Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 66 von 86

Magazinrundschau vom 31.10.2006 - New Yorker

John Seabrook porträtiert Will Wright, den Erfinder eines der - auch bei Frauen - erfolgreichsten, gewaltfreien Computerspiels der Welt: Sims. Beiläufig erzählt er dabei auch die Geschichte der Computerspielszene. Wright hat sich ein neues Projekt ausgedacht, das möglicherweise ähnlichen Erfolg wie Sims haben kann: Spore. Es geht darum, eine Spezies - vom Einzeller bis zum hochentwickelten Raumfahrer - durchzuspielen. Was Wright an der Entwicklung dieses Spiels wirklich interessiert habe, sei die Geschichte der Astrobiologie gewesen. "Diesmal hat Wright auch Waffen und Eroberungen eingebaut. Die Gewalt ist nicht unbegründet - in manchen Fällen muss man töten, um zu überleben -, aber sie wird auch nicht beschönigt. Und man tötet in Spore nicht nur andere Kreaturen, man muss sie auch essen."

Hierzulande überschlagen sich die Kritiken ja geradezu über den Film des britischen Komikers Sacha Baron Cohen, der als seine eigene Erfindung "Borat" - ein angeblich kasachischer TV-Journalist - durch Amerika zieht und Leute zu unglaublichen Aussagen und Handlungen treibt. Anthony Lane bleibt in seiner Besprechung eher gelassen und sachlich ("einer der wenigen britischen Juden, der sich erfolgreich an das Genre Schock-Comedy wagt"), bescheinigt Cohens Film aber immerhin, ein "Meisterstück der Schmuggelei" zu sein; für "Volver" von Pedro Almodovar empfiehlt Lane, man solle "auf das Küssen hören".

Weiteres: Peter Schjeldahl führt durch eine Ausstellung des amerikanischen Minimalisten Brice Marden im MoMA. John Lahr stellt die Theaterstücke "Butley" von Simon Gray und "Vigils" von Noah Haidle vor. Nicht wirklich begeistert zeigt sich Joan Acocella von Twyla Tharps Choreografie "The Times They Are A-Changin" zu Musik von Bob Dylan.

Besprochen werden außerdem Bücher, darunter eine Studie über die Bekämpfung der Cholera "The Ghost Map: The Story of London?s Most Terrifying Epidemic - and How It Changed Science, Cities, and the Modern World" (Riverhead), eine kommentierte Neuausgabe von "Onkel Toms Hütte" (Norton) und eine Studie über den Völkermord an den Armeniern "A Shameful Act: The Armenian Genocide and the Question of Turkish Responsibility" (Metropolitan) von Taner Akcam. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einem Buch über das Leben von neun Ungarn - Fotografen, Wissenschaftler, Regisseure und Schriftsteller -, die vor Hitler nach Amerika flohen ("The Great Escape"). Zu lesen ist schließlich die Erzählung "Paper Losses" von Lorrie Moore.

Nur im Print: Das Porträt eines nicht näher bezeichneten kleinen Mädchens, das sich mit dem literarischen Paris angelegt hat, ein Bericht über den Kampf um ein amerikanisches Dictionnaire, das Porträt eines "Weisen" der HipHop-Szene und Lyrik.

Magazinrundschau vom 24.10.2006 - New Yorker

Unter der hübschen Überschrift "The Southern Discomfort" porträtiert Peter J. Boyer den Schriftsteller, ehemaligen Republikaner und Reagan-Berater und nun Demokraten James Webb, der gerade in Virgina das "seltsamste Senatorenrennen des Jahres" liefert. "Webbs Kampagne arbeitet schwer daran, ihn als die Art von Demokrat darzustellen, dem Ronald Reagan vertrauen konnte. Sein erster Werbespot zeigte eine Schwarzweiß-Fotografie von ihm in Uniform und Reagans Stimme erzählte dazu: 'James' Tapferkeit als Marineoffizier in Vietnam brachte ihm das Navy Cross und andere Auszeichnungen ein.' Dann erklang die Stimme eines Sprechers aus dem Off: 'Soldat. Wissenschaftler. Leitartikler. Und jetzt kandidiert Jim Webb für den Senat.' Nirgendwo in dem Werbeclip wurde das Wort Demokrat erwähnt."

