Rainald Goetz

Loslabern

Bericht
Cover: Loslabern
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783518421123
Gebunden, 188 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Beck wurde rausgeschmissen am Schwielowsee, in Cern wurde der Teilchenbeschleuniger angestellt, und nachdem Damien Hirst in London seine Sensationsauktion glücklich (111 Millionen Pfund Erlös) hinter sich gebracht hatte, kollabierten noch am selben Tag in New York die in die dortigen Feuchtbiotope und Felsen hinein errichteten Banken: Lehman, Goldman, Partners und Konsorten. Das Wort Rettungsschirm kam auf, die Dinger wurden aufgespannt, die Kredite trotzdem immer fauler. Kreditkrise, Staatskrise, Vertrauen weg, Derivate angeblich hochspekulativ usw. Frage an den Staat: Hast du mal ein paar Millliarden? Herr Ackermann, Herr Mehdorn, der Schwarze Schwan im Herbst 2008; September, Oktober, November. Ja: Wie war das gleich noch mal gewesen? Wie hat sich das angefühlt?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2009

Einen ambivalenten Eindruck hat Rainald Goetz' neues Buch "loslabern" bei Rezensentin Ina Hartwig hinterlassen. Die Lektüre hat ihr meistens, wenn auch nicht immer, Spaß gemacht. Sie empfindet Goetz als einen "Medienmönch" und überlegt, ob der mönchische Aspekt die "merkwürdige Sexuallosigkeit" seines Beobachterposten hinreichend erklärt. Den Spott, den Goetz für Frauen Ende 30 übrig hat, die sich wie 24-Jährige aufführen, schluckt sie hinunter. Besser gefallen ihr die Berichte über drei große Partys der Kulturschickeria aus dem Jahr 2008, unter anderem den Herbstempfang der FAZ in Berlin, in denen Goetz wunderbar sich "mächtige Männer" vornimmt. Ein wenig unbehaglich fühlt sich Hartwig allerdings, wenn sich der Autor an Heidi Paris erinnert, die 2002 Selbstmord begangen hat. Zwar ist sie berührt von Goetz' "Herzensbekenntnis" für Paris, die den Autor in ihre Suizid-Pläne eingeweiht hat. Aber für sie stellt sich doch auch die Frage, "ob diese katholische Glut sich gut macht im Textmeer all der Hass(liebes)tiraden".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.10.2009

Wirklich angenehm können die "Nullerjahre" für Rainald Goetz nicht gewesen sein, vermutet Rezensent Dirk Knipphals, fehlt doch dem Pop in diesem Jahrzehnt der "avancierte Zentraldiskurs" wie es etwa die Loveparade für die Neunziger Jahre war. Und da Goetz nunmal ein radikaler Gegenwartsautor ist, waren die letzten, "normalen" Jahre für ihn schriftstellerische Krise, von der sein neues Buch "Loslabern" jetzt auch Zeugnis ablegt, wie Knipphals meint. Denn anstatt einen großen Erzählroman abzuliefern, wie es Goetz geplant hatte, bekommt man dort Gegenwartswahrnehmungen in Fragmenten, Skizzen und Notizen zu lesen, die kaum Dramaturgie aufweisen, dafür aber in einzelnen Sätzen "funkeln wie polierte Juwelen", lobt Knipphals zumindest die sprachliche Seite des Buchs. Ein paar erzählerische Schlaglichter gibt es dann auch noch: Auf dem Herbstempfang der FAZ 2008, den Goetz beschreibt, liest Knipphals gleich zwei Episoden, die sich ausgezeichnet zum Roman hätten erweitern lassen. Vielleicht wird das nächste Jahrzehnt für Goetz ja wieder besser, hofft er schließlich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.10.2009

"Lebendige Kulturkritik, wie es sie lange nicht gegeben hat", nennt Rezensentin Iris Radisch diese Notate, die ihren Informationen zufolge während des letzten Buchmessenherbstes entstanden sind. In seiner Traurigkeit und Weltwundheit erinnert Rainald Goetz die Rezensentin außerdem mitunter an Botho Strauß, wenngleich der Ton hier natürlich ein ganz anderer sei. Aber wie Strauß habe auch Goetz sich schon lange aufs Räsonieren und Moralisieren verlegt, doch macht Radisch die Art, wie sich Goetz hier selbst als vom "Lustekel" über den Betrieb befallener "liebenswerter Trottel" in Szene setzt, ganz offensichtlich Freude.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2009

Zum Start der Frankfurter Buchmesse empfiehlt Thomas Steinfeld allen anreisenden Kulturfunktionären und Medienarbeitern Rainald Goetz' Report "Loslabern" aus dem Inneren des Feuilletonbetriebs. Steinfeld lässt sich Goetz gern als "Gesellschaftsreporter des gehobenen intellektuellen Mittelstandes" gefallen, dass hierbei nicht nur der Buchmessenbetrieb in seiner ganzen systemischen Aufgeblasenheit zutage tritt, sondern auch das FAZ-Feuilleton ordentlich sein Fett wegbekommt (ob und was Goetz eventuell zur SZ schreibt, erfahren wir nicht). Der größere Teil des Buches schildert einen FAZ-Empfang in Berlin im November 2008, so dass Steinfeld auch einige instruktive Beobachtungen zur "Katastrophalizität" der Finanzkrise und die durch sie hervorgerufene Erregung in den einschlägigen Diskurszirkeln als Plus verbuchen kann.
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