
Alles im Grunde doch gar nicht so schlimm, was die
NSA betrifft, könnte man nach der Lektüre von Daniel Soars
Artikel zum Thema meinen: Zwar haben uns
Guardian und andere Medien
schockierende Headlines gebracht, doch fußen diese nur auf NSA-internem Promo-Sprech, meint Soar. Tatsächlich sei gar nicht zu wissen, was und wieviel der Schnüffeldienst abfängt und auswertet - zumal angesichts der schier
überwältigenden Datenmengen, die allein pro Minute weltweit durch die Datenkanäle gehen. "Einer der Screenshots, die der
Guardian nicht veröffentlichte - später tauchte er in der
Washington Post auf -, zeigte ein Werkzeug zur Analyse von Prism-Aufzeichnungen. Die komplette Anzahl von Aufzeichnungen in der Datenbank betrug - im April, als der Screenshots angefertigt wurde - 117675. Es lohnt, sich die Nummer genauer anzusehen.
Facebook hat eine Milliarde Nutzer: die Hälfte der Weltbevölkerung mit Internetanschluss hat dort einen Account. Der Anteil jener, deren völlig entschlüsselte Aktivitäten die NSA aktiv beobachtete, kann
nicht mehr als 0,
01 Prozent betragen. Das sollte einen noch nicht zu der Annahme verleiten, dass die NSA aus noblen Gründen davon absieht, sich Zugang zu unseren Babybildern und dümmlichen Kommentaren unter den Babybildern anderer Leute zu verschaffen. Aber es legt doch nahe, dass man nicht einfach bei
Facebook ein Formular einreicht, um Zugriff auf die Timeline
irgendeines Mexikaners zu erhalten, es sei denn, man verspricht sich davon Ergebnisse."
Ach ja?Stefan Collini
liest Bücher zur
Ökonomisierung der britischen Universitäten und muss sich danach doch sehr wundern: Obwohl große Unternehmen in der freien Wirtschaft äußerst wechselhafte Bilanzen aufweisen "und obwohl öffentliche Einrichtungen wie Museen und Galerien, die BBC und die Universitäten im Großen und Ganzen recht gut dastehen (...), haben Politiker in den vergangenen drei Jahrzehnten wiederholt Anstrengungen unternommen, die zweitere Gruppe von Institutionen der ersteren anzugleichen. Manche Historiker in der Zukunft dürften sich wohl auch wundern, warum es gegen dieses von Grund auf
unplausible Programm so wenig konzertierten Widerstand gab. Doch dürften sie wohl zumindest bemerken, dass diese Regierungen, neben ihren vielen weiteren Glanzleistungen, bei den entscheidenden Schritte mitgeholfen haben, aus einigen Universitäten erster Güte
drittklassige Firmen zu machen."