Auch Dirk Knipphals von der tazantwortet auf unsere anlässlich von 25 Jahren Perlentaucher gestellte Kritikerumfrage, welches die fünf prägendsten Bücher deutscher Sprache der letzten 25 Jahre gewesen sind. Er nennt Romane von RainaldGoetz, KatjaPetrowskaja, SašaStanišić, DenizOhde und WolfgangHerrndorf. "In den Nullerjahren haben sich literarisch die Aufmerksamkeiten stark verschoben", schreibt er: Der Kanon rückte in den Hintergrund, stattdessen gab es "viel Aufmerksamkeit für neue Namen und Positionen - und zugleich hat sich eine feste (oder sollte ich 'starre' sagen?) Überzeugung davon, was die deutschsprachige Literatur überhaupt ausmacht, aufgelöst. Vielmehr haben sich die interessantenSchreibpositionen vermehrt und die literarischen Ausgangspunkte ausdifferenziert." Auf unsere Kritikerumfrage antworteten bislang Ijoma Mangold, Judith von Sternburg und Tilman Spreckelsen.
Die französische Online-zeitung L'Opinion hat den algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune interviewt, der sich auch zu Boualem Sansal äußert, wenn auch eher kryptisch. Er werde in angemessener Zeit einem Prozess zugeführt, und Tebboune lässt einen ominösen Satz folgen: Der Fall Sansal sei "ein Problem für all jene, die es geschaffen haben. Bis jetzt hat er noch nicht all seine Geheimnisse preisgegeben."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Im FR-Gespräch mit Cornelia Geissler sprichtJuliaSchoch anlässlich ihres neuen Romans "Wild nach einem wilden Traum" auch über die DDR als literarischesThema. "Je mehr wir darüber sprechen, in Büchern, in Filmen, verändert sie sich, erst recht für nachfolgenden Generationen. Das Verlangen, zu einer vermeintlich richtigen Vergangenheitsversion zu kommen, ist allerdings vergeblich. Wir können diese verschiedenen Versionen aufeinanderpacken, wir können sie uns erzählen, aber es wird nie eine endgültige geben. ... Die Vielzahl der Diskurse kündet doch längst von einer Art Abschied, vielleicht sogar Bewältigung. ... Ich finde es im Übrigen merkwürdig, wie heutzutage darüber geredet wird: Als ob dieser verschwundene Staat in einer Parallelwelt konserviert wäre, aus der wir uns bedienen könnten. Wir stehen heute vor völlig anderen Fragen. Aber es ist offenbar eine deutsche Spezialität, dass man sich in die Vergangenheit rettet, wenn man nach Lösungen für die Zukunft sucht."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Im Presse-Gespräch mit Anne-Catherine Simon (und auch in ihrem aktuellen Buch) räumt die PhilosophinBettiaStangneth gründlich auf mit Mythen des Lesens und plädiert gegen überhöhte Vorstellungen vom richtigen Lesen und für eine spielerisch-souveräne Lust am Lesen: "Wir erzählen über das Buch als Buch viele Märchen. Als sei das Buch ein Wundermittel, ein Simsalabim zur Rettung aller Probleme der Welt. In unserer Kultur ist damit ein unangenehmermoralischerÜberton verbunden. Und ein großes Versprechen: Wenn du richtig liest, passiert Gutes in deinem Leben. ... Menschen werden danach klassifiziert, ob sie lesen und was sie lesen. Darum ist es offenbar auch geboten, abschätzig über die BookTok-Menschen herzuziehen, gern über junge Frauen. ... UmbertoEco hat schon im letzten Jahrhundert gesagt, dass das Buch streng genommen erst zum Buch wird, sobald es jemand liest. Das bedeutet eine hohe Wertschätzung des Lesers, auch sich selbst gegenüber. Ein junger Autor glaubt oft, jeder Leser würde seine Bücher genauso verstehen, wie er sie meint - und vergisst völlig, dass man das nicht einmal selber kann."
