Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.06.2022 - Bühne

Gewalt, Missbrauch, Kapitalismus, alte weiße Männer - das Theater wird nicht müde, dies, das und jenes anzuprangern. Muss sicher auch sein, aber sollte Theater nicht noch etwas mehr können, fragt Björn Hayer in der taz. Es "muss die Frage erlaubt sein, was die schiere Häufung derartig gelagerter Aufführungen überhaupt im Theater bezwecken soll und wen sie adressieren? Werden sie wirklich von denen nachdenklich wahrgenommen, die für die desaströsen Zustände verantwortlich sind oder zeigen sich nicht vielleicht doch Tendenzen einer zunehmend selbstzirkulären Theaterbranche?" Sicher gehe es den Theatermachern und ihrem zustimmenden Publikum um mehr Gerechtigkeit. "Nimmt man dies an, so dienen die Bühnenanklagen zumeist augenscheinlich der Bestätigung einer gewiss wichtigen, kritischen Weltsicht. Was dieses von Oberseminaren inspirierte Theater allerdings nur noch begrenzt einlöst, ist das Versprechen der Alterität. Es bietet kaum Raum für Überraschungen oder emotional tief ergreifende Augenblicke, es mangelt ihm an Reibungsfläche und Widerständen, die einen zum auch einmal unbequemen Überdenken eigener Haltungen provozieren."

Weiteres: Juan Martin Koch denkt anlässlich der Münchener Musiktheater-Biennale 2022 in der nmz über die Aktualitätsfähigkeit von Oper nach. Besprochen werden Uta Hertnecks feministische Version der "Brünhilde" im Theater im Delphi (Tsp), Händels "Orlando" in Halle (nmz) und "Das Gespensterschloss" von Stanislaw Moniuszko in Wiesbaden (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.06.2022 - Bühne

We Had a lot of Bells. Foto: Matthias Heschl/Wiener Festwochen

Nachtkritikerin Gabi Hift nimmt es dem Theatermacher und Musiker Damien Rebgetz nicht ganz ab, wenn er behauptet, ganz und gar unsentimental zu sein. Trotzdem gefällt ihr sein mild ironischer Abend "We had a lot of bells" bei den Wiener Festwochen: "Man erfährt allerlei über die Sprache der Glocke. Zum Beispiel, wie bei verschiedenen Anlässen geläutet wurde: bei der Geburt eines ehelichen Jungen, bei der eines ehelichen Mädchens (kürzer, höher), wenn eine gestorben ist, bei Hochzeiten, beim Angelusläuten, bei Gefahr. Nur bei Selbstmördern und bei unehelichen Geburten blieben die Glocken stumm. Und man lernt, wodurch über Stunden anhaltendes Glockenläuten einen Sturm beenden kann: Das Läuten rührt die Luft um."

Besprochen werden Yael Ronens und Dimitrij Schaads neues Stück "Operation Mindfuck" am Gorki Theater Berlin (taz) und Marco Pogos Kabarett "Gschichtldrucker" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.05.2022 - Bühne

Florentina Holzinger "Étude for Disappearing", Komposition für acht Körper, fünf Harfen und ein Auto, auf dem Parkplatz der Gallus Druckerei, Berlin. Foto: Silke Briel, © Schinkel Pavillon and the Artist


Ganz hingerissen ist SZ-Kritikerin Johanna Adorjan von Florentina Holzingers Hardcore-Performance "Étude für Disappearing", nicht zuletzt weil hier das Berliner Publikum ein bisschen mehr Style zeigt als gewohnt, aber auch weil das Ensemble nackter Frauen so selbstverständlich erscheint, selbst wenn es sich prügelt: "Ein fast heiliger Ernst geht von dem Spektakel aus, das von Sound hart untermalt wird. Man hört die Schläge, sieht Körper in Aktion und Reaktion, nach und nach färbt (Theater)-Blut die weißen Matten rot. Es ist brutal und lyrisch zugleich, eine Mischung, die so wohl nur Holzinger hinbekommt, die mit einfachsten Mitteln geradezu opernhafte Stimmungen erzeugen kann." Birgit Rieger unterhält sich im Tagesspiegel mit den Veranstalterinnen von "Disappearing Berlin", in deren Reihe die Performance stattfand.

