Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

802 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 81

Magazinrundschau vom 10.03.2020 - New York Times

Datingapps und Onlineforen haben im Zuge der Digitalisierung der chinesischen Gesellschaft auch den queeren Menschen des Landes nicht nur zu mehr Vernetzung untereinander, sondern auch zu einer Stimme in der Gesellschaft verholfen, erzählt Yi-Ling Liu. Momentan befindet sich diese neue Bürgerrechtsbewegung zwar in einer Art Zwangs-Winterschlaf - folgend der oft undurchsichtigen Verhaltensweise der Volkspartei, an einer Stelle neue Freiheiten zuzulassen, sie an anderen Stellen aber zu begrenzen. Doch so gut wie alle, "mit denen ich im Hinblick auf das chinesische LGBTQ-Leben gesprochen habe - ob nun hetero oder schwul, verheimlicht oder nach dem Coming-Out, NGO-Freiwillige oder Venture-Kapitalisten -, scheinen dasselbe Gefühl zu haben: Dieser Winterschlaf geht vorbei. Anders als andere Gruppen stellt die LGBTQ-Gemeinschaft keine explizite Bedrohung der Parteienherrschaft dar und ist zu niedrig in der Priorität, um auf dem Radar der Regierung zu landen. Als Weibo-Nutzer 2018 die Timelines mit dem Protest-Hashtag #IAmGayNotAPervert füllten und die Plattform damit zwangen, ihre frühere Politik, schwule Inhalte zu 'säubern', zurückzunehmen, hielt sich die Regierung zurück. ... 'Die Regierungsstellen versuchen diese Welle, von der sie wissen, dass sie letztlich nicht aufzuhalten sein wird, nicht zu bekämpfen, sondern zu managen', sagt der Rechtswissenschaftler Darius Longarino. ... Im Dezember räumte Chinas Gesetzgeber ein, im Rahmen einer geplanten Aktualisierung des chinesischen Zivilgesetzbuches zahlreiche Bitten erhalten zu haben, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren. Der nationale Parteikongress hatte angekündigt, das Gesetzbuch in diesem Monat einer Neuüberprüfung zu unterziehen (auch wenn das Treffen wegen des Coronavirus verschoben wurde). Während die gleichgeschlechtliche Ehe in China wohl noch in weiter Ferne steht, war dies ein klarer Hinweis darauf, dass die Regierung den Status einer zunehmend sichtbaren Gemeinschaft anerkennt."

Weitere Artikel: Siobhan Roberts erzählt von einem Mittagessen mit dem letzte Woche verstorbenen Physiker Freeman Dyson. John Caramanica besucht aktuelle Ausstellungen in New York von Jose Parla, JR und Kunle Martins. Und Adrian Chen stellt den japanischen Spiele-Auteur Hideo Kojima vor, der von seinen Fans seit vielen Jahren so kultisch verehrt wird, wie man das sonst nur unter Cinephilen im Hinblick auf geliebte Filmemacher kennt. Der Trailer zu seinem aktuellen Spiel "Death Stranding" wirkt wirklich wie ein großes Blockbuster-Epos:

Magazinrundschau vom 25.02.2020 - New York Times

Google rühmte sich lange Zeit für seine offene interne Arbeitskultur: Dass Mitarbeiter ihre Vorgesetzten und deren Pläne offen und vehement kritisieren durften, heftete sich der Konzern als Qualitätsmerkmal ans Revers. Diese Zeiten sind offenbar vorbei - zuletzt setzte Google, zum Entsetzen weiter Teile der Belegschaft, einige Mitarbeiter vor die Tür, die dem Konzern zu unbequem geworden sind. Noam Scheiber und Kate Conger haben sich umgehört: "Dass derzeit ähnliche Formen des Aktivismus auch in der Belegschaft anderer Firmen, darunter Amazon und Microsoft, stattfinden, wirft tiefer gehende Fragen zum Stand der Dinge der ganzen Industrie auf. Silicon Valley hat es sich oft zugute gehalten, ein hochentwickeltes Ökosystem darzustellen, an dem gängige Kapital-Arbeit-Dichotomien zerschellen - ein Ort, an dem Investoren, Gründer, Manager und Arbeiter viel zu abhängig voneinander sind, als dass so etwas Krasses wie ein Klassenkampf vom Zaun gebrochen würde. Die jüngsten Entwicklungen bei Google haben diese egalitäre Geschichte in Zweifel gezogen. Sie zeigen, dass die Vorgesetzten selbst in den exklusivsten Ecken von Silicon Valley zusammenhalten und die Debatte zum Verstummen bringen, wenn zu viel auf dem Spiel steht. Das Schicksal der Aktivisten wiederum zwingt Büroangestellte dazu, sich mit einem unangenehmen Gedanken auseinandersetzen zu müssen: Wenn es selbst den begehrtesten Arbeitern des Landes nicht gelingt, ihre Arbeitgeber davon abzuhalten sich auf eine Weise zu verhalten, die sie ablehnen, wie steht es dann erst um uns?"