Weiteres: Connie Bruck beschreibt, wie der diesjährige Friedensnobelpreisträger, der bengalische Wirtschaftswissenschaftler und Gründer der Grameen Bank Muhammad Yunus, mit einigen High-Tech-Unternehmern um die Verteilung von Krediten an die Armen dieser Welt konkurriert.

John Lahr bespricht das Theaterstück "My Name Is Rachel Corrie". Und David Denby sah im Kino "Flags of Our Fathers" von Clint Eastwood und "Babel" von Alejandro Gonzalez Inarritu, einem "der begabtesten Regisseure der Welt". Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Republica and Grau" von Daniel Alarcon.

Magazinrundschau vom 17.10.2006 - New Yorker

In einer wunderbaren Besprechung stellt Anthony Grafton eine Studie des Historikers William Clark über die Geschichte der Universitäten und des "akademischen Charismas" vor ("Academic Charisma and the Origins of the Research University"). Sie beginnt mit der Frage, weshalb sich Professoren in Zeiten des World Wide Web die Lehrtätigkeit überhaupt noch antun, und warum die Studenten, deren überwiegender Teil Lehrer werden will, jahrelang durch "aufreibende, hochspezialisierte Stoffe und Dissertationen" gehetzt werden. Jeder College- oder Universitätsprofessor habe doch schon einmal die Erfahrungen gemacht, "in einem muffigen Raum zu stehen, und eine Handvoll Teenager zu unterrichten, über denen eine fast greifbare Hormonwolke schwebt; oder in einer Institutssitzung zu hocken und dabei zuzuhören, wie die Kollegen ihre unterschiedlichen Berufsidentitäten ausagieren: die russischen Historiker verbreiten Trübsinn, die Germanisten fallen versehentlich über Polen her, die Asienwissenschaftler murren über westliche Ignoranz und mangelnde Höflichkeit, und die Amerikanisten äußern sich überrascht über die Vorstellung, dass es noch andere Kontinente gibt." Clark erzählt am Beispiel deutscher Universitäten, was akademisches Charisma einmal war.

Weitere Artikel: Dan Baum porträtiert die Morgensendung von Renan Almendarez Coello, dem "Cheerleader der Lateinamerikaner"; er erreicht als "El Cucuy de la Manana" über den Sender KLAX La Raza in der Region Los Angeles Millionen spanischsprachiger Radiohörer, die er allmorgendlich mit dem Schrei "Arriba! Arriba! Arriba! Arriba! Arriba! Arriba!"(Aufstehen!) weckt. Nick Paumgarten erzählt, wie der Casinobesitzer und Kunstsammler Steve Wynne ein Gemälde von Picasso, das er eigentlich zum Rekordpreis von 139 Millionen Dollar verkaufen wollte, mit dem Ellbogen rammte und dies als "Zeichen des Schicksals" wertete, es besser zu behalten. Aus dem Archiv wird noch einmal eine autobiografische Geschichte des neugekürten Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk abgedruckt, ergänzt um Porträts des türkischen Schriftstellers von John Updike und David Remnick. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Stairway to Heaven" von Aleksandar Hemon.

Besprechungen: "Hervorragend und subversiv" findet John Lahr den Monolog des Theaterstücks "Wrecks" von Neil LaBute. Anthony Lane stellt Sofia Coppolas Film "Marie Antoinette" vor, von dem er über weite Strecken den Eindruck hatte, "Paris Hilton hätte ihn gemacht"; außerdem einen weiteren Film zu Truman Capote, "Infamous" von Douglas McGrath, den der Kritiker auch den Zuschauern empfiehlt, die schon Bennet Millers "Capote" gesehen haben.

Magazinrundschau vom 10.10.2006 - New Yorker

John Cassidy untersucht, ob der bisher als gestandener Konservativer geltende amerikanische Medienmogul Rupert Murdoch im Präsidentschaftswahljahr 2008 auf die linke Seite überschwenken will. Anzeichen dafür gibt es: Im Juli hat er "zum Entsetzen seiner rechten Verbündeten und liberalen Gegner gleichermaßen" ein Frühstück zur Mittelbeschaffung für die Kampagne zur Wiederwahl von Senatorin Hillary Rodham Clinton gegeben, das immerhin 60.000 Dollar einbrachte. Nun kocht die Gerüchteküche, ob er womöglich auch ihre Präsidentschaftskandidatur 2008 unterstützen will. Doch Murdoch lässt "die Leute gerne im Unklaren über seine Absichten". Bei einem Treffen mit Cassidy antwortet er auf die Frage, ob Hillary eine gute Präsidentin würde: "Ich weiß nicht. Sie ist sehr intelligent. Und ich glaube, sie wäre entscheidungsfreudig. Sie ist vielleicht auch entscheidungsfreudiger als Bill es gewesen ist. Wenn man sich ihre Geschichte ansieht, ist sie wohl um einiges liberaler als ich, aber ich weiß es nicht. Wir werden's sehen, wenn sie es schafft."

