
Das
Schwerpunkt-Thema (
Editorial) ist (mit vielen schönen Fotos)
Hannah Arendt gewidmet, deren
"Denktagebuch 1950-73" im Oktober erscheint, womit für
Literaturen nun die letzte Publikationslücke im Arendt-Werk geschlossen ist. Für den Philosophen
Dieter Thomä (mehr
hier), der das Buch bespricht, birgt es einen
Schatz, "den man (ausnahmsweise zu recht)
spektakulär nennen kann". Arendts Denktagebuch nämlich habe nun "Seiten ihres Denkens aus der Vergangenheit hervorgeholt", die sie
selbst vergessen zu haben schien. Thomä, der den editorischen Kraftakt der Herausgeberinnen bewundert, gibt ihnen auch darin recht, dass das Denktagebuch für die Arendt-Interpretation in Zukunft einen hohen Stellenwert haben wird.
Mehr zu Arendt:
Hanna Leitgeb hat sich mit
Hannah Arendts Ehen und Liebesbeziehungen zu verschiedenen berühmten
Denkern ihrer Zeit befasst.
Michael Walzer (mehr
hier) erläutert die Bedeutung von Hannah Arendts Werk für das 20. und 21. Jahrhundert.
Hans Mommsen und
Daniel Cohn-Bendit unterhalten sich über Hannah Arendt,
ihre Ausstrahlung, ihr Werk und dessen
verzögerte Rezeption in Deutschland.
Christian Geulen (mehr
hier) schreibt über die Praxis von Hannah Arendts
politischer Theorie.
Axel Honneth (mehr
hier) besieht die Jahrhundert-Bedeutung ihres Werks aus der deutschen Perspektive. Und
Slavoij Zizek sagt schließlich:
"Hanna Arendt? Nein danke!"
Der September-Wahltag hat auch
Literaturen nicht unbeeindruckt gelassen, weshalb das Journal
Werner A. Perger, politischer Redakteur bei der
Zeit, um
einen Beitrag zum Thema bat. Angesichts der Aussicht, der nächste Kanzler könne womöglich Edmund Stoiber heißen ("eine rundum inszenierte
Kunstfigur") stellt Perger eine Reihe von Fragen: Hatten die
Rot-Grünen in ihrer vierjährigen Probe- und Bewährungszeit einfach zuviel Pech ("von Lafontaine bis Scharping, von BSE/MKS bis zum 11. September, vom Kosovo-Krieg bis zur Kapitalismus-Krise")? Haben die Schröders und Fischers
schlicht und einfach versagt, "so wie es die Alten ihnen seit jeher prophezeit haben?" Dass diese Fragen die Regierung seit 1998 ständig begleitet hat, betrachtet Perger als "deutsche Spezialität". Nirgendwo sonst sei Politik auf diesem Niveau diskreditiert worden. "Es war, als wollten die
Stützen der alten Gesellschaft sich für die Umbrüche der sechziger Jahre doch noch revanchieren. Den Neuen verweigerte man jede Schonzeit. Hinzu kam, dass diese Regierung, auch der Kanzler, sich in einer
Unreife präsentierte, die alle Erwartungen übertraf."
Weitere Artikel: Heinrich Detering portätiert
Per Olov Enquist, weil ihm die Neuausgabe seines 1964 zuerst erschienen Romans "Der fünfte Winter des Magnetiseurs" gezeigt hat, dass dieser Schriftsteller zu den besten Europas gehört
. Sigrid Löffler hat
Ian McEwan daheim in Oxford besucht, und Ludwig Amman hat
aktuelle Reiseberichte aus der islamischen Welt gelesen, die "ohne Blauäugigkeit und ohne Ressentiment" ihr Thema bearbeiten, darunter Peter Levis "
Im Garten des Lichts. Mit
Bruce Chatwin durch Afghanistan".