Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 27 von 33

Die Buchmacher vom 04.11.2002 - Börsenblatt

Die Ulmer Einzelhandelskette Müller hat vor einigen Jahren - "relativ unbemerkt", so das Börsenblatt - in vier ihrer 358 Filialen Buchabteilungen eingerichtet. "Ein offenbar ausbaufähiges Potenzial: Um die Filialen zu optimieren und zusätzliche Umsätze zu generieren, würden Aktionsgeschäft und Modernes Antiquariat stärker in das Sortiment einbezogen, sagte Einkaufsleiter Gerhard Kramer dem Börsenblatt."

Jörg Schweikart wechselt aus der Unternehmensentwicklung des Axel Springer Verlags in die Geschäftsführung der Springer-Buchverlage. "Spekulationen darüber, dass die Axel Springer Verlagsgruppe mit Schweikart ihre Buchverlage stärker kontrollieren wolle, wies Ullstein Heyne List-Sprecher Claus-Martin Carlsberg gegenüber dem Börsenblatt zurück. Der Wechsel in der Geschäftsführung legt dennoch die Vermutung nahe, dass die Konzernführung in Hamburg die Marschrichtung bei ihren Buchverlagen stärker mitbestimmen will. Diese hatten die Konzernbilanz zuletzt mit einem Minus von 46 Millionen Euro erheblich belastet." Gerüchte über einen Verkauf von Ullstein Heyne List habe Springer stets dementiert. "Immerhin: Einen Kandidaten gäbe es. 'Wenn die Gruppe zum Verkauf stünde, wären wir am Erwerb interessiert', sagte Arnold Kiel, Chef der deutschen Random House-Verlage auf Anfrage."

Ab Anfang Januar wird der Literaturkritiker Denis Scheck einmal monatlich nach den "Tagesthemen" über Bücher und den Buchmarkt sprechen. "Scheck wird sich an die Orte des Geschehens begeben, Bestenlisten in Buchhandlungen kommentieren und Autoren in ihrem Heimatort treffen."

Weitere Berichte: Buch & Kunst geht nach Eisenach; zwei kleinere Buchhandlungen in der Stadt schließen derweil. In Frankreich wollen unabhängige Verlage gegen den Verkauf von Universal Publishing an die Groupe Lagardere Protest bei der EU-Kommission einlegen. Dem umkämpften Markt der Sprachlern-Software widmet sich ein Artikel von Frank Magdans. Holger Ehling stellt den internationalen Fachverlag Wolters Kluwer vor. Noch bis zum 11. November laufen die Berlin-Brandenburgischen Buchwochen. Und am 24. Oktober wurde "genau 111 Jahre nach ihrer Eröffnung" in Leipzig das wiederaufgebaute Hauptgebäude der Universitätsbibliothek übergeben.

Die Buchmacher vom 28.10.2002 - Börsenblatt

Das Internet genießt bei Bertelsmann nicht mehr so hohen Stellenwert wie zu Middelhoff'schen Zeiten: Der Online-Buchhänder BOL.de verschwindet zum Jahresende aus dem Netz, 50 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, bestätigte der Sprecher der DirectGroup, Gerd Koslowski, dem Börsenblatt. Ursprünglich hatte Bertelsmann BOL.de verkaufen wollen. "Während die Verhandlungen für BOL Niederlande noch laufen und ein Abschluss in Schweden laut Koslowski unmittelbar bevorsteht, wurde in Deutschland nun ein Schlussstrich gezogen." Erst Mitte 2001 war BOL.de in das Club-Geschäft integriert worden. Nach eigenen Angaben hatte BOL.de zuletzt rund eine Million Kunden.

Vivendi Universal Publishing - bisher die größte französische Verlagsgruppe - wird zerschlagen. Der hoch verschuldete Medienkonzern Vivendi Universal wolle seine europäischen Verlage an Hachette Livre verkaufen, über den US-Schulbuchverlag Houghton Mifflin solle später entschieden werden. "Durch den Zukauf übernimmt Hachette Livre die Führungsrolle auf dem französischen Buchmarkt. Die Verlagsgruppe stellt dann rund 70 Prozent der gesamten Buchproduktion; bezogen auf Schulbücher und Taschenbücher sind es jeweils sogar 80 Prozent. Wegen der aus Brüssel zu erwartenden Bedenken gegen eine monopolartige Position auf dem Schulbuchmarkt soll sich Hachette verpflichtet haben, einen Teil der Schulbuchverlage unverzüglich weiterzuverkaufen."

Weitere Beiträge: Um die Abwicklung des Könemann-Verlags gibt es erneut Streit zwischen Insolvenzverwalter, Gläubigern und Autoren. Mladen Jandrlic, Lektor beim Kinderbuchverlag Nord Süd, schreibt über gute und schlechte Bilderbuchillustrationen. Mehr als 600.000 Euro sind auf den Spendenkonten für die von der Flutkatastrophe geschädigten Buchhändler eingegangen. Der Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP) hat eine neue Webseite. Reinhold Gondrom rezensiert das Buch "Der Kunde ist Gast. Engagiertes Verkaufen im kundenorientierten Buchhandel" von Jörg Winter. Buchhändler Gondrom findet in diesem Titel seine eigenen Überzeugungen "so treffend zusammengefasst, dass ich allen meinen Mitarbeitern ein Exemplar geschenkt habe". Und schließlich lobt Nils Kahlefendt das Ausstellungsprojekt der Leipziger Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur zum 100. Geburtstag des Typographen Jan Tschichold. Mehr hier.

