Magazinrundschau - Archiv

The Guardian

443 Presseschau-Absätze - Seite 12 von 45

Magazinrundschau vom 14.05.2019 - Guardian

Natürlich war Europas Geschichte immer eine von Integration und Desintegration, von Kriegs- und Friedenszeiten, doch diesmal, warnt ein alarmistisch gestimmter Timothy Garton Ash angesichts grassierender antieuropäischer ressentiments, ist es anders: "Über Jahrhunderte hinweg riss sich Europa in Stücke und setzte sich dann wieder zusammen, wobei es zugleich die anderen Teile der Welt ausbeutete, kolonisierte und herumkommandierte. Mit dem europäischen Bürgerkrieg, der zwischen 1914 und 1945 wütete und von Winston Churchill einst als zweiter Dreißigjähriger Krieg beschrieben wurde, setzte Europa sich selbst von seinem globalen Thron ab. Im fünften Akt der europäischen Selbstzerstörung betraten die USA und die Sowjetunion die Bühne wie Fortinbras am Ende von Hamlet. Immerhin war Europa noch während des folgenden Kalten Krieges die zentrale Bühne der Weltpolitik. Noch einmal machte Europa mit einem kurzen schillernden Moment 1989 Geschichte, aber dann verwehte Hegels Weltgeist flugs von Berlin nach Peking. Heute kämpft Europa darum, Subjekt zu bleiben und nicht bloßes Objekt der Weltpolitik zu werden - mit einem machthungrigen Peking, das dem Jahrhundert einen chinesischen Stempel aufdrücken will, einem revanchistischen Russland, den unilateralistischen USA des Donald Trump und einem Klimawandel. der uns alle zu überwältigen droht. Russland und China teilen und herrschen fröhlich über unseren Kontinent, benutzen ihre wirtschaftliche Macht, um sich schwächere europäische Staaten herauszugreifen oder mit Desinformationen die Nationen gegeneinander aufzuwiegeln. Im 19. Jahrhundert lieferten sich die europäischen Mächte den Wettlauf um Afrika. Im 21. Jahrhundert liefern sich die anderen einen Wettlauf um Europa."

Magazinrundschau vom 07.05.2019 - Guardian

Und was, wenn gar nicht die Nachrichten, Donald Trump oder der Brexit so total verrückt wären, sondern die Dominanz, mit der sie unser Leben beherrschen? Oliver Burkemann überlegt, ob es für das demokratische Miteinander nicht förderlicher wäre, wenn wir uns online weniger engagierten: "Sich aus den aktuellen Angelegenheiten herauszuhalten, wird oft mit dem Vorwurf der Selbstbezogenheit quittiert. Vor einem Jahr porträtierte die New York Times Erik Hagerman, einen Mann aus Ohio, der sich nach der Wahl von 2016 total aus den Nachrichten ausklinkte und sogar Weißes Rauschen auf seine Ohren spielt, wenn er in den örtlichen Coffeeshop ging, um nicht das Gerede über Donald Trump hören zu müssen. Der Artikel ging - natürlich - viral, und Hagerman traf der geballte Zorn der Leser, oder hätte es getan, wenn er online gegangen wäre. 'Nicht jeder schafft es, ignorant zu werden', schäumte Kellen Beck auf Mashable und sprach vielen aus der Seele, als er Hagerman 'den selbstbezogensten Mann in Amerika' nannte. 'Menschen, deren Familien von den Einwanderungsbehörden auseinandergerissen werden, schaffen es nicht. Menschen, die von Waffengewalt bedroht sind, schaffen es nicht. Aber ein weißer Mann, der die Möglichkeit hatte, viel Geld zu verdienen und zu sparen, ist natürlich auch nicht betroffen von den Dingen, die in diesem Land seinen Mitmenschen geschehen. Doch ist die Annahme, dass es ein verwerflicher Luxus sei, den Nachrichten weniger Aufmerksamkeit zu schenken, ein Überbleibsel aus einer Zeit als Informationen rar waren. Wenn Nachrichten schwer zu bekommen sind, ist es eine Tugend, sie auszugraben, denn es kostet Mühe. Aber wenn sie allgegenwärtig sind und es die Dinge eher verschlimmert, dass sich alle in ihnen suhlen, dann erfordert es mehr Mühe, sie zu vermeiden... Ob der Rückzug selbstsüchtig ist oder nicht, hängt davon ab, was man mit der frei gewordenen Zeit und Energie anfängt. Hagerman kaufte 18 Hektar Land neben einer früheren Kohlemine, berichtete die Times, und will sie renaturieren, bevor er sie der Öffentlichkeit überlässt: ein Projekt, das ihn den Rest seines Lebens und den Großteil seiner Ersparnisse kosten wird."