Besprochen werden Händels Oratorium "Il trionfo del Tempo e del Disinganno" in Mainz (FR), Stücke beim Theatertreffen der Jugend (Nachtkritik) und eine Ausstellung über die freie Szene im Deutschen Theatermuseum in München (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.05.2022 - Bühne

Alexander Hetterle als Macbeth. Foto: Herwig Prammer/Landestheater Linz

Als rabenschwarze Lektion nimmt ein sehr beeindruckter Ronald Pohl im Standard den "Macbeth" in Heiner Müllers Überschreibung an den Linzer Kammerspielen auf: "Der inszenierende Schauspielintendant Stephan Suschke besitzt als hochverdienter Ex-Müller-Mitarbeiter alle Weihen der Authentizität. Der Dramatiker entwarf eben kein Stufenmodell von Klassenkämpfen, die einander nach Schema 'HM' (wie 'historischer Materialismus') ablösen sollen. Er legte einen beunruhigenden Kern bloß: Aus offenen Wunden quillt immer neues Blut. Ist die letzte, alles entscheidende Hemmschwelle erst überwunden, hindert nichts am Weitermetzeln. Man muss lediglich bereit sein, die moralische Deformation mit allen Folgeschäden zu akzeptieren. "

In einem tollen Interview mit Ulrich Seidler in der Berliner Zeitung spricht Claus Peymann zu seinem 85. Geburtstag über seine romantische Liebe zum Berliner Ensemble, den Regisseur als Diener und opportunistische Theater von heute: "Statt sich in dieser schicksalhaften Situation nach der Pandemie aufzubäumen, wird Corona zur Ausrede für die schwachen Theaterdirektoren, die wie Bankfilialleiter agieren und immer schon genau festlegen, was sie in fünf Jahren machen werden. Ich wollte nicht mal wissen, was im nächsten halben Jahr gespielt wird, weil ich das Theater für ein aktuelles, lebendiges Medium halte, mit dem man reagieren kann. Das heutige Theater begreift nicht, dass es durchlässig sein müsste für die großen Bewegungen der Gegenwart. Ich erlebe das jetzt als freier Regisseur, da ich jemanden brauche, der mir vertraut und der zugreift, wenn ich mit meinen Ideen komme. Aber was ist? Die Herren und Damen schauen in ihren Terminplan und versprechen mir vage etwas für die überübernächste Spielzeit. Hey, Leute! Das Theater hat wach und offen zu sein. Stattdessen sichert ihr eure Karriere für die nächsten fünf Jahre und tötet die Kunst! Es gibt einen Intendanten im Ruhrgebiet, der ist kaum anwesend und interessiert sich gar nicht für sein Haus, bekommt aber ein Jahresgehalt von 350.000 Euro."

Weiteres: "Mailand zurückerobert" meldet der Standard nach Anna Netrebkos erstem Auftritt seit Kriegsbeginn in der Scala. Klangwelten des Dunklen und schattenhaft Sinnlichen erlebt NZZ-Kritiker Marco Frei beim Münchner Mai-festival, auch wenn er - ausgerechnet - die Opern "Bluthaus" und "Thomas" von Georg Friedrich Haas ungestörter von aktuellen Anfechtungen genossen hätte.