Weitere Artikel: Ulrich Seidler spricht für die Berliner Zeitung mit dem Drehbuchautor ThomasWendrich über den SchriftstellerThomasBrasch, der am 19. Februar 80 Jahre alt geworden wäre. Der in Los Angeles lebende, deutsche AutorKevinVennemannwundert sich in der NZZ im Angesicht der verheerenden Brände in den letzten Wochen über die Angewohnheiten seiner Nachbarn. Der frühere Charlie-Hebdo-ZeichnerLuz ist beim Comicfestival Angoulême für sein auf Deutsch für Mai angekündigtes Kunstdrama "Zwei weibliche Halbakte" mit dem Fauve d'Or ausgezeichnet worden, meldet Lars von Törne im Tagesspiegel. In der FAZ-Reihe "Pflichtlektüre für Demokraten" empfiehlt Christoph Möllers ItaloCalvinos Erzählung "Der Tag eines Wahlhelfers". Der Standardbringt ein Gedicht von Clemens J. Setz. Und die Weltveröffentlicht die besten Sachbücher des Monats - auf der Spitzenposition: LászlóF. Földényis"Der lange Schatten der Guillotine. Lebensbilder aus dem Paris des neunzehnten Jahrhunderts".
Besprochen werden unter anderem ÉdouardLouis' "Monique bricht aus" (FR), MarionMessinas "Die Entblößten" (Standard), eine Neuausgabe von TrumanCapotes ursprünglich 1956 erschienenen Tatsachenromans "Die Musen sprechen" (ZeitOnline), KurtPrödels Debütroman "Klapper" (SZ) und neue Krimis, darunter CatherineRyanHowards "The Trap" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
"Welches waren für Sie die fünf prägendsten Bücher der deutschsprachigen Literatur seit 2000?" Das fragen wir anlässlich von 25 Jahren Perlentaucher gerade die Literaturkritiker. Nach IjomaMangold (hier) und JudithvonSternburg (dort) ist es nun an TilmanSpreckelsen, auf das erste literarische Viertel dieses Jahrhunderts zurückzublicken. Er nennt Bücher von Felicitas Hoppe, Daniel Kehlmann, Martin Mosebach, Terézia Mora und Andreas Steinhöfel: "So unterschiedlich sie sind, jeder dieser Romane ermöglicht uns die Erfahrung einer überwältigend souveränen Sprache, fünfTöne, fünfStimmlagen, jeweils wie geschaffen für das, was sie erzählen. Jedes von ihnen übersetzt im Kopf des Lesers die Schrift mühelos in Klang, man hört diese Romane und trägt sie mit sich herum, lange, jahrelang." Hier unser Editorial in eigener Sache zu unserem Jubiläum - und dort Anja Seeligers Perlentaucher-Chronik. Bestellen Sie bei eichendorff21!"Goethes Ansichten über die Juden sind ein peinlicher Defekt im Bild des großen Dichters", schreibt JeremyAdler, der vor einigen Jahren eine große Biografie über den Dichterfürsten verfasst hat, in der Literarischen Welt und widerspricht in einer großen Rezension dem Germanisten DanielWilson, der in seinem aktuellen Buch zum Thema für sich beansprucht, Goethes Antisemitismus als Erster freigelegt zu haben: Diese Angabe sei "irreführend". "Die Zwiespältigkeit gegenüber den Juden war ein Gemeinplatz, und Goethe imitiert nur die verworrene Sicht seiner Zeit. ... Goethe spielt in der Geschichte des deutschen Antisemitismus keine Rolle. Doch Wilson will zeigen, dass auch Goethes Haltung zur Schoah führte." Doch damit "will er mit Goethe mehr erklären, als er beweisen kann".
Weitere Artikel: Der SchriftstellerMichaelKleeberg erzählt in "Bilder und Zeiten" der FAZ von seinem Leid, in Tokio einen Ort zu finden, wo man rauchen kann. Jan Philipp Burgard spricht für die WamS mit dem niederländischen SchriftstellerLeondeWinter. Mandoline Rutkowski hat für die WamS den AutorPaulLynch in Dublin besucht. Das Literarische Leben der FAZ dokumentiert die Rede, die der SchriftstellerChristophRansmayr bei der Beerdigung des PublizistenMartinPollack gehalten hat.