Tina Rosenberg erzählt, wie der Psychiater Vikram Patel nach Simbabwe ging, um zu beweisen, dass die Depression eine westliche Wohlstandserkrankung sei und Niedergeschlagenheit in armen Ländern eine Folge von Ausbeutung und Kolonialisierung: "Die Medizin, glaubte Platel, sei nicht Psychotherapie, sondern soziale Gerechtigkeit. Er begann seine Arbeit, indem er erst traditionelle Heiler befragte, dann die Patienten selbst. Er fragte, was seelische Krankheit sei, woher sie rührte und wie sie zu behandeln sei. Die häufigste Erkrankung hatte einen Namen: Kufungisisa, ein Wort in der örtlichen Sprache Shona, das übertriebene Sorgen bedeutete. Viele Heiler sagten, Kufungisisa sei keine Krankheit, sondern eine Reaktion auf die Beschwernisse des Lebens, auf Armut oder Krankheit. Aha, dachte Patel, genau wie er erwartet hatte: In Simbabwe wurde seelisches Leiden hervorgerufen durch soziale Ungerechtigkeit. Aber als Patel die Patienten befragte, wie sich Kufungisisa anfühlte, waren die Antworten vertraut: Egal, wie es genannt und was dafür verantwortlich gemacht wurde: Alle beschrieben Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung, die Unfähigkeit, ihre Probleme anzugehen und ein fehlendes Interesse am Leben um einen herum - klassische Zeichen einer Depression."

Magazinrundschau vom 16.04.2019 - Guardian

Bewundernswert vielschichtig widmet sich Darren Byler der digitalen Überwachung der Uiguren durch die chinesischen Sicherheitsapparate. Byler rekapituliert, wie sich der Konflikt politisch in den letzten zehn Jahren hochgeschaukelt hat, wie Peking den Uiguren erst das Internet sperrte, es dann wieder als reines Kontrollinstrument zuließ und wies es nun die Überwachungstechnologie mit Gesichtserkennung und Filter-Software perfektioniert. Deep Learning Systeme sollen per Video-Feeds in Echtzeit Millionen von Gesichtern erfassen können, Archive anlegen, verdächtiges Verhalten identifizieren und voraussagen, wer ein Gefährder werden könnte. Byler zitiert auch Skeptiker, die glauben, Chinas Fähigkeiten würden übertrieben. Aber auch wenn man nicht weiß, wie viel von all dem Panik und wie viel Angeberei ist, ahnt man: Je gruseliger die Technologie, umso besser werden die Geschäfte laufen. "Die Kontrolle über die Uiguren ist ein Testfall für das weltweite Marketing chinesischer Technologie geworden. Rund hundert Regierungsorganisationen und Firmen aus zwei Dutzend Ländern, darunter die USA, Frankreich, Israel und den Philippinen nehmen an der einflussreichen jährlichen chinesisch-eurasischen Sicherheits-Expo in Urumqi teil, der Hauptstadt Uiguriens. Dem Ethos der Expo und der chinesischen Sicherheitsindustrie zufolge soll die muslimische Bevölkerung gesteuert und produktiv gemacht werden. In den vergangenen fünf Jahren hat der Krieg gegen den Terror eine großen Zahl von chinesischen Startups ein bis dahin unbekanntes Wachstum beschert. Allein in den letzten beiden Jahren hat der Staat geschätzte 7,2 Milliarden Dollar in Xingjiang in die Sicherheitstechnologie investiert. Wie ein Sprecher eines Startups erklärte, sind sechzig Prozent der Länder mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit Teil von Chinas erstem internationalen Entwicklungsprojekt, der Neuen Seidenstraße. Für die Technologie zur Bevölkerungskontrolle, wie sie in Xinjiang entwickelt wird, gibt es also unbegrenztes Marktpotenzial."

