Fiq - Réveille-toi! Foto: Groupe Acrobatique de Tanger "Wer nicht in der Luft schwebt, der lebt nicht", lernt FAZ-Kritiker Kevin Hanuschke bei den Ruhrfestspielen, die in diesem Jahr einem Neuen Zirkus Raum geben, der vor allem in Frankreich, aber auch in Marokko von sich reden macht. Die Groupe Acrobatique de Tanger zum Beispiel verbindet in ihrem Stück "Fiq" Poesie und Aufbruchswillen, dazu Hip-Hop, Breakdance, Clownerie, Akrobatik und Taekwondo, wie Hanuschke erzählt: "Zwei der Artisten wollen Marokko verlassen. Ob sie es schaffen, bleibt offen. Laute Rufe - 'Wach auf! Wach auf!' - führen immer wieder aus der Traumwelt heraus, auf die Straßen von Tanger mit der Musik, den bunten Gewändern und der Lust und dem Frust der Jugendlichen. Vieles, was das junge Marokko bewegt, hat mit westlicher Popkultur zu tun, doch die Gruppe aus Tanger will auch die traditionelle marokkanische Akrobatik in die Szenerie einbinden. In einer Szene setzt sich die Truppe auf die Getränkekisten und diskutiert die gegenwärtigen politischen Probleme des Landes - die Frauenrechte, die Abtreibungsfrage, Jugendarbeitslosigkeit oder den Autoritarismus."
In der Welt freut sich Manuel Brug, dass in Prag der jüdische, 1942 von den Nazis ermordete Musiker Erwin Schulhoff wiederentdeckt wird. Mit deutscher Finanzierung wurde an der Prager Staatsoper dessen Don-Giovanni-Version "Flammen" aufgeführt: "Es ist wirklich eine der schrägsten, verrücktesten, in ihrer konsequenten Konventionsverweigerung auch faszinierendsten Opern überhaupt, die Schulhoff da ersonnen hat."
Hier bekommt man einen hübschen kleinen Eindruck von "Flammen":
Besprochen werden die ersten Stücke bei den Autor:innentheatertage in Berlin (BlZ), Leonard Evers' Science-Fiction-Oper "Humanoid" in Hannover (taz), Wagners "Meistersinger von Nürnberg" an der Deutschen Oper (BlZ), das Turiner Tanz- und Artistikstück "Gelsomina Dreams" im Frankfurter Gallus-Theater (FR), Maya Arad Yasurs "Amsterdam" am Staatstheater Darmstadt (FR).
All Dancing, All Singing: Barrie Koskys Abschiedsrevue. Foto: Monika Rittershaus/Komische Oper Danke Barrie, rufttaz-Kritiker Niklaus Hablützel nach der Revue, mit der sich Barrie Kosky von der Komischen Oper verabschiedet, obwohl ihn wirklich absolut niemand in Berlin habe loswerden wollen. Mit seiner "All-Singing, All-Dancing Yiddish Revue" erinnert Koskie an das jüdische Unterhaltungstheater der sechziger Jahre, erklärt Hablützel, mit dem sich wohlhabende New Yorker in den Urlaubsorten in den Catskills vergnügten: "Es ist großartig, nicht immer perfekt, aber eben deswegen sehr lebendig. Über allem liegt eine Menschlichkeit, die anrührend ist, weil gerade sie nicht bloß vorgespielt wird. Sie bleibt glaubwürdig auch dann noch, wenn ein Schlager nur in zuckersüß dahinschmelzenden Geigen zum Höhepunkt kommen kann. Plötzlich ist das gar nicht schlimm oder kitschig. Im Gegenteil, es klingt merkwürdig wahr und schön. Erklären kann man sich das nur hinterher, wenn man begreift, dass Koskys Regie enorm begabte, professionell arbeitende Persönlichkeiten dazu gebracht hat, uns mit rücksichtsloser Leidenschaft zu unterhalten."
