Koreakrieg einen langsamen, qualvollen Tod stirbt, verpasse einem genau den Schlag auf den Kopf, den wir ab und zu brauchen, um uns das eigene Glück zu vergegenwärtigen. "Das Verbot des Pentagons, die Rückkehr toter Soldaten oder ihre Beerdigungen abzubilden soll uns davon abhalten, für den Moment die Rolle des Schriftstellers anzunehmen, über ihr Leben nachzudenken und darüber, für welchen Zweck sie eigentlich gestorben sind. Diese Ordnung der Dinge, nichts über die Schicksale Anderer zu wissen, ist offensichtlich notwendig, wie Tschechow in einer seiner Geschichten bemerkte. Was er zu sagen hatte, traf auf das damalige Russland genauso zu wie auf das heutige Amerika: 'Anscheinend fühlt sich der glückliche Mensch nur deshalb wohl, weil die Unglücklichen ihre Last schweigend tragen und ohne dieses Schweigen das Glück unmöglich wäre.'" Diese Stille hat Roth, so Simic, meisterhaft durchbrochen.

Joseph Lelyveld blickt auf das politische Durcheinander im republikanischen Lager. Nach der erheblichen Aufmerksamkeit, die Sarah Palin schlagartig zuteil wurde, müsse McCain alles daran setzen, eine kohärente Strategie, ein "Narrativ" zu entwicklen. Diese Geradlinigkeit liefere eine Kandidation wie Palin: "Als ein Kandidat, der darauf aus ist zu gewinnen, war McCain mit einem Programm mehr als zufrieden, welches sich so drastisch von seinem eigenen unterschied, das Positionen vorgab, die er in der Strenge nie vertreten hatte, und es nach wie vor noch nicht tut, zum Beispiel bezüglich Abtreibung oder Immigration." Doch laut Lelyveld wird es schwer werden, die "unverantwortliche Entscheidung" für Palin zu rechtfertigen. "Überzeugende Argumente, sie ins Weiße Haus zu setzten, müssen noch erfunden werden."

Außerdem: Schriftsteller Michael Chabon berichtet über das Spektakel des demokratischen Parteitages in Denver. Edmund und Marie Morgan besprechen Annette Gordon-Reeds Buch "The Hemingses of Monticello: An American Family", in dem die Autorin der schweren Geburt des Jeffersonschen Ideals nachspürt.

Magazinrundschau vom 02.09.2008 - New York Review of Books

Putins Georgien-Feldzug hat die Kräfteverhältnisse im Kaukasus nicht verändert, meint George Friedman, dies sei schon lange vorher geschehen. "Aber noch wichtiger ist, dass Putins Invasion ein offenes Geheimnis enthüllt. Solange die USA im Mittleren Osten gebunden sind, haben ihre Garantien keinen Wert. Diese Lektion ist nicht für die Amerikaner bestimmt. Sie soll, vom russischen Standpunkt aus betrachtet, von den Ukrainern, den Balten und den Tschechen verdaut werden. Im Juli unterzeichnete die tschechische Regierung ein Abkommen mit den USA über die Installierung einer ballistischen Raketenabwehr, im August, nur Tage nach Beginn des Konflikts in Georgien kündigte die polnische Regierung an, dass sie den Amerikanern erlauben wird, Anti-Raketen-Basen in Polen zu bauen... Die Russen wussten, dass die USA den Angriff verurteilen würden. Das spielt ihnen nur in die Hände. Je lautstärker amerikanische Politiker auftreten, umso größer der Kontrast zu ihrer Untätigkeit. Und die Russen wollten klar machen, dass amerikanische Versprechen leeres Gerede sind."
Stichwörter: Georgien, Kaukasus, Raketen

Magazinrundschau vom 29.07.2008 - New York Review of Books

Mit großer Sympathie liest Zadie Smith die "BBC Talks" von E.M. Forster, die sie für ihren Humor und Charme sehr schätzt: "Forster war ein seltsamer Vogel. Er war frei von den Untugenden, die man bei den Romanciers seiner Generation gewöhnlich findet - was ihn auszeichnet, ist, was er nicht getan hat. Er wurde mit den Jahren nicht immer konservativer, seine Melancholie wandelte sich nicht in Misanthropie; er kniete nie vor dem Papst oder der Königin nieder, er flirtete auch nicht - im ideologischen Sinne - mit Hitler, Stalin oder Mao; er glaubte nie, dass der Roman tot war oder die Hügel am Leben, er las zeitgenössische Literatur auch, nachdem er fünfzig geworden war."

