Auch der indische Autor und Kurator Ranjit Hoskoté ist nun aus der Findungskommission der Documenta ausgetreten, berichtet Jörg Häntzschel in der SZ. Nachdem Vorwürfe gegen ihn wegen der Unterzeichung einer BDS-Petition mit eindeutig antisemitischen Inhalten erhoben wurden (unser Resümee), forderte ihn die Leitung der Documenta auf, sich zu distanzieren. Hoskoté kam dem aber nicht nach, so Häntzschel: "Hoskoté beklagt nun, von ihm werde verlangt, 'eine pauschale und unhaltbare Definition von Antisemitismus zu akzeptieren, die das jüdische Volk mit dem israelischen Staat in einen Topf wirft und dementsprechend jede Sympathiebekundung für das palästinensische Volk als Unterstützung für die Hamas ausgibt.'"
Weitere Artikel: Harry Nutt vollzieht in der FR das Schicksal der jüdischen Familie Cassirer nach und evaluiert, was in deutschen Museen im Umgang mit NS-Raubkunst immer noch schief läuft. Gina Thomas schaut sich für die FAZ die Schottischen Nationalgalerien an, deren neues Konzept ein breiteres Publikum ansprechen soll, was sich nach einem Umbau auch architektonisch widerspiegele. Im taz-Interview mit Yulia Shchetyna sprichtNatalia Yakymowich über ihre Pläne für die neue Serpen' Gallery in Berlin Mitte, die nun erstmals einen Ausstellungsort für zeitgenössische ukrainische Kunst bietet.
Besprochen werden die Ausstellung "Das Echo Picassos" im Museo Picasso in Málaga (FAZ) und die Ausstellung "Großes Kino. Filmplakate aller Zeiten" in der Ausstellungshalle am Kulturforum Berlin (FAZ).
Die israelische Künstlerin und Philosophin Bracha Lichtenberg Ettinger ist aus der Kommission ausgetreten, die die Leitung für die nächste Documenta bestimmen sollte, meldet Jörg Häntzschel in der SZ. Mehrfach habe sie darum gebeten, die Entscheidungsfindung angesichts der aktuellen Ereignisse im Nahen Osten zu verschieben, so Häntzschel: "Ihre Bitten, die Arbeit der Kommission vorübergehend zu pausieren, hatte Lichtenberg Ettinger nicht nur mit ihrer eigenen Situation begründet, sondern auch mit einer großen Ratlosigkeit und Uneinigkeit, die die Kunst befallen habe: 'Die Kunstwelt, wie wir sie uns vorgestellt haben, ist zusammengebrochen und zersplittert. (...) Was kann die Kunst in unseren dunklen Zeiten bringen?' Ohne ins Detail zu gehen, ergänzte sie: 'Künstler sind nicht dazu da, die Politik zu dekorieren.'" Die Künstlerin erklärte außerdem, so Häntzschel, dass ihre Entscheidung nichts mit der Debatte um das Kommissionsmitglied Ranjit Hoskoté zu tun habe, im Jahr 2019 eine BDS-Petition unterschrieb (unser Resümee).
Weiteres: Mit dem Künstlerpaar Lotte Lindner und Till Steinbrenner hat das Sprengel Museum zwei "Spezialist:innen für absurde Raumressourcen" eingeladen, seine Räume zu kommentieren, weiß Bettina Maria Brosowsky in der taz und schaut sich die "raumspezifische Installation" 'Unter dem Strand' näher an: "Ein Aquarium steht in der Mitte eines lange nicht mehr genutzten Raumes im Zwischengeschoss. Über die Gebäudetechnik versorgt, wird es von einem kleinen Schwarm blinder Höhlensalmler bevölkert. Der Raum ergänzt ein Spezifikum des Museums, sogenannte Künstlerräume, wie den Merzbau von Kurt Schwitters."
Besprochen werden die Ausstellung "Meredith Monk. Calling" im Haus der Kunst in München (tagesspiegel), die Ausstellung "Geniale Frauen. Künstlerinnen und ihre Weggefährten" im Bucerius Forum Hamburg (FAZ) und die Ausstellung "Péri´s People" mit Werken des Reliefkünstlers Peter László Péri im Kunsthaus Dahlem (tagesspiegel).