Magazinrundschau vom 09.04.2019 - Guardian

Matt Hanson hat jahrelang für Barack Obamas Wahlkämpfe telefonisch Spenden gesammelt. Ein wenig ziellos, aber doch einnehmend erzählt Hanson vom frustrierenden Geschäft des politischen Telemarketing, bei dem Idealismus und Prekariat eine schräge Kombination ergeben: "Ausgebrannte und Gescheiterte sitzen Schulter an Schulter mit den Verkorksten und Abgehängten. Freaks und Geeks wechseln Kleingeld am Automaten. Studenten aus der Ivy League diskutieren über die Feinheiten des Hochschulsports mit Schulabbrechern. Trockene Alkoholiker, aufstrebende Rapper, Schriftsteller, Schauspieler und andere Schwindler kommen hierher, um die ganzen Tag zu reden. Und während die Verfahren für die Auswahl der anvisierten Namen und Nummern immer ausgeklügelter wurden, änderte sich das Manuskript selbst nicht besonders. Sobald die Schicht beginnt, sind alle im Verkaufsmodus. Nie aufhören, ohne einen Deal abzuschließen. Säuselnd Mist erzählen, den Spendern, dem Management, den Kollegen. Fast alle rauchen - man muss sich nur die emotionalen Bedürfnisse von oral fixierten Leuten vorstellen, die gerade mehrere Stunden lang angeschrien wurden - Zigarettenpausen sind eine Kombination aus Genörgel, Reality-TV und Gruppentherapie. Mehr als nur ein paar haben im Gefängnis gesessen, einige von ihnen sind bemerkenswert gute Führungskräfte. Bei dieser Art von Job weiß man nie, ob er einen verrückt macht, oder man verrückt sein muss, um ihn überhaupt anzufangen. Aber über eines darf sich niemand hinwegtäuschen: Die Mehrheit der Anrufer leben von wenig mehr als der Freundlichkeit von Fremden."

Weiteres: Lois Beckett freut sich, dass nun auch eine letzte Bastion der Segregation geschliffen wird: Liebesschmonzetten wurden auf dem amerikanischen Buchmarkt bisher strikt nach Hautfarben getrennt, nun lautet auch dort Diversität die Maxime. Sophie Elmhirst annonciert, dass auch im Influencer-Gewerbe eine neue Stufe gezündet wird. Da die Leute ein bisschen abgegessen sind von den Millionen Mode-Blogs und Makeup-Tutorials, setze die Branche wieder auf Klasse statt Masse: "Phase eins war hyperaktive Expansion - Follower-Zahlen hochpumpen, den Instagram-Algorithmus beherrschen, Deals einfahren. In Phase zwei geht es, wie Insider sagen, um Authentizität."

Magazinrundschau vom 26.03.2019 - Guardian

In einem sehr schönen Text gibt Andrew Dickson Einblick in das stets geheimnisumwitterte Gewerbe der Kunstverfrachtung. Er erzählt von Kustoden, Archivaren und Künstlern, die als Transporteure arbeiten, um ihre Rechnungen zu bezahlen, von dem erhabenen Moment, einen Caravaggio auszupacken, und von den profaneren Verhandlungen um Leihgebühren, Versicherungen, Transport und Logistik: "Ein Archivar erzählt von den Zwängen, die mit der Organisation großer Leihgaben einhergehen. 'Es gibt tonnenweise quid pro quo, viel riskantes Spiel', sagte er. Leihgaben werden zu Verhandlungsmasse: 'Natürlich geben wir Ihnen unseren Gauguin gern, aber haben Sie eigentlich unseren Brief wegen des Tizians erhalten...? Verhandlungen können sich über Jahre hinziehen. Obwohl die Sprache sehr freundlich klingt ('Leihgaben', 'mit freundlicher Genehmigung'), können sich die Rivalitäten bitter gestalten und erinnern an den Verkauf von Spitzenfußballern unter Erstligaclubs. Ein großes internationales Museum wie das Moma in New York, mit seinem Einfluss, seiner Ausstattung und seiner Sammlung, kann enormen Druck ausüben, aber auch eine kleine Galerie mit einem Meisterwerk kann über seiner Gewichtsklasse boxen, wenn es geschickt kämpft. Selbst wenn Leihgaben prinzipiell verabredet sind, steht das richtige Feilschen erst noch bevor. Wie wird die Kunst verschickt, und wann? Wer zahlt die Versicherung und die Frachtgebühr (üblicherweise der Leihnehmer). Müssen Vitrinen gebaut werden? Was für Sicherheitssysteme werden eingerichtet - stoßsicheres Glas, Alarmanlagen, Wächter? Wie steht es mit Temperatur und Feuchtigkeit? Oft, erklärt der Archivar, werden die Schlachten auch intern geschlagen, zwischen Kuratoren und Konservatoren. 'Sobald ein Tafelbild aus dem Florenz des 14. Jahrhunderts zu zerbrechlich ist, um zu reisen, dann will es garantiert ein Kurator irgendwo auf der Welt haben.' Er lachte. 'In dem Moment, wo man es etwas ausstellt, ist es in Gefahr. Andererseits, wenn man auf mich hörte, würden wir überhaupt nichts ausstellen.'"