Außerdem hat sich David Marchese mit Jazzlegende Sonny Rollins unterhalten, der mit seinen 84 Jahren zwar nicht mehr musizieren kann, aber mit seinem Leben dennoch sehr zufrieden ist.

Magazinrundschau vom 11.02.2020 - New York Times

In der neuen Ausgabe des Magazins stellt Jenna Wortham die afroamerikanische Regisseurin Dee Rees ("Mudbound", "The Last Thing He Wanted") vor, die sich anschickt, Hollywood umzukrempeln: "Markant ist an Rees' Arbeit der Umstand, dass sie ihre Lebenserfahrung hineinlegt, ohne explizit autobiografisch zu sein. 'Mudbound' thematisiert die Erfahrungen ihrer Großeltern als Baumwollpflücker, aber ebenso die Amoralität rassistischer Gewalt und wie ein Land dagegen auf fremdem Territorium Kriege führen kann, während es sie zuhause duldet … Rees hat früh erkannt, dass sie als Frau in Hollywood nicht mit der Freiheit eines Richard Linklater oder Noah Baumbach ihr eigenes Leben erkunden im Film kann. Sie ging Kompromisse ein, um für sie spannende Themen behandeln zu können … Nach 'Mudbound' wollte sie Joan Didions Roman 'The Last Thing He Wanted' verfilmen. 'Wir klopften an alle Studiotüren, aber keine wollte es machen außer Netflix', erklärt sie. Solches Desinteresse nicht persönlich zu nehmen, ist für sie eine Herausforderung. Als ich sie fragte, wie sie damit umgeht, überlegte sie lange, wie viel von ihren Gedanken über Hollywood sie öffentlich preisgeben sollte … 'Es riecht nach Doppelmoral, und das heißt für mich: Es geht um ethnische Zugehörigkeit.'"

Außerdem: David Marchese spricht mit der britisch-amerikanischen Journalistin Tina Brown über die Zukunft der Royals. Parul Sehgal unterhält sich mit der Schriftstellerin Jenny Offill über das Fragmentarische als zeitgemäße literarische Form. Und David Enrich untersucht die Verbindungen der Deutschen Bank zu Donald Trump.

Magazinrundschau vom 04.02.2020 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des Magazins berichtet Sarah A. Topol vom Verschwinden eines uigurischen Ehepaares in China und dem Kampf der Tochter um ihre Eltern: "Seit 2016 hat China Millionen Dollars für Einrichtungen zur 'Veränderung durch Bildung' ausgegeben, in Wahrheit Internierungslager mit Wachtürmen und elektrischen Zäunen. Das Konzept 'Veränderung durch Bildung' kommt von Maos katastrophaler 'Umerziehung durch Arbeit' während der Kulturrevolution. China-Beobachter brauchten lange, um zu verstehen, dass es sich bei den Lagern um etwas Außergewöhnliches handelt, etwas jenseits der Sicherheitsmaßnahmen in der Region Xinjiang, der Überwachung und den willkürlichen Verhaftungen seit den Aufständen in Urumqi. Im Mai 2018 erkannte der Deutsche Adrian Zenz das ganze Ausmaß des Lagernetzwerks, indem er Bautätigkeiten der Regierung an über 40 Orten analysierte. Die Anzahl der Menschen in 'politischen Erziehungslagern' schätzte er auf über eine Million, ca. zehn Prozent der uirgurischen Bevölkerung von Xinjiang. Fast alles, was über das Wesen der Lager bekannt ist, stammt von früheren Gefangenen, die aus China in Richtung Kasachstan geflohen sind. Nur sehr wenige von ihnen haben sich öffentlich geäußert. In Almaty konnte ich sieben ehemalige Gefangene befragen, alle erzählten ähnliche Geschichten. Einer wurde im Keller einer Polizeistation gefangen gehalten und geschlagen, bis er das Gehör verlor. Andere wurden gekreuzigt oder in 'Tiger-Stühlen' verhört, Metallstühlen mit Fußeisen und Handschellen, und gefoltert. Transportiert wurden sie maskiert und in Ketten. Zeugen berichteten von Zwangsmaßnahmen, die darauf abzielten, der Religion abzuschwören und Selbstkritik zu üben. Einer musste Nacht für Nacht Xi Jinping für die Chance zur Erleuchtung danken. Es gibt Berichte über sexuelle Gewalt und Familientrennung. Kinder eingekerkerter Eltern werden in staatlichen Institutionen dazu gzewungen, Mandarin zu lernen - ein weiterer Versuch, die Bevölkerung zu 'sinologisieren'."