Stefan Guggisberg, ohne Titel (Spektrum), 2022. Foto: Eigen+Art / Uwe Walter, Berlin
Was ist das? Philosophische Malerei? Naturmalerei? Eine faszinierte Ingeborg Ruthe (BlZ) steht rätselnd vor den Bildern des Schweizer Künstlers Stefan Guggisberg, die in der Berliner Galerie Eigen+Art ausgestellt sind. "Mit Wucht rollt von den Galeriewänden herab in schweren Wellen oder Geweben das glutige Karmesinrot, Erdbraun, Gelb, Blaugrün, Orange, etwas Weiß wie Schweife oder Gesteinsbrocken und Geröll auf mich zu. Nur die Verglasung verhindert die Versuchung der Berührung. Ich kann schwerlich deuten, was das hier ist, außer geheimnisvoll schön, zugleich unterschwellig bedrohlich, mit einem surrealen Apokalypse-Gefühl aufgeladen. In dem enigmatischen Hell-Dunkel offenbart sich gleichsam eine leichte Übelkeit der Seele. Ein leises Unbehagen an dieser - unterirdischen? - Welt. Oder spiegelt sich so der Zustand unserer oberirdischen Welt mit all den Krisen, Kriegen, Konflikten? ... Wir haben es hier mit philosophischer Malerei zu tun, die sich einer konkreten Gegenständlichkeit entzieht im Sinne sachlicher Zuschreibungen. Doch zugleich hält der Maler seine so amorphen wie biomorphen 'Gebilde' in einem unterweltlichen Tiefenraum des Sinnlichen, der Schatten wie der Lichtreflexe. Und das belehrt nicht, das packt einen vielmehr; diese Höhlen-'Zirkulationen' bringen den Sehnerv fast zum Delirieren."
Mischa Kuball, "missing link_". Foto: Pressdienst der Stadt Düsseldorf / David Young
In der FAZ schreibt Georg Imdahl über eine Installation des Künstlers Mischa Kuball am 9. November, die in Düsseldorf an die von den Nazis zerstörte Große Synagoge erinnerte: "An die ungemein expressive Wirkung, die Kuball auch in weiteren Werken erzielt hat, reicht sein jetziges Düsseldorfer 'missing link_' nicht heran. Allerdings stellt das Banner bislang auch eher ein Provisorium, im Grunde kaum mehr als einen Projektvorschlag dar. Sollte das Werk über das kommende Frühjahr hinaus Bestand haben, was der Stadt empfohlen sei, würde das Plakat durch einen Keramikdruck auf einem großen Glas ersetzt werden, das visuell fraglos einen höheren Mehrwert erwarten ließe."
Im Streit um die nächste Documenta hat Claudia Roth jetzt finanzielle Konsequenzen angedroht, sollte sich die Findungskommission nicht klar von allen antisemitischen Theorien distanzieren, melden mehrere Zeitungen mit dpa. Auslöser war eine Petition mit dem Betreff "BDS India", die eins der Mitglieder der Findungskommission, der in Mumbai lebende Schriftsteller, Kulturtheoretiker, Kunstkritiker und Kurator Ranjit Hoskoté, im August 2019 unterzeichnet hatte. Darin werden lautBerliner ZeitungTheodor Herzl und der Hindunationalist Vinayak Damodar Savarkargleichgesetzt als Gründer von suprematistischen Ideologien. ... Ranjit Hoskoté erklärt der Documenta zufolge selbst, dass er sich mit der Unterzeichnung der Erklärung im Jahr 2019 insbesondere gegen den Hindutva-Extremismus, der erklärtermaßen von Nazismus und Faschismus inspiriert sei, gestellt habe. Er habe sich unterdessen öffentlich und deutlich gegen jeden kulturellen Boykott Israels ausgesprochen, lehne die Ziele der BDS-Bewegung ab und unterstütze die Bewegung nicht."
