Die Auswahl, achwas, das ganze Prozedere des
Berliner Theatertreffens unter der Leitung des neuen Intendanten
Matthias Pees lässt Peter Laudenbach in der
SZ laut aufstöhnen. Bei der Pressekonferenz gestern stellte sich die neue "
selbstverständlich kollektive" Leitung vor: Vier Frauen, darunter die Polin Joanna Nuckowska und die Ukrainerin Olena Apchel, die beide auch karrierefördernde
außertheaterliche Kompetenzen mitbringen in Sachen politischer Aktivismus und ökologische Nachhaltigkeit. Die Frage für Lauterbach ist nur, weshalb "Theaterkuratorinnen mehr vom Problem der Nachhaltigkeit verstehen sollten als zum Beispiel Ingenieure, BWLer oder Schreiner? Und was macht sie für Fragen des Weltfriedens
kompetenter als zum Beispiel Bundeswehrsoldaten? Das als große Festival-Innovation verkündete Rahmenprogramm ist in zwei Richtungen parasitär: Es nutzt die politischen Großkrisen, um sich
mit Bedeutung aufzupumpen. Und es verhält sich parasitär gegenüber dem Kern des Theatertreffens, den zehn eingeladenen Inszenierungen, indem es so tut, als würde
erst die Diskurs-
Begleitmusik dem Theater Relevanz verschaffen."
In der
Welt stellt Jakob Hayner die zehn ausgewählten Produktionen vor und fragt dann, was die neue Leitung noch so in petto hat: "Zehn Veranstaltungen, die sich 'Treffen' nennen und die die eingeladenen Inszenierungen 'umrahmen, umgarnen und umarmen' sollen, auch als Ersatz für den abgeschafften Stückemarkt.
Green,
Diversity,
Solidarity,
Network,
Exchange,
Herstory,
Transfeminist, so lauten unter anderem die Titel der Treffen. Was sich dahinter verbirgt, ist teils haarsträubend:
Gemeinsames Essen als 'feministischen, politischen Prozess für transnationale Solidarität' zu etikettieren, könnte man noch für einen Witz halten. Oder für eine Umschreibung des üblichen Besuchs im chinesischen Restaurant am Fasanenplatz. Doch offenbar ist mehr gemeint. Und hinter einem aufgespreizten Titel wie 'Emptiness Treffen - Demokratische Meditation' scheint sich nur ein
schnöder Ruheraum zu verbergen, ein schlagendes Beispiel für den lustlos präsentierten Phrasensalat mit Politfloskelsoße."
Patrick Wildermann
nimmt's im
Tagesspiegel gelassen: Klingt doch spannend, findet er. "Und
innovativ! Auch wenn bei der Pressekonferenz im Haus der Berliner Festspiele noch nicht ganz klar wurde, was genau sich dahinter verbirgt. Ein 'Responsibility Treffen' soll sich dem
Krieg in Europa widmen, das 'Solidarity Treffen' legt den Fokus auf
belarussische Kunst, ein 'Transfeminist Treffen' untersucht
die Küche als Ort der Zusammenkunft und der Unterdrückung von Frauen (vermutlich jedenfalls, die Kopfhörer mit der Übersetzung aus dem Polnischen haben ein bisschen geknarzt)." Die
Provinz bleibt bei diesem Treffen ziemlich außen vor, notiert Simon Strauss in der
FAZ: "Auffällig ist also, dass sich der
Fokus rasant verengt. Interessantes Theater, so die implizite Botschaft der Jury, findet im Grunde fast ausschließlich in den
Großstädten statt. In der Peripherie ist nichts los." Mehr zum Theatertreffen in der
Berliner Zeitung und der
nachtkritik.
Weitere Artikel: In der
NZZ porträtiert Marianne Zelger-Vogt die Schweizer Koloratursopranistin
Regula Mühlemann. Reinhard Brembeck unterhält sich mit der Sopranistin
Lisette Oropesa über Mozart. Im
Interview mit der
taz spricht die Regisseurin
Paula Rüdiger über ihr Musiktheaterstück zum "Book of Longing" von Leonard Cohen und Philip Glass, das sie im Forum der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg inszeniert hat. Carolina Schwarz
fragt sich in der
taz, wie man mit dem künstlerischen Werk des Schauspielers
Florian Teichtmeister umgehen soll, der wegen Besitzes von Kinderpornobildern angeklagt wurde
Besprochen werden
Jette Steckels Inszenierung von Albert Camus' "Die Besessenen" am Thalia-Theater (
nachtkritik, SZ),
Michael Thalheimers Inszenierung des "Parsifal" in Genf (
FAZ,
nmz) und
Meyerbeers Oper "Die Hugenotten" in Ludwigshafen (
FR), ein Pina-Bausch-Abend in Wuppertal (
taz).