Es ist kompliziert: Im FAS-Interview mit Niklas Maak spricht Documenta-Geschäftsführer Andreas Hoffmann über die Schwierigkeit, Kunstfreiheit zu gewähren, eine klare Haltung gegen Antisemitismus und "jede Form von gruppenspezifischer Menschenfeindlichkeit" zu finden und gleichzeitig den Standort Kassel nicht unattraktiv für die internationale Kunstszene werden zu lassen: "Wir brauchen eine ganz klare Distanzierung von Antisemitismus, und natürlich brauchen wir auch weiterhin die Documenta in Kassel als einen Ort, an dem die globale Kunst der ganzen Welt ihren Platz findet. Nicole Deitelhoff hat gesagt, dass wir einer Position begegnen müssen, die sagt, 'hört mal auf mit eurer deutschen Besessenheit mit dem Antisemitismus', weil ansonsten vielleicht die internationale Kunstszene keine Lust mehr hat, nach Kassel zu kommen. Wir müssen aber auch sicherstellen, dass wir nicht in einen Kontext von Vorabzensur kommen. In Möllers' Gutachten wird sehr konkret eine Unterscheidung vorgeschlagen zwischen der künstlerischen Leitung, die die Kunstfreiheit genießt, und der Geschäftsführung, die eben Teil der staatlichen Kultur- und Kunstverwaltung ist und die damit auch den Schutz vor Diskriminierung zu ihrem Pflichtenkatalog zählt und in Fällen, wo, wie im vergangenen Jahr bei Taring Padi, antisemitische Codes auftauchen, unmittelbar in den Dialog geht."
Das Folkwang-Museum Essen beendete die Kooperation mit dem Kurator Anaïs Duplan, nachdem dieser auf Instagram zur Unterstützung der BDS-Bewegung aufrief (unser Resümee). Duplan schreckte als Gegenreaktion nicht davor zurück, persönliche Daten des Direktors Peter Gorschlüter zu veröffentlichen, berichtet Alexander Menden in der SZ: "Das Angebot zu einem persönlichen Gespräch habe Duplan nicht genutzt, so Gorschlüter. In der Folge beendete Folkwang die Zusammenarbeit mit dem Kurator. Dieser antwortete mit einem Gegenboykott und zog alle Exponate aus der Ausstellung zurück. Zudem veröffentlichte er die Korrespondenz mit Gorschlüter und dessen Kontaktdaten im Internet. Darüber, welche Folgen dieser Schritt Duplans im Einzelnen für ihn und die Folkwang-Mitarbeiter hatte, möchte der Direktor nicht öffentlich sprechen." Mittlerweile habe Duplan in den sozialen Medien Beiträge geteilt, die sich durchaus kritisch mit dem BDS auseinandersetzen.
Weiteres: Lorenz Maroldt unterhält sich für den Tagesspiegel mit dem Berliner Plein-Air Maler Christopher Lehmpfuhl. Stefan Trinks empfiehlt in der FAZPhilip Hoares Buch "Albrecht Dürer und der Wal" über das Leben des Malers.
Besprochen wird die Ausstellung "Van Gogh in Auvers-sur-Oise. Die letzten Monate" im Musée d'Orsay in Paris (FAZ).
In Sachen Documenta unterzieht Marcus Woell in der WeltRoger M. Buergel einer kritischen Befragung, der 2007 künstlerischer Leiter der Documenta 12 war und in diesem Jahr an der Ernennung der jüngst zurückgetretenen Findungskommission (unsere Resümees) mitgewirkt hat. Die Verantwortung dafür, dass die vierköpfige Vorschlagsgruppe, der er angehört hat, mit Ranjit Hoskoté einen BDS-Unterstützer ernannt hat, will er indes nicht übernehmen: "Wir haben deutlich gemacht, dass es eine rote Linie gibt, aber nicht erkennungsdienstlich nach Unterschriften auf Petitionen gefahndet. Ich persönlich habe mich kollegial darauf verlassen, dass alles, was man mir in diesen Gesprächen gesagt hat, wasserdicht ist. Wir hatten auch nur ein Vorschlagsrecht und nicht den Auftrag, die Kommission zu besetzen. Die Nominierung erfolgte durch die Ministerin Dorn." Er sieht das große Grundproblem der Documenta in einer "Überbietungslogik: noch innovativer, noch politischer, noch radikaler und immer noch mehr Besucher und Besucherinnen. Es hat aber keine Methodendiskussion gegeben." Und dennoch ist er im Zweifel für das Risiko: "Ich glaube nicht an diese Verwaltungslogik von Bürokratisierung und Transparenz. Das Künstlerische kann einem immer um die Ohren fliegen. Manchmal ist es besser, einen Skandal zu haben, der auch etwas über die Gegenwart erzählt, wenn man den Ball - also die Energie und die Aufmerksamkeit - aufnimmt, um die Lage zu gestalten."