In der Weltgeht Boris Pofalla inzwischen der Hut hoch: "Für alle, die die Documenta als einzigartige Institution der Kunstfreiheit schätzen, ist es schier unerträglich, nun schon wieder fragen zu müssen: Wie konnte es so weit kommen? Wer trägt die Verantwortung für diesen neuerlichen Antisemitismus bei der Documenta? Die verantwortlichen Documenta-Aufsichtsräte, allen voran Kunstministerin Angela Dorn und Ex-Oberbürgermeister Christian Geselle, werden sich wegducken. Geselle wurde abgewählt und hat die SPD verlassen. Und die Grüne Dorn fliegt in Bälde aus der Landesregierung. Andreas Hoffmann, neuer Geschäftsführer der Documenta, hat leider auch bewiesen, dass er nicht verstanden hat, wie man Antisemitismus entschieden entgegentritt. Er watet in altem Schlamm; anstatt sich auf eine Neuaufstellung der Documenta zu konzentrieren, einen klaren Cut öffentlich glaubhaft zu vermitteln, wurde für den angeblichen Neustart eine Findungskommission aus alten Documenta-Leitern berufen, unter anderen Catherine David (1997), Roger Buergel (2007), Carolyn Christov-Bakargiev (2012) und auch der heftig umstrittene Adam Szymczyk (2017). Die Ignoranz im Umgang mit Antisemitismus scheint bei der Documenta weiter systemimmanent."
Außerdem: Alexander Kosenina besucht für die FAZ in Segovia, Spanien, das Marionettenmuseum mit den Puppen von Francisco Peralta.
Max Slevogt: Bildnis Bruno Cassirer. Bild: Staatliche Museen zu Berlin/Jörg P. Anders.Die Secessionen-Ausstellung in der Berliner Alten Nationalgalerie war ein großer Erfolg, allerdings mit bisweilen zweifelhafter Basis, wie sich jetzt für Hubertus Butin in der FAZ herausstellt: Bei dem "Bildnis Bruno Cassirer" von Max Slevogt handelt es sich höchstwahrscheinlich um Raubkunst. Das weiß die Alte Nationalgalerie schon lange, hat es aber verschwiegen: "Dass außerdem die Verantwortlichen der Alten Nationalgalerie es abgelehnt haben, im Ausstellungskatalog auf die höchst heikle Herkunft des Slevogt-Gemäldes hinzuweisen, ist völlig inakzeptabel. Selbst auf der Homepage des Museums findet sich unter den Provenienzangaben bei dem Werk nicht die kleinste Andeutung zur Raubkunstproblematik. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, betont: 'Wir möchten keine Objekte in unseren Sammlungen behalten, die nicht rechtmäßig dorthin gelangt sind.' An diesen Worten wird das weitere Vorgehen der Stiftung zu messen sein. Zumindest will die Institution nun mit den Nachkommen von Bruno Cassirer 'zeitnah Kontakt aufnehmen'. Für Claus Michael Kauffmann, Sprecher der Familie, kommt diese Ankündigung zu spät: Mit 92 Jahren starb er wenige Tage nach Eröffnung der Secessionen-Ausstellung."
Dass mit Ranjit Hoskoté nun ein BDS-Sympathisant in der Findungskommission für die Documenta 16 sitzt, zeigt für Nele Pollatschek in der SZ deutlich, dass es mit den Versicherungen, man wolle den Antisemitismus der letzten Schau aufarbeiten, nicht so weit her ist. Hoskoté hatte eine mit "BDS India" betitelte Petition unterschrieben, die Pollatschek zufolge klar antisemitisch ist, sie rufe zum Israel-Boykott auf und verbreite antizionistische Mythen. Seine Beteuerungen, er sei gegen jeden Boykott Israels, kauft sie ihm nicht ab: "Wie immer ist es schön zu wissen, dass man im Rahmen der Documenta Antisemitismus 'intensiv diskutiert'. Auch schön zu erfahren, dass Hoskoté gerne jüdische Autoren liest. Was genau das mit einer leider deutlich antisemitischen Petition zu tun hat, bleibt unklar. Man darf also gespannt sein, wie die Documenta-Findungskommission, zu deren sechs Köpfen eben auch mindestens ein Kopf gehört, der es für eine gute Idee hielt, diese Petition zu unterschreiben, wohl die antisemitischen Verfehlungen der Vergangenheit aufarbeiten wird. Und wie man wohl diesmal eine antisemitismusfreie Documenta garantiert."
Weiteres: Für 139 Millionen Dollar ist Picassos "Femme à la montre" von Sotheby's versteigert worden, der höchste Preis, der in diesem Jahr für ein Kunstwerk erzielt wurde, melden FR, Standard, Berliner Zeitung und Tagesspiegel.
