Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
04.10.2004. Diese Wochen lesen Sie: wer nun noch eine Bibliothek der Weltliteratur herausbringt, warum die Bilanz von buch.de ein Minus aufweist. Wer die neuen Hörbuch-Verlage sind. Von Sandra Evertz.

buchreport.express

Noch bevor die "Bild-Bestseller-Bibliothek" (siehe auch Perlentaucher-Archiv) am 7. Oktober an den Start geht, sorgt Weltbild-Chef Carel Halff für Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Zusätzlich zum Weltbild-Gemeinschaftsprojekt mit der Bild-Zeitung bietet der Bücherriese seinen Kunden exklusiv die "Klassiker-Edition der Weltliteratur" an. Jeder der 50 Bände soll zwei Euro kosten, der Buchreport spricht vom "Ausverkauf der Weltliteratur". Auch wenn Weltbild diese Edition aus rechtefreien Klassiker-Texten exklusiv über seinen Katalog und die Weltbildplus-Filialen vertreibe, werde damit die Niedrigstpreis-Diskussion weiter angeheizt. Hier der vollständige Artikel.

Buch.de, Deutschlands zweitgrößter Online-Buchhändler (er muss als börsennotiertes Unternehmen seine Zahlen offenlegen), wird nach sieben erfolgreichen Quartalen für das dritte Quartal 2004 ein Minus in die Bilanz schreiben müssen. Der Buchreport sieht den ganzen Internet-Buchhandel in der Bredouille: "Nach Jahren der ungezügelten Expansion drohen Online-Buchhändler in die Wachstumsfalle zu stolpern. Die Kaufzurückhaltung der Konsumenten, die sich auch im Geschäft mit Büchern niederschlägt, und der Preisverfall im Medienbereich bremsen den Markt."

Nachdem die Lernmittelfreiheit in Niedersachsen gefallen sowie in NRW, Berlin, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Rheinland-Pfalz und im Saarland stark eingeschränkt ist, beabsichtigt nun auch die CSU in Bayern, zum Schuljahr 2005/2006 sieben Millionen Euro bei den Landesausgaben im Schulbereich einzusparen. Ungeachtet aller kulturpolitischen Bedenken sei es kein Geheimnis, dass Buchhändler und Verlage nicht unglücklich wären über eine vollständige Abschaffung der Lernmittelfreiheit, schreibt der Buchreport. Die aus der Ausschreibungspflicht für kommunale Schulbuchaufräge mit einem Volumen von mehr als 200.000 Euro resultierenden Verfahren hätten ihnen in den vergangenen Jahren vor allem Ärger eingebracht.

Beflügelt vom rasant gewachsenen Publikumsinteresse in den vergangenen Jahren hat sich Ulrich Schreiber, Chef des am Samstag zu Ende gegangenen Internationalen Literaturfestivals Berlin, vorgenommen, die lit.Cologne "über die Landesgrenzen hinaus" zu überholen. Bezogen auf die Zuschauerzahl sei das Berliner Festival zwar noch nicht das größte, jedoch das internationalste der Welt, erklärte Schreiber dem Buchreport. Sein langfristiges Ziel: das Festival als "literarisches Pendant zur Berlinale" etablieren.

Die Buchhandlungen Walter König und Wasmuth teilen derzeit die Museumsbuchlandschaft der Bundeshauptstadt untereinander auf. Nachdem der Kulturbuch-König aus Köln dieses Jahr schon zwei neue Filialen und damit seine vierte in Berliner Museen eröffnet hat, legt der Berliner Filialist Wasmuth Mitte Oktober mit der Eröffnung seines sechsten Shops nach.

Personalien: Dr. Hanna Leitgeb, Gründungsredakteurin des Magazins Literaturen, leitet ab Februar 2005 das Berliner Büro der Deutschen Verlags-Anstalt. Verleger Hans-Joachim Gelberg erhält den Friedrich Bödecker Preis 2004 für außergewöhnliche Verdienste um die Förderung der Kinder- und Jugendliteratur.