Nicht nur die Documenta hat ein Antisemitismus-Problem: Die Biennale für aktuelle Fotografie in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg ist abgesagt, nachdem einer der Kuratoren, Shahidul Amal, "antisemitisch lesbare und antisemitische Inhalte" auf Facebook geteilt hatte und "den Bitten für einen sensibilisierten Umgang mit seinen Posts nicht folgen" wollte, liest Till Briegleb für die SZ beim Vorstand der Biennale: "Auf mittlerweile entfernten Posts, die vom Team der Biennale gesammelt wurden, befinden sich plakative Rechnungen, wie viele jüdische Kinder Hitler pro Tag ermordet habe, und wie viele muslimische Netanjahu in Gaza. Ebenso ein Interview Amals mit dem palästinensischen Botschafter in Bangladesch, wo dieser die Gräueltaten der Hamas leugnet und stattdessen die antisemitischen Stereotypen von der jüdisch gesteuerten Weltpresse, von Amal unwidersprochen, verbreitet. Aber eben auch eigene Aussagen Amals wie: 'Ich fühle für alle palästinensischen und israelischen Leben, die zerstört werden.' Auch formuliert Amal Zweifel an dem von radikalen Pro-Palästinenser-Stimmen verwendeten Begriff des 'Genozids' für die Bombardierung Gazas."
Eine "Ikone der afroamerikanischen Kunst" lernt Lisa Berins in der FR im Frankfurter Tower MMK kennen: "The Black Woman Speaks" ist die erste große Ausstellung von Elizabeth Catlett in Europa. Die Bedeutung, die Schwarzsein und ständiger Rassismus für das Leben der Künstlerin haben, zieht sich auch durch die Ausstellung: "Eine ausdrucksstarke Serie empfängt gleich am Anfang der Schau: In 'The Black Woman' (1946-47) greift Catlett Eindrücke vom täglichen Leben Schwarzer Menschen auf, wie etwa die Rassentrennung in Bussen, einen Lynchmord, die Arbeit als Haushälterin, vor allem aber geht es um eine Schwarze, feministische Geschichtsschreibung: die Wanderpredigerin Sojourner Truth ist eine der abgebildeten Heldinnen, außerdem die erste afroamerikanische Dichterin Phillis Wheatley und die Schwarze Fluchthelferin Harriet Tubman. Das künstlerische Mittel, den Druck, wählt Catlett, damit sich die Bilder gut verbreiten lassen."
Außerdem: In der NZZ kommentiert Marion Löhndorf die Diskussion um die Identität Banksys: "Das Rätsel um seine Identität ist sein größter Trumpf. Wird es aufgehoben, ist die Marke Banksy so gut wie tot. Victor Sattler unterhält sich mit dem Fotografen Boris Eldagsen über den Einsatz von KI in seinem Metier (mnp).
"Die nächste Documenta wird die beste", glaubt Hanno Rauterberg in der Zeit. Klar, zur Zeit liege alles in Scherben und es schaue so aus, als könne man in der aktuellen Situation eine solche Ausstellung gar nicht mehr stemmen. Andererseits: "Doch vielleicht, wer weiß, stimmt ja auch das glatte Gegenteil. Vielleicht liegt gerade hier, in der fortschreitenden Selbstvergiftung der Diskurse, der allerbeste Grund dafür, an der alten, immer wieder neuen Idee der Documenta festzuhalten. Denn gerade dafür war Kassel ja immer gut: Alle fünf Jahre wollte man hier beweisen, wie abrupt und überraschend sich das Denken in neue Bahnen lenken lässt. Die Kunst darf sich jederzeit untreu werden, sie gehört keinem Lager, keiner Ideologie. Sie folgt ihrem eigenen Programm." Die nächste Schau müsste vor allem "damit beginnen, sich der obsessiven Selbstbespiegelung zu entwinden. Und stattdessen jener Kraft die Bühne zu bereiten, die zuletzt kaum noch gesichtet wurde: dem Eigensinn der Kunst. Einer Kunst, die frei ist von jeder Bekenntnispflicht. Die mehr sein will als ein bebilderter Leitartikel. Die für eine ästhetische Erfahrung eigenen Rechts eintritt, rauschhaft, verführerisch, unhaltbar."
Philipp Meier unterstellt der Documenta in der NZZ hingegen einen Geburtsfehler: "Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs sollte die Kasseler Großausstellung für Gegenwartskunst als Instrument zur Weltverbesserung dienen. Dieser Konstruktionsfehler macht die Documenta anfällig für missionarische Zwecke. Aus der Verwechslung von Kunst und Mission resultieren falsche Entscheide. Die Documenta will es allen recht machen."
