In der
FAZ erinnert sich der Dramatiker
Marius von Mayenburg, wie er zum ersten Mal Stücke des neuen norwegischen Literaturnobelpreisträgers
Jon Fosse las. Das war um 2000, das "Blut-und-Sperma-Theater" erreichte seinen Höhepunkt auf deutschen Bühnen. Doch bei Fosse passierte fast nichts, es gab nur Menschen, die versuchten zu kommunizieren: "Wie Ibsen wurde auch Fosse oft imitiert. Wirklich geglückt ist das selten. Zu eigen, zu wenig erlernbar ist Fosses
grimmiger Humor, seine jeden überflüssigen Laut schluckende Traurigkeit, die Musikalität seiner Sprache. Viel zu sagen, ohne viele Worte zu machen, das Große im Kleinen sichtbar werden zu lassen - bei Fosse ist das keine stilistische Prätention, sondern psychologisch exakte Figurensprache. Jede seiner Figuren
schweigt anders."
An dieses Schweigen erinnert sich in der
SZ auch sehr gut der Regisseur
Falk Richter: "Als Regisseur dirigiert man also vor allem dieses Schweigen. Man findet
fünfzig verschiedene Abstufungen von Angsttönen, unzählige Varianten davon, wie Menschen kurz vorm Handeln doch noch davor zurückschrecken und in sich versinken." Bei
Thomas Ostermeier war es vor allem die
Musikalität der Stücke, die ihn beeindruckte, erzählt er im Interview mit der
Zeit: "Er hat einfach ganz anders geschrieben als die damals sehr gehypten angelsächsischen Dramatikerinnen und Dramatiker. Da trat auf einmal eine Stimme auf, die sich an musikalischen Kriterien orientierte, an
kompositorischen Prinzipien, wo die Figuren eher aus dem Nichtsagen oder dem Nichtgesagten bestehen statt aus dem, was sie in den Dialogen sagen. Und das, was da entsteht, ist ein eigentümlicher Flow aus Wiederholungen und Andeutungen und vielen abgebrochenen Sätzen. Dieser Flow führt dazu, dass man, wie bei guter Musik, fortgetragen wird. Jon sagt immer, er sei ursprünglich und erst mal Gitarrist, also Musiker. Und dass etwa
Bachs Fugen auch eine Grundlage für sein Schreiben darstellen würden."
In der
FAZ kann Wiebke Hüster nicht verstehen, dass das Bayerische Staatsballett, das Semperoperballett und das Hessische Staatsballett immer noch Arbeiten des israelischen Choreografen
Ohad Naharin aufführen, obwohl der trotz des Krieges noch mit dem
Moskauer Stanislawski-
Theater kooperiert. Naharin begründet das damit, dass er ja auch in Israel aufgeführt werde, erklärt Hüster und zitiert den Choreografen: "'Die gegenwärtige israelische Regierung ist für den regelmäßigen Missbrauch der Menschenrechte gegen die eigenen Bürger verantwortlich und begeht in den besetzten Gebieten täglich
Kriegsverbrechen gegen das palästinische Volk. Das sind Fakten. Und da ich es gestatte, dass meine Stücke in Israel von einer israelischen Company getanzt werden, sollte ich erlauben, dass meine Werke unter jedem anderen Regime, das
vergleichbare Abscheulichkeiten begeht, zur Aufführung kommen.' Naharin hat seine Position deutlich gemacht. Dass aber ein
deutsches Staatsballett diese Haltung unterstützt, indem es Werke dieses Choreographen einkauft und aufführt, während sich Russlands Theater mit Naharins Namen schmücken und ihn unausgesprochen, aber für alle Welt erkennbar als Russlands Unterstützer reklamieren können, bleibt unverständlich."
Besprochen werden
Theresa Thomasberger Inszenierung von Svenja Viola Bungartens "Die Zukünftigen" am Staatstheater Mannheim (bisschen gleichförmig, findet der mäßig angeregte
nachtkritiker Steffen Becker),
Julia Hölschers Adaption von Martin Kordićs Roman "Jahre mit Martha" fürs Staatstheater Nürnberg ("Ihr Abend ist so kurz wie leicht, und voller feiner Nuancen", applaudiert Egbert Tholl in der
SZ),
Jessica Weisskirchens Inszenierung von Ewald Palmetshofers "Edward II. Die Liebe bin ich" als Sadomaso-Trip am Deutschen Theater Berlin ("Bei all dem Gegiere und Gefummel fragt man sich bald, was die eigentlich wollen. Wirklich Macht? Sex? Oder nur spielen?", seufzt
nachtkritiker Georg Kasch),
Tatjana Gürbacas Inszenierung von Puccinis "Il trittico" an der Wiener Staatsoper (
FAZ-Kritiker Reinhard Kager fand "die Buhs für die Regiemannschaft vollkommen ungerecht").