Joshua Hammer konstatiert deprimiert, dass Simbabwe keine Hilfe von außen gegen Robert Mugabes Terrorherrschaft erwarten kann: "China spielt eine Schlüsselrolle als Simbabwes Beschützer gegen die amerikanischen Bemühungen um eine Strafresolution im UN-Sicherheitsrat. Russland führt die Veto-Kräfte gegen Sanktionen mit der Behauptung an, dass Mugabes Wahlbetrug eine interne Angelegenheit sei und nicht in der Zuständigkeit der UN liege. China folgte dem nur zu gern, denn für den größten Investor in Simbabwe stehen enorme Einsätze in den Minen des Landes und lukrative Waffengeschäfte auf dem Spiel. Südafrika hat unter Präsident Tabo Mbeki Mugabes Regime diplomatischen Schutz bereit gestellt, wie auch Benzin, Energie und internationale Bankkonten für den inneren Zirkel - Anzeichen einer Veränderung sind nicht in Sicht."

Weiteres: Hugh Eakin untersucht, in welchem Zustand die archäologischen Stätten des Iraks fünf Jahre nach den großen Plünderungen während des Krieges sind. Samatha Powers wirft einen Blick auf die Ratlosigkeit der Demokraten in der Außen- und Sicherheitspolitik.

Magazinrundschau vom 05.08.2008 - New York Review of Books

Orville Schell erläutert in einem ausführlichen, erst jetzt online gestellten Essay, warum China mit einer solchen Besessenheit immer wieder an erlittene Demütigungen erinnert und seinen Opferstatus zelebriert, aber dank Olympia endlich wieder wer ist: "Nach eineinhalb Jahrhunderten des Hungers, des Krieges, der Schwäche, ausländischer Besatzung und revolutionären Extremismus, betrachtet eine wachsende Zahl von Chinesen - innerhalb und außerhalb des Landes - die Olympischen Spiele als den langerwarteten symbolischen Moment, in dem ihr Land endlich den alten Stereotypen entkommt, der unglückselige 'arme Mann Asiens' zu sein, ein ausgebeuteter 'hilfloser Gigant', Opfer einer fehlgeleiteten Kulturrevolution, das umnachtete Land, in dem 1989 die Volksbefreiungsarmee auf das Volk schoss. In einem einzigen symbolischen Streich versprach Olympia dem Land, mit der wüsten Geschichte aufzuräumen, das Erbe der Unterwerfung und Demütigung abzuschütteln und die Weltbühne wiedergeboren zu betreten - als die große Nation, die es einst war."

Magazinrundschau vom 01.07.2008 - New York Review of Books

In einem Literatur-Spezial begibt sich die Autorin Zadie Smith auf die Spuren des realen Kafkas, den man sich so schwer als großen, eleganten Mann mit einer Vorliebe fürs Schwimmen, Kino und Bordell vorstellen könne: "Dieser Kafka ist genauso schwer im Kopf zu behalten wie der Pynchon, der im Supermarkt einkaufen geht und Baseballspiele besucht, oder der Salinger, der älter wurde und seine Familie in Cornisch, New Hampshire aufzog. Leser sind unverbesserliche Fabulierer. Kafkas Fall geht jedoch weit über literarische Mythen hinaus. Er ist nicht nur mysteriös, er ist metaphysisch. Leser, die besonders von diesem Supra-Kafka angezogen sind, werden den alltäglichen Kafka schwer zu schlucken finden. Und umgekehrt. Ich habe mal in einer jüdischen literarischen Gesellschaft über Kafka gesprochen, über Michael Hofmanns These, dass es bei Kafka fast immer zu spät sei. Hinterher kam eine rüstige Dame in den Neunzigern und mit einem schweren Alte-Welt-Akzent auf mich zu und zupft an meinem Ärmel: 'Sie irren sich. Ich kannte Herrn Kafka in Prag. Er war nie zu spät."

Aktuell widmet sich Thomas Powers der amerikanischen Politik, deren konfrontativer Kurs gegenüber dem Iran zum Scheitern verurteilt sei: "Glaubt irgendjemand außerhalb der amerikanischen Regierung, dass es sinnvoll wäre, sich Probleme in diesem Ausmaß aufzuladen?" Besprochen werden - von Stephen Greenblatt - zwei New Yorker "Macbeth"-Inszenierungen und Bücher über Witze, die klar machen, dass Lachen zwar ein universellen menschliches Phänomen ist, aber extrem kulturell bedingt. Gern gelesen hätten wir noch Deborah Eisenbergs Artikel über "Das Genie von Peter Nadas", aber den gibt's nur im Print.