In Berlin lässt der Senat die Förderung für das Neuköllner Kulturzentrum Oyoun auslaufen, berichtet Claudia Reinhard im Tagesspiegel. Unter anderem waren dort Aktivisten der "Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost" aktiv, auf deren Homepage nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober von einem "Gefängnisausbruch" der Palästinenser zu lesen war. Daraufhin kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Kultursenat. Die politischen Diskussionen halten an: "Im Kulturausschuss am vergangenen Montag bekräftigte Kultursenator Joe Chialo (CDU) die Kritik an dem Kulturzentrum. Die Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt setze sich aktiv für die Umsetzung des Berliner Landeskonzeptes zur Antisemitismus-Prävention und gegen jede Form von Antisemitismus ein, sagte Chialo. 'Und wenn ich sage, gegen jede Form, dann meine ich auch jede versteckte Form von Antisemitismus.'"
Im Tagesspiegelgedenkt Birgit Rieger der Berliner Videokünstlerin Margaret Raspé, die der Kunst neue Lebenswelten erschloss: "Eine Mutter, die mit einem Kleinkind in der Küche herumwirbelt, hat keine Hand frei, für nichts, auch nicht für Pinsel oder sonstiges Kunstgerät. Margaret Raspé, die ihr Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Ende der Fünfzigerjahre aufgab, machte ihr Dasein als Hausfrau zum Gegenstand ihrer Kunst. Diese Verbindung von Kunst und Leben war in den 70er Jahren revolutionär und ist heute Pioniertat. Ebenso wegweisend sind Raspés Gedanken zur Gleichberechtigung oder zum Verhältnis zur Natur, die sie auf vielfältige Weise in ihre Kunst integrierte: Wer Fleisch isst, muss auch schlachten, das etwa zeigt einer ihrer Filme." Auch Monopolerinnert an Raspé.
Weitere Artikel: Dorothea Zwirner porträtiert für den Tagesspiegel den Künstler Francis Alÿs, der im Kölner Museum Ludwig mit dem diesjährigen Wolfgang-Hahn-Preis geehrt wird. Ebenfalls im Tagesspiegelschreibt Alessandra Nappo über Hito Steyerls Videoinstallation "Power Plants". Für Welt+ trifft sich Manuel Brug mit dem Kunstsammler Thaddaeus Ropac. Wegen Antisemitismusvorwürfen gegen Shahidul Alam, Mitglied des Kuratorenteams, wird die Fotografie-Biennale 2024 in Heidelberg abgesagt, berichtet die FAZ. Marion Löhndorf spekuliert in der NZZ darüber, ob die Identität Banksys in einem BBC-Interview enttarnt wurde. Ihr NZZ-Kollege Philipp Meier berichtet, dass der Schweizer Bundesrat eine neue Kommission für Nazi-Raubkunst einrichtet.
Besprochen werden die Ausstellung "Venezia 500" in der Münchner Alten Pinakothek (Tagesspiegel), eine dem Comiczeichner Joann Sfar im Pariser Musée d'art et d'histoire juif gewidmete Schau (FAZ) und eine Mini-Personale zu Ehren der Künstlerin Felice Rix-Ueno im Wiener MAK (Standard).
Banksy-Fans haben wieder was zu rätseln, melden die Feuilletons. Hat der geheimnisvolle Street-Art-Künstler in einem Interview vor zwanzig Jahren einen Hinweise auf seine Identität gegeben? Jörg Häntzschel resümiert in der SZ: "In einem vergessenen und eben wieder ausgegrabenen Interview der BBC von 2003 fragt der Interviewer Banksy, ob sein Name Robin Banks sei - das ist ein Pseudonym des Bristoler Künstlers Robin Gunningham, bei dem es sich Gerüchten zufolge um Banksy handelt. Der antwortet: 'It's Robbie'. Ist das nun ein Dementi oder eine Bestätigung?" Monopol hat wie jedes Jahr die einhundert wichtigsten Künstler und Künstlerinnen gekürt, berichtet Timo Feldhaus in der Berliner Zeitung: auf Platz 1 hat es dieses Jahr Isa Genzken geschafft, deren Werke gerade in einer Ausstellung "75/75" in der Neuen Nationalgalerie Berlin bis 27.11. zu sehen sind. Den 2. Platz, und das ist schon eine kleine Überraschung, nimmt diesmal kein echter Mensch, sondern eine Künstliche Intelligenz ein.
Besprochen werden die Ausstellung "jour de fête" mit Werken von Allen Jones in der Galerie Levy in Berlin (tsp) und die Ausstellung "Hej rup! Die Tschechische Avantgarde" im Bröhan-Museum Berlin (tsp).