Weiteres: Im FAZ-Interview mit Gerald Felber bricht der Librettologe Albert Gier eine Lanze für Richard Wagners Neigung zum Stabreim ("Wallala weiala weia!"). Besprochen werden Data Tavadzes Inszenierung von George Taboris "Goldberg-Variationen" am Schauspiel Frankfurt (FR), Dvoráks Märchenoper "Rusalka" in Stuttgart (FR), das Musical "Paradise Lost" an der Neuköllner Oper (Tsp, BlZ), Molieres "Bürger als Edelmann" vom Anhaltischen Theater Dessau im Wörliter Park (Nachtkritik), Michiel Vandeveldes Sexpositivity-Choreografie "Joy 2022" bei den Wiener Festwochen (Nachtkritik), Lindsey Ferrentino "Ugly Lies the Bone" am Staatstheater Augsburg (Nachtkritik).
Szene aus "Dorian". Bild: Lucie Jansch "Kein Zweifel, dieser 'Dorian' ist ein Event", jubeltNachtkritiker Martin Krumbholz, glücklich mit Robert WilsonsInszenierung nach Darryl Pinckney am Schauspielhaus Düsseldorf, überwältigt aber vor allem von Christian Friedels, der in einer famosen One-Man-Show zu Oscar Wilde, Dorian, Francis Bacon und dessen Geliebten George Dyer wird: "Wie ein düsterer Magier erscheint Friedel zunächst, schwarz gewandet, mit einem einzigen weißen Handschuh, der am Schluss des Bildes angeleuchtet wird. Er singt (und er singt fabelhaft) von einem Straßenkater, 'an alley cat', der leitmotivisch wiederkehrt. (...) Nach dem knappen Bericht vom Mord am Maler Basil Hallward, der Dorian porträtiert hat (und dessen Verliebtheit und Moralismus dem jungen Mann auf die Nerven gehen), steigert sich die Musik zum Crescendo, Sirenen ertönen - und Friedel spielt und singt selbst in den Umbaupausen weiter, selbst dann, scheint es, wenn er im Dunkeln festgebunden und zum Schnürboden hochgezogen wird. Da ist ein Künstler unangreifbar in seiner Energie, seiner Spiellust, seiner unbändigen Freude am Entertainment."
In der SZ liegt auch Alexander Menden Friedel zu Füßen: "Der Wechsel zwischen Hektik und Langsamkeit, die Gestik aus abgewinkelten Armen und starr gespreizten Händen, das Puppenartige - wer das als Schauspieler begreift und verinnerlicht, wer also das Wilson-Vokabular so fließend beherrscht und spielerisch umsetzen kann, wie Christian Friedel es an diesem Abend tut, der straft en passant auch alle Lügen, die behaupten, Bob Wilsons Theaterwelt sei ausschließlich Form, nicht Inhalt." Aber "was wäre 'Dorian' ohne ihn?", fragt ein ansonsten ebenfalls hingerissener Hubert Spiegel im Aufmacher des FAZ-Feuilletons: "Robert Wilsons Regie wirkt oft eher zurückhaltend und mitunter auch ein wenig kraftlos."
Besprochen werden die Opern "Bluthaus" und "Thomas" von Georg Friedrich Haas und Händl Klaus an der Bayerischen Staatsoper (Welt), Adriana Altaras' Inszenierung von Clemens von Franckensteins Oper "Li -Tai-Pe" an der Bonner Oper (nmz).
Im Interview mit der NZZ erklärt Choreograf Martin Schläpfer, wie gutes Ballett auch ohne autoritäre Lehrmethoden und perfekte Körper entstehen kann. Im Interview mit dem Van Magazin spricht Intendant Barrie Kosky über die Geschichte der Komischen Oper und ihre Zukunft, Hits und Flops und schließlich zum Thema Israelkritik, deren Kritik er übertrieben findet: "Es hilft nicht, wenn in Deutschland die Haltung der meisten deutschen und jüdischen Organisationen lautet, dass Israel nichts falsch machen kann und jede Kritik an Israel antisemitisch ist." Albrecht Thiemann schreibt in Van über den neuen Ring-Zyklus an der Oper Dortmund. Besprochen wird eine Auto-Performance von Verena Brakonier auf der Hebebühne einer Kfz-Werkstatt in Hamburg-Altona (taz).