Besprochen werden Yael Ronens und Dimitrij Schaads Stück "Operation Mindfuck" (das Tsp-Kritikerin Christine Wahl als unsubtile "Gedankenvernebelungsgroteske" nur den Freunden des Hardcore-Humors empfehlen möchte, dümmlich findet Esther Slevogt in der Nachtkritik diesen "Kontextbrei"), die historischen Labyrinthgänge "Letzter Aufguss" des Wiener Kollektivs Darum in Leipzig (Nachtkritik) und die "Orlando"-Inszenierung bei den Händel-Festspielen in Halle (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.05.2022 - Bühne

Besprochen werden Boris Nikitins und Sebastian Nüblings "Dämonen" am Theater Basel (nachtkritik) und Tiago Rodrigues' Inszenierung von Tschechows "Kirschgarten" bei den Wiener Festwochen (Isabelle Huppert zieht als Ljubow Ranjewskaja "alle Register", aber die Inszenierung bleibt "arg pauschal", seufzt Ronald Pohl im Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.05.2022 - Bühne

"Man kann nicht alle meine zukünftigen Verträge kündigen, nur weil man denkt, dass ich Putin zu nahe stehe", sagte Anna Netrebko der Le Monde vor ihrem Konzert mit Arien von Rachmaninow, Tschaikowski und Debussy in der Pariser Philharmonie, berichtet Helmut Mauro in der SZ. Im Gegensatz zu New York und München lässt man die russische Sopranistin hier weiterhin auftreten, schickte aber vorab einen Rundbrief, um sich zu rechtfertigen - das Publikum jedenfalls quittierte den Auftritt mit Standing Ovations und Mauro hält fest: "Weder hat Netrebko Geld für den Krieg gesammelt, noch andere denunziert, noch an der Front zur Truppenbetreuung gesungen oder sonst etwas getan, was einen Kollaborateur auszeichnet."

Besprochen werden Peter Konwitschnys "Walküre"-Inszenierung an der Oper Dortmund (FR), Ina Christel Johannessens Choreografie von Shakespeares "Der Sturm" am Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz (SZ), Richard Jones' "Parsifal"-Inszenierung an der Pariser Oper unter dem Dirigat von Simone Young (SZ), Marie Bues' und Jonas Knechts Inszenierung von Maria Ursprungs "Die nicht geregnet werden" am Theater St. Gallen (nachtkritik), die Opern "Bluthaus" und "Thomas" von Georg Friedrich Haas und Händl Klaus an der Bayerischen Staatsoper (NZZ, Van Magazin), Christian Stückls Oberammergauer Passionsfestspiele (NZZ), Edward Clugs "Peer-Gynt"-Inszenierung am Opernhaus Zürich (NZZ) und Ethel Smyths Oper "The Wreckers" bei den Opernfestspielen in Glyndebourne (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.05.2022 - Bühne

Dem kleinen Scheiß auf der Spur: Thom Luz' "Werckmeister Harmonien". Foto: Gianmarco Bresadola / Staatsoper Berlin

Sehr charmant findet Janis El-Bira in der Nachtkritik Thom Luz' neues Stück "Werckmeister Harmonien" im Apollosaal der Berliner Staatsoper, eine Hommage auf den Klavierstimmer, für den am Ende immer "ein kleiner Scheiß" bleibe, wie El-Bira erklärt: "Nicht existenziell ist das gemeint, sondern ganz berufspraktisch: Weil nämlich zwölf reine Quinten mathematisch nur ungefähr sieben Oktaven ergeben, und weil somit ein Rest bleibt, der als berühmtes pythagoreisches Komma die Gelehrten aller Zeiten zu kühnster Zahlenakrobatik angetrieben hat. Ein kleiner Scheiß eben, der dem Klavierstimmer aber heilige Verpflichtung ist. Im Feintuning von Quinten und Terzen soll er diesen Rest und mit ihm die Musik zum Schweben bringen, während er selbst im Schatten bleibt. Der Klavierstimmer sei, heißt es hier auch, nun mal ein bescheidener Gott. Ein trauriger Zauberer."