Die Buchmacher vom 28.10.2002 - Börsenblatt

Was haben Daniel Goldhagen und Dieter Bohlen gemeinsam? Beide mussten einen Satz aus ihren Büchern streichen. Im Falle von Goldhagens "Die katholische Kirche und der Holocaust" bat der Verlag die Buchhändler per Brief, die entsprechende Stelle in der ersten Auflage selbst zu schwärzen. Die einstweilige Verfügung habe offenbar viele Buchhändler stark verunsichert, so das Börsenblatt. "Der Siedler Verlag kann indes offenbar zumindest auf die Kooperationsbereitschaft seines Autors zählen: Nach einer Lesung im Literaturhaus München signierte Goldhagen nicht nur, sondern übernahm die Schwärzung der beanstandeten Textstelle gleich selbst."

Einen Nachruf auf den langjährigen Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld enthalten die Branchenmagazine der vergangenen Woche natürlich noch nicht. Statt dessen ein Bericht über den Rechtsstreit zwischen Unseld und seinem Sohn Joachim: "Joachim Unseld, Chef der Frankfurter Verlagsanstalt, muss nach einem Entscheid des Frankfurter Oberlandesgerichts der zum 1. Januar 1999 erfolgten Veränderung der Gesellschafterverhältnisse bei Suhrkamp und Insel zustimmen. Das Gericht wies damit die Berufung Joachim Unselds gegen das Urteil der ersten Instanz zurück." Unseld senior hatte 1999 seine Anteile am Suhrkamp Verlag auf 51 Prozent erhöht und die Leitung des Verlags später einer eigens gegründeten Stiftung übertragen. Unseld junior, der 20 Prozent der Suhrkamp-Anteile hält, beansprucht einen Beiratssitz für sich.

Schockierend! Bodo Schäfer soll abgekupfert haben. Für sein Buch "Endlich mehr verdienen" solle der "Finanzguru" (Börsenblatt) Teile aus "Durchstarten zum Traumjob" von Richard Nelson Bolles abgeschrieben haben, so die Financial Times Deutschland. Mit dem Plagiatsvorwurf beschäftigten sich derzeit die Rechtsabteilungen der beiden beteiligten Verlage. Im folgenden Börsenblatt weist Schäfers Verleger Rainer Moritz (Hoffmann und Campe) den Vorwurf empört zurück. "Es bedarf unserer Auffassung nach nicht einmal eines juristisch geschulten Blickes, um zu erkennen, dass die seitens des Campus Verlags präsentierten 'Belege' den Plagiatsvorwurf nicht im Entferntesten erhärten."

Horst Heidtmann, Leiter des Instituts für angewandte Kindermedienforschung, plädiert für mehr Spaß beim Lesen. Er diagnostiziert: "Offenkundig haben traditionelle Funktionen der Kinder- und Jugendliteratur an Bedeutung verloren. Hilfestellung bei der Auseinandersetzung mit der Umwelt wie auch bei der Erweiterung ihrer Weltsicht erhalten Kinder vorrangig aus den elektronischen und audiovisuellen Medien. Den intellektuellen Diskurs, Belehrung zu ethischen oder sozialen Problemstellungen erwartet allenfalls noch ein sehr kleiner Kreis junger Leser von belletristischer Lektüre." Die Bibliotheken sind Heidtmann zufolge dabei, sich auf das Leseverhalten der Kinder und Jugendlichen einzustellen; dort finde gegenwärtig ein "Paradigmenwandel" statt: "Junge Bibliothekarinnen orientieren sich zunehmend an den tatsächlichen Medien- und Lesebedürfnissen ihrer Klientel, betonen Spaßaspekt und den Genuss an der Lektüre." Nur die Schule bleibt todernst: "Selbst für Grundschüler stehen beim Lesenlernen nicht Spaß, Vergnügen oder Genuss im Vordergrund - sie haben sich im Deutschunterricht Bücher zu 'erarbeiten'. Es kann daher kaum überraschen, dass laut 'Pisa'-Studie 42 Prozent der 15-Jährigen nicht mehr zum Vergnügen lesen. Das ist ein Anteil, der in keinem anderen Land der Vergleichsstudie übertroffen wird."

In der Debatte um den Konditionenstreit zwischen Verlagen, Buchhändlern und Barsortimenten betont Christian Preuss Neudorf die Unterlegenheit der Händler: "Knapp 75 Prozent der 4.779 Buchhändler des Börsenvereins erreichen nicht einmal einen Jahresumsatz von 500.000 Euro! Dem Handel fehlt es wirklich erkennbar an ausreichender Marktmacht, um Einkaufspreise und Lieferbedingungen zu verhandeln, die der Verlag durch Zuweisung der Rabatte, unveränderbare Lieferqualität und willkürliche Versandkostenaufschläge einseitig bestimmt." Neudorf weist darauf hin, dass das neue Preisbindungsgesetz dem Händler für seine Leistung einen Anspruch auf "angemessene Verkaufspreise und Verkaufskonditionen" gibt. Nun müsse ein verbindliches Rahmenwerk erarbeitet werden, "in dem sich die Händlerkonditionen bewegen müssen, um der Anforderung des BuchPrG zu entsprechen". Ansonsten werde diese Festlegung nach und nach durch die Gerichte erfolgen.