Außerdem: Im Style Magazine der NYT beschreibt Mike Mariani die neuen Aussteigerkommunen im ländlichen Amerika.

Magazinrundschau vom 21.01.2020 - New York Times

Im Wochenendmagazin der New York Times porträtiert Jonathan Mahler Rudy Giuliani - den ehemaligen legendären Bürgermeister New Yorks und jetzigen Anwalt Donald Trumps, der tief mit in die Ukraine-Affäre verstrickt ist - als einen Politiker der Schamlosigkeit. Wie konnte aus dem verehrten Bürgermeister zur Zeit von Nine-Eleven der heutige windige Rudy werden? Was hat sich an ihm verändert? Nichts, sagt Mahler. "Die wirkliche Frage ist nicht, 'Was ist mit Rudy passiert?' Sondern: 'Was ist mit uns passiert?' Mit einer kleinen Geschichte versteht man ganz gut, was Mahler meint: "Als David Kendall von Williams & Connolly 1993 zum persönlichen Anwalt von Präsident Clinton wurde, holte er eine Stellungnahme des Büros für Regierungsethik zum weiteren Vorgehen ein. Unter anderem wurde ihm gesagt, dass es nicht angemessen sei, pro bono zu arbeiten, denn wenn er und seine Kanzlei nicht zu ihrem üblichen Stundensatz für ihre Zeit bezahlt würden, müsste der Präsident dies als Geschenk melden. Sonst, so das Ethikbüro, müsse von einer Gegenleistung ausgegangen werden: Eine Kanzlei und ihre Anwälte könnten eine Gegenleistung für ihre vielen Stunden kostenlosen Rechtsbeistands erwarten. Während seiner Amtszeit habe Clinton große private Rechtskosten angehäuft; Trump hat Giuliani nicht bezahlt, und er scheint seine Arbeit nicht als Geschenk gemeldet zu haben, wozu er gesetzlich verpflichtet ist. (Das Weiße Haus reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme)." Mahler hat Giuliani übrigens eine erste Version seiner Geschichte gezeigt und Gelegenheit zur Antwort gegeben: Giuliani beschuldigt ihn der Gehässigkeit und verweist auf seine Verdienste bei der Bekämpfung von Mafia und Korruption.

Seit dem 1. Januar 2020 muss, wer in Deutschland einen Personalausweis beantragt, seine Fingerabdrücke abgeben und speichern lassen. Das mussten früher nur Kriminelle. Protest hat sich dagegen nicht geregt. Ob die Praxis der massenhaften Gesichtserkennung, wie Clearview sie praktiziert (die NYT hat das gerade aufgedeckt, unsere Resümees) irgendjemanden aufregt, kann man wohl auch bezweifeln. Die Bürger machen ja sogar mit bei der gegenseitigen Überwachung, lernen wir aus John Herrmans Artikel über die Überwachungskameras von Ring, die Privatleute in Türklingeln oder -spione eingebauen. "Sie zeichnen alles, was vor ihrer Linse passiert, auf Videos auf, die man umstandslos mit der Polizei oder der Öffentlichkeit teilen kann. ... In einem Video, das bei Ring TV unter dem Titel 'Nachbar rettet Frau vor eisigen Temperaturen' veröffentlicht wurde, klingelt eine frierende Frau im T-Shirt an der Tür. Sie hat sich aus ihrem Haus ausgesperrt, sagt sie, und hofft, dass jemand ihren Mann anrufen könnte. Eine Stimme aus der Klingel fragt, wer sie sei; die frierende Frau sagt: 'Ich wohne auf der anderen Straßenseite.' In dem Video wird die Tür nicht geöffnet und der Ehemann nicht angerufen. Stattdessen informiert der Ring-Eigentümer die örtlichen Behörden. Die Frau bleibt draußen auf der Treppe und stampft mit den Füßen, um sich warm zu halten, bis die Polizei eintrifft. Das ist eine seltsame Interaktion für Menschen, die als Nachbarn beschrieben werden. Es ist eine Vision amerikanischer Entfremdung, bei der menschliche Interaktionen zuerst durch Überwachungskameras und dann durch die Strafverfolgung vermittelt werden. Oder vielleicht gibt es eine einfachere Antwort: Niemand war zu Hause." Die Kameras kann man übers Handy bedienen.