Silke Huysmans und Hannes Dereere: "Out of the Blue"

Gegen wachsende moralische Verzweiflung auch im Theater empfiehlt Astrid Kaminsky in der taz präzises Nachdenken, wie es Silke Huysmans und Hannes Dereere mit ihrem Dokumentartheaterabend "Out of the Blue" beim Brüsseler Kunstenfestivaldesarts vormachen, einem Stück über Tiefseebergbau, das durch einen komplexen Wissensraum steuere: "Anlass der Erschließung ist der weltweite Nickel-, Kobalt-, Kupfer- und Manganbedarf. Im Stillen Ozean gibt es ein größeres Vorkommen davon als auf der restlichen Erde im Gesamten, so die Interessenvertreter. Das Argument für den Abbau ist schlagkräftig: Die Mineralien werden für jene Batterien gebraucht, die den Strom aus erneuerbaren Energien speichern. Somit wäre Tiefseebergbau für eine klimaneutrale EU im Jahr 2050 unerlässlich. Dabei würde eine Landschaft industriell genutzt, die sich seit Millionen von Jahren unberührt entwickelt hat und deren Bewohner:innen eine Lebensdauer von etwa 2.000 Jahren haben, was sie für Wissenschaftler:innen extrem schwer zu erforschen macht. Die Fragen, die das Thema aufwirft, sind dabei nicht technischer, sondern moralischer Art: Ist die Erde für den Menschen gemacht? Entscheidet sich diese Spezies irgendwann gegen ihre Hybris und dafür, ihren Aufenthalt hier als Gastrecht zu betrachten? Können Grenzen des Nichtwissens zu Horizonten der Bescheidenheit werden?"

Weiteres: In der FR meldet Judith von Sternburg die deprimierenden Zahlen, mit denen Intendant des Frankfurter Schauspiels, Anselm Weber, aufwarten musste: "Insgesamt 60 Prozent aktuelle Auslastung, von 7000 Abonnements wird etwa die Hälfte noch gehalten." Besprochen werden die beiden "eigenwilligen" Opern "Bluthaus" und "Thomas" von Georg Friedrich Haas bei Münchens neuem Festival für frühes und zeitgenössisches Musiktheater (SZ, FAZ), Peter Konwitschnys "Walküre"-Inszenierung in Dortmund (Zeit), das IT-Stück "Keine Menschenseele" der Gruppe Laokoon am Wiener Burgtheater (Nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.05.2022 - Bühne

Besprochen werden Nis-Momme Stockmanns Fukushima-Stück "Der unsichtbare Reaktor" am Staatstheater Nürnberg (SZ), Leos Janaceks "Jenufa" mit Asmik Grigorian an der Berliner Staatsoper (Tsp), R. B. Schlathers Inszenierung von Puccinis "Madama Butterfly" (die Judith von Sternburg in der FR schlank und subtil findet, FAZ), der Theaterabends "Berlau" am Berliner Ensemble (taz) und Sahar Rahimis Inszenierung von Anne Haugs "MILF" am Theater Basel (Nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.05.2022 - Bühne

Schweinsein mit Jelinek.  Foto: Thomas Aurin / Schauspiel Frankfurt

Erschöpft, aber glücklich kommt FR-Kritikerin Judith von Sternburg aus einem großen Elfriede-Jelinek-Abend am Frankfurter Schauspiel, bei dem sich der Wortschwall gleich zweier Stücke über sie ergoss: "Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!" und "Was ich sagen wollte". Es geht um die Pandemie, Ex-Kanzler Sebastian Kurz und das Schweinsein des Menschen: "Bachmann ist ein Jelinek-Spezialist, und man erlebt hier wieder, wie sagenhaft gut er sich in den vorliegenden Textkoloss, die vorliegenden Textkolosse eingegroovt hat, wenn man das einmal so sagen darf ... Er wirkt atem- und geradezu besinnungslos. Das Nachdenken (der Autorin, des Theaters) hat bereits stattgefunden - ein intensives Nachdenken, es wäre irre anzunehmen, das bräuchte es nicht für einen solchen Text -, dazu eine akribische Vorbereitung sondergleichen. Jetzt strömt es aus den Mündern heraus wie nichts, unablässig, aber nie stupide pulsierend, in musiktheaterhafter Qualität und Ausfeilung." In der FAZ gibt Hubert Spiegel zu, dass Bachmanns Inszenierung sehr durchdacht, geschlossen und konsequent ist, das Schauspieler-Ensemble ganz hervorragend: "Aber irgendetwas stimmt nicht. Das Publikum folgt dem Geschehen konzentriert, respektvoll, wirkt aber auch leicht belämmert."