Sandra Kegel berichtet in der FAZ von einem Gespräch mit der israelischen Künstlerin Bracha Lichtenberg Ettinger, die als erste die Findungskommission der Documenta verließ (unser Resümee). Es sei ihr gar nicht um die BDS-Debatte um den indischen Kurator und Schriftsteller Ranjit Hoskoté gegangen, gibt Kegel Ettinger wieder, oder um den Antisemitismus-Skandal in Kassel. Nach dem 17. Oktober habe sie eine Pause gebraucht, zum Trauern, sich Sammeln. Die wurde ihr verweigert: "Die insgesamt sechzehn Stunden dauernden Sitzungen in Kassel fanden fünf Tage nach dem Hamas-Massaker statt. Sie konnte nicht nur nicht anreisen, weil der Flughafen in Tel Aviv gesperrt war. Sie stand wie das ganze Land unter Schock. Die Sitzung wurde trotzdem abgehalten und Ettinger aus Tel Aviv digital dazu geschaltet. Die Tatsache, dass während der Kaffeepausen Videos von Vergewaltigungen, Massakern an Frauen und dem Abschlachten von Babys über ihren Bildschirm liefen, erwähnte sie in ihrem Rücktrittsschreiben ebenso wie ihren Schmerz über den Tod israelischer und palästinensischer Zivilisten."
Nele Pollatschek reagiert in der SZ auf einen Artikel der Zeit über ihre Aussagen zur Ranjit Hoskotés Unterschrift einer BDS-Petition (unsere Resümees). Darin heißt es, Pollatschek habe Hoskoté als Antisemiten bezeichnet, dies sei "eine Unverschämtheit". Pollatschek macht die Kollegen auf einen Denkfehler aufmerksam: "Die Zeit behauptet, ich hätte Ranjit Hoskoté Antisemitismus nachgesagt, und zwar infolge von 'Unkenntnis seiner Person'. Der Verfasser des Textes versucht daher, diesen Antisemitismusvorwurf durch Kenntnis der Person Hoskoté zu entkräften. Tatsächlich habe ich Hoskoté keinen Antisemitismus nachgesagt, sondern geschrieben, dass er eine Petition unterschrieben hat, die antisemitisch ist." Und weiter: "Wer die Aussage 'Ranjit Hoskoté hat eine antisemitische Petition unterschrieben' widerlegen will, hat zwei Möglichkeiten diese Aussage zu falsifizieren. Er muss entweder beweisen, dass Hoskoté diese Petition nicht unterschrieben hat. Das war das erste was ich versuchte, als ich den Namen Ranjit Hoskoté unter der BDS-Petition sah: Ich kontaktierte Hoskoté, seinen deutschen Verlag und die Documenta, mit der Frage, ob es sich tatsächlich um seine Unterschrift handelt. (…) In seinem Rücktrittsbrief schreibt Hoskoté, dass 'keiner seiner Kritiker es für wichtig gehalten hätte, seine Perspektive einzuholen'. Das stimmt nicht."
Weiteres: FAZ undtagesspiegel gratulieren dem Kunstprofessor und Kurator Kasper König zum Achtzigsten. Anlässlich der Feierlichkeiten schenkt er dem Museum Ludwig35 Werke, die in der Ausstellung "1000 miles to the edge. Schenkung Kasper König" zu sehen sind.
Besprochen werden die Ausstellung "Der Weg des größten Widerstandes" mit Werken von Fabian Knecht in der Städtischen Galerie Wolfsburg (taz) und die Ausstellung "Blick in die Zeit" der Stiftung Schloss Neuhardenberg (FR).
Zumindest in einem Punkt waren sich die Teilnehmer eines Symposiums zur aktuellen Situation der Documenta einig, seufzt Nils Minkmar in der SZ: Die Kunstschau ist "an einem Nullpunkt" angelangt. Ziemlich erschöpft und ratlos wirkten unter anderem Meron Mendel und die Politologin Nicole Deitelhoff, so Minkmar, die gemeinsam mit Jürgen Habermas und anderen ein Statement gegen Antisemitismus unterzeichnete (unser Resümee): Sie "sah sich nun mit dem Vorwurf der Unterstützung eines Genozids konfrontiert. Sie lächelte ratlos. Und nicht aus den Untiefen der asozialen Netzwerke kommen solche Vorwürfe, sondern, fügte sie an, von angesehenen Akademikerinnen der Ostküste der USA. Auch Meron Mendel sprach von einer völligen Verschiebung der politischen und weltanschaulichen Lager. Er sei früher immer von einer 'Gemeinsamkeit der moralischen Werte' ausgegangen - dass man also gemeinsam erschrecke und innehalte, wenn Kinder gefoltert und ermordet werden. Aber diese Annahme wurde durch seine Erfahrungen widerlegt. Für manche sei Israel immer der weiße Täter, und die Palästinenser seien die indigenen Opfer. " Dank der klugen Moderation des Soziologen Heinz Bude wurde dann aber doch einigermaßen konstruktiv diskutiert, meint Minkmar. In der FRschreibt Michael Hesse zum Thema. In der FAZ resümiert Georg Imdahl die Tagung.
Weiteres: Carmela Tiele stellt in der taz die kaum bekannte Künstlerin Anneliese Hager und ihre "fotografielose Fotografie" vor, die in einer Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim zu sehen ist.