Außerdem: Michael Forsythe, Kyra Gurney, Scilla Alecci und Ben Hallman erzählen, wie amerikanische Firmen Afrikas reichster Frau, Isabel dos Santos, Tochter von Angolas ehemaligen Präsidenten José Eduardo dos Santos, dabei halfen, den Reichtum ihres Landes für sich auszubeuten.

Magazinrundschau vom 14.01.2020 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des Magazins stellt Jennifer Kahn die neue genetische Technologie des Gene Drive (Genantriebs) vor, die an der Mendelschen Vererbungslehre schraubt, um Lebewesen dauerhaft genetisch zu verändern, und überlegt, was daran gut und was schlecht ist: "Gene Drives sind das neueste in einer Reihe neuer genetischer Werkzeuge, die uns helfen sollen, unsere Umwelt oder unser Leben zu verbessern. Aber während wir uns mit technologischen Durchbrüchen vertraut gemacht haben, ist es uns nicht gelungen, echte Foren zu schaffen, um darüber zu diskutieren. 'Es gibt große philosophische Fragen, die an verschiedenen Stellen aufgeworfen, aber nie beantwortet wurden', sagt Ben Hurlbut, Wissenschaftshistoriker an der Arizona State University. 'Wie sieht eine gute Zukunft aus, und wer darf darüber entscheiden?'" Immerhin hat man aus dem Monsanto-Debakel um genmodifizierte Nahrungsmittel gelernt: "Bei Gen Drives haben Gruppen wie Target Malaria, ein gemeinnütziges Forschungskonsortium, das vom Imperial College, London, verwaltet und zum Teil von der Bill and Melinda Gates Foundation finanziert wird, betont, dass der Einsatz von modifizierten Moskitos in Afrika 'eine afrikanische Entscheidung' sein sollte. Lokale und nationale Regierungen würden mit Regulierungsorganisationen wie den Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation zusammenarbeiten, die einen Rahmen für die Prüfung und Freisetzung genetisch veränderter Moskitos vorgeschlagen haben. In den Vereinigten Staaten haben die jüngsten Entwicklungen in der Genetik, einschließlich der Gen Drives, einen boomenden Markt für Ethiker geschaffen, aber auch für so genannte Engagement-Spezialisten, die das nicht beneidenswerte Problem haben, herauszufinden, wie man die Menschen dazu bringen kann, über ein verwirrendes und hoch technisches Forschungsgebiet wirklich nachzudenken. Bisher war der Prozess eher holprig."

In einem anderen Artikel fragt Robert F. Worth, wer der derzeitige Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate Mohammed bin Zayid eigentlich ist und welches Ziel er verfolgt: "M.B.Z. sieht wenig Unterschiede zwischen islamistischen Gruppierungen. Für ihn haben sie alle das gleiche Ziel: ein Kalifat mit dem Koran anstelle einer Verfassung. Er scheint zu glauben, dass der Nahe Osten die Wahl hat zwischen mehr Repression oder totaler Katastrophe. Eine Hobbe'sche Vision und eine eigennützige dazu. Aber die Erfahrung der letzten Jahre haben Langzeitbeobachter dazu bewogen, M.B.Zs Intuitionen über die Gefahren des politischen Islam zu respektieren … Er ist eine seltene Erscheinung in Nahost: ein kluger, weltlich zugewandter Anführer mit einer Vision für die Zukunft der Region und die dafür erforderlichen Mittel. Bei all seinen Fehlern, die Alternativen sehen zunehmend schlecht aus. Teherans Reaktionen auf die Ermordung von Suleimani sind noch nicht absehbar, aber M.B.Z. wird wahrscheinlich eine Schlüsselrolle in den kommenden Szenarien spielen. Trotz seines Rufs als Falke, ist er jüngst durch besonnene Diplomatie aufgefallen, und er hat einen besonderen Zugang zu Irans Führung."

