Der Spruch "Das Internet vergisst nie", ist falsch,
schreibt Hagen Terschüren bei
Dlf Kultur in einem Artikel über das
Internet der Neunziger. Er hat mit dem Internetforscher und Künstler
Olia Lialina gesprochen, der das Archiv der alten
Geocities-Plattform vor dem Verschwinden rettete: "Das
Kunstprojekt 'One Terabyte of Kilobyte Age Photo Op' postet bis heute alle 20 Minuten einen Screenshot aus dem restaurierten Geocities-Archiv. In Lialinas Augen spiegeln diese Bilder etwas wider, das wir in den Zeiten des Hochglanzwebs aus Vorlagen und superleichten Seitengeneratoren nicht mehr haben:
komplette Freiheit."
Rechtsextremistische Positionen gedeihen in den sozialen Medien besonders gut,
bemerkt Bernd Graff in der
SZ. Warum das so ist, hat er aus einer Studie von
Maik Fielitz und
Holger Marcks vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik erfahren. So erklärt ihm Maik Fielitz: "Faschistische Weltanschauungen bauen die Kulisse einer
außerordentlichen Gefährdung auf, um illiberale Maßnahmen dagegen rechtfertigen zu können. Befördert und verstärkt werden Gefühle von Auslöschung und Verrat ('Umvolkung', 'Volksverräter'), auf die man bedrohungsadäquat reagieren muss." Und Holger Marcks führt aus: "Dazu betreiben extremistische Organisationen 'Frame Amplification': Man
fokussiert ein Thema, Flüchtlinge, Negativmeldungen werden wie aus einem digitalen Zettelkasten heraus
wieder und wieder über die Community gestreut, oft von Fake-Accounts aus, die angeblich sogar von geläuterten Anhängern anderen Parteien stammen. Maßnahmen gegen Flüchtlinge erscheinen nun fast wie Notwehr."
Der Internetkritiker
Evgeny Morozov, eigentlich ein Guru des deutschen Feuiletons, hat in der
New Republic die Zusammenarbeit von
edge.org mit dem Milliardär
Jeffrey Epstein gegeißelt (unser
Resümee) - bisher ohne viel Resonanz hierzulande (für Frank Schirrmacher war
edge.org der Hort der "Dritten Kultur", auch
SZ-Feuilletonchef Andrain Kreye ist mit dem Institut verbunden). Im
New Yorker geißelt nun
Ronan Farrow, der die Harvey-Weinstein-Affäre lancierte, die Zusammenarbeit des noch renommierteren
Media Lab des MIT mit Epstein, der wegen des Missbrauchs minderjähriger Mädchen ins Gefängnis kam und sich dort erhängte: "Aktuelle und ehemalige Dozenten und Mitarbeiter des Medienlabors berichten von einem Muster, mit dem Epsteins Engagement für die Institution
bemäntelt wurde. Signe Swenson, eine ehemalige Entwicklungsassistentin und Koordinatorin am Labor, erzählt mir, dass sie 2016 teilweise wegen ihres Unbehagens über die Zusammenarbeit des Labors mit Epstein zurückgetreten sei. Sie sagte, die Leitung des Labors habe bereits in den ersten Gesprächen mit ihr deutlich gemacht, dass Epsteins Spenden
geheim gehalten werden müssten."