Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 21.10.2002 - New York Times

Endlich ein Buch über den 11. September, bei dem es - wie in den 150 Büchern davor - nicht nur von Helden wimmelt", schreibt Jeffrey Goldberg über William Langewiesches "American Ground". Langewiesche, Starreporter des Atlantic Monthly, hat die Aufräumarbeiten an Ground Zero vom ersten bis zum letzten Tag an mitverfolgt und in gewohnt herausragender journalistischer Qualität geschildert, jubelt Goldberg: "It is a work of original reporting, and its pages are filled with astonishing observations. There are too many arresting passages to recount here, but let me note two: Langewiesche's walk through the ghost world of the Bankers Trust building, which was damaged in the attack but did not fall, is postapocalyptic in its loneliness; and his reconstruction of the last minutes of the planes that slammed into the towers - American Flight 11 and United Flight 175 - is terrifying in its exactness." (Auszüge aus der in drei Teilen veröffentlichte Reportage in Atlantic Monthly finden Sie hier und hier und hier).

Gute Gründe für einen Krieg gegen den Irak findet Jack F. Matlock Jr. in Kenneth M. Pollacks "The Threatening Storm" (Leseprobe). Der frühere Geheimdienstmitarbeiter Pollack verfüge über ein umfangreiches Detailwissen und liefere präzise Analysen, meint der Rezensent. Wie etwa diese: "The idea that opposition groups could lead an invasion and prevail with the support of American air strikes and some special forces, as happened in Afghanistan, is an illusion, he believes. No neighboring states would back such an effort and it would probably fail even if they did. The only sure course is a blitzkrieg by American ground troops."

Weitere Artikel: In ihrem Close Reader folgt Judith Shulevitz Hillel Halkin in das Grenzgebiet zwischen Tibet und Burma, wo ein Volk behauptet, direkt von einem der zehn Stämme Israels abzustammen. Nach der Lektüre von David Rockefellers Memoiren (Leseprobe) sehnt sich David Brooks nach der Zeit zurück, als die Prominenten sich - wie Rockefeller - durch gepflegte Umgangsformen auszeichneten und nicht nur durch ihr monströses Ego. Joyce Carol Oates' 38. Roman "I?ll take you there" (Leseprobe) würdigt Jennifer Egan zwar als bezaubernd, als Oates' Meisterwerk möchte sie es aber nicht bezeichnen. Einen Meister des internationalen Thrillers nennt Richard Eder Martin Cruz Smith, und auch dessen neuestes Werk "December 6" sei ein könnerhaft und fehlerlos inszenierter Krimi im Japan des Zweiten Weltkriegs.

Kurz besprochen werden Sachbücher, darunter eines über Juden in Deutschland, und Kinderbücher, über Hühner und Scheunen. In der Krimi-Ecke geht es etwa um Verbrechen in Florenz, Maryland, Los Angeles und England. Zu guter letzt ein Herbsgedicht von Judy Katz.

Magazinrundschau vom 14.10.2002 - New York Times

Im Jahre 1792 setzten sich zwei französische Astronomen ein vermessenes Ziel. Sie wollten einen neue Maßeinheit für die ganze Welt schaffen, den Meter. Ken Alder beschreibt in seinem nach Meinung von Timothy Ferris "überaus originellen" Buch "The Measure of All Things" (hier das erste Kapitel) das Abenteuer der Vermessung in revolutionärer Zeit. Es ging darum, die genaue Länge des zehnmillionsten Teils der Strecke vom Nordpol zum Äquator herauszufinden. Dafür begaben sich die beiden Astronomen auf die Reise, um die Strecke zwischen Dünkirchen und Barcelona genauestens zu vermessen und daraus den Erdumfang abzuleiten. Die Sache sollte in ein paar Monaten erledigt sein, aber Europa lag im Krieg, und die Reise verlängerte sich auf sieben Jahre. Die Landvermessung mit den blinkenden Instrumenten der beiden Forscher "geriet ins Chaos. Sie wurden festgehalten, eingesperrt und gerieten an so viele Hindernisse, dass man eher glaubt, einen Roman von Cervantes oder Rabelais als ein populärwissenschaftliches Werk zu lesen."