Szene aus Nikolai Evreinovs "Die Schritte der Nemesis" am Staatstheater Braunschweig. Foto: Joseph Ruben
Der russische Dramatiker Nikolai Evreinov schrieb sein Stück "Die Schritte der Nemesis" über die Moskauer Schauprozesse 1941, im Pariser Exil. Jetzt wurde es am Staatstheater Braunschweig in der Regie von Yuri Birte Anderson aufgeführt und könnte nicht aktueller sein, meint Christoph Weissermel in der FAZ. "Von der einen Seite werden Radiodurchsagen über den Prozess durchgegeben - die Propaganda pervertiert hier die Funktionen des griechischen Chors: Das Geschehen wird nicht erklärend eingeordnet, sondern zum Baustein des Lügenkonstrukts umgedeutet. Von der anderen Seite kommt Evreinov, der Autor, selbst zu Wort ... Die Geständnisse im Prozess waren Fiktion der Wahrheit, der Text im Stück ist die Fiktion des Prozesses, und die Anweisungen auf der Bühne sind Fiktion des Textes. Irgendwo war da mal eine Wahrheit, vor langer Zeit, verloren in der Endlosschleife der Fiktionalisierungen."
Besprochen werden außerdem Bastian Krafts Stuttgarter Inszenierung von Dvořáks "Rusalka" mit der Dragqueen Reflektra in der Hauptrolle ("Die Menschen stehen für sich, die Wasserwesen - Rusalka, Wassermann, Hexe, weitere Nymphen - gibt es allesamt doppelt, in der Sängerbesetzung und als Dragqueen. Das ist toll, weil die Dragqueens toll sind, aber im Kern ist es nur insofern richtig, als es die menschliche Sicht auf das Andere, das Fremde markiert", schreibt Egbert Tholl in der SZ), die von Florentine Klepper inszenierte Uraufführung der Oper "Einbruch mehrerer Dunkelheiten" von Felix Leuschner und Dietmar Dath am Staatstheater Kassel (der Abend beeindruckt FR-Kritikerin Judith von Sternburg "im gedanklich Unseriösen und musikalisch Topseriösen" seiner Gesamtheit), Susanne Kennedys Inszenierung von Philip Glass' und Robert Wilsons "Einstein on the Beach" am Theater Basel (Standard), Ulrich Mokruschs Inszenierung von Kinan Azmehs Musiktheater "Songs for Days to Come" in Osnabrück (taz) und Julien Gosselins "Sturm und Drang" mit Martin Wuttke als Goethe an der Volksbühne (Zeit).
Szene aus "I Medea" von Sulayman al-Basam. Foto: jtc
Sulayman al-Basams Theaterstück "I Medea" kann man diese Woche bei den "Arabischen Theatertagen" in Hannover sehen. In seinem Heimatland Kuweit kann er das Stück über eine Flüchtlingsfrau, deren Land von Korruption und Islamismus geprägt ist, während sie im Westen unter Rassismus leidet, nicht zeigen, erzählt er im Interview mit der FAZ. "'Sie haben die ganze Sache unmöglich gemacht', sagt er nun, in der Abendsonne sitzend, welche die bröckelnde Fassade des Beiruter Restaurants in warmes Licht hüllt. Unmöglich, indem die kuwaitischen Behören die zum Zweck der Verzögerung und Verunsicherung in dieser Weltgegend sehr geschätzten 'Komitees' einsetzten, die alle erst ihrer etwas undurchsichtigen Arbeit nachgehen mussten, bevor er auftreten durfte. 'Ich sage es immer wieder', meint er, 'es kommen keine Polizisten, die einen ins Gefängnis stecken.' Zensur habe eine subtilere Form: 'Eine, die dem anderen immer die Möglichkeit lässt zu sagen: Nein, nein, wir haben nichts zensiert.'"
