Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
14.10.2002. In dieser Woche lesen Sie: Wie gut Stimmung und Aussichten im Buchhandel zusammenpassen. Warum das Publikum von der Frankfurter Buchmesse ausgesperrt werden sollte. Wie Harry Potter der Achterbahn AG die Bilanz verhagelte. Wo mit Büchern Tupper-Partys gefeiert werden. Und warum ganz Köln Böll liest. Von Hubertus Volmer

Börsenblatt

"Trübe Stimmung, trübe Aussichten", mit diesem Satz lasse sich das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage zusammenfassen, schreibt Christoph Kochhan von der Börsenvereins-Abteilung Kommunikation, PR und Marketing. "Lediglich 15,9 Prozent der Sortimenter gaben eine Umsatzverbesserung zu Protokoll." Damit liefere die Konjunkturumfrage das schlechteste Ergebnis seit ihrer Premiere im Jahr 1998.

In einem Kommentar übt sich Christina Schulte trotz alledem in tapferem Optimismus: Der "Kampfgeist der Buchhändler" sei trotz allem ungebrochen, diagnostiziert sie. "Mehr als zwei Drittel der befragten Buchhändler sind aktiv geworden und haben Veränderungen im eigenen Unternehmen in Angriff genommen. Allerdings auch unliebsame - wie etwa Personalabbau." Die Aktivstrategie scheine aufzugehen: "Mit einem Umsatzrückgang von knapp zwei Prozent im laufenden Jahr steht der Buchhandel weitaus besser da als die meisten anderen Sparten des Einzelhandels." Dennoch zeige die steigende Zahl der Insolvenzen, dass vielen Unternehmen das Wasser bis zum Hals stehe. Die Stimmung sei daher auf dem Tiefpunkt. "Doch sehen nicht wenige Buchhändler und Verleger in der Krise auch eine Chance. Reduzierung der Titelanzahl, die in den vergangenen Jahren astronomische Höhen erreicht hat, Rückgang des exorbitanten Wachstums der Buchhandelsflächen ... Und wenn es wieder aufwärt geht, könnte die Branche mit frischer Kraft aus der Krise hervorgehen."

Auch im Insolvenzverfahren konnte keine Lösung für Könemann gefunden werden, der Verlag wird nun abgewickelt. "Die Vorstellungen über den Kaufpreis zwischen Gläubigerbanken und einer Investorengruppe, zu der auch bisherige Gesellschafter wie die Verlagsgruppe Langenscheidt und Ludwig Könemann gehörten, lagen offenbar weit auseinander." Insolvenzverwalter Paul Groß will versuchen, die Restbestände möglichst nicht zu verramschen. "Man könne freilich nie nie sagen, räumte der Insolvenzverwalter auf Anfrage des Börsenblatts ein."

Das Börsenblatt berichtet über die Ergebnisse der historischen Kommission, die im Auftrag von Bertelsmann die Rolle des Verlagshauses in der Nazi-Zeit untersucht hat. Die Historiker widerlegten "das von Bertelsmann favorisierte Bild (...), selbst Opfer und unfreiwilliges Werkzeug der NS-Propaganda gewesen zu sein. Ökonomische Interessen überlagerten die ethischen Grundsätze, Bertelsmann avancierte während der Kriegsjahre zum größten Buchlieferanten der Wehrmacht, so das Fazit der Kommission. Aufgezeigt wurde auch, wie die protestantisch-konservative Weltanschauung der Familie Mohn mit vielen gesellschaftlichen Wertvorstellungen des NS-Staats übereinstimmten." Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen erklärte, die Bertelsmann AG akzeptiere den Bericht der Kommission "uneingeschränkt als offizielle Darstellung der Geschichte des Unternehmens im Dritten Reich". Der Bericht erscheint beim Verlag C. Bertelsmann.

