Ricarda Junge

Silberfaden

Erzählungen
Cover: Silberfaden
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783596154760
Kartoniert, 192 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Ricarda Junge erzählt von Menschen, die sich in der Widersprüchlichkeit der Welt nur ebenso widersprüchlich einzurichten verstehen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.01.2003

Der betont nüchterne Stil der Erzählungen dieses Debütbandes lässt Jutta Person auf den Beginn einer "Post-Pop-Ära" in der deutschsprachigen Literatur hoffen, aber letztlich sieht sie die Autorin doch wieder vom herrschenden "Authentizitätstrend" eingeholt. Die Rezensentin erkennt in den Protagonistinnen, die sich, wie sie meint, betont verrucht zu geben bemühen, "weibliche Steppenwölfe", die auf das "popliterarische Wir-Gefühl" verzichten. Was Person etwas enttäuschend findet, ist die extrem "einsilbige" Erzählhaltung, die sich damit zwar um Authentizität bemüht, insgesamt aber nicht mehr erreicht, als Ausschnitte der Wirklichkeit "festzuhalten". Leider haben die Erzählungen der Wirklichkeit aber nichts entgegenzusetzen, kritisiert die Rezensentin. Für sie gerinnt der Stil dann auch bald zur "Pose", die in der "Wirklichkeit aufgeht", statt daraus auszubrechen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2002

Susanne Messmer entdeckt das Thema Unklarheit als Leitmotiv in den Erzählungen von Ricarda Junge, einer erst 23-jährigen Autorin, die am Leipziger Literaturinstitut studiert. Diese Schwammigkeit und Verlorenheit in der Welt zieht sich durch die Erzählungen und macht die Gedanken- und Lebenswelt von Junges Protagonistinnen aus. Sie alle - um Frauen geht es in jeder der Geschichten - "befinden sich in einem Zustand des Dazwischen". Diese diffuse Atmosphäre wird von "sachlichen, schnörkellosen, einfachen und knappen Sätzen" kontrastiert. Das Zusammenspiel von Form und Inhalt findet die Rezensentin gelungen und fühlt sich "ins Erzählte gezogen". Im Zentrum steht nach Messmers Ansicht in allen Geschichten aus Junges Erzähldebüt die Frage, ob man seinen "Gefühlen trauen kann - oder ob diese nicht fremde Wunschvorstellungen sind".
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