Weitere Artikel: George Packer erklärt in einem Kommentar, warum er es für einen "strategischen Fehler" hält, Tariq Ramadan ein US-Visum zu verweigern. Ben McGrath beschreibt diversen Unsinn, der mit Fake-Videos im Internet-Videoportal YouTube getrieben wird und dem Unternehmen allmählich Sorgen um seinen Ruf bereitet.

Thomas Mallon porträtiert die Schriftstellerin und Kommunistin Jessica Mitford, deren Briefe in der Sammlung "Decca" (Knopf) erschienen sind. David Denby bespricht Todd Fields Film "Little Children" mit Kate Winslet und Martin Scorseses Thriller "The Departed". Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Photograph" von Roddy Doyle.

Nur im Print: ein Essay von Milan Kundera zur Frage "Was ist ein Romanautor?", eine Reportage über eine Baumerklimmung, ein Bericht über einen Ausbrecherkönig und Lyrik.

Magazinrundschau vom 03.10.2006 - New Yorker

In einem Kommentar kritisiert George Packer die internationale Tatenlosigkeit in Dafur. "Es würde nicht nur politischen Willen, sondern auch diplomatisches Geschick der USA erfordern, Europa einzuspannen, China zu zwingen und Afrika zu ermächtigen, Khartoum zu isolieren und seine Unterstützung in der arabischen Welt zu unterbinden. Das Fehlen eines solchen Willens ist normal für eine große Macht angesichts des Leidens von Menschen in weit entfernten, unwichtigen Regionen; es ist ein wiederkehrendes Motiv in der amerikanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Der Kollaps moralischer Legitimität ist dagegen ziemlich aktuell."

Weitere Artikel: In einem weit ausholenden Essay erzählt Atul Gawande die Geschichte der Geburtsmedizin und die zunehmende "Industrialisierung" des Gebärens. Adam Kirsch porträtiert den amerikanischen Lyriker Hart Crane. Ian Frazier beschreibt seine Essstörungen als Vorstadt-Vater mittleren Alters. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Landfill" von Joyce Carol Oates.

Jill Lepore bespricht eine neue Biografie über den amerikanischen Pionier, Trapper, Indianeragenten und Groschenromanhelden Christopher Houston "Kit" Carson "Blood and Thunder: An Epic of the American West? (Doubleday). Hilton Als stellt eine aktualisierte Wiederaufnahme von Eric Bogosians 1994 geschriebenem Stück "subUrbia" vor, in dem er den Vorstadt-Ennui der Neunziger wiederauferstehen lässt. Alex Ross sah eine Inszenierung von "Madame Butterfly" in der Met. Und Anthony Lane gesteht, dass er Stephen Frears Film "The Queen" des abgedroschenen Stoffes wegen zunächst mit einiger "Beklommenheit" entgegensah, dann aber vor allem von den schauspielerischen Leistungen, allen voran: Helen Mirren als Queen, mehr als angetan davon war.

Magazinrundschau vom 26.09.2006 - New Yorker

Bill Buford - Autor des wunderbaren Buchs "Heat. An Amateur's Adventures As Kitchen Slave, Line Cook, Pasta-Maker, and Apprentice to a Dante-Quoting Butcher in Tuscany", das im Frühjahr auch auf Deutsch erscheinen wird - beschreibt einen Selbstversuch, bei dem er sich dem Boom von Kochsendungen aussetzte, die auch das amerikanische Fernsehen überschwemmen. "Das erste Anzeichen, dass ich ohne es zu merken unter den Einfluss von Kochsendungen geraten war, zeigte sich an einem Sonntagmorgen, als ich feststellte, dass ich mit mir selber sprach. Ich machte gerade Toast. 'Zuerst schneiden wir unser Brot', flüsterte ich, 'und wissen Sie auch, warum?' Ich unterbrach meine Tätigkeit und schaute auf. 'Ich werde es Ihnen sagen.' Es war halb neun. Und es war Stunde 25 einer 70-Stunden-Verpflichtung, die ich eingegangen war; sie bestand darin, rund um die Uhr Kochsendungen anzuschauen (und nur zu schlafen, wenn um Mitternacht die Wiederholungen anfingen)."