Weitere Meldungen: Die Verlagsgruppe Langenscheidt will ihre beiden Programmsäulen Sprachen und E-Learning ausbauen. Die Leipziger Buchhandlung Buchmeile eröffnet am 25. Oktober eine 1.500-Quadratmeter-Filiale im Paunsdorf Center. Der E-Book-Anbieter Ciando kooperiert künftig mit Amazon.de und Buch.de (Schwerpunkte des Unternehmens sind Wirtschaft, Recht, EDV, Medizin, Psychologie und Politik). Christina Busse porträtiert die Buchhandlung Karl Memminger in Bremerhaven, die in diesem Jahr 75-jähriges Jubiläum feiert. Volkhard Bode schreibt über die vierbändige Siedler-Reihe "Die Deutschen und das europäische Mittelalter", deren erster Band im September erschienen ist. In der Preisbindungsserie erscheint Folge acht. Und Christina Schulte hat sich mit Peter Schuck über die Buchhändler-Vereinigung unterhalten. Das Börsenvereins-Unternehmen produziert unter anderem VLB und Börsenblatt. Nun hat es sich umbenannt: in MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH. Weitere Veränderungen: Im Januar soll das Börsenblatt relauncht werden.
Archiv: Börsenblatt

buchreport.express

Der buchreport steht ganz im Zeichen der Buchmesse. "Soll Frankfurt in Zukunft reine Fachmesse werden oder weiterhin ein Mischmasch aus Fach- und Publikumsmesse bleiben", fragt das Blatt den Börsenverein auf der Titelseite eher rhetorisch. Für den Ausschluss des gemeinen Volkes aus den Messehallen plädiert Bodo Harenberg in einem Kommentar: "Die Messe müsste dann nicht mehr an sechs Tagen, die den Personaleinsatz belasten und Löcher in die Kassen der Aussteller reißen, geöffnet sein, sondern könnte auf drei oder vier Tage reduziert werden." Allerdings müsste die Messe für die Medien interessanter gemacht werden: "Denn auch ohne Publikum muss Frankfurt die Berichterstatter zumindest dieses eine Mal im Jahr faszinieren (...). Würde Frankfurt den großen Schritt wagen, könnte sich die kleine Schwester in Leipzig endgültig zur Publikumsmesse mausern (und brauchte keine falschen Ambitionen mehr zu hegen)." Harenberg glaubt allerdings nicht daran, dass sein Vorschlag Realität wird: "Denn die Mühlen in den Gremien des Börsenvereins mahlen langsam. Hoffentlich aber nicht zu langsam." Weitere Artikel beschäftigen sich mit dem Sparkurs, den viele Verlage in Frankfurt fahren (wenn sie überhaupt gekommen sind), mit dem Konditionenstreit, der bei Begegnungen zwischen Buchhändlern, Barsortimenten und Verlagen eine Rolle spielen sollte und mit dem ewigen Standortproblem (wer wurde in welche Halle verbannt?).

Außerdem stellt der buchreport das neue Machtgefüge in der Verlagsgruppe Lübbe vor: Stefan Lübbe, Sohn des Verlagsgründers Gustav Lübbe, gibt die Geschäftsführung ab und zieht sich in den Beirat zurück. Der 45-Jährige ist seit September 2001 Mehrheitsgesellschafter; seinerzeit schenkte seine Mutter ihm neun Prozent der Anteile. Im Januar gab sie ihm ihre verbliebenen elf Prozent: Stefan Lübbe hält nun 60, seine Schwester Cornelia Lübbe-Roggen 40 Prozent. "Dem Vernehmen nach hat Cornelia Lübbe-Roggen die neue Struktur eher geschluckt als freudig begrüßt. Denn auch in Zukunft werden alle Fäden bei ihrem Bruder zusammenlaufen. Zum neuen Geschäftsführer wird Karlheinz Jungbeck berufen. Der Ex-Kirch-Manager ist ein Weggefährte Stefan Lübbes: Er gründete mit ihm 1996 die Filmrechte-Agentur Rights GmbH & Co. KG." Bei Lübbe sei die Rede "von einer geplanten 'intensiveren Zusammenarbeit zwischen Beirat und Geschäftsführung'. Heißt konkret: Stefan Lübbe will auch weiterhin bestimmen, wo's bei Lübbe langgeht."

Dem Berliner Wissenschaftsverlag (der bis 1. August Berlin Verlag Arno Spitz hieß) ist eine Neuausrichtung verordnet worden. "Ich möchte den Verlag als Berliner Institution für Universitäten und Fachhochschulen etablieren und in Zukunft den Schwerpunkt noch mehr auf die wissenschaftlichen Publikationen legen", sagt Verleger Claus Michaletz. Dazu sollen auch neue Themengebiete erschlossen werden, etwa das Stiftungs- oder Energierecht. Michaletz ist optimistisch: "Wir stellen kleine Auflagen her und können bei Bedarf mit dem POD-Verfahren reagieren."