In der SZ bilanziert Peter Laudenbach das Berliner Theatertreffen: Auch wenn ihm ökologische Symbolpolitik und Publikumserziehung etwas zu weit gehen, konnte sich die Auswahl sehen lassen, findet er. Und auf die seiner Ansicht nach optimistische, integre und diplomatische Leiterin Yvonne Büdenhölzer, deren 50-Prozent-Frauenquote das Theater zum Positiven verändert habe, lässt er gleich gar nichts kommen. In der taz befindet Katrin Bettina Müller vor allem nach den Stücken von Rimini Protokoll und Toshiki Okada, dass das postdramatische Theater keineswegs an Kraft verloren hat: "Seine Mittel taugen dann doch sehr gut, von den Herausforderungen und den Hilflosigkeiten der Gegenwart zu erzählen, dabei zu fesseln, zu unterhalten, emotional zu erfassen und die Gedanken aus eingefahrenen Bahnen auf ungesichertes Gelände zu bringen." Der Tagesspiegel bringt Valery Tscheplanowas Laudatio auf Samouil Stoyanov, der beim Theatertreffen mit dem Alfred-Kerr-Darstellerpreis ausgezeichnet wurde.

Besprochen werden Nis-Momme Stockmanns Stück "Der unsichtbare Reaktor" am Staatstheater Nürnberg (Nachtkritik), Peter Konwitschnys "Walküre"-Inszenierung an der Oper Dortmund (SZ) und Franzobels "Schiffbruch der Fregatte Medusa" im Münchner Marstall (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.05.2022 - Bühne

"The Greek Passion" in Ostnabrück. Foto: 


Das Theater Osnabrück, das FAZ-Kritikerin Anja-Rosa Thöming schon häufiger wegen seines interessanten und mutigen Musiktheaters aufgefallen ist, hat sich an ein neues Werk gewagt: Bohuslav Martinůs Oper "The Greek Passion" nach dem Roman "Der wiedergekreuzigte Christus" von Nikos Kazantzakis. Es geht um ein Dorf, dass gerade die Passionsspiele vorbereitet, als eine Gruppe Flüchtlinge ankommen und alles - das denken jedenfalls der Priester und viele Einheimische - durcheinanderbringen. In Osnabrück zeigt sich das als ganz große Oper, lobt Thöming: Martinů hat den Roman "in ein - englischsprachiges - Opernlibretto umgearbeitet, mit einem reizvollen Geflecht aus Chören, gesprochenen Passagen, ariosen Eruptionen und rein orchestralen Zwischenspielen. ... Es ist eine große Szene, wenn von fern Psalmgesang ertönt, ein immer stärker werdendes Gegenlicht aufblendet und schließlich ein dunkles Holzboot, gefüllt mit hoffnungsvollen Schiffbrüchigen, von hinten in die Mitte der Bühne geradezu einbricht. Im Bug steht der geistliche Anführer Fotis, eine Wikingergestalt. Gegenüber den weiß gekleideten Dörflern wirkt er im schwarzen Wollumhang wie ein nordischer Urchrist."

Besprochen werden außerdem die Uraufführung von Helge Schmidts investigativem Rechercheabend "Die Krebsmafia" am Hamburger Lichthof Theater (nachtkritik) und die Uraufführung von Martin Grubers "Lüg mich an und spiel mit mir" mit dem aktionstheater am Landestheater Bregenz (Standard).