Weiteres: Woody Allen gerät in die Klauen eines Zahnarztes. Jim Holt stellt zwei Studien über die String-Theorie (hier eine kurze Einführung) vor, Louis Menand rezensiert Charles Fraziers zweiten Roman "Thirteen Moons", und die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Biografie von John Wilkes, der im England des 18. Jahrhunderts als "radikaler Bösewicht" galt, nun aber als Vorreiter der Aufklärung in England gewürdigt wird. Hilton Als bespricht Theaterinszenierungen von "Richard II" und "The Pain and the Itch". Sasha Frere-Jones porträtiert den Rapper Chris Ludacris Bridges und sein neues Album "Release Therapy". Und David Denby sah im Kino "All the King's Men" von Steven Zaillian mit Sean Penn in der Hauptrolle als aufstrebender Politiker, der gerne Gouverneur werden will, und "The Last King of Scotland" von Kevin Macdonald über den schottischen Leibarzt von Idi Amin (Forest Whitaker als Idi Amin gibt "die Vorstellung seines Lebens"). Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Other People's Death" von Lore Segal.

Nur im Print: Porträts der Schauspielerin Helen Mirren und eines Soldaten, der im Südpazifik kämpfte, eine Reportage über den Edelsteinrausch in Madagaskar und Lyrik.

Magazinrundschau vom 19.09.2006 - New Yorker

Calvin Trillin beschreibt am Beispiel von Outletstores in seinem Ferienort in Neuschottland Zauber, Irrsinn und Suchtpotenzial dieser Schnäppchenläden für Designerklamotten. Anfangs sträubte er sich noch: "Ich habe nichts dagegen, eine Sportjacke für fünf Dollar zu tragen. Meine Grundhaltung bezüglich Kleidung wurde auf der High School in Kansas City geprägt. Meine Klassenkameraden und ich fanden es nicht wirklich frivol, sich für teure Klamotten zu interessieren, aber doch irgendwie affektiert. Ich glaube, wir fanden es auch unmännlich." In diesem Jahr musste er sich bei der Inspektion seines Ferienhauskleiderschranks allerdings fragen: "Woher kommen nur all diese Hemden? Es gibt Hemden von Brooks Brothers, L. L. Bean, Geoffrey Beene, Eddie Bauer und Abercrombie & Fitch. Es gibt sogar eins mit einem zwar diskreten, aber unverkennbaren Logo des Herstellers auf der Brusttasche - ein glatter Widerspruch zu meinem persönlichen Boykott, Werbung zu tragen."

Weiteres: Judith Thurman beschäftigt sich ausführlich mit Marie Antoinette und Caroline Webers Buch "Queen of Fashion: What Marie Antoinette Wore to the Revolution" (Holt). Anthony Lane sah im Kino Christian Volckmans Film "Renaissance", der in Paris im Jahre 2054 spielt, und "The Science of Sleep" von Michel Gondry, angesichts dessen "Unwillen", eine Geschichte einfach klar zu erzählen, er sich fragt, wie dieser Regisseur wohl seinen Alltag meistert und eine Tasse Kaffee kocht.

Nur im Print: eine Aufstellung der unverzichtbaren Accessoires für Teens im neuen Schuljahr, Porträts von Diana von Fürstenberg sowie jener Frau, die hinter dem neuen Handtaschenboom steckt, ein Bericht über Probleme im MoMA und Lyrik.
Stichwörter: Moma, Logo, Hemd, Fashion, Kleidung

Magazinrundschau vom 12.09.2006 - New Yorker

Der niederländische Schriftsteller und Journalist Ian Buruma fasst die Debatte über Günter Grass zusammen und bespricht dessen "außerordentlichen" Erinnerungsband "Beim Häuten der Zwiebel". Der Skandal habe dieses Buch von "seltener literarischer Schönheit" vollkommen überdeckt. Burumas Kommentar zur Affäre: "Günter Grass ist eines der letzten Beispiele für eine deutsche Tradition, Dichter und Denker auf einen Sockel zu heben, von dem aus sie wie Propheten ihre Urteile über die Welt verkünden. Es gibt sicherlich Zeiten, in denen ein Schriftsteller seine moralische Autorität positiv nutzen kann: Thomas Mann während des Zweiten Weltkriegs etwa, Grass in der Nachkriegszeit. In anderen Momenten kann all das, was einen Mann wie Grass zu einem bedeutenden Schriftsteller macht - die Fähigkeit, Erfahrung in Mythos zu verwandeln beispielsweise - ein Hindernis für eine stichhaltige politische Analyse darstellen."