Magazinrundschau vom 10.06.2008 - New York Review of Books

Israel Rosenfield und Edward Ziff stellen die Arbeit des französischen Neurowissenschaftlers Jean-Pierre Changeux vor, der nicht nur festgestellt hat, wie gut Nikotin für Neuro-Rezeptoren ist (es mindert die Gefahr von Alzheimer und Parkinson), sondern auch, wie süchtig unser Gehirn nach Dopamin ist: "Opiate, Alkohol, Cannabis, Nikotin und andere Drogen können die Ausschüttung von Dopamin und erhöhen und die normale Funktion des Belohnungssystems untergraben. Eine Ratte, der Kokain ins Gehirn spritzt, wenn sie einen Hebel drückt, wird lieber unaufhörlich diesen Hebel weiterdrücken, anstatt Nahrung und Wasser zu sich zu nehmen. Zucker kann auch süchtig machen. Tatsächlich untersucht nun das Nationale Gesundheitsinstitut, ob Nahrungsmittel, die viel Fett und Zucker enthalten, als Suchtstoffe deklariert werden sollten - in der gleichen Kategorie wie Nikotin, Alkohol und Kokain."

Auch wenn Robert Mugabe nicht von der Macht lassen will, sieht Joshua Hammer doch einige Anzeichen für die Auflösung seiner Herrschaft über Simbabwe: "Während meiner früheren heimlichen Besuche in Simbabwe war das Meikles Hotel eine No-Go-Zone, das favorisierte Jagdgebiet der Central Intelligence Organization (CIO), Mugabes allgegenwärtigem Spitzeldienst. Aber jetzt tummelten sich hier Dutzende von nicht akkreditierten westlichen Journalisten, um sich die Pressekonferenzen der Oppositionspartei MDC anzuhören. 'Die Angst-Fabrik funktioniert nicht mehr', sagte mir John Makumbe, ein politischer Analytiker der Universität von Simbabwe und MDC-Unterstützer. Er traf sich zum ersten Mal offen im Hotel mit Menschenrechtsaktivisten und ausländischen Korrepondenten. 'Die CIO ist immer noch da, natürlich, aber sie sind demotiviert, entmutigt. Sie haben ihren Kampfeswillen verloren.'"

Weiteres: Was ist amerikanisch an der amerikanischen Kunst, fragt John Updike und kommt zu dem Schluss, dass sie vielleicht "keine Ideen außer von den Dingen" hat. Elizabeth Drew erzählt die Geschichte von Vietnam-Kämpfer Jim Webb, der erst Schriftsteller und dann demokratischer Senator von Virginia wurde. Jetzt ist er als Obamas Vize im Gespräch. Besprochen werden die Ausstellung "Sacred Bronzes of Southern India" in der Royal Academy of Arts, Marguerite Duras' Erinnerungen "The War" und Errol Morris' Abu-Ghraib-Film "Standard Operating Procedure".

Magazinrundschau vom 27.05.2008 - New York Review of Books

Robert Darnton, Leiter der Harvard-Bibliothek, blickt auf die großen Revolutionen der Informationstechnologie - die Erfindung der Schrift, des Kodex', des Buchdrucks und des Internets zurück und kann nicht finden, dass wir in einer Zeit bisher unbekannter Fülle an unzuverlässigen Informationen leben: "Ich würde behaupten, dass Nachrichten schon immer ein Artefakt waren und nie mit dem übereinstimmten,was tatsächlich passiert ist. Wir halten die Zeitung von heute für einen Spiegel der Ereignisse von gestern, aber sie wurde gestern Abend gestaltet, und zwar buchstäblich von Redakteuren, die die Seite eins nach willkürlichen Konventionen gestalten: Aufmacher in der Spalte rechts außen, Neben-Aufmacher links, weiches Thema unter dem Bruch, das Feature durch eine besondere Überschrift abgesetzt. Typografisches Design führt den Leser und formt die Bedeutung der Nachricht. Die Nachrichten selbst werden entsprechend bestimmter Konventionen erzählt, die Journalisten in ihrer Ausbildung gelernt haben: Aufbau gemäß der 'umgekehrten Pyramide', farbiger Einstieg, Code für hochstehende Quellen und so weiter. Nachrichten sind nicht das, was passiert sind, sondern Geschichten über das, was passiert ist."

Der Physiker Freeman Dyson hat auch in den neuesten Veröffentlichungen nichts gefunden, was ihn vom drohenden Klimawandel überzeugt hätte: "Alle Bücher, die ich über die Wissenschaft und Ökonomie des Klimawandels gelesen habe, treffen nicht das Hauptproblem. Dieses ist kein wissenschaftliches, sondern ein religiöses." Dyson schlägt daher vor, einfach genetisch veränderte Bäume zu pflanzen, die mehr CO2 absorbieren.