Weiteres: Andreas Rossmann schreibt in der FAZ zum Tod des Theaterintendanten Klaus Pierwoß. Besprochen werden Karin Henkels Thomas-Bernhard-Inszenierung "Auslöschung. Ein Zerfall" am Deutschen Theater (taz, SZ), Susanne Kennedys Inszenierung von Philip Glass' und Robert Wilsons "Einstein on the Beach" am Theater Basel (SZ), Kirill Serebrennikows Inszenierung von Webers "Der Freischütz" in Amsterdam (SZ) und Yurii Radionovs Inszenierung der Exilpremiere von Luda Tymoshenkos "Zal'ot" in Stuttgart (FAZ, SZ)
Zur Eröffnung des Holland Festivals hat Kirill Serebrennikow in seiner ersten Operninszenierung seit 2017 Webers "Der Freischütz" auf die Bühne gebracht, von der Handlung allerdings nicht viel übrig gelassen, berichtet Kerstin Holm in der FAZ: "Es hat offenbar mit der manifesten Katastrophe [in der Ukraine] zu tun, dass der sonst gern politisch inszenierende Serebrennikow bei Carl Maria von Webers 'Freischütz' jetzt die Heilkräfte autonomer Kunst betont und aus der romantischen Oper eine Komödie über die Oper als solche gemacht hat. Statt ums Schießen ringen die Solisten um den treffenden Ton, den mephistophelischen Fädenzieher Samiel gibt der Dirigent. Die Dialoge haben Serebrennikow und sein Ko-Autor Arseni Farjatjew auf Englisch neu geschrieben. Als erfundener Joker-Kommentator 'Der Rote' führt der amerikanische Schauspieler Odin Biron durch die Vorstellung und platziert parodistisch jazzige Kommentare, indem er sich, viel zu schön zwischen Bariton und Countertenor alternierend, in drei Songs aus dem Freischütz-Musical 'The Black Rider' von Tom Waits produziert."
In der Welt ist Manuel Brug von dieser Umschreibung der Geschichte "über das teuflische Doping eines verzagten Jägers im deutschen Wald ... in eine globalisierte Story über Versagensängste beim Singen, Vokalisteneitelkeiten, Hinterbühnenaberglauben und Verdrängungskampf" nur halb überzeugt. Immerhin: auch Dirigent Patrick Hahn muss mitmachen und den Teufel geben. "Deshalb wanzt sich ganz besonders dessen Gehilfe Kaspar (Günther Groissböck singt ihn spielfreudig, aber mit leicht angekränkeltem Bassbariton) immer wieder devot an den jugendlichen Master ran: Der große Mann katzbuckelt, der dünne Blonde mit dem Stab lässt ihn arrogant gewähren."
Besprochen werden außerdem Rolando Villazóns Inszenierung von Rossinis "Barbier von Sevilla" mit Cecilia Bartoli bei den Pfingstfestspielen in Salzburg (NZZ, FAZ, SZ), die Uraufführung der Oper "Einbruch mehrerer Dunkelheiten" von Felix Leuschner und Dietmar Dath am Staatstheater Kassel (nmz), eine Marionetten-Variante des "Ariodante" von Georg Friedrich Händel bei den Händelfestspielen in Halle (nmz), Yurii Radionovs Inszenierung der Exilpremiere von Luda Tymoshenkos "Zal'ot" in Stuttgart ("Wann haben Sie das letzte Mal auf einer deutschen Bühne ein osteuropäisches Ensemble gesehen? Es ist nicht weit her mit dem in Festreden gerne beschworenen Kulturaustausch. In der Wirtschaft funktioniert das irgendwie besser. Das hat seine offensichtlichen Gründe, aber es besagt etwas über die Prioritäten in unserer Gesellschaft", meint nachtkritiker Thomas Rothschild, der die Aufführung lobt, FR), Ulrich Mokruschs Inszenierung des interdisziplinären Musiktheaterstücks "Songs for Days to Come" des syrischen Klarinettisten und Komponisten Kinan Azmeh am Theater Osnabrück (nachtkritik), ein "Mord im Orientexpress" bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen (FR), Choreografien von Anne Teresa De Keersmaeker, Merce Cunningham und Hans van Manen mit dem Wiener Staatsballett an der Wiener Volksoper (Standard) und drei Berliner Premieren, die FAZ-Kritikerin Irene Bazinger in einem Artikel verfrühstückt: Karin Henkels Thomas-Bernhard-Inszenierung "Auslöschung. Ein Zerfall" am Deutschen Theater (Tagesspiegel, nachtkritik), Clara Weydes Inszenierung der Adaption von Karel Čapeks Roman "Der Krieg mit den Molchen" an der Schaubühne (taz, nachtkritik) und Julien Gosselins "Sturm und Drang" an der Volksbühne (bei SZ-Kritiker Till Briegleb erweckt der Abend "leider nur schmerzliche Erinnerungen an bessere Zeiten: als der Größenwahn an der Volksbühne auch bei größter Zähigkeit noch richtig was hergemacht hat.").
