Beim insolventen
Könemann Verlag gibt es, so das
Börsenblatt, Klärungsbedarf. "Der Könemann-Herausgeber und Autor Andre Domine hat jetzt in einem offenen Brief an den Insolvenzverwalter gegen die Modalitäten des seit 1. August laufenden Insolvenzverfahrens protestiert. Der Vorwurf: Urheberrechte würden seit längerer Zeit ungenutzt bei dem MA-Anbieter liegen." Das Büro des Insolvenzverwalters erklärte dagegen, man sei derzeit in Verhandlungen, um die Könemann-Titel "geordnet" abzuverkaufen. "Die komplizierte Rechtelage macht dies anscheinend schwierig, schreibt das Börsenblatt weiter. Mittlerweile haben sich andere Autoren Domines Kritik
angeschlossen.
Die
Deutsche Verlags-Anstalt spricht bereits mit vier "Wunschkandidaten", von denen sie gern
übernommen werden würde. Wie berichtet, will sich die
FAZ-Gruppe von der DVA, von deren Imprints sowie von ihrer 50-prozentigen Beteiligung an Buch Habel trennen. Mit wem die DVA verhandelt, wollte ihr Geschäftsführer Jürgen Horbach dem
Börsenblatt nicht verraten, "nur so viel: 'Wir bevorzugen natürlich einen Käufer oder Partner, der verlegerisches Interesse mitbringt. Wir handeln schließlich nicht mit Schrauben.' Ob die Konzernunternehmen
Holtzbrinck und
Bertelsmann zu Horbachs Wunschkandidaten zählen, sagte er nicht." Beide Unternehmen hätten gegenüber dem
Börsenblatt ihr Interesse an der DVA bekundet.
Ehemalige Mitarbeiter der Ratgeberverlage
Falken / Mosaik haben sich am alten Standort Niedernhausen selbstständig gemacht. "
Jump (Jung Medienpartner) heißt die neue Agentur, die der langjährige Falken-Produktionsleiter Josef Jung nun gegründet hat. Das Unternehmen bietet Verlagen und Werbetreibenden ein Fullservice-Programm an - von der Konzeption und Autorenakquise über die grafische Produktion bis zum fertigen Print- oder Digitalmedium. Kerngeschäft: Sachbücher und Ratgeber, Zeitschriften, Geschäftsberichte."
Eine neue
Bücher-Sendung im Fernsehen: Seit dem 4. Oktober läuft beim
SWR Baden-Baden das Magazin
Schümer & Scheck. Dirk Schümer und Denis Scheck werden vierzehntäglich
um Mitternacht mit Gästen über Bücher und den Buchmarkt sprechen - zur ersten Sendung war Robert Gernhardt zu Gast.
Die Zahl der
Online-Anbieter auf dem Buchmarkt hat sich seit dem Jahr 2000 um 20 Prozent erhöht, hat der Börsenverein in seiner jüngsten Netzumfrage ermittelt. In absoluten Zahlen: Vor zwei Jahren boten 2.149 Buchhandlungen ihre Geschäfte im Internet an, im vergangenen Jahr waren es bereits 2.584. "Trotz leichter Sättigungstendenzen bleibt festzuhalten: Das Internet stellt eine interessante - und aus Imagegesichtspunkten auch unerlässliche -
Angebotsplattform für Bücher dar. Schwerpunkte sind dabei Ratgeber und Sachbücher sowie Belletristik." Die Bedeutung des Internets spiegele sich auch im Gesamtumsatz des Online-Buchhandels wider, der sich seit 1997 immer weiter erhöht und 2001 mit rund
288 Millionen Euro seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht habe. Der Marktforscher Forrester Research rechne bis 2006 gar mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Dennoch bleibt das Online-Geschäft für die meisten Sortimenter eine Marginalie: "Etwa 40 Prozent der Befragten gaben an, dass der Anteil am Umsatz geringer als 0,5 Prozent sei".
Volkhard Bode stellt Dienstleister vor, die
medienneutrale Datenhaltung ermöglichen. "Was einmal über ein Content-Management-System (CMS) medienneutral in einer Datenbank erfasst, aktualisiert und ergänzt sei", so sagen Experten, "könne wie Lego-Bausteine blitzschnell zu immer neuen Einheiten verbunden werden. Das Ausgabemedium kann entweder ein Buch, eine CD-ROM oder das Internet sein."