Um die Zukunft des islamischen Terrors zu verstehen, studiert Lawrence Wright Texte von diversen islamischen Jihadisten und ist erstaunt, wie wenig dort auf Bin Laden und Zawahiri Bezug genommen wird. "Al Qaidas apokalyptische Agenda wird nicht von allen Islamisten geteilt. Obwohl die meisten Jihad-Gruppen Al Qaidas Angriffe auf Amerika und Europa gutheißen, sind ihre eigenen Ziele oft begrenzter. Ihnen geht es um die Reinigung des Islam und den Sturz heimischer Regime, die sie als häretisch ansehen. Viele dieser Gruppen wären glücklich, wenn Al Qaida verschwinden würde, so dass ihre eigenen Kampagnen als nationale Guerilla-Aktionen gesehen werden, mit konkreten politischen Zielen."

Weitere Artikel: Zum Thema 11. September analysiert Lawrence Wright, inwiefern al-Qaida für die neuen Terroristen des Dschihad erst der Anfang gewesen sei. Aus dem Archiv ist der erste Bericht des New Yorker über die Anschläge am 11. September 2001 zu lesen, außerdem bietet eine Linkliste Zugang zu sämtlichen Artikeln, die im New Yorker seither zum Thema erschienen sind. John Cassidy beschäftigt sich mit dem Konzept der Neuroeconomics, das versucht, die neurologischen Grundlagen wirtschaftlicher Entscheidungen zu erforschen - beispielsweise solche bezüglich törichter Geldanlagen. George Packer nimmt eine Rede "voller Verzerrungen" von George W. Bush auseinander, in der es um den Irak, Terrorismusbekämpfung und Guantanamo ging. Und David Sedaris räsoniert über die Vorteile, Französisch zu können.

John Updike rezensiert zwei neue Romane - "Forgetfulness" von Ward Just und "The Mission Song? von John LeCarre, das mit eine "mörderische Mischung" aus ruandischen Flüchtlingen, Warlord-Armeen, Eindringlinge aus Uganda and Burundi und Söldnern bietet.

Magazinrundschau vom 05.09.2006 - New Yorker

Jane Mayer porträtiert "Junior" alias Jamal Ahmed al-Fadl, Sudanese und Amerikas "derzeit wohl wertvollster Informant" über al Qaida und wichtigster Zeuge in der Anklage gegen mindestens zwei in Guantanamo inhaftierte Terrorverdächtige. Fadl war bereits 1989 in Afghanistan zu Osama bin Laden und al Qaida gestoßen, hatte dann aber 1996 in der amerikanischen Botschaft von Eritrea Schutz gesucht und seine Mitgliedschaft gestanden. Seither lebt er - abgeschirmt und von FBI-Leuten bewacht - in den USA. Diese hielten Junior allerdings für ein Problemkind, eine Art Gammler und hätten schnell begriffen, dass "seine Ränkespiele, die einmal bin Ladens Problem waren, nun ihres sei". So war dann auch Dan Coleman, früher al-Qaida-Experte des FBI, überrascht, "dass Fadl nicht besonders religiös ist. 'Ich habe ihn nicht einmal beten sehen', erzählt er. Für Fadl sei der Dschihad weniger eine religiöse Angelegenheit, sondern eher 'eine sozial akzeptable Form schlechten Benehmens'. Oder wie Coleman es ausdrückt: 'Man jagt Sachen in die Luft und bringt Leute um, und deine Kameraden und Kumpel denken, dass du was taugst. Es macht Spaß und man kann ein Held werden'."

