Eurozine bringt ein kleines Dossier zur
Charlie-Hebdo-Debatte. Jens-Martin Eriksen und Frederik Stjernfelt
untersuchen das häufig gegen die Zeichner vorgebrachte Argument, ihr Humor richte sich gegen eine
machtlose Minderheit. Wo die Macht liege, so die Autoren, müsse nun mal durch
öffentliche Debatte ermittelt werden. Und "das Argument, dass Meinungen einer Minderheit
a priori geschützt werden müssten, ist seltsam, denn in demokratischen Gesellschaften besteht die Mehrheit der Organisationen und Gruppen faktisch aus natürlichen Minderheiten. Eine Minderheit der dänischen Bevölkerung unterstützt die
dänische Arbeiterpartei (ihr Anteil liegt in den letzten Jahren bei 24 Prozent). Bedeutet das, dass es kein Recht gibt, sie zu kritisieren?"
Sehr gut hierzu passt Dmitry Uzlaners
Artikel "Fifty shades of Russian fetishism", der zeigt, wie die Rede von
beleidigten Kategorien der Gesellschaft (meist orthodoxen Gläubigen) zu einem Instrument politischer Unterdrückung wird - virtuos praktiziert in Russland: "Interessant ist an diesen Kategorien zunächst, dass sie so unpersönlich sind. Wir sind weder mit realen Personen, noch mit deren persönlichen Meinungen konfrontiert, sondern mit etwas sehr Abstraktem, Vagem und Unpersönlichem. Wir haben es mit
gesichtslosen "
Anderen" zu tun, die "wirklich glauben" oder sich "zutiefst beleidigt" fühlen."
Außerdem in Eurozine:
Brian Whitacker stellt einige Erkenntnisse aus seinem Buch über
Atheismus in der arabischen Welt vor (wir haben hier bereits aus einem Interview mit Whitaker
zitiert).