Magazinrundschau vom 19.03.2019 - Guardian

Englisch ist in vielen afrikanischen Ländern zur ersten Sprache geworden, es hat Konflikte unter Ethnien befriedet und Akademikern, Unternehmen und Literaten auf dem globalen Markt einen enormen Vorteil verschafft. In Nigeria ist die Sprache der Igbo - anders als die der Yoruba und der Haussa - inzwischen fast verschwunden. Adaobi Tricia Nwaubani erzählt, wie ihre Muttersprache auch in einem wahnsinnigen Wettstreit um Prestige unter die Räder geriet: "Ein ewiges Problem unter den Igbo im Südwesten Nigerias ist der Kampf zwischen Gehirn und Geldbörse. In ganz Nigeria erkennt man die Igbo an ihrem Unternehmergeist und Geschäftssinn. Von vorkolonialen Zeiten bis heute waren die erfolgreichen Händler des Landes Igbo. Viele begannen als Lehrling und arbeiteten sich hoch, ohne zur Schule zu gehen. Die Igbo sind auch bekannt für Protz und Extravaganz - wer Geld hat, kann es nicht verschweigen ... Der schwelende Konflikt zwischen denen mit Diplomen und denen mit Dollar brach in den neunziger Jahren an die Oberfläche, als die nigerianische Wirtschaft einstürzte. Auf einmal heirateten selbst gebildete Frauen bereitwillig einen Mann, der die Verantwortung für das Wohl ihrer Eltern und ihrer Geschwister übernahm. Ob er Englisch sprechen konnte, lesen oder schreiben war nebensächlich geworden. Zur gleichen Zeit kamen eine große Zahl von ungebildeten, aber verwegenen Igbo zu Geld und in Verruf, indem sie Westler um Millionen betrugen, die als 419er bekannten Gaunereien. Auf einmal trafen gebildete Männer, Professoren und Ingenieure bei Gemeindetreffen auf offene Verachtung: 'Danke für Ihre Worte, aber wie viel Geld werden Sie beitragen?', wurden sie gefragt. 'Wir sind nicht hier, um Englisch zu essen.' 419er konterten, wenn man sich über ihr inkorrekes Englisch oder ihre falsche Aussprache lustig machten: 'Ihr kennt die Marken, wir besitzen die Autos.'"

Weiteres: David Treuer erkundet, ob die indianischen Communities in den USA von der Marihuana-Freigabe besser profitieren können als von ihren Spielcasinos: "Die Gewinne stiegen von 100 Millionen Dollar im Jahr 1980 auf 26 Milliarden 2009 - mehr als Las Vegas und Atlantic City zusammen. Trotz des Geldsegens haben die Casinos wenig für die meisten Indianer geändert. Das ist schließlich Amerika. Wie alle Wege zum Reichtum privilegieren auch die Casinos die Wenigen und lassen die Mehrheit außen vor. In Tulalip zeigen sich allerdings Anzeichen eines dritten Weges." In einem weiteren Vorabdruck erklärt Frans de Waal, was wir von Tieren lernen können.