Einige Ankündigungen sind bereits Vergangenheit: Friedenspreisträger Chinua Achebe wollte in Frankfurt für eine neue UNICEF-Buchreihe werben, für die er und andere Autoren Texte über die Situation von Kindern in aller Welt schreiben. Sehr begehrt war Jonathan Franzen: Sein Verlag Rowohlt erklärte, man hätte für den Schriftsteller "Gesprächstermine im Halbstundentakt" vergeben können, habe aber auf Wunsch des Autors darauf verzichtet.

Hier wie immer die Bestseller.

Börsenblatt

In einem Kurzrückblick auf die knapp zweijährige Amtszeit von Julian Nida-Rümelin als Staatsminister für Kultur schreibt das Börsenblatt, der Name des Philosophie-Professors werde in der Buchbranche noch lange präsent sein. "Schließlich hat der Kulturstaatsminister maßgeblichen Anteil daran, dass die Buchpreisbindung in Deutschland gesetzlich verankert worden ist. Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann würdigt ihn für sein außergewöhnliches Engagement bei der Durchsetzung der Buchpreisbindung. 'Aber auch darüber hinaus hat Herr Nida-Rümelin immer für die Belange der Buchwelt Verständnis gezeigt', sagte Schormann dem Börsenblatt."

Die börsennotierte Achterbahn AG hat Insolvenzantrag gestellt. "Die 32,9-prozentige Beteiligung des Kieler Unternehmens an der Eichborn AG ist an eine Bank verpfändet worden. Matthias Kierzek, Vorstand der Eichborn AG, sagte auf Anfrage, dass die Achterbahn-Insolvenz keine unmittelbaren Konsequenzen für Eichborn habe. (...) Vor allem der Zauberlehrling Harry Potter hatte der Achterbahn AG die Bilanz verhagelt. Das Unternehmen hatte 120 Lizenzen für ca. 500 'Potter'-Produkte erworben. Allein damit sollten 15 Millionen Euro umgesetzt werden. Der Absatz der Merchandising-Artikel war jedoch weit hinter diesen Erwartungen zurückgeblieben."

Hugendubel beendet in Berlin, Potsdam und Leipzig die Kurzarbeit. Zugleich wird expandiert: Die Berliner Filiale am Potsdamer Platz zieht in einen 2.000-Quadratmeter-Laden um. Bisher betrug die Fläche der Buchhandlung 764 Quadratmeter. In Leipzig soll die Filialfläche im Frühsommer nächsten Jahres um 600 Quadratmeter erweitert werden. An den übrigen 21 Standorten soll nun geprüft werden, ob die Kurzarbeit dort auch aufgehoben werden kann. "Hugendubel hatte im Juni Kurzarbeit angemeldet - in diesem Umfang ein Novum in der Branche. Zunächst war geplant, die Arbeitszeit der Mitarbeiter bis zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts zu reduzieren."

Die Holtzbrinck-Verlage S. Fischer und Rowohlt sind als Gesellschafter mit jeweils 10,5 Prozent beim HörVerlag eingestiegen. An dem Hörbuch-Verlag waren bislang Hanser, Klett-Cotta, Suhrkamp, Kiepenheuer & Witsch, Franz Deuticke, der Verlag der Autoren, Schott Musik International und Verlagsleiterin Claudia Baumhöver beteiligt.

Holger Ehling stellt den Fachverlag Reed Elsevier vor, der noch vor nicht allzu langer Zeit "als Negativbeispiel der Branche" gegolten habe: "Unbeweglich schien das in London und Amsterdam beheimatete Unternehmen zu sein, verstrickt in Management-Querelen und ohne überzeugende Zukunftsperspektive". Der vor drei Jahren angetretene Vorstandschef Crispin Davis habe es geschafft, "das Steuer herumzuwerfen und aus dem Konzern ein dynamisches Fachinformationsunternehmen zu machen." Unter seiner Ägide sei es gelungen, "das Kerngeschäft des Unternehmens mit Wissenschaft und Medizin, Recht und Steuern sowie Business-Information zu konsolidieren und die Online-Portale Lexis-Nexis und ScienceDirect als Marktführer in ihren Segmenten zu festigen". Künftig sollen alle für das Internet geeigneten Informationsangebote online vermarktet werden.