In seinen gesammelten Essays, Reden und Aufsätzen (hier das erste Kapitel) übertritt Salman Rushdie furios die Grenzen der Sprache, Geografie und Kultur, schreibt ein beeindruckter Richard Eder. "There is the Rushdie, that is, who puns, capers and shows off in gaudy colors and with world-girdling panache. The Rushdie plummeting through space after the fatwa marked him for death and punished him with a rough internal exile that kept him hidden and guarded for a number of years. Rushdie registering each sting of narrowness, arrogance or criticism -- he takes the last to be equivalent to the first two -- and instantly lashing back."

Weiteres: Sehr gut, wenn auch etwas verstörend findet John Sutherland "Family Matters", den dritten Roman (erstes Kapitel) des diesjährigen Favoriten für den Booker Prize Rohinton Mistry. Robert J. Richards stellt "The Blank Slate" von Steven Pinker vor: der Autor bricht eine polemische Lanze für die Gene, denen er einen viel größeren Einfluss auf unser Wesen zutraut, als die meisten seiner Wissenschaftler-Kollegen (erstes Kapitel). Und in seinem neuen neuen "Biographical Dictionary of Film" David Thomson wieder einmal aufs Neue, dass er einfach unersetzlich ist (erstes Kapitel), meint Sarah Kerr.

In der Science-Fiction-Ecke geht es um Rachefeldzüge in einem fantastischen Japan oder den Kalten Krieg zwischen Aliens und Menschen. Kurz besprochen wird unter anderem der Debütroman von Joyce Hackett.




Magazinrundschau vom 07.10.2002 - New York Times

Randvoll mit guten Büchern, die Review diese Woche: Michael Palin ist ganz entzückt von Ed Sikovs informativer und unterhaltender Biografie der englischen Komödien-Ikone Peter Sellers ("Mr. Strangelove" erschienen bei Hyperion, mehr über die Pink-Panther-Reihe und alle anderen Filme hier). Das Lob Palins zählt doppelt, wenn man weiß, wie sehr er Sellers verehrt. "Sellers was also a master of understatement. As much as any comic actor I know, with the possible exception of John Cleese, Sellers realized how much funnier comedy can be if played not only straight but with gravity and conviction. As Sikov writes, 'He remains to this day the master of playing men who have no idea how ridiculous they are.' He was blessed with an inexhaustible gift for mimicry, what Sikov calls his 'omnidextrous voice'. The only accent that defeated him, apparently, was Texan." Texaner sollen ja ohnehin wenig Spaß verstehen .

Außerdem in dieser randvollen Ausgabe: Als überzeugenden Triumph bezeichnet Geoffrey C. Ward den Roman "Paradise Alley" von Kevin Baker, der von der dunkelsten Stunde New Yorks vor 9/11 erzählt, den irischen Aufständen im Jahre 1863 (Leseprobe). Erfrischend bis köstlich liest sich Zadie Smiths zweiter Roman "The Autograph Man" für Daniel Zalewski, leider nur in der zweiten Hälfte (Leseprobe). Beim nächsten Buch, hofft der Rezensent, wird Smith ihren Rhythmus wiederfinden. John Tooby feiert Janet Brownes Abschlussband ihrer monumentalen und konkurrenzlosen Darwin-Biografie (Leseprobe). Maureen Howard bewundert Milan Kunderas Roman "Ignorance" ("Die Unwissenheit"). Im Close Reader überlegt Judith Shulevitz, ob es das Böse an sich überhaupt gibt, auf dessen Schlechtigkeit sich alle einigen können, wenn doch "Al Qaeda members and Palestinian suicide bombers are genuinely, sincerely, convinced that they are doing the right thing."

Die Krimi-Kolumne beschäftigt unter anderem mit 93-jährigen Zahnärzten, unschuldig wirkenden Molekularbiologen und Journalisten auf Kreuzzug. Kurz besprochen werden diesmal Sachbücher, etwa über die New York Yankees, die Erfindung des Flugzeugs oder die zwei mysteriösen mähnenlosen Löwen, die 1898 in Ostafrika über 100 Eisenbahnarbeiter töteten.