Weitere Meldungen: Die italienische Verlagsgruppe Panini hat die Dino entertainment AG gekauft. Der Börsenverein führt eine "Seniorenstudie" durch: "Wir werden etwa fragen, ob es älteren Menschen wichtig ist, dass sie sich in der Werbung für Bücher wiederfinden. Oder wie ein Titel gestaltet sein muss, damit sie sich angesprochen fühlen. Greifen Senioren als finanzkräftige Konsumenten eher zu teureren Hardcovern als zu Taschenbüchern? Sind sie zufrieden mit der Schriftgröße der Bücher? Möchten sie in der Buchhandlung von Sortimentern in ihrem Alter bedient werden?" - diese und andere Frage will Christoph Kochhan von der Kommunikationsabteilung des Börsenvereins beantworten lassen. - Umsatz stagniert: Im September hatten die Buchhandlungen ebenso volle bzw. leere Kassen wie im September letzten Jahres; für den Oktober hofft der Handel auf Bohlen. Schließlich stellt Sabine Schwietert den 200 Jahre alten Verlag Philipp von Zabern vor, dessen Schwerpunkte die Archäologie sowie Kunst- und Kulturgeschichte sind.

Die Buchmacher vom 21.10.2002 - Börsenblatt

Natürlich enthalten die Branchenblätter fast ausschließlich Rückblicke auf die Buchmesse. Sie war "von Optimismus und Selbstbewusstsein geprägt, so die Einschätzung von Buchmessedirektor Volker Neumann. (...) Die 6.375 Aussteller aus 110 Ländern seien mehrheitlich mit den auf der Messe getätigten Geschäften zufrieden. Besonders die kleinen und mittleren Verlage gingen gestärkt aus der Messe hervor."

Die Erzdiözese München und Freising hat eine einstweilige Verfügung gegen das Buch "Die katholische Kirche und der Holocaust" von Daniel Goldhagen erwirkt, da eine Bildlegende falsch ist: Sie identifiziert einen Bischof, der ein SA-Spalier durchschreitet, als Kardinal Faulhaber. Auf die umstrittene Namensnennung will der Verlag bei kommenden Ausgaben bis zur Identifizierung des Abgebildeten verzichten.

Auf der Buchmesse wurde der deutsche Jugendliteraturpreis vergeben - zwei der vier Siegertitel kommen aus dem Gerstenberg Verlag. In der Kategorie Bilderbuch gewann "Die ganze Welt" von Katy Cuprie und Antonin Louchard, in der Kategorie Kinderbuch wurde "Wir alle für immer zusammen" von Guus Kuijer und Alice Hoogstadt auf den ersten Platz gewählt. Unter den Jugendbüchern siegte "Ich habe einfach Glück" von Alexa Hennig von Lange, beim Sachbuch "Das visuelle Lexikon der Umwelt" von Bernd Schuh.

Zur Vorbereitung der nächsten Frankfurter Buchmesse will das Gastland Russland bereits im Januar deutschlandweit ein "Russland-Jahr" einläuten. "Geplant ist ein breit gefächertes kulturelles Programm, das seinen Auftakt in Berlin und seinen Höhepunkt im Oktober in Frankfurt finden soll."

Weitere Meldungen: Am 15. November erscheint weltweit eine "aktuelle Biografie über den irakischen Staatschef Saddam Hussein", in Deutschland bei List. Der Verkauf der Könemann-Bestände läuft weltweit an. Der Süddeutsche Verlag "muss an sein Tafelsilber ran": Objekte aus der Fachinformationssparte sollten verkauft werden, um das schwer angeschlagene Flaggschiff des Verlags, die Süddeutsche Zeitung, zu sanieren. Die Bücher von Literaturnobelpreisträger Imre Kertesz sind laut Börsenblatt wieder lieferbar. Nach Bertelsmann will auch die Verlagsgruppe Holtzbrinck ihre Vergangenheit in der Nazizeit überprüfen lassen. Das Bohlen-Buch muss verändert werden. Und zum Schluss noch ein Schmankerl: Der am häufigsten gestohlene Titel der Buchmesse ist "Hure" von Nelly Arcan.

Die Buchmacher vom 21.10.2002 - Börsenblatt

Dieses Heft bringt alle Texte rund um die Verleihung des Friedenspreises: Den Text der Urkunde, die Chinua Achebe verliehen wurde, das Grußwort von Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann ("Botschafter des Buches"), die Ansprache der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth, die Laudatio von DAAD-Präsident Theodor Berchem ("Ein Stachel im Fleisch Europas") und Achebes Dankesrede ("Über Literatur und Frieden"). Links auf die vier Reden finden Sie hier. Und hier eine Liste der deutschen Übersetzungen von Achebes Büchern. Sehr viel schöner ist allerdings dieser Link.
Stichwörter: Friedenspreis, Daad

Die Buchmacher vom 14.10.2002 - Börsenblatt

"Trübe Stimmung, trübe Aussichten", mit diesem Satz lasse sich das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage zusammenfassen, schreibt Christoph Kochhan von der Börsenvereins-Abteilung Kommunikation, PR und Marketing. "Lediglich 15,9 Prozent der Sortimenter gaben eine Umsatzverbesserung zu Protokoll." Damit liefere die Konjunkturumfrage das schlechteste Ergebnis seit ihrer Premiere im Jahr 1998.

