Magazinrundschau - Archiv

London Review of Books

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Magazinrundschau vom 23.09.2014 - London Review of Books

Zwei neue Elvis-Biografien verleiten Ian Penman dazu, ausgiebigst in Anekdoten vom King of Rock"n"Roll zu schwelgen und über die bizarreren Aspekte von dessen späterem Karriereverlauf nachzudenken. Mächtig ins Staunen gerät er über die Ausmaße der Drogen-Cocktails, die sich Presley in seinen letzten Lebensjahren täglich verabreicht hat. "All dieser schillernde späte Elvis-Kram (...) würde ihm schlussendlich zu einer späten, dunklen Semi-Hipness verhelfen. Punk, weit davon entfernt Presley in die Tonne zu kloppen, brachte ihn als eine Art negativen Toten zurück. Er versinnbildlichte das schlechte Amerika. Er versinnbildlichte dekadente Rockmusik. Er versinnbildlichte, wie krank und entfremdet die Mainstream-Gesellschaft hinter den Vorhängen wirklich war. Mit seiner höhnischen Fassade stellte Punk die letzte geplatzte Blase jugendlicher Aufrichtigkeit dar, einen Aufschrei echter Verwirrung, Schmerzen und Wut. Weit davon entfernt, die altehrwürdige Rockmusik-Geschichte abzulehnen, handelte es sich dabei dennoch um den letzten Halt auf der Linie. Punk und Elvis mögen zwar nicht miteinander in die Kiste gestiegen sein, doch lag in den schleimigen späten 70ern definitiv eine ödipale Spannung in der Luft."

Außerdem: Ein beklommener Andrew O"Hanagan liest in Glenn Greenwalds Buch "No Place to Hide", dass es vor allem Journalisten waren, die Snowdens Enthüllungen über den amerikanischen Überwachungsstaat verurteilten. Pynchon-reif: Frances Stonor Saunders erzählt die verzwickte Geschichte der Veröffentlichung von Boris Pasternaks "Dr. Schiwago" inmitten der Wirren des Kalten Krieges.

Magazinrundschau vom 09.09.2014 - London Review of Books

"Ich hatte erwartet, in Donezk einen totalitären Proto-Staat vorzufinden, und das tat ich auch... Was ich nicht erwartet hatte, waren so viele Menschen, die mit so viel Überzeugung und Hoffnung an ihn glauben", schreibt Keith Gessen in einer Reportage, für die er auch sehr genau recherchiert hat, wie sich die Dinge im Osten der Ukraine hochgeschaukelt haben: "Niemand glaubte, dass all das zu einem Krieg führen würde. Die Leute waren verunsichert und unglücklich und wollten etwas dagegen tun. Dass der Protest solch eine starke separatistische Färbung bekam, lag weniger an den zentralen Forderungen der Demonstranten (regionale Autonomie hätte vielen genügt) als an der russischen Annexion der Krim. "Die Konflikte hätten nicht zwangsläufig zum Krieg geführt", sagt (der Politikwissenschaftler) Juri Dergunow. "Aber als die Krim mit einer totalen Separation davonkam, trieb das die Extreme auf beiden Seiten, die pro-ukrainischen und die pro-russischen, nach vorn. Das war Putin eigentliches Verbrechen - das brachte den Krieg hervor. Dann, am 12. April wurde die Polizeistation in Slawjansk, 50 Meilen nördlich von Donezk von einigen unidenfizierten Kommandos übernommen. Die Polizei wurde überwältigt. "Das waren keine Einheimischen mit Jagdgewehren", erklärte mir der neue Polizeichef von Slawjansk, "das waren bestens ausgebildete, gut ausgerüstete Männer"."

Donald MacKenzie erklärt, dass Glasfaserkabel den Hochfrequenzhändler jetzt zu langsam geworden sind, weswegen sie ihre Milliarden lieber per Laser-Technologie absahnen: "Laser haben auch ihre Schwachstellen (Nebel ist ein großes Problem), aber Anova Technology behauptet, dass eine Kombination aus Laser und Millimeter-Wellen ungefähr genauso zuverlässig sei wie Glasfaserkabel, allerdings nahe an den heiligen Gral heranreiche: die Geschwindigkeit von Licht in einem Vakuum."