Magazinrundschau vom 23.09.2002 - New York Times

Erstaunt stellt Judith Shulevitz im "Close Reader" fest, wie gekonnt die Schriftstellerinnen des viktorianischen Englands die ihnen von der Gesellschaft auferlegten Beschränkungen für ihre Profession nutzten. Christina Rossetti, Emily Dickinson, Elizabeth Barrett Browning und Emily Bronte lebten bei ihren Eltern, mussten kein Geld verdienen, konnten sich jederzeit von den langweiligen Tee-Runden zurückziehen und waren durch ihren Mangel an formaler Bildung prädestiniert für originelle Ideen. "After all, poetic composition is the art of finding beauty in constraint, of turning limitation into aesthetic opportunity, and that, we know, is a feat these women were forced to perform incessantly. As Dickinson, with her great talent for ambivalence, put it: 'Essential Oils / are wrung / The Attar from the Rose Be not expressed by Suns / alone / It is the gift of Screws / ...'."

Wir bleiben bei den Frauen: Francine Prose hat in ihrem neuen Buch neun Musen berühmter Künstler porträtiert. Und hat dabei herausgefunden, dass diese beileibe keine passive oder gar eine Opferrolle innehatten. Nicht alle waren allerdings so erfolgreich wie Lou Andreas-Salome, schreibt Stacy Schiff: "Lou managed a sexless romance with Nietzsche, an equally sexless 43-year marriage to a philologist, a torrid affair and long relationship with Rilke and a friendship with Freud, all the while turning out a small library of her own work, some of it critical of the men she so invigorated. She was smart enough to leave them all wanting more, behavior that illuminates two central tenets of musedom: sex has relatively little to do with it; longing, on the other hand, is key. Freud spoke of directing his remarks to Lou's empty seat in the lecture hall. Impossible though it sounds, 'Thus Spake Zarathustra' has been described as a balm to a broken heart. The muse should be as charming as she is unobtainable, a fantasy bartender."

Eva Hoffmann bewundert die "ruhige Schönheit" von "About Nature", einem posthum veröffentlichten und in Versen gehaltenem Frühwerk W.G. Sebalds. "Sebald's writing here, as in all his work, is nourished by precise detail, by the quiddity of the material world; but its scope derives from the largeness of his temporal imagination." (Hier das erste Kapitel). Mindestens ebenso beeindruckt ist Edward Hirsch von Abba Kovners letztem Gedichtband, der durch seinen knappen, schnörkellosen, ja, finalen Stil überzeugt (das erste Kapitel). Claire Dederer lobt Nani Powers neuen Roman "The Good Remains", eine Elegie auf den Süden der USA und den Untergang seiner Tradition (das erste Kapitel). Und Robert Harris folgt bereitwillig Tony Horwitz, der auf den Spuren Captain Cooks die Welt bereist und dabei notiert hat, wie die westliche Zivilisation Cooks Paradiese verändert hat.

Kurz besprochen werden Bücher über die Drucke von Roy Lichtenstein, das Leben des kleinsten Mannes von England, die schönste Stadt der Welt, Florenz, oder die Schlacht bei Gettysburg. Und die Krimikolumne beschäftigt sich mit sadistischen Psychologen, emotionalen Hausfrauen sowie traditionsbewussten Killern in der Londoner Portobello Road.

Magazinrundschau vom 16.09.2002 - New York Times

Als "das Fesselndste, was je über die ersten Jahre der Atommacht USA geschrieben wurde", lobt David A. Hollinger "Brotherhood of the Bomb". Darin rollt der Historiker Gregg Herken noch einmal den Skandal um den Atomwissenschaftler Robert Oppenheimer auf. Der Direktor des Atomwaffenentwicklungsprogramms, war auf dem Höhepunkt der Kommunistenverfolgung durch McCarthy mit einer gezielten Verleumdungskampagne als Verräter gebrandmarkt und schließlich 1954 entlassen worden. Unschuldig, wie Herken mit neuen FBI- und KGB-Akten und mehr als 80 Interviews beweist. "There certainly were spies at Los Alamos. Klaus Fuchs and Ted Hall have long since been identified, and there was at least one other whose identity remains undisclosed. But F.B.I. wiretaps quoted by Herken reveal Robert Oppenheimer's Communist friends in Berkeley plotting espionage while complaining ruefully about his refusal to talk to them about his secret work. Soviet documents available since the end of the cold war record frustration that agents had not been able to recruit Oppenheimer." Hier das erste Kapitel.