In einem Kommentar übt sich Christina Schulte trotz alledem in tapferem Optimismus: Der "Kampfgeist der Buchhändler" sei trotz allem ungebrochen, diagnostiziert sie. "Mehr als zwei Drittel der befragten Buchhändler sind aktiv geworden und haben Veränderungen im eigenen Unternehmen in Angriff genommen. Allerdings auch unliebsame - wie etwa Personalabbau." Die Aktivstrategie scheine aufzugehen: "Mit einem Umsatzrückgang von knapp zwei Prozent im laufenden Jahr steht der Buchhandel weitaus besser da als die meisten anderen Sparten des Einzelhandels." Dennoch zeige die steigende Zahl der Insolvenzen, dass vielen Unternehmen das Wasser bis zum Hals stehe. Die Stimmung sei daher auf dem Tiefpunkt. "Doch sehen nicht wenige Buchhändler und Verleger in der Krise auch eine Chance. Reduzierung der Titelanzahl, die in den vergangenen Jahren astronomische Höhen erreicht hat, Rückgang des exorbitanten Wachstums der Buchhandelsflächen ... Und wenn es wieder aufwärt geht, könnte die Branche mit frischer Kraft aus der Krise hervorgehen."

Auch im Insolvenzverfahren konnte keine Lösung für Könemann gefunden werden, der Verlag wird nun abgewickelt. "Die Vorstellungen über den Kaufpreis zwischen Gläubigerbanken und einer Investorengruppe, zu der auch bisherige Gesellschafter wie die Verlagsgruppe Langenscheidt und Ludwig Könemann gehörten, lagen offenbar weit auseinander." Insolvenzverwalter Paul Groß will versuchen, die Restbestände möglichst nicht zu verramschen. "Man könne freilich nie nie sagen, räumte der Insolvenzverwalter auf Anfrage des Börsenblatts ein."

Das Börsenblatt berichtet über die Ergebnisse der historischen Kommission, die im Auftrag von Bertelsmann die Rolle des Verlagshauses in der Nazi-Zeit untersucht hat. Die Historiker widerlegten "das von Bertelsmann favorisierte Bild (...), selbst Opfer und unfreiwilliges Werkzeug der NS-Propaganda gewesen zu sein. Ökonomische Interessen überlagerten die ethischen Grundsätze, Bertelsmann avancierte während der Kriegsjahre zum größten Buchlieferanten der Wehrmacht, so das Fazit der Kommission. Aufgezeigt wurde auch, wie die protestantisch-konservative Weltanschauung der Familie Mohn mit vielen gesellschaftlichen Wertvorstellungen des NS-Staats übereinstimmten." Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen erklärte, die Bertelsmann AG akzeptiere den Bericht der Kommission "uneingeschränkt als offizielle Darstellung der Geschichte des Unternehmens im Dritten Reich". Der Bericht erscheint beim Verlag C. Bertelsmann.

Weitere Meldungen: Die Verlagsgruppe Langenscheidt will ihre beiden Programmsäulen Sprachen und E-Learning ausbauen. Die Leipziger Buchhandlung Buchmeile eröffnet am 25. Oktober eine 1.500-Quadratmeter-Filiale im Paunsdorf Center. Der E-Book-Anbieter Ciando kooperiert künftig mit Amazon.de und Buch.de (Schwerpunkte des Unternehmens sind Wirtschaft, Recht, EDV, Medizin, Psychologie und Politik). Christina Busse porträtiert die Buchhandlung Karl Memminger in Bremerhaven, die in diesem Jahr 75-jähriges Jubiläum feiert. Volkhard Bode schreibt über die vierbändige Siedler-Reihe "Die Deutschen und das europäische Mittelalter", deren erster Band im September erschienen ist. In der Preisbindungsserie erscheint Folge acht. Und Christina Schulte hat sich mit Peter Schuck über die Buchhändler-Vereinigung unterhalten. Das Börsenvereins-Unternehmen produziert unter anderem VLB und Börsenblatt. Nun hat es sich umbenannt: in MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH. Weitere Veränderungen: Im Januar soll das Börsenblatt relauncht werden.

Die Buchmacher vom 14.10.2002 - Börsenblatt

In einem Kurzrückblick auf die knapp zweijährige Amtszeit von Julian Nida-Rümelin als Staatsminister für Kultur schreibt das Börsenblatt, der Name des Philosophie-Professors werde in der Buchbranche noch lange präsent sein. "Schließlich hat der Kulturstaatsminister maßgeblichen Anteil daran, dass die Buchpreisbindung in Deutschland gesetzlich verankert worden ist. Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann würdigt ihn für sein außergewöhnliches Engagement bei der Durchsetzung der Buchpreisbindung. 'Aber auch darüber hinaus hat Herr Nida-Rümelin immer für die Belange der Buchwelt Verständnis gezeigt', sagte Schormann dem Börsenblatt."

Die börsennotierte Achterbahn AG hat Insolvenzantrag gestellt. "Die 32,9-prozentige Beteiligung des Kieler Unternehmens an der Eichborn AG ist an eine Bank verpfändet worden. Matthias Kierzek, Vorstand der Eichborn AG, sagte auf Anfrage, dass die Achterbahn-Insolvenz keine unmittelbaren Konsequenzen für Eichborn habe. (...) Vor allem der Zauberlehrling Harry Potter hatte der Achterbahn AG die Bilanz verhagelt. Das Unternehmen hatte 120 Lizenzen für ca. 500 'Potter'-Produkte erworben. Allein damit sollten 15 Millionen Euro umgesetzt werden. Der Absatz der Merchandising-Artikel war jedoch weit hinter diesen Erwartungen zurückgeblieben."

Hugendubel beendet in Berlin, Potsdam und Leipzig die Kurzarbeit. Zugleich wird expandiert: Die Berliner Filiale am Potsdamer Platz zieht in einen 2.000-Quadratmeter-Laden um. Bisher betrug die Fläche der Buchhandlung 764 Quadratmeter. In Leipzig soll die Filialfläche im Frühsommer nächsten Jahres um 600 Quadratmeter erweitert werden. An den übrigen 21 Standorten soll nun geprüft werden, ob die Kurzarbeit dort auch aufgehoben werden kann. "Hugendubel hatte im Juni Kurzarbeit angemeldet - in diesem Umfang ein Novum in der Branche. Zunächst war geplant, die Arbeitszeit der Mitarbeiter bis zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts zu reduzieren."