Magazinrundschau vom 07.01.2020 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des Magazins fragt James Angelos, ob der Brexit in Nordirland alte Fronten aufreißen könnte: "In Nordirland kocht der Brexit ein besonders brisantes Gebräu auf. Konfessionelle Spannungen sind seit dem 17. Jahrhundert an der Tagesordnung, seit König James die Migration protestantischer Siedler von Schottland und England in die nordirische Provinz Ulster anregte, wo sie besondere Privilegien bekamen. Ein Gesetz des britischen Parlaments aus der Zeit des irischen Unabhängigkeitskrieges führte zu Irlands Teilung und zu einer protestantischen Mehrheit in Nordirland. Beschwerden der Katholiken über Diskriminierung heizte Feindseligkeiten an, die sich in einem Krieg niederschlugen. Bis zum 'Good Friday Agreement' wurden 3600 Menschen getötet und Zehntausende verletzt. Der Friedensvertrag schuf eine Regierung, die auf Teilung der Macht basierte, aber führte nicht zu wirklicher Versöhnung. Momentan sind die beiden größten Parteien in der nordirischen Nationalversammlung Sinn Fein, einst der politische Arm der I.R.A., und die sozialkonservative D.U.P., die für die Vereinigung mit Großbritannien eintritt. Der Graben zwischen den beiden ist so tief, dass die Versammlung seit drei Jahren nicht komplett einberufen wurde. Viele von den konfessionellen Kämpfen erschöpfte Nordiren orientieren sich inzwischen anders, erkennbar am Erfolg der konfessionsübergreifenden Alliance Party. Im Alltag ist der Graben dennoch spürbar, beim Fußball, in der Sprache … Doch die Meinungen über den Brexit verlaufen entlang der konfessionellen Linien. 60 Prozent der Protestanten in Nordirland wählten dafür, 85 Prozent der Katholoiken dagegen."

Magazinrundschau vom 10.12.2019 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des Magazins stellt Alexandra Alter den in den USA lebenden chinesischen Autor und Übersetzer Ken Liu vor, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass Science Fiction aus China den Weg zu amerikanischen Lesern geschafft hat: "Lius Übersetzungen haben die lange von US- und britischen Autoren dominierte Sci-Fi-Landschaft verändert. In den letzten 10 Jahren hat er fünf Romane und über 50 Kurzgeschichten von Dutzenden chinesischen Autoren übersetzt und viele davon auch entdeckt … Einige der bemerkenswertesten Sci-Fi-Autoren Chinas publizieren nicht auf dem üblichen Weg, sondern in Internetforen, auf Weibo oder WeChat. Lius Freunde lassen ihm Screenshots von Geschichten aus chinesischen Apps zukommen. Er ist zu einem Herausgeber, Kurator und vermittelnden Interpreten zwischen den beiden Supermächten geworden, indem er durch die politischen Minenfelder navigiert, verklausulierte Sozialkritik überträgt. Einige seiner Autoren nutzen das Genre, um die dystopischen Konsequenzen von Chinas rasanter wirtschaftlicher und technischer Entwicklung zu erkunden. Sie siedeln ihre Geschichte in ferner Zukunft oder auf fernen Planeten an, um Tabuthemen wie die Beschränkung von Freiheit und Gleichheit, staatliche Landnahme oder Umweltzerstörung anzugehen. Einige dieser Geschichten sind in China aus Zensurgründen nie verlegt worden … Dass Sci-Fi in China boomt, ist kein Wunder, das schiere Tempo des technologischen Wandels kann surreal wirken … Es gibt Fabriken, in denen die Hirnaktivität der Arbeiter gemessen wird, um ihre Aufmerksamkeit festzustellen. Vogelartige Drohnen spionieren die Bürger aus, Überwachung durch Gesichtserkennung ist weit verbreitet, und Social-Media-Posts mit unliebsamen Begriffen werden automatisch zensiert."

Außerdem: Josh Owens berichtet reuevoll von seiner Arbeit für den Verschwörungstheoretiker Alex Jones. Kwame Anthony Appiah wälzt die Frage, ob es opportun ist, eine Freundin vor einem betrügerischen Online-Date zu warnen. Und Dorie Greenspan kennt das Rezept für die perfekten Madeleines.

Magazinrundschau vom 03.12.2019 - New York Times

Die 14 aus der "Up"-Serie in ihren Zwanzigern.