Besprochen werden die Ausstellung "If the Berlin Wind Blows My Flag. Kunst und Internationalisierung vor dem Mauerfall" in Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.), daadgalerie und Galerie im Körnerpark (taz), eine Retrospektive mit Gemälden von Nicolas de Stael im Musée d'Art Moderne in Paris (tsp), die Ausstellung "Will Eisner - Graphic Novel Godfather" im Jüdischen Museum Rendsburg (taz).
Gestern meldeten die Zeitungen, dass die Findungskommission der Documenta nun geschlossen zurückgetreten ist (unsere Resümees). Nun wird wohl darüber diskutiert, den Termin der nächsten Messe nach hinten zu verschieben, meldet Jörg Häntzschel in der SZ. Im lnterview sagt der Geschäftsführer Andreas Hoffmann: "Der Termin habe für ihn derzeit 'nicht die höchste Priorität', sagte er. Wichtiger sei, dass die documenta sich jetzt wirklich neu aufstelle. Vorläufig steht die Documenta mit vollkommen leeren Händen da."
Die documenta ist am Ende, meint auch Hanno Rauterberg auf Zeit Online, außer, sie wagt einen radikalen Neubeginn. Rauterberg glaubt auch, dass sich in den letzten zwei Jahrzehnten ein westliches "Überlegenheitsdenken" eingeschlichen habe, dass sich nun räche: "Die documenta wurde zu einer Bühne, auf der sich der deutsche Westen als besonders polyglott und aufgeklärt präsentierte. Der Begriff der Weltkunstausstellung wurde geprägt. Und damit verband sich die Idee, dass hier alles zu sehen, alles zusammenkommen würde: alles von Rang und Bedeutung, aus aller Herren Länder. Unübersehbar, wie sehr diese Vorstellung von kolonialistischen Leitideen geprägt war: der Westen, der allmächtig aufgreift und zusammenträgt, was ihm wertvoll und wichtig erscheint und damit dem Rest der Welt seinen Kanon aufdrückt. Während sich die Bundesrepublik ansonsten mit außenpolitischen Ambitionen zurückhielt, trieb sie ihren ökonomischen Geltungsdrang spätestens seit den Wirtschaftswunderjahren voran - und ebenso verstand sie sich darauf, ihre kulturelle Deutungshoheit zu retablieren, vor allem dank der documenta." In der FAZ fragt sich Tobias Lehmkuhl, wie es nun mit der documenta weitergehen soll.
Eine geplante Ausstellung von Ai Weiwei in der Londoner Lisson Gallery wurde nach einem Tweet des Künstlers zum Nahost-Konflikt verschoben, berichten René Hofmann und Peter Richter in der SZ. Er beklagt hier unter anderem eine pro-israelische Einseitigkeit der Berichterstattung, was auch daran liege "dass das Schuldgefühl rund um die Verfolgung der Juden mitunter gegen die 'arabische Welt' gerichtet werde." Ziemlicher Unsinn, meinen die Kritiker. Das gibt Ai in gewisser Weise sogar selber zu: "In einer Erklärung gegenüber The Art Newspaper hat Ai eingeräumt, dass es 'zu seinem eigenen Besten' und ihm sehr willkommen sei, wenn die Galerie seine neue Ausstellung nun lieber aus der Schusslinie zu erwartender Debatten nimmt. Dass er sich in dem Post zu Aussagen hinreißen ließ, die mindestens in der Nähe zu antisemitischen Tropen angesiedelt sind, gibt er dabei implizit sogar zu - eingebettet in eine Reflexion darüber, wie der Hang zur Verkürzung auf Social Media leider oft Unterkomplexes oder gar Unsinniges gebäre."
Weiteres: Eine Recherche der FAZ hat ergeben, dass die Erben des Kunstsammlers Erich Marx bedeutende Werke aus dessen Nachlass verkauften. Die Privatsammlung soll im neuen Museum der Moderne in Berlin gezeigt werden, das gerade gebaut wird. Eigentlich ein ziemlicher Skandal, findet Niklas Maak, aber die Stiftung Preußischer Kulturbesitz scheint sich daran nicht zu stören: "Es sei 'sichergestellt, dass die Künstler weiter mit hochkarätigen Werken in der Sammlung vertreten sind'. Die gediegene Formulierung kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier tatsächlich ein Spitzenwerk im soliden zweistelligen Millionenwert abgezogen und eines der wichtigsten öffentlichen Häuser wie ein Kunstsupermarkt behandelt wurde."
Besprochen werden die Ausstellung "Die sanfte Revolution der venezianischen Malerei" in der Alten Pinakothek München (NZZ), die Ausstellung "Kiki Smith. From My Heart." in der Pinakothek der Moderne in München (FAZ) und die Ausstellung "Zerreißprobe. Kunst zwischen Politik und Gesellschaft Sammlung der Nationalgalerie 1945 - 2000" in der Neue Nationalgalerie Berlin (SZ, Welt am Sonntag).
