
Roman Schmidt
unterhält sich sehr anregend mit
David Marcus, dem neuen Chefredakteur der
Zeitschrift Dissent über die Blüte neuerer, in den letzten zehn Jahren gegründeter politischer und literarischer Zeitschriften in den USA: "Wirklich, es gibt eine schöne politische Vielfalt in all diesen kleinen Magazinen.
Jacobin (
Website) ist wahrscheinlich marxistischer als die anderen und stärker an einer Art Zweiten Internationalen oder Volksfront ausgerichtet.
N+1 (
Website) ist literarischer und versucht eine kulturelle Analyse, die sich an der Frankfurter Schule orientiert, aber es gibt auch eine Menge radikalen Feminismus dort.
The New Inquiry (
Website) ist vielleicht am schwierigsten festzunageln - was ich als eine ihrer größten Stärken betrachte. Aber viele ihrer Autoren scheinen zum
Anarchismus und anderen nicht-sozialistischen Spielarten des Radikalismus zu neigen."
In einem leidenschaftlichen Text
attackiert die Osteuropahistorikerin und Ukraine-Spezialistin
Anna Veronika Wendland ihr eigenes Fach, aber auch abgehalfterte SPD-Politiker wie Gerhard Schröder, Erhard Eppler und Helmut Schmidt, die bereit sind, halb Osteuropa auf dem Lotterbett ihrer posthumen Entspannungspolitik zu opfern, und den Historiker
Jörg Baberowski, der den ukrainischen Nationalmythos
auseinandernahm - etwas einseitig, wie Wendland findet: "Vor allem aber vergaß Baberowski, seine Werkzeuge aus der Kiste des Dekonstruktivismus auch auf den
großrussischen Nationalismus und seine Mythologien anzuwenden, der sich gerade auf der Krim und in der Ostukraine gewaltsam breitmachte und sich von der Idee des Russländischen Imperiums ja gerade dadurch unterscheidet, dass er
ethnozentrisch argumentiert. Aber der russische Mythos erscheint von jeder Analyse enthoben. Kiew sei nun mal der mythische Ur-Bezugspunkt der Russen - jener der Ukrainer offensichtlich nicht? - und das erkläre die russische Reaktion, die man gefälligst zu verstehen habe."