Weiteres: Michael Tomasky nimmt den von der Presse bisher recht wohlwollend behandelten John McCain näher unter die Lupe, stößt aber auch nur auf ein recht heftiges Temperament und widersprüchliches Abstimmungsverhalten. John Cassidy untersucht, wie die Präsidentschaftskandidaten auf die Immobilienkrise reagieren wollen. Besprochen werden Philip Glass' an der Met uraufgeführte Gandhi-Oper "Satyagraha" und neue Bücher über Selbstmord-Attentäter.

Magazinrundschau vom 20.05.2008 - New York Review of Books

Thomas Powers hat einen ganzen Stapel neuer Bücher zur verfahrenen Lage im Irak gelesen, an der auch ein neuer Präsident nichts wird ändern können: "Nicht nur Leben, Theorien über die nationale Sicherheit und der amerikanische Stolz stehen auf dem Spiel. Sondern auch Geld. Die beiden Kriege in Afghanistan und Irak haben bisher schon 700 Milliarden Dollar gekostet, und die Ökonomen Joseph Stiglitz und Linda Bilmes schätzen, dass noch einmal Kosten wie etwa für die medizinische Versorgung von zwei Billionen belaufen werden, selbst wenn der Irakkrieg sofort beendet würde. Aber die wahren Kosten sollten auch noch etwas anderen beinhalten - einen Teil des gestiegenen Ölpreises, den wir den Irakkriegszuschlag nennen können. selbst wenn wir den Krieg nur für zehn Dollar des insgesamt um 80 bis 90 Dollar gestiegenen Barrel-Preises verantwortlich machten, würde das 200 Millionen Dollar ausmachen - pro Tag."

Robert Barnett fand in Pico Iyers Porträt "The Open Road", den Dalai Lama offenbar recht überzeugend als Charismatiker gezeichnet, der durchaus in seiner politischen und spirituellen Substanz mit Nelson Mandela oder Vaclav Havel zu vergleichen sei. Allerdings haben die Ereignisse in Lhasa vom März die Lage verändert, bei der achtzig Tibert getötet und mehr als tausend verhaftet wurden. Sie drohen nun Opfer der Pekinger Maxime "kuai pi, kuai zhua, kuai shen, kuai sha" - "schnell erkennen, schnell verhaften, schnell verurteilen, schnell hinrichten" - zu werden.

Besprochen werden außerdem eine Reihe neuer Studien zum Islamischen Terrorismus, Patrick Hamiltons nun auch auf Englisch wieder aufgelegten Romane und John Lukacs' Churchill-Biografie "Blood, Toil, Tears and Sweat".

Magazinrundschau vom 29.04.2008 - New York Review of Books

Amy Knight bilanziert zum Ende von Wladimir Putins Präsidentschaft die Lage in Russland, die von Boris Nemzow und Wladimir Milow in dem Buch "Putin: The Results" als denkbar schlecht eingeschätzt wird. (Der Verlag der Novaja Gazeta hat für das Buch keinen Vertrieb gefunden hatte, so dass es nur am zeitungseigenen Kiosk auf dem Puschkinplatz verkauft werden kann.) "Viel wurde über Medwedews relativen Liberalismus gesprochen, aber es wäre für ihn politisch höchst riskant, sich an Reformen zu wagen wie etwa eine Lockerung der staatlichen Kontrolle über die Presse und die Wirtschaft oder eine Zügelung der Sicherheitsdienste. Auch wenn solche Veränderungen Russlands zukünftiger Entwicklung zugute käme, würde Medwedew damit zu vielen mächtigen Leute und Interessen in die Quere kommen. Es ist auch nicht wahrscheinlich, dass er gegenüber dem Westen eine flexiblere Politik betreiben wird. Wie Milow zu mir sagte: 'Medwedew ist ein Repräsentant einer neuen Generation russischer Bürokraten: Sie hören westliche Rockmusik, sprechen Fremdsprachen, tragen Brioni-Anzüge. Aber tief in ihrem Innern sind sie durch und durch russische Nationalkonservative... Sie nehmen die Vorteile der westlichen Zivilisation gern mit, aber nicht ihre Werte.'"

Besprochen werden eine Ausstellung zur ebenso "ironischen wie teuflischen" Frida Kahlo im Philadelphia Museum of Art, ein Buch über die Zukunft des Nahen Osten "Dreams and Shadows" der Washington-Post-Korrespondentin Robin Wright (der Max Rodenbeck einige "unangenehme, aber faszinierende" Einsichten verdankt), der Roman "Unaccustomed Earth" der indischen Autorin Jhumpa Lahiri, Peter Matthiessens Mammutwerk "Shadow Country: A New Rendering of the Watson Legend" sowie Werke von und über den Liberalkatholiken Michel de Certeau.

Abgedruckt wird die Mitschrift eines Interviews, das George Soros dem Wirtschaftssender Bloomberg zur internationalen Finanzkrise gab.