In der aktuellen Ausgabe des Magazins berichtet Gideon Lewis-Kraus von Michael Apteds 1964 begonnener Langzeitdokuserie "Up", die demnächst zuende geht. Apted begleitete vierzehn Menschen aus unterschiedlichen sozio-ökonomischen Verhältnissen von ihrem 7. bis zu ihrem 63. Lebensjahr: "Mit Kindern zusammen zu sein heißt, einen bangen Frieden auszuhalten zwischen der Möglichkeit der Gegenwart und der Unausweichlichkeit der Zukunft. Unsere größte Hoffnung für unsere Kinder ist, dass sie die Freiheiten eines offenen Schicksals genießen und ihre Wünsche frei entfalten dürfen, dass die Umstände ihrer Geburt und Erziehung sich als Chancen erweisen, nicht als Last. Unsere größte Angst ist, dass ihnen Kräfte den Weg versperren, gegen die sie machtlos sind. Zugleich können wir nicht aufhören, in ihren Gesichtern und Gesten nach Hinweisen auf ihre Zukunft zu suchen, ihren Charakter, ihre Geschichte, ihr Schicksal. Und was wir für die Kinder in unserer Mitte in die Zukunft projizieren, kann kaum je getrennt erscheinen von dem, was wir, uns selbst betreffend, in die Vergangenheit projizieren. Das sind die Spannungen, die 'Up' auf dem Weg zu längsten Doku der Filmgeschichte belebt und geformt haben. Im ersten Teil der Serie erinnert der Erzähler den Zuschauer daran, 'dass der Betriebsrat und der Vorstand des Jahres 2000 jetzt gerade sieben Jahre alt sind', während die Kinder vor unseren Augen in körnigem Schwarzweiß Fangen spielen. 'Dies', so schließt die Episode, 'war ein Ausblick auf die Zukunft Großbritanniens.'"

Außerdem: Jamie Lauren Keiles befragt den Komiker Adam Sandler zu seiner ernsthaftesten Rolle. David Marchese interviewt Pete Townshend zum Vermächtnis des Rock 'n' Roll. Und Peter C. Baker denkt über schlafende Tesla-Fahrer im Autopilot-Modus nach.

Magazinrundschau vom 19.11.2019 - New York Times

Der New York Times sind - offenbar von einem hohen Funktionär - einige Dokumente zugespielt worden, die zeigen, dass die Verfolgung der Uiguren in China auf allerhöchste Weisung von Parteichef Xi Jinping betrieben wird, berichten Austin Ramzy und Chris Buckley. Bei den Dokumenten handelt es sich unter anderem um einige interne Reden Xi Jinpings, die zwar keinen direkten Befehl zum Aufbau von Lagern, aber eine Art psychologische Diagnose des Aufstands der Uiguren enthalten. Xi reagierte auf einige sehr blutige Anschläge und stellt den Islamismus als eine Art Krankheit dar, die durch Umerziehung zu bekämpfen sei. In die Tat umgesetzt wurde das Umerziehungsprogramm von einigen eifrigen hohen Funktionären. Wer nicht funktionierte, wurde aussortiert, denn nebenbei funktioniert das Programm auch als parteiinterne Säuberung: "Tausende von Funktionären in Xinjiang wurden bestraft, weil sie die Unterdrückungsmaßnahmen nicht oder nicht mit ausreichendem Eifer durchführten. Uigurische Offizielle wurden beschuldigt, Mitbürger zu schützen, und  Gu Wensheng, Han-Chinese und Führer eines südlichen Distrikts, wurde ins Gefängnis gesteckt, weil er Gefangennahmen laut den Akten herauszögerte und uigurische Funktionäre geschützt hatte. Verdeckte Ermittler reisten durch die ganze Region, um jene zu identifizieren, die nicht aktiv genug waren. Im Jahr 2017 eröffnete die Partei mehr als 12.000 Ermittlungen gegen Parteimitglieder in Xinjiang wegen Verstößen im 'Kampf gegen den Separatismus', mehr als das Zwanzigfache des Vorjahres, so die offizielle Statistik."

Außerdem: Das Magazin der Times bietet ein superschick aufgemachtes Dossier zur Lage des Internets, das allerdings kaum neue Informationen unterhält. Sehenswert sind die Illustrationen, Videos und Fotos von Maurizio Cattelan und Pierpaolo Ferrari.