Astrid Paprotta schreibt über ihren Lektor Matthias Bischoff: "Er streicht nicht viel, kann aber kleine, hämische Bemerkungen an den Rand schreiben, die mich unverzüglich zur Räson bringen. So bemängelte er einmal eine zu pathetisch geratene Textstelle mit den Worten, das klinge nach einem Liedchen von 'Pur'. Nun betrachte ich diese deutsche Kapelle als den potenziellen Auslöser eines Hörsturzes, weshalb die gemaßregelte Stelle schneller aus dem Text verschwand, als er sie vermutlich gelesen hat - obwohl ich sie so schlecht gar nicht fand."

Weitere Beiträge: Der Hamburger Marebuchverlag bringt sein Startprogramm auch in digitaler Form auf den Markt. Dazu kooperiert der Verlag mit dem E-Book-Anbieter Gemstar. Andreas Trojan rezensiert das Buch "Der Lesereiser. Zu Gast bei deutschen Buchhandlungen" von Henning Boëtius ("witzige Hommage an Buchhändler und an das literarische Publikum"). Und die Reihe zur Buchpreisbindung ist bei Teil sieben angelangt.

Schließlich berichtet Nils Kahlefendt von der Dresdner Buchhandlung Hock, die nach der Hochwasserkatastrophe noch einmal ganz von vorn anfangen musste. Die staatlichen Soforthilfen decken die Hälfte des Schadens, die kollegiale Unterstützung hilft außerdem: "Verlage bieten an, Bücher kostenlos zu ersetzen, KNO storniert die offenen Rechnungen. Vermittelt vom Landesverband [der Buchhandlungen und Verlage] werden die Hocks eine gebrauchte Ladeneinrichtung erhalten. Anfang November, so hoffen sie, können sie ihr Geschäft mit neuem Mietvertrag wieder beziehen - und am Ende vielleicht noch einen Zipfel des Weihnachtsgeschäfts mitnehmen? (...) Noch stehen Container voller Sperrmüll und Bauschutt in der Österreicher Straße, ist die Buchhandlung ein Trümmerfeld. In der Schaufensterscheibe klebt ein handgeschriebener Zettel. Die Botschaft ist klar: 'Wir machen weiter!'"
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Archiv: Börsenblatt
Stichwörter: Elsevier, Suhrkamp, Kiel

BuchMarkt

In Bad Oeynhausen hat sich eine Buchhändlerin Tupper-Partys zum Vorbild genommen: Nach Ladenschluss richtet sie bei Kunden "Bücherpartys" aus. "Die Auswahl der Bücher habe ich zuvor mit der Gastgeberin - meist sind es Frauen - abgesprochen", sagt Birgit Pietsch von der Buchhandlung Scherer dem BuchMarkt, der die Idee vorstellt. "Die Hausbesuche sind vorzugsweise im Herbst und Winter gefragt, für diesen Herbst lagen bereits in den Sommerferien zehn Anmeldungen vor." Mehr hier.

Die Hannoveraner Buchhandlung Leuenhagen & Paris reagierte auf sinkende Umsätze, indem sie mehr Veranstaltungen ausrichtet. Denn: "Ein Bericht in der örtlichen Presse bringt mir direkt Kunden in die Buchhandlung", sagt Geschäftsführer Dirk Eberitzsch. Dem Unternehmen geht es dem BuchMarkt zufolge gut. Dennoch soll es zum 50. Jubiläum nur eine kleinere Feier geben - "ein Großteil des Festetats wird für einen guten Zweck verwendet", nämlich Buchhändlern in den sächsischen Hochwassergebieten und brandenburgischen Kindergärten zu Gute kommen.

Gerhard Beckmann hat S.-Fischer-Verlegerin Monika Schoeller nach ihrem Rückzug aus dem operativen Geschäft gefragt, was die Holtzbrinck-Buchverlage von Random House und Heyne Ullstein List unterscheide. "Für meine Brüder Dieter und Stefan von Holtzbrinck und mich, also die drei Gesellschafter, gehören die Buchverlage, das Engagement für das Verlegerische, zu unserem unternehmerischen Selbstverständnis. Ich glaube schon, dass und das, bei allem Respekt vor den anderen, von den beiden genannten Konzernen unterscheidet." Angesprochen auf ihre Arbeit bei S. Fischer sagt sie: "Ich bin vor allem stolz auf unsere Pflege der Modernen Klassik wie z.B. die große kommentierte Ausgabe Thomas Manns, die kritische Ausgabe der Werke Franz Kafkas und Hugo von Hofmannsthals, die gesammelten Schriften Max Horkheimers in 29 Bänden, die Cahiers von Paul Valery und unsere Reihe 'Die Zeit des Nationalsozialismus', die mit ihren bisher 170 Bänden die umfangreichste Buchreihe weltweit zu diesem Thema ist."

