Steven Pinker

Gewalt

Eine neue Geschichte der Menschheit
Cover: Gewalt
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783100616043
Gebunden, 1216 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sebastian Vogel. Die Geschichte der Menschheit - eine ewige Abfolge von Krieg, Genozid, Mord, Folter und Vergewaltigung. Und es wird immer schlimmer. Denken wir. Doch ist das richtig?
In einem wahren Opus Magnum, einer groß angelegten Gesamtgeschichte unserer Zivilisation, untersucht der weltbekannte Evolutionspsychologe Steven Pinker die Entwicklung der Gewalt von der Urzeit bis heute und in allen ihren individuellen und kollektiven Formen. Unter Rückgriff auf eine Fülle von wissenschaftlichen Belegen beweist er anschaulich und überzeugend, dass die Menschheit dazulernt und Gewalt immer weniger als Option wahrgenommen wird. Pinkers Darstellung verändert radikal den Blick auf die Welt und uns Menschen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2012

Methodisch dubios und nicht wirklich erkenntnisfördernd findet Urs Hafner Steven Pinkers dickleibiges Werk, in dem dieser die These vertritt, dass seit Beginn der Menschheitsgeschichte die Gewalt stetig auf dem Rückmarsch ist. Der bekannte Psychologe in Harvard schlüpft hier in die Rolle des Historikers, leider ohne das nötige Handwerkszeug wie angemessene Quellenkritik oder ein Gefühl für die "Andersartigkeit der Vergangenheit", findet der Rezensent. Zudem hält er das Maß, mit dem Pinker den Rückgang der Gewalt berechnet, nämlich mit der Anzahl der Toten, für eine reichlich grobe Einheit. Und auch wenn ihm Hafner bei seiner Einschätzung, dass die Gewalt zurückgegangen ist, für die letzten 500 Jahre zustimmt, kann man damit seiner Meinung nach noch lange nicht auf die Zukunft schließen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.12.2011

Gewalt ist im Laufe der Menschheitsgeschichte zurückgegangen - so Steven Pinkers aufwändig illustrierte, dabei provozierend optimistische These. Eva Illouz, Soziologin der Liebe, zählt zunächst Pinkers Verdienste auf: Er ist belesen, faktenreich, sogar unterhaltsam. Aber sie ist dennoch alles andere als zufrieden mit Pinkers Buch. "Schlechte Wissenschaft" so lautet ihr vernichtendes Urteil am Ende, schlichte Thesen und keine emprirische Grundlage. Pangloss ist ihr Vergleich, also der lächerliche Optimist aus Voltaires "Candide". Und sie zitiert den dunklen Prinzen der jüngsten Philosophie, John Gray, der Pinker vorgeworfen habe, dass er den Export der Gewalt durch den Westen in kolonisierte Länder übersehe, obwohl sie durchaus zugesteht, dass auch die Mongolen nicht ganz ohne waren. Unbehagen empfindet Illouz bei Pinkers Verteidigung der Säkularisierung und Aufklärung. Und der religiös gestimmten Zeit-Redaktion wird ihre Erinnerung an die friedliche Botschaft des Christentums, die Pinker unterschlage, wohlgetan haben. Am Ende hat man trotzdem Lust, Pinker zu lesen. Schon weil er, wie Illouz selbst betont, so "erfrischend unmodisch" ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2011

Nicht dass Herfried Münkler den Ansatz von Steven Pinker uninteressant fände. Es ist nur so, dass der Rezensent sich vorkommt wie in einer vor Abschweifungen strotzenden Vorlesung in die Methodologie der Soziologie des Krieges oder so ähnlich. Schlimmer noch empfindet Münkler die mangelnde Quellenkritik des Autors sowie die schweren argumentativen Probleme der nicht eben kleinlauten Studie. Wer wie Pinker derart interdisziplinär unterwegs ist, sollte zumindest etwas skeptischer auftreten, meint er. Pinker jedoch zieht selbstsicher Belege für seinen "Anti-Spengler" heran, die Münkler beim besten Willen nicht für bare Münze nehmen kann, schließlich ist weder die Bibel noch die Ilias eine echte historische Quelle. Am Ende ist also alle Freude darüber verfrüht, dass die Menschen, wie hier behauptet, auf dem Weg zu einer friedlichen Koexistenz sind.