Besprochen werden eine Retrospektive von Mark Rothko in der Fondation Louis Vuitton in Paris (tsp), eine Ausstellung des Street-Fotografen Joel Meyerowitz in der Werkstatt-Galerie Hermann Noack in Berlin (tsp), die Ausstellung "Hej rup!" im Bröhan-Museum über die tschechische Avantgarde der Zwischenkriegszeit (taz), die Ausstellung "in situ" über den heutigen Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Kunsthalle Darmstadt (taz) und eine Ausstellung mit Werken von Lee Ufan im Hamburger Bahnhof (FAZ).
Noch unter dem Eindruck des Ukrainekriegs hatte das Jüdische Museum Wien die Schau "Frieden" entworfen, die nun angesichts des Hamas-Israel-Konflikts zusätzlich an Aktualität gewinnt. Ronald Pohl hat die Schau für den Standard besucht und schreibt unter anderem über Arbeiten der ukrainisch-israelischen Künstlerin Zoya Cherkassky-Nnadi: "Ihre Aquarelle, die einst die trügerische Idylle der Sowjetkindheit wachriefen, weichen Darstellungen des Ukrainekrieges. Das ehedem glückliche sozialistische Kind im Turnhemdchen hält, zum Twen erblüht, die Mutter panisch umklammert. Putins klobige Panzer schießen derweil die alte Pracht-Chaussee in Schutt und Asche. Auch so lässt sich das Vermächtnis der Sowjetunion retrospektiv als Friedensprojekt deuten."
Am 5. November wurde das Nationale Kunstmuseum in Odessa von einer russischen Rakete schwer beschädigt. Wie Konstantin Akinscha in der FAZ nachzeichnet, hatte das Museum vorher alles dafür getan, den Alltagsbetrieb weiterlaufen zu lassen: "Obwohl das Nationale Kunstmuseum von Odessa in der Gefahrenzone möglicher russischer Bombardierungen liegt, hatte es sich entschieden, seine Türen für Besucher offen zu halten. Während des gesamten Krieges hat das Museum tapfer eine Reihe von Ausstellungen zeitgenössischer Kunst kuratiert, um zu zeigen, dass die Museen selbst inmitten des Krieges nicht schweigen." Jetzt aber gilt: retten, was zu retten ist: "Der größte Teil der historischen Sammlung des Museums wurde schnellstens entfernt und in Sicherheit gebracht. Ergreifende Bilder der verwüsteten Säle zeigen jedoch, dass einige großformatige Bilder aus dem 19. Jahrhundert, darunter Serhij Wassylkiwskyjs Monumentalgemälde 'Die Entführung der Helena', zerstört wurden."
Weitere Artikel: Die Wiener Staatsoper hat dieses Jahr Anselm Kiefer dazu eingeladen, ein Gemälde für ihren Vorhang zu malen, entstanden ist "Solaris". Christoph Ransmayr teilt seine Eindrück zum Gemälde in der FAZ. Der Kunstsammler Harald Falckenberg ist gestorben. Zeit Onlineerinnert an ihn. Für die taz nordinterviewt Alexander Diehl Maria Isabel Hagen, deren Projekt "Performing Denkmal" Performancekunst und Gedenkstätten zusammenbringt. Im Tagesspiegelrezensiert Paul Michael Lützeler eine Anna-Mahler-Biographie. Ebenfalls im Tagesspiegelschreibt Nicola Kuhn über eine Lichtinstallation an der Großen Synagoge Düsseldorf. In Kassel ist das Dach einer Kirche nahe des Ausstellungsgeländes eingestürzt, wie die FAZ berichtet. Eine Nachwirkung der Documenta 15? Die britischen Aktivisten von Just Stop Oil sorgen für Wirbel, nachdem zwei ihrer Mitglieder die "Rokeby Venus" von Diego Velázquez in der Londoner National Gallery attackierten und dabei deren Rahmen nicht nur, wie bei vorherigen aktivistischen Aktionen, beschmutzten, sondern das Schutzglas zerstörten, was eine Schädigung des Gemäldes zur Folge haben könnte.
Besprochen werden die Ausstellung "Van Gogh entlang der Seine" im Amsterdamer Van-Gogh-Museum (Tagesspiegel), die Gruppenausstellung "Lost in Transistion" in der Berliner Galerie Deschler (taz).