Gao Xingjians zweiter großer Roman "One Man's Bible" wurde ins Englische übersetzt. "Eine kraftvolle Erzählung" über den inneren, zermürbenden und allgegenwärtigen Terror in China, sei dem Nobelpreisträger für Literatur im Jahr 2000 da gelungen, jubelt Barbara Crossette. ''One Man's Bible'' ist mehr autobiographisch als fiktiv und spielt "in the political claustrophobia and paranoia of the 1960's and early 70's, when Chinese society imploded: children informed on their parents, neighbors spied on neighbors, creative people burned their poetry and paintings and the revolution began to devour itself, pitting cadre against cadre. Families were scattered and decimated by re-education, prison labor, disease and untimely death." Hier eine Leseprobe aus dem ersten Kapitel.

Laura Miller ist überwältigt. Denn "Middlesex" von Jeffrey Eugenides ist alles zugleich: eine Saga, ein Ideen- und ein Entwicklungsoman. Die Geschichte der Hermaphroditin Calliope Stephanide sei länger und witziger als der Vorgänger "The Virgin Suicides", meint Miller, lebe aber ähnlich und genauso erfolgreich von Kontrasten. "There's the gap between male and female, obviously, but also between Greek and WASP, black and white, the old world and the new, the silver spoon and the sluggish sperm." Eine Leseprobe aus dem ersten Kapitel.

Besprochen werden außerdem eine ganze Reihe von Büchern und Studien, die sich mit dem Phänomen der "Sopranos" beschäftigen, der erfolgreichen Fernseheserie über eine Mafia-Familie; sowie Michael Fabers ambitionierter Roman "The Crimson Petal and the White", in dem eine Prostituierte sich dem Kind eines reichen Mannes annimmt (Leseprobe hier).

Magazinrundschau vom 09.09.2002 - New York Times

Auch die New York Times Book Review kann sich der Jahrestags-Aktualität nicht entziehen, der Schwerpunkt der Besprechungen liegt auf Büchern zum 11. September. Eine umfangreiche Leseliste zum Thema findet sich hier. Walter Kirn hat sich durch eine ganze Reihe von ihnen gelesen. Eher enervierend fand er, was Schriftsteller und Intellektuelle in ersten, nun festgehaltenen Reaktionen zu schreiben hatten: "With some exceptions these first-response reflections on terrorism have a strained, hurry-up-and-say-something-memorable feeling. One suspects that events caught these authors napping just like almost everybody else, but, being literary professionals, they felt obliged to snap out of it immediately and hit their keyboards, like pianists on the Titanic."

Außerdem werden zum Thema besprochen: Ein Band mit Thomas L. Friedmans (er ist Autor der New York Times) Kolumnen (hier das erste Kapitel), die sich, das findet der Rezensent nicht unbedingt schlecht, durch ungebrochenes amerikanisches Selbstbewusstsein auszeichnen: "With all those contradictions, few writers express better the sheer perplexity of America today: We are an open society and a beacon of freedom, so why do they hate us?" Eine Rekonstruktion der Al-Qaeda-Vorgeschichte liefert John Millers und Michael Stones "The Cell": Die Autoren, "distinguished investigative reporters, with the help of the editor Chris Mitchell, bring high credibility to this streetwise, gritty police procedural, especially Miller, a television reporter who trekked into the Afghan mountains in 1998 to interview bin Laden." Weiter wird besprochen James B. Stewarts Geschichte eines wahren Helden, des Sicherheitsbeauftragten von Stanley Morgan, Rick Rescorla: "A co-worker urged Rescorla to leave. 'I will,' he said, 'as soon as I've got everybody else out.' He had plenty of time to save himself. But when last seen, he was on the 10th floor, climbing up the stairs to search for stragglers." Und noch eine Rekonstruktion, nämlich die des einzigen Terroristen-Fluges, der sein Ziel nicht fand - hier gibt es als Leseprobe das erste Kapitel aus Jere Longmans Buch "Among the Heroes".