Die Holtzbrinck-Verlage S. Fischer und Rowohlt sind als Gesellschafter mit jeweils 10,5 Prozent beim HörVerlag eingestiegen. An dem Hörbuch-Verlag waren bislang Hanser, Klett-Cotta, Suhrkamp, Kiepenheuer & Witsch, Franz Deuticke, der Verlag der Autoren, Schott Musik International und Verlagsleiterin Claudia Baumhöver beteiligt.

Holger Ehling stellt den Fachverlag Reed Elsevier vor, der noch vor nicht allzu langer Zeit "als Negativbeispiel der Branche" gegolten habe: "Unbeweglich schien das in London und Amsterdam beheimatete Unternehmen zu sein, verstrickt in Management-Querelen und ohne überzeugende Zukunftsperspektive". Der vor drei Jahren angetretene Vorstandschef Crispin Davis habe es geschafft, "das Steuer herumzuwerfen und aus dem Konzern ein dynamisches Fachinformationsunternehmen zu machen." Unter seiner Ägide sei es gelungen, "das Kerngeschäft des Unternehmens mit Wissenschaft und Medizin, Recht und Steuern sowie Business-Information zu konsolidieren und die Online-Portale Lexis-Nexis und ScienceDirect als Marktführer in ihren Segmenten zu festigen". Künftig sollen alle für das Internet geeigneten Informationsangebote online vermarktet werden.

Astrid Paprotta schreibt über ihren Lektor Matthias Bischoff: "Er streicht nicht viel, kann aber kleine, hämische Bemerkungen an den Rand schreiben, die mich unverzüglich zur Räson bringen. So bemängelte er einmal eine zu pathetisch geratene Textstelle mit den Worten, das klinge nach einem Liedchen von 'Pur'. Nun betrachte ich diese deutsche Kapelle als den potenziellen Auslöser eines Hörsturzes, weshalb die gemaßregelte Stelle schneller aus dem Text verschwand, als er sie vermutlich gelesen hat - obwohl ich sie so schlecht gar nicht fand."

Weitere Beiträge: Der Hamburger Marebuchverlag bringt sein Startprogramm auch in digitaler Form auf den Markt. Dazu kooperiert der Verlag mit dem E-Book-Anbieter Gemstar. Andreas Trojan rezensiert das Buch "Der Lesereiser. Zu Gast bei deutschen Buchhandlungen" von Henning Boëtius ("witzige Hommage an Buchhändler und an das literarische Publikum"). Und die Reihe zur Buchpreisbindung ist bei Teil sieben angelangt.

Schließlich berichtet Nils Kahlefendt von der Dresdner Buchhandlung Hock, die nach der Hochwasserkatastrophe noch einmal ganz von vorn anfangen musste. Die staatlichen Soforthilfen decken die Hälfte des Schadens, die kollegiale Unterstützung hilft außerdem: "Verlage bieten an, Bücher kostenlos zu ersetzen, KNO storniert die offenen Rechnungen. Vermittelt vom Landesverband [der Buchhandlungen und Verlage] werden die Hocks eine gebrauchte Ladeneinrichtung erhalten. Anfang November, so hoffen sie, können sie ihr Geschäft mit neuem Mietvertrag wieder beziehen - und am Ende vielleicht noch einen Zipfel des Weihnachtsgeschäfts mitnehmen? (...) Noch stehen Container voller Sperrmüll und Bauschutt in der Österreicher Straße, ist die Buchhandlung ein Trümmerfeld. In der Schaufensterscheibe klebt ein handgeschriebener Zettel. Die Botschaft ist klar: 'Wir machen weiter!'"

Die Buchmacher vom 07.10.2002 - Börsenblatt

Für die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ist die Buchmesse ein Anlass, wieder etwas ausführlicher über Bücher zu berichten, meldet das Branchenblatt. Leider nur morgens und am späten Abend. Da die Branche "von einer echten Prime-Time" selbst während dieses Großereignisses nur träumen könne, haben sich drei Sender entschieden, ihre Produktionen auch im Internet zu übertragen. Die ZDF-Sendung aspekte erwartet 55 Gäste zum Talk. Alle Gespräche können live im Internet verfolgt werden und sind auch nach der Messe noch abrufbar. Die Kulturzeit überträgt ebenfalls live im Netz. Und der Hessische Rundfunk richtet für seine Sendung buchmessen-tv.de eine gleichnamige Homepage ein. "Zurückhaltung zeigen die großen Privatsender. Das Sat1 Frühstücksfernsehen bietet voraussichtlich bunte Messeberichte" (immerhin), "RTL verzichtet ganz auf eine gesonderte Berichterstattung über die Buchmesse".

Das Branchenportal des Börsenvereins, buchhandel.de, "geht zu Beginn des nächsten Jahres mit einem neuen Auftritt in die Offensive", meldet das Börsenblatt. Der Börsenverein hat der Aschaffenburger Medien-Service Untermain GmbH eine Lizenz zur Nutzung der Internetadresse gegeben. Das Portal hätte andernfalls eingestellt werden müssen, da die Kosten zu hoch und die Einnahmen zu gering sind: Nur 650 Buchhandlungen wickeln ihre Geschäft über die Domain ab. MSU will die Zahl der beteiligten Buchhandlungen erhöhen, den Service verbessern und die Preise stabil halten.