Und jetzt noch mal von vorne: Die noch übriggebliebenen Mitglieder der Findungskommission für die Documenta 16 sind nach dem erneuten Antisemitismus-Skandal um Ranjid Hoskoté (unser Resümee) geschlossen zurückgetreten, nun muss eine neue gefunden werden, meldet unter anderem die Zeit. Der Rücktritt ist bei weitem nicht das einzige Problem, hält Jörg Häntzschel (SZ) fest: "Auch in allen anderen Bereichen ringt die Documenta um Stabilität. Ihr Geschäftsführer, Andreas Hoffmann, ist erst seit Mai im Amt. Der Kasseler Oberbürgermeister Sven Schoeller, der gemeinsam mit der hessischen Kultusministerin dem Aufsichtsrat vorsitzt, erst seit Ende Juli. Die künftige Zusammensetzung des Aufsichtsrats, in der der Bund zuletzt kaum noch Einfluss hatte, was Claudia Roth immer wieder beklagte, wird heftig diskutiert. Weder gibt es im Moment ein Konzept für die kommende Documenta, noch eine organisatorische Struktur. Die Reputation der bis vor kurzem einflussreichsten Kunstausstellung der Welt ist sowieso dahin."
Claudia Roth muss sich endlich positionieren, fordert Jürgen Kaube in einem FAZ-Artikel, der offenbar vor der Bekanntgabe des Rücktritts entstanden ist, denn der wird mit keinem Wort erwähnt: "Die Documenta ist zwar keine Veranstaltung des Bundes, aber ihr Ministerium trägt nicht nur zur Finanzierung der Kunstschau bei, sondern ist auch symbolisch daran beteiligt. Wenn der Bundespräsident und der Kanzler eingeladen sind, darf gefragt werden, wie antisemitisch die Veranstaltung ist." Hoskotés Unterschrift ist für ihn symptomatisch für den ganzen Betrieb und seine Geisteshaltung: "Der Reiz, durch schnelle Unterschriften Solidarität zu behaupten, ist offenbar selbst dort groß, wo in den Selbstbeschreibungen sonst differenziertes Denken, sorgfältiges Schreiben und Empirie eine große Rolle spielen. Die Versuchungen der Selbstverdummung scheinen unwiderstehlich. Es ist nachvollziehbar, wenn die Kulturpolitik dieser ständigen Relativierung, der Camouflage, des Spiels mit Begriffen (Apartheid, Genozid) und des intellektuellen Taktierens müde wird. Sobald sie klare Worte verlangt, bekommt sie beleidigtes Selbstmitleid und Wortklaubereien. Im Schach heißt es, die Drohung sei stärker als die Ausführung."
Wahnsinnig passend findet Stefan Trinks in der FAZ den Titel "Zerreißprobe" für die neue Ausstellung der Neuen Nationalgalerie Berlin: Sie zeigt die unterschiedlichsten Werke aus den Beständen zwischen 1945 und 2000. Umfangreich in der Menge und der Vielfalt der Stile: "Boris Nemenskijs metergroßes Panorama 'Auf der namenlosen Höhe' von 1961 ist trotz seines realistischen Stils eine Art abstraktes Antikriegsbild, das heute noch und wieder besonders erschüttert - zwei Jungen liegen auf einem Hügel tot nebeneinander, am Hang liegt ein ebenfalls toter Wehrmachtssoldat. Da die Jungen keine Uniform tragen und im Tod namenlos sind, ist dieses Historienbild ewiger Wiederholung so abstrakt wie die zeitgleichen gegenstandslosen Versuche westlicher Maler, das unsagbare Grauen des Krieges künstlerisch durch unkonkrete, abstrakte Formen zu bewältigen. Es ist keine plumpe Sowjet-Propaganda, sondern universelles Mitleiden am sinnlosen Tod in Kriegen. Das Fehlen einfacher Wahrheiten, tiefe Zerrissenheit und Ambiguität, all das ist schon in der völligen Uneinheitlichkeit der Stile ab 1945 ablesbar: es gibt keinen dominierenden Stil mehr, parallel läuft eine Vielzahl von Bewegungen in der Kunst ab, mit osmotischen Austauschprozessen über die politischen Bruchlinien hinweg."