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Ecstatic Media. Medienkunst neu betrachtet" im Museum der Moderne in Salzburg (FAZ) und die "Lyonel Feininger"-Ausstellung in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt (FAZ).
Wo bleibt die moralische Verantwortung der Kunst-und Kulturszene, wenn es um ethische Fragen geht, fragt Ingo Arend in der taz und bezieht sich auf die immer intensiver werdende Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Institutionen mit Saudi-Arabien. Natürlich sind Kollaborationen für den Kulturaustausch wichtig, so Arend, aber wenn die Menschenrechte derart mit Füßen getreten werden, sind sie unethisch. Arend kann kaum fassen, wer sich da unter anderem vom "blood money" locken lässt: "Das Pariser Centre Pompidou will den Saudis in der Wüste beim Bau eines Museums behilflich sein... Die Federführung bei dem Aufbau der Pompidou-Sammlung übernimmt mit Iwona Blazwick die ehemalige Direktorin der Londoner Whitechapel Gallery... Das Andy Warhol Museum in Pittsburgh zeigte in diesem Februar eine auf jede sexuelle Anspielung verzichtende Schau des schwulen Pop-Künstlers in der Kunsthalle Maraya mitten in der Wüste bei Al-'Ula." Das alles wird allerdings übertroffen vom gigantischen Projekt "Neom", einer "Kunststadt" in der Wüste: "Sie soll 500 Milliarden US-Dollar kosten, fast so groß wie Belgien werden, 9 Millionen Menschen beherbergen, im Jahr 2030 öffnen und bis 2045 angeblich klimaneutral sein. Einheimische Kritiker dieser von Kronprinz bin Salman euphorisch 'Revolution der Zivilisation' genannten Einheit wurden allerdings rabiat vom Feld geräumt. Einer von rund 20.000 Beduin:innen, deren Unterkünfte zwangsgeräumt wurden, wurde von Regierungskräften getötet. 2022 wurden drei protestierende Bewohner zum Tode und weitere zu langjährigen Haftstrafen von bis zu 50 Jahren verurteilt."
Weiteres: Ihrem Anspruch, der "Opfer des NS-Terrors zu gedenken" wird die neue Präsentation der Bührle-Sammlung im Kunsthaus Zürich, die sich kritisch mit der Vergangenheit des Waffenherstellers Emil Bührle auseinandersetzen will (unsere Resümees) nicht gerecht, finden Guilia Bernardi und Daniel Riniker in der taz: "Sie präsentiert zwar eine weniger euphemistische Nacherzählung der Sammlungsgeschichte, huldigt Bührle nicht mehr als Sammler und Mäzen, verengt sich aber zu sehr auf die Person Emil Bührle. Die Rolle der Schweiz hingegen, wie auch sie durch Bührles Kapital zur Profiteurin und Kollaborateurin des NS-Regimes wurde, bleibt unerwähnt."
Besprochen werden Ausstellung "Reise nach Italien XXI - Der Blick auf den Anderen" im Italienischen Kulturinstitut Berlin (tsp) und die Ausstellung "im Atelier Liebermann: Monika Bartholomé - unter einem Dach" im Max Liebermann Haus Berlin (tsp).
Israel Hershberg: Aria Umbra I, 2003-2004, oil on linen. Foto: Galerie Plan B. Im Tagesspiegel empfiehlt Dorothea Zwirner dringend, die rare Gelegenheit zu ergreifen, die Werke dieses "unzeitgemäß zeitlosen Malers" zu bewundern: der in Linz in einem "Displaced Persons"-Camp geborene und dann nach Israel emigrierte Künstler Israel Hershberg ist zwar in wichtigen Privatsammlungen, aber kaum in öffentlichen Ausstellungen zu sehen, verrät Zwirner. Für die Kritikerin ist es deshalb ein großes Glück, Hershbergs fotorealistische Malerei in einer Ausstellung in der Galerie Plan B in Berlin sehen zu können. Die Kritikerin kommt aus dem Staunen gar nicht heraus über "die unglaubliche Feinmalerei, die die Bilder wie von Innen leuchten lässt": "Sei es die getrocknete Sonnenblume auf einem Holztisch, die beiden Zitronen hinter der Glasflasche oder das skelettierte Chamäleon am Haken, seien es die silbrigen Sprotten in ihrer Pappschachtel oder die Zypressenspitzen vor blauem Himmel - sie alle werden zu berückenden Kleinoden zwischen Ikone und Konzept, die von der Kostbarkeit und Vergänglichkeit des Lebens zeugen. Stilistisch finden sich Anklänge an Renaissance-Malereien, doch der schonungslose Verismus eines männlichen Akts auf einer Liege erinnert auch an Philip Perlstein und das leere Wasserglas an Peter Dreher."