Besprochen werden ZachWilliams' Kurzgeschichtenband "Es werden schöne Tage kommen" (LitWelt, unsere Kritik), RachelCusks "Parade" (online nachgereicht von der FAZ), Daisy Hildyards "Notstand" (taz), Tore Renbergs "Die Lungenschwimmprobe" (FR), Juhani Ahos "Der Eremit des Friedens" (FAZ) und RachelAvivs "Sich selbst fremd" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Maximilian Mengeringhaus stellt im Tagesspiegel die neue Berliner Online-Literaturzeitschriftzæsur. poesiekritik vor. Nachrufe auf den in den letzten zwei Jahren über Social Media bekannt gewordenen Antiquar KlausWillbrand schreiben Simone Steiner (TA), Sandra Kagel (FAZ) Ronja Wirts (Zeit Online). Besprochen werden unter anderem Zach Williams' "Es werden schöne Tage kommen" (Perlentaucher), AdolfMuschgs Erzählung "Nicht mein Leben" (NZZ) und IsabelLangkabels "Karl Kraus und seine späte 'Sprachlehre'" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!In seinem neuen Roman "Monique bricht aus" erzählt ÉdouardLouis davon, wie seine Mutter nach der Trennung von seinem Vater erneut in einer gewalttätigen Beziehung landete und sich abermals davon befreite - auch mit seiner Hilfe, wie er im Tagesspiegel-Gespräch mit Adrian Schulz verrät. Dabei war das Verhältnis zwischen ihm und seiner Mutter alles andere als unbelastet: "Das Ende von Eddy", seine Abrechnung mit seiner Mutter, machte ihn vor zehn Jahren als Autor berühmt. "Als ich selbst Kind war, ging meine Mutter sehr hart mit mir um. Sie litt unter der Situation, in die mein Vater sie zwang. ... Das machte sie aggressiv. Und das bekam ich zu spüren. Sie fragte mich ständig: Warum bist du nicht normal? Warum benimmst du dich wie eine Schwuchtel? Warum bist du kein echter Junge? Ich hasste sie. ... Sie war tief verletzt. Sie kam aus ihrem Dorf in Nordfrankreich nach Paris und konfrontierte mich auf einer Lesung in einer Buchhandlung. Sie trat im Fernsehen auf und sagte, alles sei eine Lüge. Natürlich nicht, alles war wahr! Dennoch fühlte ich mich schuldig. Gewalt wird auf eine seltsame Art weitergegeben: Mein Vater war gewalttätig zu ihr, deshalb war sie es zu mir, und deshalb war ich es später zu ihr."
Weiteres: Sonja Zekri porträtiert in der SZ den SchriftstellerBehzad Karim Khani. Besprochen werden die große Berliner Ausstellung "Uderzo - Von Asterix bis Zaubertrank" (Tsp), Max Annas' Thriller "Tanz im Dunkel" (FR), neue Comics, Bücher und Ausstellungen mit und über Superhelden (taz), BerndPfarrs Comic "Alex der Rabe" (FAZ.net), neue Rilke-Biografien von ManfredKoch und SandraRichter (FAZ) und JonasLüschers "Verzauberte Vorbestimmung" (Zeit). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
25 Jahre Perlentaucher - wir fragen Kritiker: Wohin geht die deutschsprachige Literatur, welche Bücher der letzten 25 Jahre hinterließen am meisten Eindruck? Den Auftakt machte Ijoma Mangold, heute bringen wir die Antwort von JudithvonSternburg. Die Kritkerin der FR nennt Romane von BrigitteKronauer, GeorgKlein, UlrikeKrechel, ReinhardJirgl und EvaMenasse. "Drei Fünftel, Kronauer, Klein und Menasse, enthalten Rätsel, bei denen sich die Kritikerin leichtfertigerweise einbildet, sie ausgeknobelt zu haben", sie "sind also ganz klar aus literarischen (sprachlichen, ästhetischen) Gründen auf der Liste, obwohl sie dazu spannend, witzig, traurig, schockierend sind. Zwei Fünftel, Krechel und Menasse, sind aus politischen Gründen auf der Liste. ... Diese fünf Bücher könnten gemeinsam ein wenig Dummheit austrocknen zu Gunsten von mehr Offenheit, Spielraum, Lebensfreude und mehr vernünftiger Angst. Und wenn man es selbst schon nicht kann, so ist es doch gut zu wissen, dass Menschen das können: soschreiben."