Die Verlage tragen zu viele Risiken, meint Arnold Kiel, CEO von Randon House Deutschland. "Bei den Autoren in Form der Honorarvorschüsse - wir übernehmen das Lebenszeitrisiko, das sie mit dem Schreiben eines Buches eingehen. Auf der Handelsseite liefern wir die Ware und nehmen sie, wenn nicht verkauft, zum vollen Preis zurück. Wir haben insgesamt zuviel an Risiken auf uns genommen und nicht ausreichend refinanzieren können." Richtung Buchhandel strebt Kiel für Bestseller-Titel weniger günstige Konditionen an: "Die bekannten, renommierten und erfolgreichen Autoren einzukaufen, das kann jeder. (...) Das muss darum eigentlich mit verhältnismäßig schlanken Konditionen gehen. Wofür wir statt dessen gern mehr Unterstützung anbieten würden, sind buchhändlerische Anstrengungen, unbekannte oder (noch) nicht so erfolgreiche Autoren durchzusetzen."

Der Buchhändler Herbert Bielschowsky gibt eine Reihe von Tipps für von der Konsumflaute bedrohte Kollegen. Einer von acht Punkten: "Stärken erkennen und besonders herausstellen: Bücher unter zehn Euro verkaufen sich gut. Geschenkbücher und Besinnliches hat Konjunktur (kleiner Gruß, was fürs Herz). Wühlkisten mit Ramsch sind bei den Kunden begehrt. Alles muss für die Kunden bequem gehalten sein. Im Beratungsgespräch gilt es, 'Emotionalität' zu forcieren. Regionalliteratur ist gefragt, Reiseführer, Karten, Radführer, Radkarten (...) sind im Trend, auch Taschenbücher zu Sonderpreisen zwischen fünf und acht Euro."

Im Oktober erscheinen nicht nur die ersten Bände der "Kölner Ausgabe" der Werke von Heinricht Böll, sondern auch ein bislang unveröffentlichter Roman aus dem Nachlass des Schriftstellers. "Kreuz ohne Liebe" erscheint als Band zwei der Gesamtausgabe und wird als einziger der geplanten 27 Bände einen Schutzumschlag tragen. Kiepenheuer & Witsch hat sich zur Einführung der Böll-Ausgabe "eine Marketingaktion einfallen lassen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt: Vom 2. bis 10. November wird sich nämlich in Köln alles um Böll drehen. 'Eine Stadt liest einen Autor', lautet das Motto, und im Prinzip alles, was am Rhein lesen und schreiben kann, macht mit. Jede Menge Prominenz hat sich bereits angesagt: Zur Präsentation der Werkausgabe und der Pressekonferenz zu 'Köln liest Böll' am 31. Oktober im Wallraf-Richartz-Museum hat Gerhard Schröder seine Teilnahme zugesagt, zu Böll-Matineen und -Lesungen in Buchhandlungen, Kirchen, im Literaturhaus u.dgl. werden u.a. Mario Adorf, Wolfgang Niedecken, Rufus Beck, Günter Wallraff, Reinhold Neven DuMont, Ben Becker, Anke Engelke erwartet."

Weitere Beiträge: Ein Artikel stellt die Preisträger des Internationalen Buchpreises Corine vor. In einer Umfrage unter Verlegern und Buchhändlern geht es um Folgen des Preisbindungsgesetzes für das Moderne Antiquariat. Und Medienberater Frieder Schubert erklärt, wie Verlage den Weg aus der Krise finden können.

Schwerpunktthemen sind Medizin und Gesundheit sowie Independent-Verlage. Unter anderem wird die Hamburger Buchhandlung Blauer Affe vorgestellt, die ausschließlich Titel von Independent-Verlagen führt. Zu den porträtierten Verlagen gehören die Edition Steffan ("Nischenverlag mit breitem Spektrum"), Wagenbach, Merlin (Theater, Literatur, und Kunst), A1, J. Strauss (Architektur-Sachbücher und das Buch "Rollenspiel" von Armin Mueller-Stahl), Oreos (Bavaria und Jazz) sowie die Edition Memoria (Exilliteratur).
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