Die Namen der Autorinnen und Autoren, die am 6. November eine Corine erhalten, stehen fest: In der Kategorie Belletristik ist es Paulo Coelho (für "Der Alchimist"), im Sachbuch Waris Dirie ("Nomadentochter"). Das beste illustrierte Sachbuch ist von Jacques Perrin und heißt "Nomaden der Lüfte". Astrid Lindgren erhält postum die Corine Kinder- und Jugendbuch für ihr Lebenswerk. Die Sponsorenpreise gehen an Meinhard Miegel ("Die deformierte Gesellschaft", HypoVereinsbank), Barbara Wood ("Himmelsfeuer", Weltbild) und Sven Regener ("Herr Lehmann", Rolf Heyne Ehrenpreis). Den Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten erhält Siegfried Lenz für sein Lebenswerk.

Der Boom der Computerbücher ist vorbei, berichtet Eckart Baier. Das liegt natürlich an der Konjunkturkrise, von der die IT-Branche betroffen sei "wie keine andere". Am stärksten eingebrochen seien Themen wie Web-Design und -Grafik mit einem Minus von bis zu 20 Prozent, sagt Hartmut Gante vom Verlag moderne industrie. Vor allem private User hielten sich beim Kauf zurück. Weniger betroffen seien Spezialtitel für EDV-Profis.

"Bertelsmann hat die Funktion gerade abgeschafft, der Süddeutsche Verlag führt sie nun ein: Klaus Josef Lutz (44) wurde als Chief Operating Officer (COO) an Bord geholt", übt sich nun auch das Börsenblatt in maritimer Metaphorik. Zu den Aufgaben von Lutz gehöre es, den Bereich Fachinformation neu aufzustellen. Von 1.700 Mitarbeitern der Fachinformationssparte SVHFI sollen laut Börsenblatt mehr als 100 Stellen abgebaut werden.

Außerdem berichtet Andreas Trojan über die Umstrukturierung beim Carl Hanser Fachverlag. Holger Ehling hat Anfang September die Buchmesse Moskau besucht und weiß von einer erfreulichen Bilanz. Christina Schulte stellt Digital Object Identifiers (DOIs) vor, mit denen Publikationen im Internet systematisiert werden können. Das europäische MEDRA-Projekt, an dem auch der Börsenverein beteiligt ist, bereitet die Einrichtung einer "Multilingual European DOI Registration Agency" vor. Und die Preisbindungsserie ist bei Teil sechs angelangt.

Die Buchmacher vom 07.10.2002 - Börsenblatt

Beim insolventen Könemann Verlag gibt es, so das Börsenblatt, Klärungsbedarf. "Der Könemann-Herausgeber und Autor Andre Domine hat jetzt in einem offenen Brief an den Insolvenzverwalter gegen die Modalitäten des seit 1. August laufenden Insolvenzverfahrens protestiert. Der Vorwurf: Urheberrechte würden seit längerer Zeit ungenutzt bei dem MA-Anbieter liegen." Das Büro des Insolvenzverwalters erklärte dagegen, man sei derzeit in Verhandlungen, um die Könemann-Titel "geordnet" abzuverkaufen. "Die komplizierte Rechtelage macht dies anscheinend schwierig, schreibt das Börsenblatt weiter. Mittlerweile haben sich andere Autoren Domines Kritik angeschlossen.

Die Deutsche Verlags-Anstalt spricht bereits mit vier "Wunschkandidaten", von denen sie gern übernommen werden würde. Wie berichtet, will sich die FAZ-Gruppe von der DVA, von deren Imprints sowie von ihrer 50-prozentigen Beteiligung an Buch Habel trennen. Mit wem die DVA verhandelt, wollte ihr Geschäftsführer Jürgen Horbach dem Börsenblatt nicht verraten, "nur so viel: 'Wir bevorzugen natürlich einen Käufer oder Partner, der verlegerisches Interesse mitbringt. Wir handeln schließlich nicht mit Schrauben.' Ob die Konzernunternehmen Holtzbrinck und Bertelsmann zu Horbachs Wunschkandidaten zählen, sagte er nicht." Beide Unternehmen hätten gegenüber dem Börsenblatt ihr Interesse an der DVA bekundet.

Ehemalige Mitarbeiter der Ratgeberverlage Falken / Mosaik haben sich am alten Standort Niedernhausen selbstständig gemacht. "Jump (Jung Medienpartner) heißt die neue Agentur, die der langjährige Falken-Produktionsleiter Josef Jung nun gegründet hat. Das Unternehmen bietet Verlagen und Werbetreibenden ein Fullservice-Programm an - von der Konzeption und Autorenakquise über die grafische Produktion bis zum fertigen Print- oder Digitalmedium. Kerngeschäft: Sachbücher und Ratgeber, Zeitschriften, Geschäftsberichte."

Eine neue Bücher-Sendung im Fernsehen: Seit dem 4. Oktober läuft beim SWR Baden-Baden das Magazin Schümer & Scheck. Dirk Schümer und Denis Scheck werden vierzehntäglich um Mitternacht mit Gästen über Bücher und den Buchmarkt sprechen - zur ersten Sendung war Robert Gernhardt zu Gast.