Sehr unterhaltsam ist Caleb Crains Bespechung einer neue Studie über das britische Projekt "mass-observation", eine Bewegung, die 1937 der Anthropologe Tom Harrison, der Dichter Charles Madge und der Filmemacher Humphrey Jennings ins Leben riefen. Mit Hilfe von 500 Freiwilligen sollte dabei das britische Alltagsleben erfasst werden. Auf der Beobachtungsliste standen unter anderem: "Verhalten von Menschen an Kriegsdenkmälern", "Ausrufe und Gesten von Autofahrern" sowie "Verbreitung und Bedeutung schmutziger Witze".

Weiteres: Joan Acocella rezensiert den neuen Roman von Alice McDermott "After This". Für eine ziemlich bunte Mischung hält Peter Schjeldahl die Ausstellung "Out of Time", die jüngste Präsentation des MoMA aus seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst. Und Anthony Lane sah im Kino den Debütfilm von Allen Coulter "Hollywoodland" und empfiehlt eine kleine Retrospektive mit Filmen des japanischen Regisseurs Kenji Mizoguchi. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Black Ice" von Cate Kennedy.

Nur im Print: Reportagen und Berichte aus dem Gazastreifen, wo die Hamas über ihre Optionen nachdenkt, aus dem Sudan, wo der Islam für den Eintritt in die moderne Welt neu interpretiert wird, über die Frage, wie die nächste Stufe des Dschihad aussehen könnte und Lyrik.

Magazinrundschau vom 29.08.2006 - New Yorker

Sasha Frere-Jones liefert eine schöne Besprechung der neuen CDs von Christina Aguilera ("Back to Basics) und Justin Timberlake ("FutureSex / LoveSounds"), letztere produziert von Timbaland. "Auf 'SexyBack' tut Timberlake sein Bestes, so kaltschnäuzig und aggressiv zu sein wie die bösen Jungs, auch wenn deine Mutter sicher ist, so könnte er nie sein. (Sollte es einen Sänger geben, der sich noch unwohler fühlt, wenn er das Wort 'motherfucker' singt, hat er noch keine Platte gemacht.) Das meiste von 'FutureSex / LoveSounds' hält fest am unheimlichen, ätherischen Funk, der (das Vorgängeralbum) 'Justified' so gewinnend machte, und ist schlau genug, Timberlakes Image als Zuckerschnute zu bewahren, während der Sound um seine Stimme glänzend genug ist, um das Album in die Poplandschaft von 2006 einzupassen. 'My Love' basiert auf der Art von unangestrengtem Beat, dem Timbaland seinen Ruf verdankt: eine zitternde Keyboardfigur, die verhallt und zurückkommt; rohe, hüpfende Bässe; und Samples von menschlichem beatboxing."

Die Ausgabe hat eine Art Schulschwerpunkt. Dafür steuert Peter J. Boyer eine reichlich verwickelte Geschichte bei, in der es um einen Aufruhr an der Duke University geht, der sich an sexuellen Übergriffen, dem renommierten Lacrosse-Team (mehr zu diesem Sport hier), der Universität und der Frage, ob "Helmsportarten" zu Gewalt ermuntern, entzündet hat und die Institution in zwei Lager spaltet. Malcolm Galdwell untersucht Null-Toleranz-Programme an Schulen. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Kansas" von Antonya Nelson.

Louis Menand rezensiert einen Band mit Interviews mit Bob Dylan ("Bob Dylan: The Essential Interviews", Wenner). Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einem Buch über Leute, die erotische Kunst und Sexartikel sammeln ("Sex Collectors", Simon & Schuster). Und David Denby lobt Spike Lees Dokumentarfilm "When the Levees Broke: A Requiem in Four Acts" über New Orleans und den Hurrikan Katrina. "Lee stützt sich auf Datenmaterial, Nachrichten und Amateurfilme, aber auch auf Fotografien; einige von diesen fangen mit der verheerenden Kraft großer Dichtung oder Malerei das Leichenhaus aus Wasser ein, zu dem New Orleans wurde." Das B-Movie "Snakes on a Plane" findet Denby dagegen unsäglich; er wundert sich, dass Samuel L. Jackson mitspielt.

Nur im Print: die Fortsetzung des Schulschwerpunkts mit Artikeln über das Deep Springs College, Musikunterricht beziehungsweise die Rückkehr von Brahms ins Klassenzimmer, Versuche, das Essen an Schulen zu verbessern, eine Grundschule in der Wüste, die Bedeutung von Aufschlüssen aus der Baby-Hirnforschung und Lyrik.