Sander L. Gilman

Jurek Becker

Die Biografie
Ullstein Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783898340489
Gebunden, 380 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Schmidt. Jurek Becker (1937-1997) ist einer der herausragenden deutschen Schriftsteller unserer Zeit. Von seinem ersten Roman "Jakob der Lügner" bis zur beliebten Fernsehserie "Liebling Kreuzberg" reicht die Palette seines vielseitigen Werkes. Sander L. Gilman kannte Jurek Becker seit den sechziger Jahren. Eindringlich schildert er die Kindheit im Ghetto von Lodz und in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen, die Jugend in Berlin, wie aus der Spannung zwischen verdrängtem Judentum und dem Bemühen um eine "deutsche Identität" das Grundthema in Beckers Leben und seinen späteren Romanen erwächst. Diese Lebens- und Wegbeschreibung des Wanderers zwischen den Welten und Systemen erzählt zugleich ein Stück deutsch-deutscher Geschichte, von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002

Thomas Steinfeld outet sich als Bewunderer Jurek Beckers und holt zugleich zum Rundumschlag gegen die junge Generation der Popliteraten aus, die in seinen Augen nichts zu sagen haben und einem Schriftsteller wie Becker, dessen Biografie und Bücher eng mit der Geschichte und den Katastrophen des 20. Jahrhunderts verknüpft waren, nicht das Wasser reichen können. Besonders mokiert sich Steinfeld darüber, dass Becker in den neunziger Jahren der leichte Ton seiner Bücher verübelt wurde, während man sich nun geradezu in "hysterischer Leichtigkeit" überschlage, ohne aber über den Beckerschen geschichtlichen Hintergrund und Tiefgang zu verfügen. Steinfelds Ausfälle gegen die jüngere deutsche Literatur tragen zur eigentlichen Sache wenig bei: erstens nutzt die Ehrenrettung wenig, da Becker seit knapp fünf Jahren tot ist, zweitens stammt die Biografie aus der Feder eines amerikanischen Historikers, der von den Querelen des deutschen Literaturbetriebs völlig unbeleckt ist. So richtig gelungen scheint Gilmans Biografie denn auch nicht zu sein; theoretische Exkurse in die Geschichte des Judentums und mangelnde stilistische Sicherheit trüben das Lesevergnügen, räumt Steinfeld ein. Aber Becker wäre eben nicht Becker, wäre seine Biografie, so Steinfeld, nicht doch aussagekräftiger als der Biograf.
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