Außerdem sammelt die LRB Stimmen zum Referendum. Und Jenny Diski erzählt in einem sehr berührenden Text, wie ihr der Onc Doc eröffnete, dass sie an einem inoperablen Krebs erkrankt sei.

Magazinrundschau vom 12.08.2014 - London Review of Books

Helen DeWitt berichtet von Monaten der Verzweiflung, in denen sie von ihrem manischen Nachbarn verfolgt wurde, während sie eigentlich in ihrem Cottage in Neuengland ein Buch fertig schreiben musste: "E schrieb eine E-Mail, in der er versprach, meine Privatspäre zu respektieren. Ich kehrte zurück. Es ging von vorne los. Ich fuhr in ein nahes Bed & Breakfast und schrieb seinem Vermieter, der von Boston aus hochkam. E sei einsam, ein Alkoholiker, obsessiv. Wir trafen uns. E: Ich liebe sie eben. Vermieter: Das ist verständlich, sie ist attraktiv, Sie sind beide intelligent. Aber sie muss an ihrem Buch arbeiten." E versprach, sich fernzuhalten. Sein Vermieter fuhr nachmittags um vier. Um fünf nach vier kam E die Straße runter. ("Das geht nur uns etwas an. Sie hätten ihm das nicht sagen dürfen. Er hätte mich beinahe rausgeworfen.") Am nächsten Morgen um sechs war E wieder da, weil sein Feuer ausgegangen war. Ich sagte, ich müsste spazieren gehen. Er ging nach Hause. Als ich zurückkam fand ich eine Glasscherbe auf der Kommode..."

Nathan Thrall beschreibt detailliert, wie die Hamas im Laufe der vergangenen Jahre und Monate immer mehr Verbündete verlor, bis sie quasi gegen Israel losschlagen musste, um in eventuellen Verhandlungen nach einem Krieg wenigstens beim Erzfeind etwas herauszuschlagen: "Für die Hamas lag die Wahl weniger zwischen Krieg und Frieden als vielmehr zwischen langsamer Strangulierung und einem Krieg, der die kleine Chance barg, den Druck etwas zu lockern."

Magazinrundschau vom 19.08.2014 - London Review of Books

Nach dreißig Jahren haben Edward Jones and Christopher Woodward ihren "Guide to the Architecture of London" aktualisiert, und wenn diese beiden konservativen Architekten die neuen Wolkenkratzer wie Renzo Pianos Shard oder Richard Rogers One Hyde Park in ihrer Selbstbezogenheit geradezu undemokratisch finden, muss Owen Hatherley ihnen Recht geben, aber auch eine Mitschuld: "In ihrem Guide von 1983 vermittelten sie von London noch den Eindruck einer düsteren, aber gesunden Stadt, eines lebenswerten Ortes, auch wenn die meisten interessanten Leute damals lieber woanders leben wollten. 2013 gibt es diese Stadt noch überwiegend, aber sie wird zunehmend von einer dystopischen Kapitale eingeschnürt, in der Raum vernichtet und die Preise Wahnsinn werden. Jones und Woodward kann man die trübe Bilanz nicht zum Vorwurf machen, ihr Führer ist Beweis genug, dass London auch eine geplante und geordnete, zivile und menschliche Stadt ist. Zugleich lassen sich in dem Buch viele Gründe finden, warum wir an diesen Punkt gekommen sind, nicht zuletzt das Misstrauen gegenüber dem Wohlfahrtsstaat und seinen städtischen Zeugnissen, die anhaltenden Versuche, architektonische Moden als Wissenschaft vom Raum zu präsentieren und die unnötige Verurteilung der Architekten, die sich die Finger bei dem Versuch verbrannt haben, die Stadt eher zugunsten der Mehrheit ihrer Einwohner zu gestalten statt zugunsten einer kleinen Minderheit von Rentiers."