In der FAZ-Reihe "Pflichtlektüre für Demokraten" widmet sich Niklas Maak RenéTrintzius' 1929 in Frankreich erschienenem Roman "Deutschland", "in dem ein modernes, lichtesDeutschland als idealer Gegenentwurf zum Frankreich seiner Zeit", nachgerade als sozialdemokratisches Utopia im Zeichen der Neuen Sachlichkeit erscheint. "Heute wirkt dieser Roman, der am Beispiel eines fast karl-mayschen Fantasie-Deutschlands durchexerziert, was eine ideale Demokratie ihren Bürgern bieten muss, aktueller denn je - zumal in einer Situation, in der die großen Demokratien verlernt zu haben scheinen, ihren Nachbarn mit Neugier, Wohlwollen oder, wie im Fall von 'Deutschland', sogar Euphorie entgegenzutreten. Dass die deutsch-französischen Beziehungen lahmen, dass die letzten Regierungschefs keine ikonischen Bilder und gemeinsamen Erzählungen geschaffen haben ... ist angesichts der neuesten Entwicklungen in den Vereinigten Staaten kein gutes Zeichen. Von Trintzius' 'Deutschland' kann man lernen, dass Völkerverständigung auch mit der Projektion positiver Erwartungen auf den Nachbarn zu tun haben könnte."
Weitere Artikel: Der Tages-Anzeiger hat Titus Arnus SZ-Gespräch mit dem österreichischen Bestseller-AutorDanielGlattauer online nachgereicht. Besprochen werden unter anderem JonasLüschers "Verzauberte Vorbestimmung" (FR, FAZ), RaphaëlleReds "Akikou" (FR), eine Ausstellung in der British Library über schriftliche Selbstzeugnisse eigenwilliger und selbstbewusster Frauen im Mittelalter (taz), BelaBFelsenheimers "Fun" (Standard, SZ), MajaLundes "Für immer" (Presse) und EdouardLouis' "Monique bricht aus" (SZ).
Der Standardbringt sein monatliches Gedicht von Clemens J. Setz:
"Es gab ihn ja schon in der Kindheit, auf jedem Weihnachtsmarkt, neben all dem normalen reglosen Spielzeug ..."
Wir haben allen Grund zu feiern: Der Perlentaucher wird demnächst 25 - hier das Editorial von Anja Seeliger und Thierry Chervel. "Seit einem Vierteljahrhundert - so alt wie das Jahrhundert selbst ist - bilden wir die literarische Öffentlichkeit in Deutschland ab. Anlass für uns, die am meisten besprochenen Bücher der letzten 25 Jahre zu ermitteln (hier die Liste als PDF) und namhafte Kritiker zu fragen: "Welches waren für Sie die fünf prägendsten Bücher der deutschsprachigen Literatur seit 2000?"
Den Anfang unserer Reihe machtIjomaMangold, der gleich ausschert: Ihm geht es im Rückblick "um die Nachbrennerqualitäten, um den unverwechselbaren Ton, den man auch nach Jahren innerlich abrufen kann, ohne noch einmal das jeweilige Buch aufschlagen zu müssen. So geht es mir mit zwei Büchern, die komischerweise auf der Liste der meist besprochenen Titel gar nicht auftauchen, die ich hier gleichwohl reinschmuggeln möchte: RainaldGoetz' 'loslabern', weil es den ja doch irgendwie sich nicht von selbst verstehenden Nachweis erbracht hat, dass es noch immer die Sprache sein kann, die das komplexe Vibrieren der Gegenwart (die sich aus Körpern UND aus Gedanken zusammensetzt) einzufangen vermag. Und ich denke an ChristianKrachts Roman '1979', auf das man in den Jahren danach immer wieder zurückkam, weil es einfach die knappste Chiffre für jenen Dekadenz-Selbstverdacht war, mit dem sich der Westen nach den Anschlägen des 11. Septembers2001 gerne selbst quälte." Fünf weitere Bücher nennt Mangold aber natürlich dennoch.
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"In den Nachkriegsjahrzehnten herrschten unter den Gatekeepern der deutschen Verlagswelt sehr genaue Vorstellungen, wie die Judenverfolgung darzustellen sei und welcher literarischen Mittel es bedarf, um das unfassbare Grauen fassbar zu machen", schreibt Christian Dinger in einem Longread auf 54books zur Nach-Geschichte des Holocaust in der deutschen Literatur. Diese war "von Anfang an auch eine Geschichte der Aneignung" und der Normierung: "Dass die Einhaltung eines eng gefassten, normativen Literaturbegriffs höher gewichtet wurde als der individuelle Ausdruck von Zeug*innenschaft, blieb auch in den folgenden Jahrzehnten der Fall, als die publizistische Landschaft in Deutschland längst begonnen hatte, sich selbst für ihre schonungslose Erinnerungskultur zu loben." Im folgenden befasst sich Dinger sehr ausführlich mit den Kontroversen um die Autorenschaft von "Aufzeichnungen aus einem Erdloch", das 1948 unter dem Namen des Holocaustüberlebenden JakobLittner erschien, in späteren Neuausgaben aber WolfgangKoeppen als Autor auswies.
