
Die Ukrainer hätten ihre
Lenin-Denkmäler ruhig stehen lassen können,
meint Slavoj Zizek und erinnert daran, dass Lenin
seinen
letzten
Kampf gegen Stalin und dessen Projekt einer zentralisierten Sowjetunion führte. 1922 mussten auf Stalins Geheiß die Ukraine, Belarus, Aserbaidschan, Armenien und Georgien "ihren Wunsch" erklären, der Sowjetunion beitreten zu dürfen, 1939 dann die drei baltischen Staaten: "Mit all dem kehrte Stalin zur
vorrevolutionären Politik des Zaren zurück: Russlands Kolonisierung Sibiriens im 17. Jahrhundert und des muslimischen Asiens im 19. Jahrhundert wurde nicht länger als imperialistische Expansion verurteilt, sondern begrüßt, weil es diese rückständigen Gesellschaften auf den Pfad der fortschrittlichen Modernisierung brachte. Putins Außenpolitik ist eine klare Fortsetzung der zaristisch-stalinistischen Linie." Und Zizek schließt: "Die
Demonstranten vom Maidan waren Helden, doch der wahre Kampf - für eine neue Ukraine - beginnt erst jetzt, und er wird noch härter als der Kampf gegen Putins Intervention. Ein neues und riskanteres Heldentum wird nötig sein. Gezeigt haben es schon jene Russen, die sich der nationalistischen Leidenschaft ihres Landes entgegenstellen und sie als Instrument der Macht entlarven. Es ist an der Zeit für eine
Solidarität von unten zwischen Ukrainern und Russen."
Der Historiker
Richard Evans rollt noch einmal den
Reichstagsbrand auf und verwirft die von
Benjamin Carter Hetts Streitschrift "Burning the Reichstag" erneut angefachte These, dass der Brand doch nicht von Marinus van der Lubbe, sondern von den Nazis gelegt wurde. "Verschwörungstheorien sind nicht notgedrungen falsch, in manchen Fällen gibt es viele Hinweise, dass großen historischen Ereignissen Konspirationen zugrunde liegen. Aber nicht in diesem Fall."
Außerdem: Jenni Diski
liest ein Buch von Lynne Segal über das
Altern im Allgemeinen und das
Altern von Frauen im Besonderen. Und Charles Hope
schreibt noch einmal über die große
Veronese-Schau in der
National Gallery und entdeckt unter all der Opulenz auch die Schwächen des Malers: "Was Veronese vor allem fehlte, war die Fähigkeit, stimmige und
dramatische Bilderzählungen zu entwerfen. Das ist zum Teil Folge seines Farbgebrauchs, der oft eher einem
harmonischen Gesamteindruck dienlich war als der Hervorhebung eines Hauptprotagonisten."