
Alexander Clapp hat sich - getarnt als amerikanischer Faschist - bei den griechischen Neonazis der "
Goldenen Morgenröte"
eingeschmuggelt und beobachtet, wie straff die Partei organisiert ist. "Die
Gewalt der Partei ist selten ungeplant. Messenger-Gruppen und Facebook-Threads werden genutzt, wenn es darum geht, drei oder vier Immigranten nachzustellen. In Metaxourgios erzählte mir ein Friseur aus Bangladesch, dass die Morgenrötler die griechische
Polizei imitieren: sie fahren zu zweit auf weißen Motorrädern vor, behelmt und in schwarzer Uniform. Für die Illegalen in Einwandererviertel interessiert sich die Partei nicht: Ihre Ziele sind die, die in den Gegenden der Mittel- oder Oberklasse umherirren, wo sie von den Einwohnern weniger willkommen geheißen werden. In der Regel töten Morgenröter nicht. Sie brechen nur in blitzartigen Überfällen
ein paar Knochen."

In der
Rembrandt-
Ausstellung in der National Gallery
ergründet T.J. Clark die Selbstporträts des niederländischen Meisters und erkennt ihr Geheimnis nicht in der Frage nach Gut und Böse oder Licht und Dunkel, sondern in
Rembrandts Blick: "In meinem Hinterkopf hielt sich noch immer die Idee, dass die Unterscheidung von dem Eigenen und dem Anderen, von Außen und Innen, Unmittelbarkeit und Reflexion dem Blick Gestalt gibt, den ich zu ergründen versuchte. Ich wollte diesen Unterscheidungen etwas entgegensetzen oder sie zumindest hinterfragen, doch dann durchbrach der Blick meine intellektuellen Verteidigungslinien.
Er traf mich direkt. Er setzte mich an die Stelle des Selbst. Rembrandt und ich standen uns gegenüber - der Blick war unsere Übereinkunft. Vielleicht kann man das den Rembrandt-Effekt nennen. Er ist jedenfalls immens kraftvoll und seine Mechanik bleibt ein Rätsel."
Rivka Galchen hat sich durch die ersten beiden, jetzt auch auf Englisch erschienenen Bände von
Reiner Stachs Kafka-Biografie durchgearbeitet und ist auf ihre Kosten gekommen. Besonders lobend
hebt sie hervor, wie wenig Stach spekuliert und urteilt. Nathan Thrall
erklärt sich die steigende Gewalt in Jerusalem mit der
Frustration der Palästinenser über die israelische Politik wie der eigenen politischen Führung.