Die "Buchbranche
bangt um ihre
Preisbindung" titelt der
Buchreport in seiner Messe-Ausgabe. Anlass zur Sorge gibt der Vergleich von Billigbüchern mit den gebundenen Preisen der Original-Ausgaben, der zum "Ausgangspunkt für aggressive Strategien" geworden ist. Als Beispiele nennt das Magazin die Offerten des
Weltbild-Konzerns und des
Bertelsmann Buchclubs sowie die eigenen Buchreihen der
SZ, der
Bild-Zeitung und der
Zeit. Abgesehen von Ausreißern verstießen sie zwar nicht gegen die Preisbindung, sie wären aber ohne Preisbindung gar nicht oder kaum möglich. Den Buchhändlern falle es zunehmend schwerer, ihren Kunden die vergleichsweise hohen Preise der Neuerscheinungen zu erklären.
Der Buchmarkt steht vor
Umbruchprozessen, keine Konvention ist auf Dauer gesichert. Dasselbe gilt für die
Frankfurter Buchmesse. "Wir müssen Antworten auf die problematischen Herausforderungen der Zeit finden, wenn wir uns auf Dauer als entscheidender Handelsplatz behaupten wollen", erklärt Messechef
Volker Neumann im
Buchreport. Die Frankfurter Buchmesse muss, nach Neumanns Meinung, in den nächsten Jahren zu einer umfassenderen
Medienmesse wachsen, sich intensiver dem Zukunfts-Thema
"Online-Verlegen" widmen, die
Dienstleister der Buchbranche stärker integrieren und ihren Ruf als richtungsweisendes
Forum für den interkulturellen Austausch ausbauen.
Seine Abstinenz von der Buchbranche währte nicht lange: Nach dem Abgang als Geschäftsführer bei
Ullstein Heyne List Ende 2003, hat
Christian Strasser der
Eichborn AG rückwirkend zum 1. Oktober die Tochter
Pendo (Zürich) abgekauft. "Es war ein Angebot, bei dem ich nicht 'nein' sagen konnte", kommentiert Strasser im
Buchreport die Verlagsübernahme. Mit dem Verkauf hat Eichborn ein Sorgenkind weniger. Der einzige börsennotierte deutsche Verlag - sein Umsatz sank in 2003 abermals - kündigte einen Strategiewechsel an und will sich künftig ausschließlich auf die "Marke Eichborn" konzentrieren.
Der
Buchreport-Umsatztrend verzeichnet für September ein
knappes Plus von 0,82 Prozent.
Mehr.
Nachdem das
ZDF die positive Resonanz von 3,6 Millionen interessierten Zuschauern bei
"Unsere Besten - Das Große Lesen" feiern konnte, plant der Sender weitere Bücher-Formate. "Im kommenden Jahr sollen Romane, Sachbücher, Krimis und vielleicht auch noch andere Genres in jeweils separate Rennen geschickt werden", hat der
Buchreport erfahren.
Als die
Süddeutsche Zeitung ihre 50-bändige
SZ-Bibliothek ankündigte, wies die
Frankfurter Allgemeine Zeitung ein ähnlich gelagertes Engagement von sich. Jetzt stemmen die Frankfurter ein vergleichbares Projekt: Diesen Monat schon starten sie die
DVD-Serie "Die 20 wichtigsten Opern-Aufführungen", zusammengestellt von der
FAZ-Redaktion. Monatlich sollen vier Folgen der Kollektion für 69 Euro im Paket erscheinen.
Personalien:
Volker Neumann ist zwar laut Vertrag noch bis Ende 2005 Direktor der
Frankfurter Buchmesse, doch, so spekuliert der
Buchreport, wird er vermutlich schon vorher seine Mission beenden - Namen, die in Verbindung mit der Neumann-Nachfolge genannt würden, seien
Oliver Zille (Chef Leipziger Buchmesse),
Arnoud de Kemp (Verlagsdirektor Springer Science & Business Media),
Klaus Kluge (Marketingmacher Droemer Knaur) und
Claudia Reitter (Vertriebschefin Random House).
Christa Wolf wechselt von
Luchterhand zu
Suhrkamp.
Econ-Programmleiter
Jens Schadendorf hat auf Grund "programmatischer Differenzen" seinen Weggang spätestens zum April 2005 bekannt gegeben. Der kolumbianische Literaturnobelpreisträger
Gabriel Garcia Marquez legt nach zehnjähriger Pause überraschend einen neuen Roman vor; die deutsche Übersetzung wird
Kiepenheuer & Witsch am 4. Dezember ins Weihnachtsgeschäft schicken.
Meldungen:
Suhrkamp widmet dem 2002 verstorbenen Verleger
Siegfried Unseld - dieses Jahr hätte er seinen 80. Geburtstag gefeiert - gemeinsam mit der
Frankfurter Bürgerstiftung eine
Ausstellung. Die Verlagsgruppe
Langen Müller Herbig, die
Brigitte Fleissner-Mikorey seit September leitet, hat vor, in Österreich zu expandieren, dazu übernimmt
Dr. Brigitte Sinhuber mit sofortiger Wirkung die Führung der einstigen Keimzelle des Unternehmens, des Wiener
Amalthea Signum Verlags. Der soeben erschienene Roman der 1999 verstorbenen Schriftstellerin
Marion Zimmer Bradley entert die
Spiegel-Bestsellerliste - des Rätsels Lösung:
Diana L. Paxson schrieb "Die Ahnen von Avalon" nach Aufzeichnungen ihrer toten Freundin und Kollegin.