Weitere Artikel: Patrick Cockburn schildert die verzweifelte Lage der sunnitischen Bevölkerung im Irak, die zwischen der Isis und der Regierung Maliki aufgerieben wird. Und Ferdinand Mount liest eine neue Biografie über Edmund Burke.

Magazinrundschau vom 29.07.2014 - London Review of Books

Mit sieben Jahren Verzögerung erscheint Alain Robbe-Grillets Skandalbuch "Un Roman sentimental" auf Englisch. Durchaus abstoßend findet Adam Shatz die sadistisch-pädophilen Fantasien des Erzählers, liest den Roman jedoch auch als zweifache Liebeserklärung eines im doppelten Sinne impotent gewordenen Autors an die Literatur und an seine Frau: "Die Leidenschaft, die Robbe-Grillet in solch anstößiger Detailliertheit beschreibt, ist vielleicht weniger wichtig als das, was er die "Leidenschaft zu beschreiben" nennt: die einzige Leidenschaft im nouveau roman. Robbe-Grillets andere große Liebe war seine Frau Catherine, sein kleines Mädchen. Ihre Ehe, eine ungebrochene Komplizenschaft über ein halbes Jahrhundert hinweg, trägt viel Ähnlichkeit mit der Beziehung des Paares in "Un roman sentimental". Es ist kein Zufall, dass Gigi auch Djinn genannt wird, was wie der englische Name Jean klingt - Catherines Pseudonym als S/M-Autorin. Gigi/Djinn ähnelt Jean de Berg auch in weiterer Hinsicht: Sie ist die gelehrige Schülerin, die die Weisheit ihres Herren in sich aufnimmt und ihn in der Kunst der sexuellen Grausamkeit sogar noch überflügelt."

Weiteres: Jeremy Harding bespricht wohlwollend, aber em Ende doch recht kritisch David Marquands Essay "Mommon"s Kingdom" über die Zerschlagung der öffentlichen Sphäre in Großbritannien durch Populisten und Renditejäger. Jenny Diski denkt mit Nikil Savals Buch "Cubed" über das Arbeiten im Büro nach.

Magazinrundschau vom 15.07.2014 - London Review of Books

Früher wohnten amerikanische Schriftsteller in Kleinstädten, wo sie sich das Leben noch leisten konnten. Heute wohnen sie eigentlich alle in Brooklyn, stellt Sheila Heti fest und greift dankbar nach Adelle Waldmans Roman "The Love Affairs of Nathaniel P.", der von den Brooklyner Literatenzirkeln erzählt, die von ihren Liebschaften ebenso getrieben werden wie von der Ökonomie: "Was passiert, wenn sich Künstler an einem Ort sammeln, an dem sie nur unter größten finanziellen Anstrengungen Kunst machen können? Wo Schriftsteller zugleich auch als Journalisten, an Universitäten und in Cafés arbeiten müssen, um die Miete zu bezahlen, was ihnen wenig Zeit lässt, ihren Roman zu schreiben, während sie erfahren, dass einer aus ihrer Truppe gerade einen sechsstelligen Vorschuss für sein erstes Buch ergattert hat?"

Patrick Cockburn rekapituliert den politischen und militärischen Zusammenbruch des Iraks unter Premier Nuri al-Maliki. Grund zur Zuversicht sieht er kaum: "In Bagdad hegt man die Hoffnung, dass Isis nur die fanatische Spitze einer moderateren sunnitischen Revolte ist. Diese Argumentation geht davon aus, dass sich die Stammesoberen - wie schon 2006/07 - gegen ihre extremistischen Verbündeten wenden werden, wenn diese beim Sturz der Regierung der Bagdad ihre Schuldigkeit getan haben. Auf der anderen Seite sind die Friedhöfe der Welt voll von Menschen, die glaubten, sie können Extremisten für ihre eigenen Zwecke nutzen und sie dann loswerden." Owen Bennett-Jones erkennt in den Enthauptungsvideos der Terrortruppe Isis genau klakulierte Gewaltakte, die ihren Zweck bisher genau erfüllt haben: die irakische Armee in Angst und Schrecken zu versetzen und größtmögliche Öffentlichkeit im Westen herzustellen.