Weiteres: Hannes Hintermeier besucht für die FAS die Fotokünstlerin Verena von Gagern-Steidle, die zurückgezogen auf dem Land lebt. Tagesspiegel-Kritikerin Eva Karcher teilt Eindrücke von der Turiner Messe "Artissima", die ihr 30. Jubiläum feiert.
Besprochen werden die Ausstellung "Petromelancholia" im Brutus in Rotterdam (SZ), die Ausstellung "Dix und die Gegenwart" in den Deichtorhallen Hamburg (FAZ), die Ausstellung "Gertrude Stein und Pablo Picasso" im Musée du Luxembourg in Paris (FAS), die Ausstellung "Kleber und Falten" der Künstlerin Julia Lübbecke im Projektraum Neun Kelche in Berlin (tsp), "Küstenland" mit Fotografien von Fritz Schleifer in der Alfred Ehrhardt Stiftung (tsp), die Ausstellung "Geniale Frauen. Künstlerinnen und ihre Weggefährten" im Bucerius Kunst Forum Hamburg (tsp), die Ausstellung "Van Gogh entlang der Seine" Van Gogh Museum Amsterdam (tsp) und die Ausstellung des kanadischen Trios General Idea im Gropius Bau Berlin (tsp).
Zeit-Kritikerin Olivia Kortas besucht die fünfte Kiew-Biennale, die wegen des Kriegs nur zum Teil in der Ukraine stattfinden kann. Lange, so Kortas, war es schwer für die ukrainische Kunstszene den Krieg zu verarbeiten, es fehlte die Distanz. Hier finden die widerstreitenden Emotionen Raum, mit denen die Ukrainer seit dem Beginn des Krieges zu kämpfen haben, wie Kortas bei Aljona Karawais Ausstellung "On the Periphery of war" in Iwano-Frankiwsk beobachtet: diese "provoziert Wut auf sich selbst, ein Gefühl der Verantwortung, des Ertapptwerdens. Die Ausstellung beginnt mit so einer Provokation: einem Gemüsetrockner. Das Küchengerät, so groß wie zwei Mikrowellen, steht auf einem klinisch sauberen Tisch und summt vor sich hin. Alle sieben Stunden kommt eine Freiwillige, hängt das Absperrseil ab, nimmt die getrocknete Rote Bete aus dem Gerät, füllt frische Gemüseschnipsel nach, hängt das Absperrseil wieder dran und geht. Die Tütensuppe, die der Trockner auf diese Weise produziert, wird an die Front geschickt. 'Wenn Sie schlafen, wenn Sie zur Arbeit gehen, wenn Sie essen, wenn Sie Sex haben, wenn Sie Ausstellungen besuchen, die Trockner arbeiten weiter', steht auf dem Schild neben dieser Installation von Volodymyr Kuznetsov. Mit anderen Worten: 'Während Sie diesen Gemüsetrockner betrachten, essen anderswo Soldaten Tütensuppe und riskieren ihr Leben, was dafür sorgt, dass Sie hier in Ruhe diesen Gemüsetrockner betrachten können.'"
FR-Kritikerin Sylvia Staude bewundert unaufgeregte Fotokunst aus Slowenien in der Ausstellung "Paradise, Performance, Replica" im Fotografie-Forum Frankfurt: "Eine der Stille und dem genauen Hinsehen verpflichtete Ausstellung ist aus Slowenien gekommen, eine, die scheinbar gar nicht viel zeigt, auf der es aber umso mehr zu entdecken gibt. Man muss nur für eine Weile den Lärm der Welt vergessen, vor allem den Bilderlärm."
Besprochen werden die Ausstellung "Holbein und die Renaissance im Norden" im Städel Museum Frankfurt (FAZ, tsp) und die Ausstellung "Alles auf einmal. Die Postmoderne, 1967-1992" in der Bundeskunsthalle Bonn (FAZ).
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