Die Zahl der Online-Anbieter auf dem Buchmarkt hat sich seit dem Jahr 2000 um 20 Prozent erhöht, hat der Börsenverein in seiner jüngsten Netzumfrage ermittelt. In absoluten Zahlen: Vor zwei Jahren boten 2.149 Buchhandlungen ihre Geschäfte im Internet an, im vergangenen Jahr waren es bereits 2.584. "Trotz leichter Sättigungstendenzen bleibt festzuhalten: Das Internet stellt eine interessante - und aus Imagegesichtspunkten auch unerlässliche - Angebotsplattform für Bücher dar. Schwerpunkte sind dabei Ratgeber und Sachbücher sowie Belletristik." Die Bedeutung des Internets spiegele sich auch im Gesamtumsatz des Online-Buchhandels wider, der sich seit 1997 immer weiter erhöht und 2001 mit rund 288 Millionen Euro seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht habe. Der Marktforscher Forrester Research rechne bis 2006 gar mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Dennoch bleibt das Online-Geschäft für die meisten Sortimenter eine Marginalie: "Etwa 40 Prozent der Befragten gaben an, dass der Anteil am Umsatz geringer als 0,5 Prozent sei".

Volkhard Bode stellt Dienstleister vor, die medienneutrale Datenhaltung ermöglichen. "Was einmal über ein Content-Management-System (CMS) medienneutral in einer Datenbank erfasst, aktualisiert und ergänzt sei", so sagen Experten, "könne wie Lego-Bausteine blitzschnell zu immer neuen Einheiten verbunden werden. Das Ausgabemedium kann entweder ein Buch, eine CD-ROM oder das Internet sein."

Adrienne Braun porträtiert den Frommann-Holzboog Verlag, der in diesem Jahr 275 Jahre alt wird und dem der Ruf vorauseile, "solide Bücher für Bibliotheken zu machen, die für den Einzelnen unerschwinglich sind". Ganz im Sinne medienneutralen Publizierens will Verleger Günther Holzboog von diesem Ruf weg kommen, indem er kleinere Texte aus größeren Editionen auskoppelt und als Studientexte oder CD-ROM anbietet.

Weitere Meldungen: Thalia hat seine 2.000-Quadratmeter-Großfläche in Krefeld eröffnet, Buch Habel wird voraussichtlich im März 2003 in Sichtweite des Thalia-Hauses eine 3.000 Quadratmeter große Filiale aufmachen. Natürlich wächst auch Weltbildplus unaufhörlich weiter, zuletzt in Hamburg-Harburg und Friedberg. Zum Bertelsmann-Empfang im Arabella Sheraton Grand Hotel kommen Dieter von Holtzbrinck, Mathias Döpfner, Andreas und Florian Langenscheidt, Frank Schirrmacher, Stefan Aust und Larry Kirshbaum. Das Börsenblatt spricht mit Rosemarie von dem Knesebeck über die Corine - den in München verliehenen Internationalen Buchpreis. Und schließlich wird die Serie zur Preisbindung fortgesetzt. Im fünften Teil geht es um länderübergreifende Lieferungen.

Ein 20-seitiger Extra-Teil bereitet auf die Frankfurter Buchmesse vor. Einige Beiträge darin widmen sich dem Buchmarkt des Gastlandes Litauen. "Im modernen litauischen Roman reist man nicht mehr nur vom Dorf in die Stadt, sondern auch aus Litauen in die weite Welt", schreibt Laimantas Jonu?ys in einem Überblicksartikel. So etwa in "Von Träumen verweht" von Jurga Ivanauskaite, einem Roman, der von asiatischen Gurus und Reisenden aus aller Herren Länder handele; "vielleicht ist er der erste wirklich multikulturelle litauische Roman. Mystische Erleuchtungen kommen hier zusammen mit ungewöhnlichen sexuellen Erfahrungen." Weiter nennt Jonu?ys "Sterne der Eiszeit" von Renata ?erelyte (Rowohlt). "Die mosaikartige Bilderfolge illustriert im ersten Teil das Heranwachsen der Protagonistin in einem Provinznest. Das Dorf, das von Generationen litauischer Schriftsteller romantisiert worden war, ist hier geprägt von Rückständigkeit, Stagnation und zerstörerischem Alkoholismus." Die Heldin entkommt im zweiten Teil nach Vilnius. Die Romane "Vilniusser Pokerspiel" von Ricardas Gavelis und "Die Regenhexe" von Jurga Ivanauskaite (dtv) wurden als sexuell sehr provokant empfunden; "Die Regenhexe" verkaufte sich sehr gut, weil der Stadtrat von Vilnius versuchte, die Verbreitung des Buches einzuschränken. "Damals ging der Witz um, Ricardas Gavelis habe es der Obrigkeit übel genommen, dass sie die Sexszenen seines 'Vilniusser Pokerspiels' nicht ebenso brandmarkte: Er erschien im selben Jahr, erhielt aber weit weniger öffentliche Aufmerksamkeit." Neben Ivanauskaite und Gavelis sei Jurgis Kuncinas "der wohl am meisten beachtete Romanautor im ersten Jahrzehnt der litauischen Unabhängigkeit". In seinem Roman "Mobile Röntgenstationen" (Athena) verarbeite er die Sowjetzeit "mit Talent und Witz": "Es sind mehrere Geschichten von echter und unechter Liebe, echten Krankheiten, an denen die von dem jungen Erzähler begehrten Mädchen leiden, und eine vorgebliche Hämorrhoiden-Erkrankung, mit der der Protagonist versucht, den Militärdienst zu umgehen."