Adrienne Braun porträtiert den
Frommann-Holzboog Verlag, der in diesem Jahr
275 Jahre alt wird und dem der Ruf vorauseile, "solide Bücher für Bibliotheken zu machen, die für den Einzelnen unerschwinglich sind". Ganz im Sinne medienneutralen Publizierens will Verleger Günther Holzboog von diesem Ruf weg kommen, indem er kleinere Texte aus größeren Editionen auskoppelt und als Studientexte oder CD-ROM anbietet.
Weitere Meldungen:
Thalia hat seine 2.000-Quadratmeter-Großfläche in Krefeld eröffnet,
Buch Habel wird voraussichtlich im März 2003 in Sichtweite des Thalia-Hauses eine 3.000 Quadratmeter große Filiale aufmachen. Natürlich wächst auch
Weltbildplus unaufhörlich weiter, zuletzt in Hamburg-Harburg und Friedberg. Zum Bertelsmann-Empfang im Arabella Sheraton Grand Hotel kommen Dieter von Holtzbrinck, Mathias Döpfner, Andreas und Florian Langenscheidt, Frank Schirrmacher, Stefan Aust und Larry Kirshbaum. Das
Börsenblatt spricht mit Rosemarie von dem Knesebeck über die
Corine - den in München verliehenen Internationalen Buchpreis. Und schließlich wird die Serie zur Preisbindung fortgesetzt. Im
fünften Teil geht es um länderübergreifende Lieferungen.
Ein 20-seitiger Extra-Teil bereitet auf die
Frankfurter Buchmesse vor. Einige Beiträge darin widmen sich dem Buchmarkt des Gastlandes
Litauen. "Im modernen litauischen Roman reist man nicht mehr nur vom Dorf in die Stadt, sondern auch aus Litauen in die weite Welt", schreibt Laimantas Jonu?ys in einem Überblicksartikel. So etwa in "Von Träumen verweht" von
Jurga Ivanauskaite, einem Roman, der von asiatischen Gurus und Reisenden aus aller Herren Länder handele; "vielleicht ist er der erste wirklich multikulturelle litauische Roman. Mystische Erleuchtungen kommen hier zusammen mit ungewöhnlichen sexuellen Erfahrungen." Weiter nennt Jonu?ys
"Sterne der Eiszeit" von
Renata ?erelyte (Rowohlt). "Die mosaikartige Bilderfolge illustriert im ersten Teil das Heranwachsen der Protagonistin in einem Provinznest. Das Dorf, das von Generationen litauischer Schriftsteller romantisiert worden war, ist hier geprägt von Rückständigkeit, Stagnation und zerstörerischem Alkoholismus." Die Heldin entkommt im zweiten Teil nach Vilnius. Die Romane "Vilniusser Pokerspiel" von
Ricardas Gavelis und
"Die Regenhexe" von
Jurga Ivanauskaite (dtv) wurden als sexuell sehr provokant empfunden; "Die Regenhexe" verkaufte sich sehr gut, weil der Stadtrat von Vilnius versuchte, die Verbreitung des Buches einzuschränken. "Damals ging der Witz um, Ricardas Gavelis habe es der Obrigkeit übel genommen, dass sie die Sexszenen seines 'Vilniusser Pokerspiels' nicht ebenso brandmarkte: Er erschien im selben Jahr, erhielt aber weit weniger öffentliche Aufmerksamkeit." Neben Ivanauskaite und Gavelis sei
Jurgis Kuncinas "der wohl am meisten beachtete Romanautor im ersten Jahrzehnt der litauischen Unabhängigkeit". In seinem Roman
"Mobile Röntgenstationen" (Athena) verarbeite er die Sowjetzeit "mit Talent und Witz": "Es sind mehrere Geschichten von echter und unechter Liebe, echten Krankheiten, an denen die von dem jungen Erzähler begehrten Mädchen leiden, und eine vorgebliche
Hämorrhoiden-Erkrankung, mit der der Protagonist versucht, den Militärdienst zu umgehen."