Von den Büchern zu anderen Themen wird Antony Beevors "The Fall of Berlin 1945" am besten besprochen. Beevor, der Autor mehrerer militärgeschichtlicher Bücher, schildert im blutigen Detail den Untergang des Dritten Reichs, die sinnlosen Verteidigungsschlachten eines längst verlorenen Kriegs, aber auch die Bestialität der Roten Armee:" Beevor's gut-wrenching tale is told from the perspective of those who lived, fought and all too often died in East Prussia and Berlin. His descriptions of the experiences of individual soldiers and civilians, the street fighting in Berlin and the events taking place in the Hitler bunker and the Kremlin, make 'The Fall of Berlin 1945' the best account yet written on the death knell of Hitler's vaunted Thousand Year Reich."

Marilyn Stasio hat sich durch eine Reihe neuer Krimis gelesen, aber weder das neue Buch von Martha Grimes noch der jüngste Roman des großen K.C. Constantine haben sie besonders beeindruckt.

Magazinrundschau vom 02.09.2002 - New York Times

Daphne Merkin widmet dem Nobelpreisträger V.S. Naipaul (mehr hier) ein großes Porträt, in dem sie vor allem beklagt, dass er zu wenig gelesen wird. Erst im zweiten Teil gelangt sie zur Besprechung des neuen Buches, der Essaysammlung "The Writer and the World". Naipauls Besonderheit als reisender Schriftsteller beschreibt Merkin so: "Unlike those writers who travel in deliberate search of the exotic or mystical, Naipaul travels in order to find glimmers of the recognizable: 'I go to places which, however alien, connect in some way with what I already know.' " Diese Haltung findet Merkin angenehm vor allem im Vergleich zum politisch korrekten Mainstream: "I suppose this attitude can be labeled insular or ethnocentric, but one can also perceive in it a refusal to go along with the guilt-racked, reflexive tendency among Western liberals to idealize the once-despised Other and to countenance the depredations of self-rule in former colonial outposts." Das erste Kapitel gibt es hier zu lesen.

In einem Sammelband sind die gesammelten Film- und sonstigen Kritiken von Anthony Lane, Nachfolger Pauline Kaels beim New Yorker, erschienen. Was Laura Miller zu den Filmkritiken zu sagen hat, klingt erst mal nicht schlecht: "Lane writes prose the way Fred Astaire danced; his sentences and paragraphs are a sublime, rhythmic concoction of glide and snap, lightness and sting. Like his beloved Jane Austen, his style is infernally contagious. This review will sound just like him, and there's nothing I can do to prevent that." Die wahre Liebe Lanes aber gilt der Literatur, der englischen insbesondere - und Laura Miller ist so begeistert, dass sie sich am Ende fragt, warum er überhaupt Filme bespricht. Hier der Link zum ersten Kapitel.

Paul Austers
neuer Roman "Book of Illusions", bei uns schon eine Weile raus und von den Feuilletons rundum, zum Teil begeistert besprochen, ist nun auch in den USA veröffentlicht worden; das Urteil von D.T. Max fällt allerdings eher zwiespältig aus: "It contains a fine evocation of Mann's imaginary silent films that seems to owe something to Auster's own efforts as a screenwriter. He is brilliant at making the intellectual life sexy. But 'The Book of Illusions' doesn't quite reach the New York Trilogy's taut grace, in which every sentence feels metaphysically ordained, or his film work's warmth. It feels messy without being quite human." Hier gibt es eine Leseprobe.

Außerdem besprochen werden unter anderem ein Buch über die amerikanische Urzelle der Country-Musik, nämlich die Carter-Family, und - sehr positiv - der Roman "Eva's Cousin" von Sibylle Knauss (hier die Reaktionen im deutschsprachigen Raum). Lauwarm ist die Reaktion auf den "techno-bio-anthropological thriller" "Mind Catcher" von John Darnton, in dem ein paar Wissenschaftler eine Maschine zum Download menschlicher Hirnwellen erfunden haben. Nicht ganz uninteressant auch: Jonathan Franzens "Corrections" sind jetzt als Taschenbuch erschienen.