Die Buchmacher vom 30.09.2002 - Börsenblatt

Die Nominierungsliste für den Deutschen Bücherpreis ist fertig: In der deutschsprachigen Belletristik wurden "Das blaue Kleid" von Doris Dörrie, "Das letzte Opfer" von Petra Hammesfahr und "Der irdische Amor" von Hans-Ulrich Treichel benannt, in der internationalen Belletristik sind es "Die Korrekturen" von Jonathan Franzen, "Reise nach Trulala" von Wladimir Kaminer (da liegt wohl ein Versehen vor - seit wann liegt Berlin im Ausland?) und "Abbitte" von Ian McEwan. Die Buchhändlerinnen und Buchhändler konnten jeweils drei Titel in insgesamt sieben Kategorien vorschlagen. Wer die von Günter Grass entworfene Skulptur "Butt im Griff" erhält, legt eine Jury aus Buchhändlern und Fachjournalisten fest. Verliehen wird der Preis am 20. März in Leipzig (mehr hier).

Die Geschäftsführung der S. Fischer Verlage ist neu geordnet worden. Verlegerin Monika Schoeller hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und steht der Geschäftsführung nun ressortfrei vor. Die Programmgeschäftsführung liegt jetzt bei Jörg Bong und Peter Lohmann. Bong ist für den S. Fischer Verlag und den S. Fischer Theaterverlag zuständig, Lohmann für die Verlage Fischer Taschenbuch, Wolfgang Krüger, Scherz, Argon und Nicolai.

Konzentration auf die Kernkompetenzen heißt es bei Droemer Weltbild, der gemeinsamen Verlagsgruppe von Holtzbrinck und Weltbild. "Geschaffen werden die beiden Verlagsbereiche Belletristik / Sachbuch und Geschenkbuch / Ratgeber, die jeweils von einer Doppelspitze geführt werden." Ab Januar heißt der Verlag wieder Droemer Knaur; der - im Sortiment nicht unbedingt durchweg positiv konnotierte - Name Weltbild entfällt. "Das laufende Jahr wird wohl unterm Strich nicht mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden", haben die Geschäftsführer Hans-Peter Übleis und Ralf Müller laut Börsenblatt durchblicken lassen. Über die natürliche Fluktuation sollen Stellen abgebaut werden.

Am späten Nachmittag des 20. September wurden die Kunden im Berliner Kiepert-Haupthaus gebeten, die Einkäufe einzustellen und das Haus zu verlassen. Dann war Schluss. "Zuvor waren Verhandlungen mit der Fachbuchhandlung Struppe & Winckler gescheitert. Das Insolvenzverfahren wird am 1. Oktober eröffnet." Die Kiepert-Filiale in Berlin-Hellersdorf wird am 7. Oktober von einer Mitarbeiter GmbH übernommen, das Geschäft an der Freien Universität wird von Struppe & Winckler fortgeführt. Von ursprünglich acht Berliner Filialen (ohne Haupthaus) bleiben die Buchhandlung hinter der Humboldt-Uni und die Filiale am U-Bahnhof Stadtmitte. Beide stehen zum Verkauf. Laut buchreport wird über die Humboldt-Filiale mit Struppe & Winckler verhandelt, der Filiale Stadtmitte droht die Schließung.

Der Hamburger Heftchenverlag Cora startet nach Mira zwei weitere Taschenbuchlabel: Red Dress Ink für "witzige und freche Literatur junger Autorinnen" und Silhouette für "anlassbezogene Schnelldreher". Silhouette startet zu Halloween mit vier Vampirgeschichten. In Buchhandlungen werden die Titel kaum zu finden sein: Beim Vertrieb konzentriert sich Cora wieder auf die Nebenmärkte, schreibt das Börsenblatt.

Außerdem meldet das Magazin, dass drei Angebote für die Vivendi-Verlage vorliegen: zwei von französischen Bankenkonsortien, eines von Lagardere Media, zu dem auch Hachette gehört. Bei Bertelsmann will Gunter Thielen das Clubgeschäft stärken. Die Fachbuchhandlung Lehmanns will ihr Verlagsgeschäft ausbauen - das Label heißt Lehmanns Media - LOB.de. Nils Kahlefendt blickt zurück auf 50 Jahre Wettbewerb um die schönsten Bücher in Deutschland - seit 1990 heißt der Wettbewerb gesamtdeutsch Die schönsten deutschen Bücher. Und das Börsenblatt diskutiert kürzere Öffnungszeiten (hier und hier).

Schließlich stellt das Börsenblatt die drei deutschen Autorenbuchhandlungen vor - in München, Berlin und Frankfurt. Alle drei wurden in den siebziger Jahren gegründet, bei allen sind rund 400 Autoren mit einer Einlage von jeweils 500 Euro an den Unternehmen beteiligt. "Zu den Gesellschaftern in Berlin zählen etwa Hans Christoph Buch, Günter Grass und Ingo Schulze, in München Paul Wühr und Michael Krüger, in Frankfurt Robert Gernhardt und Ulrike Kolb." - "Die Idee, sich als Gesellschafter an einem Laden zu beteiligen und auch auf diese Weise in das Geschehen auf dem Literaturmarkt einzugreifen, scheint nicht mehr en vogue zu sein - und aus Autorensicht vielleicht auch nicht notwendig. Das mag daran liegen, dass sich das Selbstverständnis der Autoren gewandelt hat. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass die Anzahl der literarischen Buchhandlungen gestiegen ist und Großbuchhandlungen ihr Sortiment nicht nur auf den Mainstream ausrichten. Trotz allem: Das von den Buchhändlern und Autoren in München, Berlin und Frankfurt geschlossene Bündnis für Literatur hat immerhin mehr als ein Vierteljahrhundert überdauert - ein Ende ist nicht in Sicht."