Literaturen hat sich auf die Spur einer in unserer Zeit ausgestorben geglaubten Spezies begeben: den
Utopikern.
Ob man mit Utopikern auch reden kann, hat Hanna Leitgeb versucht
herauszufinden, im Gespräch mit dem italienischen Philosophen
Antonio Negri, der in seinem Buch
"Empire" den Marxschen Denkansatz weiterspinnt und den Übergang des modernen kapitalisitschen Imperialismus in das postmoderne kapitalistische Imperium feststellt. Und dies, so Leitgeb, ohne die übliche
altlinke Larmoyanz. Denn der globale Ort definiere auch die Akteure neu - die mannigfaltige
"Multitude" habe das Proletariat abgelöst - und berge
"Freiräume des Handelns", gerade für die Demokratie, doch seien diese bislang nicht erfasst worden. Doch wenn es kein außen mehr gibt, so Leitgebs skeptische Nachfrage, ist dann nicht die Revolution zu einer "hoffnungslos
romantischen Utopie" geworden? "Die Revolution ist keine Utopie", so Negris Antwort, "die Idee der Revolution ist
notwendig. Viele Klassen und Gruppen, die Revolutionen gemacht haben, aber auch diejenigen, gegen die sie gekämpft haben, sind bereits
tot: Das Ancien Regime gibt es nicht mehr und den Zaren auch nicht. Und ich bin überzeugt, dass auf eine gewisse Weise auch Bush und seine Freunde
schon tot sind. Sie sind nichts, sie haben auf Dauer
keinen Wert."
Zum Thema gibt es unter anderem auch ein Gespräch mit Mathias Greffrath, Michael Jeismann, Thomas Meinecke und Herfried Münkler, in dem sich das
Post-Utopische als das
Prä-Utopische herausstellt. Christian Geulen fragt mit Blick auf
Slavoj Zizek, wie aktuell ist
Lenins Leiche. Und
Ian Buruma fragt, warum
Eric Hobsbawm "der blutigen Sache des Kommunismus so lange treu geblieben" ist - allerdings nur in der Printausgabe.
Weitere Artikel: "Wie heißt eigentlich das
Gegenteil von Alzheimer?" Richard David Precht
sucht nach einem Namen für "die Krankheit,
nichts vergessen zu können", und ist überrascht, auch prominente Kranke unter den Großen der Literatur zu finden. Stefan Zweifel
geht auf
kulturellen Streifzug durch Frankreich, mit anderen Worten durch
Paris. Boris Langendorf
berichtet aus
Bertelsmann-Kreisen, dass es mit der Veranstaltung
"Leipzig liest" zuende gehen könnte, doch glauben kann er das nicht, denn das Gerücht ist schon so alt, wie die Veranstaltung selbst. Schließlich
findet Aram Lintzel es seltsam und erfreulich, dass aus jeder Zeile des
Online-Tagebuchs von Internet-Guru
William Gibson der Lobgesang auf das
gedruckte Wort spricht.
Nur im Print zu lesen: ein Porträt
Judith Herrmanns von Frauke Meyer-Gosau und natürlich Rezension, unter anderem von
Ralph Dutli über
Daniil Charms "Zirkus Sardam".