Bettina Allamoda: Atomic - Säulenschutz / Crash Barrier (sequin_hologram_green), 2018. Foto: Mies van der Rohe Haus. Tom Mustroph besucht für die taz eine Ausstellung der Künstlerin Bettina Allamoda im Mies van der Rohe Haus: "Die Herbstsonne spielte mit ihrer verglimmenden Kraft malerisch mit den reflektierenden Metallteilchen, die Bettina Allamoda in ihre textilen Installationen eingearbeitet hatte. Große rote Stoffbahnen wölbten sich im Inneren des Hauses und schmiegten sich an die Außenfassaden an. Dabei traten die glänzenden Pailletten in einen Dialog mit den roten Ziegelsteinen, aus denen Ludwig Mies van der Rohe das kleine, aber feine Einfamilienhaus für das Fabrikantenehepaar Lemke erbauen ließ." Mehr Aufmerksamkeit bekam allerdings die Diskussion um die Erweiterung des Gebäudes, so Mustroph. Eigentlich war die beschlossene Sache, doch durch eine organisatorische Verzögerung wurden die eingeplanten Mittel nun anderweitig vergeben: "Inzwischen sind die Messen gesungen. 'Die Mittel sind jetzt anderweitig verplant', teilte die Senatskulturverwaltung der taz mit. Die insgesamt 25 Millionen Euro aus dem Sondervermögen müssen bis Ende des Jahres ausgegeben werden. Und weil das Bezirksamt Lichtenberg nicht durch schnelle Aktenbearbeitung brillierte, kann sich nun jemand anderes über die eigentlich dem Mies van der Rohe Haus zugedachten Mittel freuen."
Die Reaktionen der Kunstszene auf den Hamas-Terror in Israel sind peinlich bis erschreckend, ärgert sich Niklas Maak in der FAZ. Der bei Artforum publizierte offene Brief (unsere Resümees), der mit keinem Wort die Massaker des 7. Oktober erwähnt, dafür das Ende des "Genozids" in Gaza fordert, wurde von 8000 Kulturschaffenden unterzeichnet, so der ob dieser Empathielosigkeit fassungslose Kritiker. Was sagt das über die Kunstszene aus?: "Man sollte nicht den Fehler machen, alle Unterzeichner zu Antisemiten zu erklären", so Maak, "einige waren, wenn man ihnen glaubt, schlicht zu dumm, das Klein- und Großgedruckte zu lesen oder zu verstehen, sie geben zu Protokoll, nicht so genau hingeschaut zu haben ('dachte, es geht um die Forderung nach Frieden'), was die Sache nicht besser macht." David Velasco, der Chefredakteur von Artforum, der inzwischen gefeuert wurde, zeigt hingegen keine Spur von Reue, berichtet Maak: "In diesen Tagen wird ihm in der Kunstwelt eine Solidarität zuteil, die man den israelischen Terroropfern nur wünschen könnte. Nan Goldin, Nicole Eisenman und viele andere Künstlerinnen fordern Velascos Wiedereinsetzung, von einem 'neuen McCarthyismus' ist etwa in einem Schreiben der Künstlerin Hannah Black die Rede. Tatsächlich wird Meinungsfreiheit an vielen Orten der Welt immer weiter eingeschränkt ... Aber David Velascos Entlassung als Anfang vom Ende der künstlerischen Meinungsfreiheit zu kritisieren ist genauso absurd wie seine vollkommene Uneinsichtigkeit."
Weiteres: Das Museum Folkwang in Essen hat den Gastkurator Anaïs Duplan aufgrund eines Instagram-Aufrufs zur Unterstützung der BDS-Bewegung gekündigt, berichtet Patrick Bahners in der FAZ. Für Bahners ergeben sich hier zwei Fragen: "Soll sich künftig jegliche Zusammenarbeit mit einem BDS-Unterstützer verbieten, auch wenn die Zusammenarbeit gar keinen Bezug zu Israel oder dem Nahen Osten hätte? Und gewissermaßen umgekehrt: Wie stellt man sich dazu, wenn in der Weltsicht der Kunstproduzenten vom Schlag Duplans eben doch ein Zusammenhang zwischen ästhetischen Visionen der Befreiung und radikalen politischen Meinungen zu Israel besteht?" Die Alexander-Tutsek-Stiftung zur Förderung von Kunst und Wissenschaft verlässt ihre historischen Räume in Schwabing, meldet Evelyn Vogel in der SZ. Susanne Memarnia resümiert in der taz die Ereignisse um die abgesagte Ausstellung des Fotografen Raphael Malik über "Muslimisches Leben in Berlin" (Unser Resümee). Der polnische Künstler Wieslaw Smetek erhält den "Dialog-Preis", meldet Tomasz Kurianowiczin der Berliner Zeitung.
Besprochen wird eine Ausstellung des Künstlers Liu Guangyun in der Thomas-Rehbein-Galerie in Berlin Wilmersdorf (tsp.)