Magazinrundschau vom 12.03.2019 - Guardian

Peter Beinart widerspricht vehement der Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus. Zum einen hängt er selbst an der Idee, dass sich Israel als Nation republikanisch verfassen sollte und nicht ethnisch oder religiös. Zum anderen hält er das Argument schlichtweg für falsch, dass beide Animositäten deckungsgleich seien. Beinart kennt zum Beispiel etliche Antisemiten, die zugleich eingeschworene Zionisten sind, wie Pat Robertson oder Glenn Beck. "2016 untersuchte die Anti Defamation League antisemitische Tendenzen, indem sie Amerikaner fragte, ob sie Aussagen zustimmten wie 'Juden habe zu viel Macht' oder 'Juden interessieren sich nur für ihre eigenen Belange'. Die Studie ergab, dass Antisemitismus unter Älteren und Ungebildeten am stärksten ist und hielt fest: 'Die gut ausgebildeten Amerikaner sind erstaunlich frei von Vorurteilen, während die weniger Gebildeten eher antisemitische Ansichten hegten. Das Alter ist ebenfalls ein Hinweis auf antisemitische Tendenzen. Jüngere Amerikaner unter 39 sind bemerkenswert frei von Vorurteilen.' 2018 ergab dagegen eine Studie des Pew Research Centers, die amerikanische Einstellungen gegenüber Israel untersuchte, genau das umgekehrte Bild: Amerikaner über 65 zeigten am meisten Sympathien für Israel. Dagegen ließen Amerikaner unter 30, die laut ADL am wenigsten antisemitisch waren, die geringste Sympathie für Israel erkennen. Amerikaner mit High-School-Abschluss oder weniger waren am stärksten pro-Israel. Amerikaner mit höheren Abschlüssen waren es am wenigsten. Statistiken sind nie wasserdicht. Aber sie bestätigen, was Progressive und Konservativen gleichermaßen wissen: Junge Linke sind besonders universalistisch. Sie lehnen jeder Form von exklusivem Nationalismus ab. Dieser Universalismus macht sie extrem misstrauisch gegenüber dem Zionismus wie auch dem weißen christlichen Nationalismus, der in den USA manchmal in Antisemitismus überblendet."

Magazinrundschau vom 05.03.2019 - Guardian

Dave Eggers hat sich in El Paso parallel die Auftritte Donald Trumps und seines demokratischen Herausforderer Beto O'Rourke angesehen, und Eggers hat ganz schlechte Neuigkeiten: Trump schlägt O'Rourke um Längen: "Die Rede war wie all seine Reden hypnotisierend. Es gibt nichts, was er nicht sagen würde, wenn er also frei redet, kann man einfach nicht aufhören, ihm zuzuhören. Er preist sich selbst dafür, dass er nicht nur Gefangene aus Nordkorea befreit hat, sondern sogar sterbliche Überreste zurückgebracht hat: 'Überreste kommen zurück. Überreste!' Er sagt gar nicht, wessen. Er hackt auf Abtreibungen in den letzten drei Monaten herum, und behauptet vor dem Publikum, dass die Demokraten auch für das Töten von Babys nach der Geburt sind. Die Menge buhte lauter als über alles andere an diesem Abend. Er rühmt den Sicherheitsapparat, besonders die Einwanderungsbehörde, und dann sagt er, dass Hightech im Kampf gegen illegale Einwanderung gut sei, aber 'nichts besser als ein Deutscher Schäferhund'. Und so lachhaft diese Einzelheiten aus dem Kontext gerissen erscheinen - als ich die Rede vor dieser wirklich ganz normalen und gemischten Gruppe von Menschen sah, wurde mir klar, dass Trump ohne Schwierigkeiten wiedergewählt werden könnte. Jüngste Umfragen haben ergeben, dass ganze 58 Prozent geschworen haben, nur nicht für Trump zu stimmen, aber selbst bei all den Verrücktheiten seiner Rede, und dem unendlichen Chaos seiner ersten beiden Jahre im Weißen Haus, brachte er Belege dafür, dass er tatsächlich Dinge erreicht hat, die für seine Anhänger wichtig sind. Er erklärte, dass die Arbeitslosigkeit unter Hispanics auf einem historischen Tief sei, und das stimmt. Er erklärte, dass Arbeitslosigkeit unter schwarzen Arbeiter auf einem Allzeit-Tief sei, und das stimmt. Wir sehen in Trump nur den rassistischen Clown und eine Bedrohung für alle demokratischen Prinzipien, aber seine Anhänger sehen in ihm den Mann, der Dinge geregelt bekommt, der offen spricht und der einen wirtschaftlichen Aufschwung steuert, der die Welt neidisch macht."

