Ein Jahr Snowden. In Deutschland gibt es
nicht mal die Idee eines positiven Geheimnisverrats, wie sie amerikanische
Whistleblower verkörpern,
schreibt Georg Diez in seiner
Spiegel-Online-Kolumne: "Und in England hat gerade der
erste Geheimprozess seit, ja, Jahrhunderten begonnen, "eine direkte Attacke auf die
Magna Carta von 1215"
nennt es Owen Jones im Guardian: Die Angeklagten in diesem "Terrorismusprozess" hießen AB und CD, das war alles, was die Journalisten schreiben durften." Auch Chris Greenwood
berichtet in der
Mail Online über diesen "
empörenden Anschlag" auf eine offene Justiz.
Und weiteres aus dem misslichen Themenfeld:
Eric Schmidt sagt im Gespräch mit dem
Spiegel, dass die NSA-Enthüllungen ganz Google "
in Aufruhr versetzt und wütend gemacht" gemacht habe, so
Spiegel Online in einer
Vorabmeldung. Und er versichert: "Es gab keine längerfristigen Vereinbarungen,
wir arbeiten nicht zusammen, es gibt keine Genehmigung, auf unsere Infrastruktur zuzugreifen. Das gab es nicht, gibt es nicht und wird es nicht geben." Heißt das, dass die Vereinbarungen
kurzfristig getroffen werden?
Ebenfalls bei
Spiegel onliine die
Meldung: "
Vodafone legt Existenz von Abhörleitungen offen."
Das beste in Heribert Prantls pfingstlicher Betrachtung zu
einem Jahr Snowden in der
SZ ist ein Zitat des legendärden BKA-Chefs
Horst Herold, der schon 1980 Folgendes aufschrieb: "Die Grenzenlosigkeit der Informationsverarbeitung wird es gestatten, das Individuum auf seinem gesamten Lebensweg zu begleiten, von ihm laufend Momentaufnahmen,
Ganzbilder und Profile seiner Persönlichkeit zu liefern, Lebensformen und Lebensäußerungen zu registrieren, zu beobachten, zu überwachen und die so gewonnenen Daten
ohne die Gnade des Vergessens ständig präsent zu halten. Die Gefahren des "großen Bruders" sind nicht mehr bloß Literatur. Sie sind real."
Frank Rieger vom CCC schreibt in der
FAZ: "Das Internet ist zwar nicht kaputt, es hat aber seinen
einstmaligen emanzipatorischen Glanz endgültig verloren und seine dunkle, unerfreuliche Seite offenbart." In die Politik setzt er kaum noch Hoffnung: "Wie es jedoch gelingen kann, die Demokratie an sich zu reparieren, steht in den Sternen."