Magazinrundschau vom 26.08.2002 - New York Times

Und wenn es das tausendste Buch über einen Spion im besetzten Frankreich des Zweiten Weltkriegs ist, und das siebte von Alan Furst, das zu dieser Zeit spielt: selten war eines so gut wie "Blood of Victory", jubelt Neil Gordon in der Review. Furst gelinge es in beeindruckender Weise, den Leser unmittelbar in die Lage des Helden zu versetzen, wobei ihm auch seine Sprache helfe, eine "nearly telegraphic prose that relies heavily on sentence fragments and rapid-fire sequences of images to capture the extraordinary complexity of his characters' political and personal reality. His writing is eloquent in its factual, fatigued simplicity." Das Buch zu lesen, sei wie Kino - natürlich schwarz-weiß -, "a cinematic noir vision of handsome men and women wearing trench coats, smoking Balkan Sobranie cigarettes, listening to Stephane Grapelli and Django Reinhardt (mehr hier) and inhabiting nighttime streets in cities from Istanbul to occupied Paris." Der Spion war übrigens Ilia Serebin. Hier gibt es das erste Kapitel als Leseprobe und hier eine Lesung des Autors.

Marco Polo kann einpacken. Fasziniert folgt Geoffrey Moorhouse Tim Mackintosh-Smith's ''Travels with a Tangerine'', der Geschichte des größten Reisenden aller Zeiten Ibn Battutah (1304-1368) (mehr zu Batthuta hier), der mit 21 Jahren Tanger verließ und erst nach 30 Jahren und 75 000 Meilen wieder zurückkehrte. Was das Buch empfehlenswert mache, sei aber nicht nur spannende Reisebericht, sondern vor allem die Darstellung eines toleranten Islams. Das mache das Buch zu einer "very genial tale, told by a sensitive man whose chief interest is a culture motivated by a faith to which he does not himself subscribe."

Die Begeisterung, mit der Timothy Ferry in "Seeing in the Dark" die Schönheit des Alls im Allgemeinen und die Menschen im Besonderen beschreibt, die dieser Schönheit verfallen sind, hat auch den Rezensenten angesteckt: "Universe-watching, like golf and aging, promotes humility. Ferris is a retired professor, but of journalism, not astronomy, and his tone is that of the amateurs he celebrates and interviews. That adolescent enthusiasm, well tended since sputnik, reinforces his formidable literary gifts - for metaphor, for narrative and everything between. This is a beautiful book."

Ansonsten widmet sich die Review unter anderem "Eleanor and Harry", einer Sammlung von 254 Briefen Eleanor Roosevelts an Harry Truman. Der Nachfolger Roosevelts wusste genau, dass er ohne Eleanor nicht regieren konnte. "And she, in turn, was determined to do all she could to see to it that what she believed to be her husband's unfinished agenda would be carried out by his successor." (Erstes Kapitel hier). Besprochen wird auch die "Geschichte eines Deutschen" von Sebastian Haffner, die als "Defying Hitler" auf den amerikanischen Markt kommt.

Magazinrundschau vom 19.08.2002 - New York Times

Jeff Giles stellt Haruki Murakamis neues Buch "After the Quake" (Auszug) vor, einen "unerwartet kraftvollen" Erzählband über die emotionalen Nachwehen des Kobe-Erdbebens von 1995, den Amerikaner auch als Metapher für den 11. September lesen dürfen (obgleich das Buch vorher entstanden ist). Und mit der den Rezensenten aufgrund ihrer Mischung aus Realismus und Fantasy begeisternden Geschichte "Super-Frog Saves Tokyo'' über einen sechs Fuß messenden Frosch, der unvermittelt im Haus des Bankangestellten Katagiri auftaucht. "The frog tells Katagiri that he needs his aid in the battle against an enormous worm, that lives beneath Tokyo and is planning to unleash a crippling earthquake" Es braucht eine Weile, schreibt Giles, um herauszufinden, wieviel diese Geschichte uns erzählt über das Gefühl der Machtlosigkeit und der Angst. Hier noch ein Feature zu Murakami.