Magazinrundschau vom 05.02.2019 - Guardian

Die neuen superhohen, superdünnen Wolkenkratzer für Superreiche verändern gerade schlagartig New Yorks Skyline. Oliver Wainwrigt vergleicht den Schub mit anderen Phasen der Architekturgeschichte, in denen technologischer Fortschritt und immenser Wohlstand zu neuen Gebäudetypen führten - als etwa die Römer begannen, mit Beton zu bauen, das viktorianische England mit Stahl und die Amerikaner Aufzüge einsetzten: "Diese Wolkenkratzer sind jedoch nicht nur die Folge einer neuen Konstruktionstechnologie und eines globalen Übermaßes an superreichen Käufern, sie sind auch die Folge einer Zonierungspolitik, die Developern erlaubt, ungenutzten Luftraum zu erwerben, seinem eigenen Grundstück zuzuschlagen und ein riesiges Gebilde darauf zu setzen, ohne dass irgendein öffentliches Verfahren dazu stattfindet. Das Gesicht New Yorks ändert sich in einer seit Jahrzehnten ungesehenen Geschwindigkeit und die Geschäfte, die das vorantreiben, finden hinter verschlossenen Türen statt. Die Ergebnisse reichen von sublim bis subtil, oder sogar beides zusammen. 432 Park Avenue ist ein surreales Kantrohr aus weißem Beton, das zweimal so hoch wie alles um sich herum emporzuschießen scheint, mit seinem endlosen rechtwinklingen Raster aus Fenstern, das Welten aus soliden Marmorbadewannen und klimatisierten Weinkellern umschließt. Es ist der eleganteste der neuen Türme und erinnert an die minimalistischen Skulturen Sol LeWitts, auch wenn Architekt Raphael Viñoly behauptet, er sei von einem Mülleimer inspiriert worden. Er kann eindeutig Müll in Gold verwandeln, das Penthouse wurde für 95 Millionen Dollar verkauft. Es ist das höchste Wohnhaus der Welt, wird es aber nicht lange bleiben. Neben ihm wächst bereits der wuchtige Rumpf des Central Park Tower, ein großer gläsener Hüne, und wird ihm in Kürze die Krone der schwindelerregendsten Residenz auf dem Planeten abnehmen."

Magazinrundschau vom 11.12.2018 - Guardian

Im Guardian schildern Louisa Lim und Julia Bergin, in welchem Umfang China internationale Medienunternehmen ankauft, ausländische Journalisten anwirbt, ausbildet, bezahlt oder auf "Studienreisen" schickt, um seine weltweite Propagandakampagne zu verfolgen. Auch durch finanzierte Werbeprospekte und Einlagen (etwa in der Washington Post oder der New York Times), gesponserte Berichterstattung oder das Einspeisen von Inhalten des staatlichen Radiosenders CRI in andere Rundfunkanstalten quer über den Globus, von Australien bis in die Türkei, soll "Chinas Geschichte gut erzählt" werden. Als "Testfeld" für die internationale Expansion der chinesischen Unternehmen fungiert dabei Afrika, wo mit CCTV Africa und 6,6 Milliarden Dollar ein Ableger des chinesischen Staatsfernsehens aufgebaut wurde, der lokalen Journalisten redaktionelle Unabhängigkeit und die Chance versprach, afrikanische Geschichte aus "ihrer Perspektive" zu erzählen, so Lim und Bergin: "Vivien Marsh, Wissenschaftlerin an der University of Westminster, die die Berichterstattung von CCTV Africa untersucht hat, ist solchen Behauptungen gegenüber skeptisch. Bei der Analyse der Berichterstattung von CCTV über den Ebola-Ausbruch von 2014 in Westafrika stellte Marsh fest, dass 17 Prozent der Ebola-Geschichten China erwähnten, dabei im Allgemeinen dessen Rolle bei der Bereitstellung von Ärzten und medizinischer Hilfe betonten. 'Sie haben versucht, gute Arbeit zu machen, sagt Marsh, aber sie haben ihre journalistische Glaubwürdigkeit in meinen Augen verloren, als sie China als gütigen Elternteil darstellten.' Weit davon entfernt, die Geschichte Afrikas zu erzählen, schien es das vorrangige Ziel zu sein, chinesische Macht, Großzügigkeit und zentrale Bedeutung für globale Angelegenheiten zu betonen. (Neben dem englischsprachigen Kanal verfügt CGTN nun auch über spanische, französische, arabische und russische Kanäle.) In den letzten sechs Jahren hat CGTN seine Reichweite in Afrika stetig ausgebaut. Es wird in den Fernsehern auf den Fluren der Macht der Afrikanischen Union, in Addis Abeba gezeigt und dank StarTimes, einem chinesischen Medienunternehmen mit starker Bindung an den Staat, kostenlos in tausenden ländlichen Dörfern in verschiedenen afrikanischen Ländern ausgestrahlt - darunter Ruanda und Ghana. Die günstigsten Pakete von StarTimes bündeln chinesische und afrikanische Kanäle, während der Zugang zur BBC oder zu al-Jazeera mehr kostet und somit die Möglichkeiten der meisten Zuschauer übersteigt."