Weitere Artikel: Das beim renommierten Comicfestival im französischen Angoulême mit AnkeFeuchtenberger, JenniferDaniel, Marijpol und TanjaEsch erstmals gleich vier deutsche Zeichnerinnen in die offizielle Selektion aufgenommen wurden, ist "für die deutsche Comicszene ein großer Schritt in Richtung internationaler Anerkennung", freut sich Lars von Törne im Tagesspiegel. Die NZZbringt Notizen des in Los Angeles lebenden, irischen SchriftstellersColmTóibín zu seinen Eindrücken vom kalifornischenGroßbrand. In der FAZgratuliert Dietmar Dath dem SchriftstellerHermannPeterPiwitt zum 90. Geburtstag.
Besprochen werden unter anderem Jonas Lüschers "Verzauberte Vorbestimmung" (TA, NZZ), Ričardas Gavelis' "Vilnius Poker" (taz), Tommie Goerz' "Im Schnee" (NZZ), Gianluca Buttolos Comic "Laurel und Hardy" (Jungle World), YuvalNoah Hararis Kinderbuch "Unstoppable Us" (online nachgereicht von der FAZ) und BelaB. Felsenheimers "Fun" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Wer angesichts von Klimawandel, Naturkatastrophen und Trumps erneutem Ausstieg aus dem PariserAbkommen in die Depression absinkt, sollte es mal mit Solarpunk als Antidot versuchen, schreibt Titus Blome auf Zeit Online. Dabei handelt es sich um einen multimedialen motivisch-ästhetischen Zusammenhang in der Science-Fiction, die sich enthusiastisch eine utopischeZukunft in einer Welt vorstellt, die im kompletten Einklang mit Klima und Natur organisiert ist, und darüber diskutiert, wie sich diese herstellen ließe. "Solarpunk mischt Science-Fiction und Science-Fact, spekulative Politik, Wissenschaftskommunikation, philosophische Intervention und Zukunftsdesign. ... Aber da Solarpunk eben nicht nur Literatur ist, fordert er eine äußerst unliterarische Frage heraus: Wie zum Teufel soll das alles umsetzbar sein? Die Antwort der Solarpunks lautet: Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind nicht die lästigen Notwendigkeiten, als die sie heute verkauft werden, sondern eine Zukunft, auf die wir unsfreuenkönnen. Sie sind nicht nur umsetzbar, sie sind auch schön. Sie sind umsetzbar, weil sie schön sind."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Bereits 1971, in seinem in Deutschland eher unbekannten Roman "Unsere Gang", ließ PhilipRoth einen US-Präsidenten (damals noch als offensichtliche Parodie auf Nixon) nach Grönland greifen und dabei auch vor Atombomben auf Kopenhagen nicht zurückschrecken, erinnert Andreas Platthaus in der FAZ. Bei Wieland Freund von der Weltwecken Trumps (erneute) Ankündigungen, sämtliche Akten zur ErmordunganJohnF. Kennedy freizugeben, Erinnerungen an DonDeLillos Roman "Libra". Immo von Fallois blickt in der Berliner Zeitung auf die Freundschaft zwischen JurekBecker und ManfredKrug. Der Standardbringt eine Erzählung der Schriftstellerin HannaSukare. Und in der "Langen Nacht" des Dlf Kulturbefasst sich Christoph David Piorkowski auf die unterschiedlichen Schlüsse, die PrimoLevi und JeanAméry aus Auschwitz gezogen haben.