Judith Butler setzt sich sehr intensiv mit Jacques Derridas Buch zur Todesstrafe auseinander, mit Verbrechen, Schuld, und der Frage, wieviel Sadismus in dem Verlangen zu strafen steckt.

Magazinrundschau vom 24.06.2014 - London Review of Books

Benjamin Kunkel diskutiert ausgiebig Thomas Pikettys "Kapital im 21. Jahrhundert" aus der kritischen Perspektive des Marxisten und beklagt Unstimmigkeiten in der These, dass Renditen immer höher sind als das Wachstum. Können die Weltkriege wirklich die lange Ausnahme erklären? "Wenn der industrielle Kapitalismus als internationales Phänomen ungefähr 180 Jahre alt ist, dann trifft für ein Drittel der Zeitspanne (von 1914 bis 1974) die Formel r>g nicht zu: eine Unterbrechung, die Piketty in keiner anderen Epoche findet. Mit anderen Worten: Diesem Gesetz des Kapitalismus gehorcht der Kapitalismus am wenigsten." Andererseits gewinnt Kunkel eine böse Erkenntnis: "Zumindest in formaler Hinsicht ist Marx" Theorie klar überlegen. Sie geht von einem inneren Widerspruch aus - die Akkumulation des Kapitals führt sich selbst in die Krise - der einen speziell kapitalistischen Mechanismus bedingt: das Streben nach Profit durch die Ausbeutung der Lohnarbeit. Pikettys r>g ist dagegen kein logischer Fundamentalwiderspruch, wie er behauptet. Die Akkumulation des Kapitals, die das Wirtschaftswachstum unbegrenzt übersteigt, würde eine "Spirale endloser Ungleichheit" schaffen, die weniger für die Profitabilität eine Gefahr darstellt als für demokratische Gesellschaften und die Werte sozialer Gerechtigkeit, auf denen sie beruhen". Der Kapitalismus kann leichter auf die Demokratie verzichten als auf den Profit. Im anstehenden Jahrhundert wird die Frage sein, wie weit er erstere minimieren wird, um letzteren zu maximieren."

Magazinrundschau vom 17.06.2014 - London Review of Books

Hal Foster besucht die große Sigmar Polke Retrospektive "Alibis" im New Yorker Moma und entdeckt im Werk des 2010 verstorbenen Künstlers mehr als erwartet: "Am schönsten spottet er in einem Werk mit dem schlichten Titel "Moderne Kunst, 1968" (Foto: Sammlung Froehlich, Stuttgart), eine Anordnung modernistischer Merkmale - expressionistische Gesten, suprematistischer Geometrien, und Winkel aus dem Bauhaus - präsentiert als ein "Ein-Bild-Resümee" des frühen 20. Jahrhunderts. Diese Werke entlarven natürlich internationalen Modernismus, aber sie hinterfragen auch seine westdeutsche Feier als Darstellung des Abstands von der Verurteilung des Modernismus durch die Nazis im Besonderen und von der Nazi-Vergangenheit im Allgemeinen - als ob man glauben könnte, was Polke es einst als böse Anspielung auf das Motto von Auschwitz formulierte: "Kunst macht frei"."

Weitere Artikel: Richard Lloyd Parry erzählt die Geschichte der politischen Krise in Thailand als eine bittere Melange aus Klassenkampf, Systemversagen und schlechten Verlierern. Alan Bennett hält eine Rede in Cambridge über Fair Play. Abgedruckt ist James Meeks Erzählung "Ein Leopard in der Familie". Und Jacqueline Rose bespricht neue Bücher über Mütter und Mutterschaft.