Besprochen wird auch Alain de Bottons so gar nichts mit der Abenteuerlust und dem Humor traditioneller englischer Reiseliteratur gemein habendes Buch "The Art of Travel". De Botton, bedauert Alan Riding in seiner Besprechung, "seems to prefer the ritual of traveling -- the aller-retour on ships and trains and planes -- to actually being somewhere other than his London home." Nur gut, dass sich der Autor als Begleiter so unterhaltsame Figuren wie Baudelaire, von Humboldt, van Gogh und Ruskin ausgesucht hat: "He worries constantly about the problems he has left behind, and he is ever self-conscious about the otherness of the places he visits. And, to be frank, he can be something of a whiner. So it is often a relief when de Botton cedes his pages to his predecessors, describing their approach to travel and quoting from their books, letters and lectures." Lesen wir also besser gleich Wordsworth, anstatt das erste Kapitel.

Im Boox-Comic untersucht Mark Alan Stamaty den Harry-Potter-Hype, der selbst vor Plagiaten nicht Halt macht - in China zumindest. Und der auf Hebräisch schreibende Dichter Abba Kovner schickt folgendes Poem: "How little we need / to be happy: / a half-kilo increase in weight, / two circuits of the corridors / at Sloan-Kettering / in bedroom slippers / a morning without aspirin / silence gentle as a pit, / a distant / sand dune / behind the green bridge / a patch of lawn / and you beside me beginning / to knit a new sweater..."

Magazinrundschau vom 12.08.2002 - New York Times

Tony Eprile stellt zwei Romane des südafrikanischen Autors Zakes Mda vor, in denen die seltene Verbindung von magischem Realismus und Sozialkritik glückt. Bewegt sich "The Heart of Redness" (Leseprobe) hin und her zwischen der südafrikanischen Gegenwart und dem 19. Jahrhundert und zeigt auf diese Weise den uralten Kampf zwischen den Kräften des Fortschritts und denjenigen der Tradition, folgt der im Stil des "oral storytelling" geschriebene pikareske Roman "Ways of Dying" (Auszug) dem "professional mourner" Toloki, einem Klagemann der besonderen Art: "Toloki has created his own special diet, 'a delicacy of Swiss cake relished with green onions', and this, along with his habit of dousing himself in perfume and rarely bathing, gains him plenty of room at crowded gravesites." Trotzdem wird nicht nur ein Buch über das Sterben im neuen Südafrika draus, sondern auch eine Liebesgeschichte: "Reflecting the startling contrasts in such a world, tender humor and brutal violence vie with each other in Mda's pages, as do vibrant life and sudden death. The struggle between them creates an energetic and refreshing literature for a country still coming to terms with both the new and the old."

Die Geschichte der Menschheit vom Unterleib aus betrachtet. Oder acht Kapitel über die großen Wendepunkte in unserer ewigen Suche nach einer guten Mahlzeit. "All this is condensed into 224 pages of text, the literary equivalent of turning a stockpot of broth into a bouillon cube." Und mundet Betty Fussell ganz ausgezeichnet: "Serving up Gaston Bachelard with Lewis Carroll, Confucius with Montezuma, Pythagoras with a London sandwich man," schreibt Fussell über den genialischen Autor von "Near A Thousand Table", den Oxford-Historiker Felipe Fernandez-Armesto, "he does more than dazzle by eclectic erudition: he undermines the cliches of our personal and cultural biases". Und er bringt Erstaunliches zusammen: "After proposing that fire-cooked food transformed solitary eaters into communal ones, he links the civilizing tool of cooking to current uncivilizing modes of anti-cooking, particularly 'the loneliness of the fast-food eater'. Das Fleisch des Ganzen aber, serviert mit "Anmut und Verstand", findet Fussell eingekocht in den drei letzten Kapiteln, "documenting the revolutions of global exchange that now determine what and how we all eat" (Stichwort: Cross-cultural eating und die "McDonaldization" des Globus). Hier bringe Fernandez-Armesto "a humanity, civility and excitement to serious food writing that may not have been seen since Brillat-Savarin."

Außerdem stellt Naomi Shihab Nye vier in Versen geschriebene neue Kinderbücher vor, die an die einfachen Freuden des Reimens erinnern. Und Jenny Turner ist baff angesichts der Klugheit, der Ausdrucksfähigkeit und des Witzes, die Terry Eagleton in seiner "Anti-Autobiografie" ("Instead of the usual bildungsroman sense of a life as a single arc, Eagleton does his as interlinked short hops") an den Tag legt. Hier ein entsprechend sprühender Auszug aus "The Gatekeeper".