Meldungen: Laut Buchreport-Umsatzindikator hält der herbstliche Aufwärtstrend in der 39. KW (im Vergleich zur Vorjahreswoche) mit insgesamt 3,23 Prozent an; gestützt wird das Ergebnis vor allem durch die Warengruppen Belletristik (+ 6,69 Prozent), Taschenbuch (+ 4,57 Prozent) und Fachbuch (+ 5,15 Prozent). Der Bremer Verein zur Förderung der Lesekultur baut ein Portal auf, das sämtliche Aktivitäten zur Leseförderung in Deutschland auflistet. Stern-Journalistin Ildiko von Kürthy schaffte mit "Blaue Wunder" den höchsten Neueinstieg in die Spiegel-Bestsellerlisten. Was sich sonst in den "Top 50" getan hat, hier.

Börsenblatt

Die Kultusministerkonferenz hat ihren Entwurf für den "Rat für deutsche Rechtschreibung" vorgelegt. Das Gremium soll künftig den Schriftgebrauch der deutschen Sprache beobachten und Vorschläge zur Weiterentwicklung der Orthografie erarbeiten", erläutert das Börsenblatt. Bei der Besetzung des Rats würden auch Institutionen bedacht, die die neue Schreibung kritisierten und einschneidende Korrekturen am Reformwerk forderten, etwa die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung.

Aus Sicht der vom Börsenblatt befragten Verleger und Sortimenter hatte es wenig Chancen auf Platz 1: das im Rahmen der ZDF-Aktion "Das große Lesen" gewählte und vergangenen Freitag gekürte "Lieblingsbuch der Deutschen". Mehr.

Die Umstrukturierung bei Karstadt betrifft auch den Buchbereich (bislang 180 Buchabteilungen, in denen in 2003 rund 135 Millionen Euro umgesetzt wurden). "In den 89 Karstadt-Warenhäusern mit mehr als 8.000 Quadratmetern Fläche soll das Segment Personality, zu dem auch Bücher gehören, gestärkt werden", meldet das Börsenblatt. Geplant sei, Fläche und Sortiment zu erweitern. Was mit den Buchabteilungen der übrigen Karstadt-Filialen geschieht, ist derzeit noch unklar: 77 Warenhäuser mit einer Fläche unter 8.000 Quadratmetern sollen in eine neue Gesellschaft überführt, die übrigen "dem veränderten Kundenverhalten angepasst" werden.

Frischer Wind weht durch den Hörbuch-Sektor: Hier geben, pünktlich zur Frankfurter Buchmesse, drei neue Marktteilnehmer ihr Stelldichein. Neu ist das Berliner Label Wortstark, das mit einer Gerhart Hauptmann-Reihe startet. Für Cybele Records aus Düsseldorf steht Literatur, die Musik zum Thema hat, im Mittelpunkt. Die Gütersloher Hörbuchbäckerei spezialisiert sich auf die Verknüpfung von literarischen und philosophischen Texten.

Personalien: Seit September zeichnen Imke Ahrens und Simon Decot für die Programmleitung bei Weltbild verantwortlich. Die Verlagsgruppe Lübbe hat zum 1. Oktober die Geschäftsführung neu geordnet: Peter Molden scheidet aus dem Unternehmen aus. Künftig berichtet ein dreiköpfiges Gremium, bestehend aus Karlheinz Jungbeck (Sprecher), Peter Lieger (Leiter Programm und Strategie) und Uwe Sertel (kaufmännischer Leiter), an Verleger Stefan Lübbe. Sprecherin der Verlagsleitung im Bereich Buch ist Heike Fischer (zuletzt Weltbild), neuer Aufsichtsratsvorsitzender Josef Brauner (zuletzt Vorstand der T-Com). Michael Busch übernimmt zum 1. Januar 2005 den Vorsitz der Geschäftsführung der Thalia Holding; Minderheitsgesellschafter Jürgen Könenecke zieht sich wie geplant Ende des Jahres aus dem operativen Geschäft zurück.
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