Magazinrundschau vom 23.05.2014 - London Review of Books

In einem sehr langen Artikel rekonstruiert Perry Anderson in der LRB das "italienische Desaster", die Korrumpierung und Personalisierung der Politik, die Berlusconi so erfolgreich betrieben hat, dass dessen Nachfolger Matteo Renzi vom Mitte-links-Bündnis PD sie nicht mehr bekämpft, sondern übernimmt. Aber, meint Anderson: "Makro-Personalisierung ist ideologisch nicht neutral. Sie ist die Antwort auf eine Welt, in der Personen grotesk aufgeblasen - Super Mario und so weiter - und im gleichen Maße parteipolitische Differenzen, und damit Wählerentscheidungen, minimiert werden. Berlusconis bleibender Erfolg besteht darin, wie ihm sehr wohl bewusst ist, mit Renzi nicht einfach nur einen Führungsstil reproduziert zu haben, sondern eine Politikmarke, die seiner sehr ähnlich ist, so wie Thatcher es mit Blair getan hat. Ihm sei zu verdanken, hat er oft behauptet, dass Renzi die PD umgekrempelt und jede Spur ihrer sozialistisch-kommunistischen Vergangenheit getilgt hat. Er behauptet es zu Recht."

Außerdem: John Lanchester fällt auf, dass die britische Regierung eigentlich nur einen Plan für das Referendum im September hat: Dass die Schotten gegen die Unabhängigkeit stimmen. Michael Wood huldigt Yasujiro Ozus Klassiker "Ein Herbstnachmittag", der im Londoner BFI gezeigt wird.

Magazinrundschau vom 09.05.2014 - London Review of Books

Die Ukrainer hätten ihre Lenin-Denkmäler ruhig stehen lassen können, meint Slavoj Zizek und erinnert daran, dass Lenin seinen letzten Kampf gegen Stalin und dessen Projekt einer zentralisierten Sowjetunion führte. 1922 mussten auf Stalins Geheiß die Ukraine, Belarus, Aserbaidschan, Armenien und Georgien "ihren Wunsch" erklären, der Sowjetunion beitreten zu dürfen, 1939 dann die drei baltischen Staaten: "Mit all dem kehrte Stalin zur vorrevolutionären Politik des Zaren zurück: Russlands Kolonisierung Sibiriens im 17. Jahrhundert und des muslimischen Asiens im 19. Jahrhundert wurde nicht länger als imperialistische Expansion verurteilt, sondern begrüßt, weil es diese rückständigen Gesellschaften auf den Pfad der fortschrittlichen Modernisierung brachte. Putins Außenpolitik ist eine klare Fortsetzung der zaristisch-stalinistischen Linie." Und Zizek schließt: "Die Demonstranten vom Maidan waren Helden, doch der wahre Kampf - für eine neue Ukraine - beginnt erst jetzt, und er wird noch härter als der Kampf gegen Putins Intervention. Ein neues und riskanteres Heldentum wird nötig sein. Gezeigt haben es schon jene Russen, die sich der nationalistischen Leidenschaft ihres Landes entgegenstellen und sie als Instrument der Macht entlarven. Es ist an der Zeit für eine Solidarität von unten zwischen Ukrainern und Russen."

Der Historiker Richard Evans rollt noch einmal den Reichstagsbrand auf und verwirft die von Benjamin Carter Hetts Streitschrift "Burning the Reichstag" erneut angefachte These, dass der Brand doch nicht von Marinus van der Lubbe, sondern von den Nazis gelegt wurde. "Verschwörungstheorien sind nicht notgedrungen falsch, in manchen Fällen gibt es viele Hinweise, dass großen historischen Ereignissen Konspirationen zugrunde liegen. Aber nicht in diesem Fall."

Außerdem: Jenni Diski liest ein Buch von Lynne Segal über das Altern im Allgemeinen und das Altern von Frauen im Besonderen. Und Charles Hope schreibt noch einmal über die große Veronese-Schau in der National Gallery und entdeckt unter all der Opulenz auch die Schwächen des Malers: "Was Veronese vor allem fehlte, war die Fähigkeit, stimmige und dramatische Bilderzählungen zu entwerfen. Das ist zum Teil Folge seines Farbgebrauchs, der oft eher einem harmonischen Gesamteindruck dienlich war als der Hervorhebung eines Hauptprotagonisten."