Ist die documenta noch zu retten? Diese Frage wird die Feuilletons vermutlich noch eine ganze Weile beschäftigen. Nachdem die SZ über seine Unterschrift unter einem Aufruf unter die vom indischen BDS verfasste Erklärung "Statement against consulate general of Israel, Mumbai's event on Hindutva and Zionism" berichtete (unser Resümee), hat sich der indische Dichter Ranjit Hoskoté aus der Findungskommision für die 16. Ausgabe des Events zurückgezogen. In der Welt befragen Swantje Karich und Boris Pofalla den Geschäftsführer Andreas Hoffmann zum Stand der Dinge. Von Hoskotés Rückzug wurde Hoffmann wohl überrascht: "Wir haben Ranjit Hoskoté gebeten, das Statement von 2019 zu bewerten und seine Haltung dazu zu erklären, denn es enthält eindeutig antisemitische Inhalte. In einem ersten Schritt hat er uns erneut versichert, dass er die Ziele des BDS ablehne. Unsere Erwartung war darüber hinaus, eine umfassende Distanzierung von seiner Unterschrift bzw. den antisemitischen Inhalten zu bekommen. Diese Gespräche dauerten noch an, als uns sein Rücktrittschreiben erreichte."
In der FRunterhält sich Lisa Berins mit einem inzwischen ziemlich konsternierten Meron Mendel. Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, der letztes Jahr selbst eine Beratungskommission der documenta 15 verlassen hatte (unser Resümee), kann sich nicht erklären, wie die BDS-Nähe Hoskotés hatte übersehen werden können: "Vor allem weil man einfach seinen Namen und BDS googeln konnte und auf die Petition stieß. (...) Die Gatekeeper, die entscheiden, wer ausstellt, die an Schnittstellen sitzen, sollten schon im Vorfeld offenlegen, wie sie zum Thema Boykott stehen. Ansonsten kann der Verdacht nicht ausgeräumt werden, dass der Auswahl der künstlerischen Leitung der Documenta 16 nicht nur Qualitätskriterien zugrunde lagen, sondern politische Motive eine Rolle gespielt haben." Der einzige Hoffnungsschimmer, den er anzubieten hat: "Zum Glück sind es noch vier Jahre bis zur nächsten Ausstellung."
In der Welt fordert Swantje Karich den hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein dazu auf, die Documenta zur Chefsache zu machen, für Monopol kommentiert Saskia Trebing die jüngsten Entwicklungen.
In Berlin schlägt derweil die Absage einer geplanten Ausstellung zu muslimischem Leben im Showroom des Fotolabors Pixel Grain Wellen. Zehn Arbeiten des deutsch-türkischen Fotografen Raphaël Malik sollten gezeigt werden. In der Absagemail an den Künster war davon die Rede, dass man momentan keine Ausstellung zum Thema "ohne einen entsprechenden Gegenpol" wie beispielsweise jüdisches Leben präsentieren möchte. Dass das unglücklich formuliert war, gesteht inzwischen auch der Pixel Grain-Geschäftsführer Robert Jarmatz ein. In der SZ berichtet Sonja Zekri über die unterschiedlichen Reaktionen und stellt vor allem den Künstler in den Mittelpunkt. Malik "bezeichnet sich selbst als 'bewussten Deutschtürken', einen Nostalgiker, der inzwischen - das war nicht immer so - nicht nur seinen Frieden mit seinen verschiedenen Identitäten gemacht hat, sondern sogar dankbar dafür ist. Seine erste Canon hatte er sich nach dem Abitur gekauft, gerade macht er eine Ausbildung zum Fotodesigner. Seine Themen seien vor allem Jugendkultur und die Ästhetik von Kulturen, die in Deutschland koexistieren. Seine erste Antwort am Telefon auf die Frage nach der Absage von Pixel Grain: 'Voll schade. Das ist eine tolle Druckerbude, und die Leute waren unglaublich nett zu mir.'"
Im C/O Berlin nimmt eine Ausstellung namens "Image Ecology" derweil das nicht gar so kontroverse Verhältnis von Fotografie und Umweltgefährdung in den Blick. Einerseits hält das Medium Fotografie Natur im Bild fest, andererseits ist das Medium selbst Teil einer industriellen Umwälzung, die den natürlichen Lebensraum bedroht. Petra Ahne leuchtet das in der FAZ sehr ein: Ein derart expliziter theoretischer Überbau läuft Gefahr, den gezeigten Arbeiten die Luft zu nehmen. Sie halten ihm jedoch stand, ebenso wie die zwölf ganz unterschiedlichen Positionen einander. Die traumverhangenen Arktis-Bilder kontrastieren spannungsvoll mit Tobias Zielonys rauem Fotoessay aus der Republik Moldau, wo der Strom seit Russlands Überfall auf die Ukraine wackelig und teuer ist und mancherorts die Straßenlaternen abends abgeschaltet werden."
Weitere Artikel: In der Weltschreibt Marcus Woeller über außergewöhnliche Ausstellungsstücke: Gallensteine. Besprochen werden die Gabriele-Münter-Retrospektive im Leopold-Museum Wien (NZZ), die Biodiversity-Schau "Bending the Curve" im Kunstverein Frankfurt (taz) und Franco Mazzucchellis Ausstellung "A. on A." in der Berliner Klosterfelde Edition (taz Berlin).
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