Besprochen werden unter anderem JózsefDebreczenis "Kaltes Krematorium. Bericht aus dem Land namens Auschwitz" (TA), ÉdouardLouis' "Monique bricht aus" (online nachgereicht von der FAS), CheonMyeong-kwans "Bumerangfamilie" (NZZ), der von EliasHirschl zusammengestellte Band "100 Seiten sind genug. Weltliteratur in 1-Stern-Bewertungen" (Welt), eine Ausstellung in Hamburg zur Geschichte des Rowohlt-Verlags (FAZ) und neue Kinder- und Jugendbücher, darunter Sydney Smiths "Erinnerst du dich?" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Der Romanist Edoardo Costadura widerspricht in "Bilder und Zeiten" der FAZ Simon Strauss, der in seinem Beitrag zur FAZ-Reihe "Pflichtlektüre für Demokraten", LampedusasRoman "Der Leopard" insbesondere FriedrichMerz ans Herz gelegt hatte (unser Resümee). Ein Plädoyer für positive Veränderung, um zu bewahren, was man bewahren will, wie Strauß das Buch deutet, sei der Roman allerdings ja gerade nicht. An dessen Ende "ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Die Geschichte der Salina und mithin die Geschichte Siziliens und Italiens ist in eine Abwärtsspirale geraten, aus der sie - die Salina, Sizilien, Italien - nicht mehr herauskommen. ... Wie der beste Kenner von Lampedusas Werk, Francesco Orlando, einmal gesagt hat, ist der Roman nicht nur von einer Nostalgie der Vergangenheit, sondern auch von einer Nostalgie des ausgebliebenen Fortschritts durchzogen. Hätten die sizilianischen beziehungsweise die italienischen Eliten sich nicht mit den Machenschaften von Gangstern wie Sedàra abgefunden und den Verrat an der Demokratie mitverantwortet (...), wäre der Weg Italiens in eine moderne und gerechte Gesellschaft leichter gewesen."
Weitere Artikel: Mathias Döpfner hat für die WamS den mittlerweile 103-jährigen GeorgStefanTroller für ein großes Gespräch in Paris getroffen. In der Jungle World gratuliert Magnus Klaue dem LyrikerEugenGomringer zum 100. Geburtstag. Die FAZ dokumentiert Katharina Teutschs Laudatio auf den SchriftstellerClemensMeyer zur Verleihung des Lessing-Preises.
Besprochen werden unter anderem WolfHaas' "Wackelkontakt" (taz), die von Maria-ChristinaPiwowarski herausgegebene Anthologie "Und ich -" mit Texten von Autorinnen (taz), ÉdouardLouis' "Monique bricht aus" (Presse), der zweite Teil von Luz' Comicadaption von VirginieDespentes' "Vernon Subutex"-Romanzyklus (taz), CarloLevis "Die doppelte Nacht. Eine Deutschlandreise im Jahr 1958" (taz), der Briefwechsel von GertyvonHofmannsthal und HugovonHofmannsthal (NZZ), MiekoKanais "Leichter Schwindel" (FAZ) und JonasLüschers "Verzauberte Vorbestimmung" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologie schreibt Theo Stemmler über WilliamShakespeares "Sonett 130":
"In ihrem aug ist nichts von sonnenstrahl, Korall ist röter als ihr lippenpaar, Wenn schnee weiss ist so ist ihr busen fahl ..."
Das Europaparlament hat eine Resolution zum Fall Boualem Sansalverfasst (PDF) und verurteilt darin in deutlichen Worten die Festnahme Boualem Sansals und anderer politischer Gefangener, kritisiert die Terrorparagrafen des algerischen Gesetzbuchs, die auf Meinungsdelikte angewandt werden und macht die Partnerschaft mit Algerien von Verbesserungen in Menschenrechten abhängig: Das Parlament "betont, dass die Erneuerung dieses Abkommens auf der Erzielung stetiger und substanzieller Fortschritte in den genannten Bereichen beruhen muss und dass alle künftigen Zahlungen von EU-Mitteln den Fortschritten in diesen Bereichen Rechnung tragen sollten."
Weitere Artikel: In der FAZ-Reihe "Pflichtlektüre für Demokraten" empfiehlt Sandra Kegel IngeborgBachmanns"Malina". Besprochen werden unter anderem JózsefDebreczenis "Kaltes Krematorium. Bericht aus dem Land namens Auschwitz" (Welt, FAZ), UrsulaKrechels "Sehr geehrte Frau Ministerin" (FR), MonikaRincks Gedichtband "Höllenfahrt & Entenstaat" (Tsp), CarysDavies' "Ein klarer Tag" (FR) sowie MartinBeckers und TabeaSoergels historischer Krimi "Die Schatten von Prag" (Presse). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Judith von Sternburg berichtet in der FR von einem Vortrag von UljanaWolf über Lyrik. Im Tagesspiegel-Fragebogen gibt die Comiczeichnerin Aimée de Jongh Auskunft über ihre Arbeit. Patrick Bahners schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Comiczeichner JulesFeiffer.
Besprochen werden unter anderem JenniferDowns "Körper aus Licht" (Perlentaucher), UrsulaKrechels "Sehr geehrte Frau Ministerin" (FAZ) und SiegfriedLenz' "Dringende Durchsage" mit Erzählungen (Zeit). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
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