Besprochen werden Sebastian Hartmanns Inszenierung von Thomas Braschs Stück "Vor den Vätern sterben die Söhne" am Staatsschauspiel Dresden ("Leider plätschert die Inszenierung oft nur träge vor sich hin. ... Doch zumindest entsteht ein Mosaik, das die Abgründigkeit in Braschs Werk andeutet", schreibt Kevin Hanschke in der FAZ, nachtkritik), Caroline Peters' Soloprojekt "Die Maschine steht nicht still" bei den Wiener Festwochen (nachtkritik), Elsa-Sophie Jachs Inszenierung von Kleists "Amphitryon" am Luzerner Theater (nachtkritik), die Uraufführung von Natassa Sideris Stück "Gefesselt" in der Inszenierung von Janis Knorr am Theater Regensburg (nachtkritik) und die Uraufführung von Tianzhuo Chens 9-stündige Choreografie "Trance" auf Kampnagel in Hamburg ("Die Esoterik ist die Weltanschauung der Tattoo- und Piercing- Generation", lernt ein gelangweilter Till Briegleb in der SZ).
"Fünfzig Prozent sind das neue Ausverkauft" an deutschsprachigen Bühnen, zitiert Uwe Mattheiß im Standard spöttisch Theaterleute. Um die Theater wieder zu füllen, braucht es eine Strategie, meint er und empfiehlt eine von dem Soziologen Martin Tröndle 2019 herausgegebene Studie zur "Nicht-Besucherforschung": "Dieses Papier müsste das Zeug zum Bestseller haben. Akademische Forschung bietet solide Daten. Eingang in kulturpolitische Entscheidung finden sie eher selten, was Tröndle und der inzwischen auch in Krems lehrende Markus Rhomberg in einer weiteren Studie beklagen. Sie zeigen darin, dass das Durchschnittsalter der Konzertbesucher in den zwei Jahrzehnten um die Jahrtausendwende um elf Jahre gestiegen ist. Publikum wird zur schützenswerten Spezies." Die neuen Besucher können aber offenbar nur um den Preis der Abwertung der alten gewonnen werden: "Das Theater der Zukunft wird ein Theater der Bildung sein und nicht mehr eines des Bildungsdünkels", ist sich Mattheiß sicher.
Weiteres: Dorion Weickmann berichtet in der SZ über Missbrauchsvorwürfe gegen die Tanz-Akademie Zürich. Michael Stallknecht schreibt in der SZ zum Hundertsten der Händel-Festspiele in Halle. Besprochen wird ein "Ring" von Necati Öziri und Christopher Rüping im Wiener Museumsquartiert (Standard).
Gewalt, Missbrauch, Kapitalismus, alte weiße Männer - das Theater wird nicht müde, dies, das und jenes anzuprangern. Muss sicher auch sein, aber sollte Theater nicht noch etwas mehr können, fragt Björn Hayer in der taz. Es "muss die Frage erlaubt sein, was die schiere Häufung derartig gelagerter Aufführungen überhaupt im Theater bezwecken soll und wen sie adressieren? Werden sie wirklich von denen nachdenklich wahrgenommen, die für die desaströsen Zustände verantwortlich sind oder zeigen sich nicht vielleicht doch Tendenzen einer zunehmend selbstzirkulären Theaterbranche?" Sicher gehe es den Theatermachern und ihrem zustimmenden Publikum um mehr Gerechtigkeit. "Nimmt man dies an, so dienen die Bühnenanklagen zumeist augenscheinlich der Bestätigung einer gewiss wichtigen, kritischen Weltsicht. Was dieses von Oberseminaren inspirierte Theater allerdings nur noch begrenzt einlöst, ist das Versprechen der Alterität. Es bietet kaum Raum für Überraschungen oder emotional tief ergreifende Augenblicke, es mangelt ihm an Reibungsfläche und Widerständen, die einen zum auch einmal unbequemen Überdenken eigener Haltungen provozieren."
Weiteres: Juan Martin Koch denkt anlässlich der Münchener Musiktheater-Biennale 2022 in der nmz über die Aktualitätsfähigkeit von Oper nach. Besprochen werden Uta Hertnecks feministische Version der "Brünhilde" im Theater im Delphi (Tsp), Händels "Orlando" in Halle (nmz) und "Das Gespensterschloss" von Stanislaw Moniuszko in Wiesbaden (FR).
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