Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. "Der Leopard" gehört schon bald nach seinem Erscheinen 1958 zur Weltliteratur. Inspiriert von der eigenen Familiengeschichte, gelingt Giuseppe Tomasi di Lampedusa der größte Italienroman unserer Zeit und eine schillernde Hommage an das Europa des 19. Jahrhunderts. Mit melancholischer Ironie schildert er den Niedergang des sizilianischen Adelsgeschlechts um Don Fabrizio, Fürst Salina. Die alte Ordnung ist in Gefahr: Tancredi, der Neffe und Ziehsohn des Fürsten, heiratet die verführerische, aber bürgerliche Angelica - das Ende der Feudalherrschaft kündigt sich an.
Dass Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman mehr als nur die Vorlage zu Luchino Viscontis Film ist, wird Rainer Moritz mit dieser Übersetzung von Burkhart Kroeber klar. Hier kann er endlich den literarischen Rang erkennen, der in diesem - eigentlich unbestrittenen - Großwerk der Weltliteratur - steckt. Moritz schwärmt von der betörenden Sinnlichkeit, der historischen Komplexität und der Vergeblichkeit, mit der Tomasi die Geschichte um ein sizialianisches Adelsgeschlecht erzählt, das zur Zeit der italienischen Einigung gegen seinen Niedergang kämpft. Ohne direkt in den Vergleich mit anderen Übersetzungen zu gehen, preist er Kroebers Übersetzerleistung überschwänglich. Nicht ganz einverstanden ist Moritz damit, dass Kroeber wieder Passagen in den Roman einfügt, die Tomasi bereits gestrichen hatte. Aber mit großer Dankbarkeit verzeichnet er, dass er von der unglücklichen Entscheidung Abstand genommen hat, dem Roman den deutsch-italienischen Zwitter-Titel "Der Gattopardo" zu geben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.10.2019
Maike Albath lobt Burkhart Kroebers Neuübersetzung von Guiseppe Tomasi di Lampedusas vielschichtigem Gesellschaftspanorama. Kroebers philologische Exaktheit macht sich für sie vor allem bei den Temperaturwechseln der Sprache im Roman bemerkbar, bei den Soziolekten, den starken Bildern und Lampedusas sinnlichen Beschreibungen. Auch der Sinn des Übersetzers für Rhythmus und Registerwechsel fällt der Rezensentin positiv auf. Kroebers Fassung wird der Formvollendung Lampedusas gerecht, findet Albath, die allerdings kein Wort darüber verliert, dass der Verlag wieder zum Leoparden-Titel zurückkehrt, nach dem etwas gezwungenen "Gattopardo" von 2004.
Der Romanist Edoardo Costadura widerspricht in "Bilder und Zeiten" der FAZ Simon Strauss' Beitrag zur FAZ-Reihe "Pflichtlektüre für Demokraten", in dem er Lampedusas Roman "Der Leopard" insbesondere Friedrich Merz ans Herz gelegt hatte. Ein Plädoyer für positive Veränderung, um zu halten, was man halten will, wie Strauß das Buch deutet, sei der Roman allerdings ja gerade nicht. Unser Resümee
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