In einem sehr unterhaltsamen und detailreichen Essay
beschreibt Stacy Schiff den
Kampf zwischen
Wikipedia und Expertenwissen und kommt zu dem Schluss: "Die Internetenzyklopädie bleibt vorläufig ein bruchstückhaftes Work in Progress. Was soll man auch über eine Enzyklopädie sagen, die manchmal stimmt, manchmal nicht und manchmal völlig ahnungslos daherkommt?" Die Leute haben Mainstream-Medien und
Autoritäten satt, sie wollen sich nicht mehr still füttern lassen, sondern antworten. Das zeigt auch das von Wikipedia selbst entwickelte
Autorenprofil: "Es gibt
Wikipedianer mit Asperger Syndrom (72), zweipolige, vegetarische, antivegetarische, existenzialistische und
Pro-Luxemburg Wikipedianer und solche, die nicht kategorisiert werden wollen. Eine Seite von Wikipedia bekundet das lebhafte Interesse des Unternehmens,
Leute zu plagen: 'Computerprogrammierer, Wissenschaftler, Hochschulabsolventen, Game-Show-Kandidaten, Nachrichtenjunkies, Arbeitslose, Bald-Arbeitslose sowie Leute mit vielseitigen Interessen und gutem Gedächtnis im Allgemeinen'. Möglicherweise bewegen Sie sich ja in höheren Kreisen, aber das deckt so ziemlich das
gesamte Personenspektrum ab, das ich kenne."
Weitere Artikel: David Remnick
kommentiert die "verwirrenden" Reaktionen des Westens auf den jüngsten
Nahostkonflikt: Nur
Jacques Chirac habe eine klare Erklärung abgegeben. Jon Lee Anderson
besuchte ein Schauspiel-Ferienlager für Kinder in Beirut. Paul Simms
glossiert eine Meldung über die Nebenwirkung einer Schlaftablette:
schlafwandelnde Heißhungerattacken. Paul Goldberger
stellt die "Neuerfindung des Convention Centers" in Mailand vor, die der italienische Architekt
Massimiliano Fuksas für die Mailänder Messe realisiert hat. Frances Fitzgerald
beschreibt das Rennen um die Gouverneursposten in Ohio als Testfall für die Macht der
christlichen Rechten. Zu
lesen ist außerdem die Erzählung "First Defeat" von
Alberto Mendez.
Besprechungen: John Updike
porträtiert den kenianischen Schriftsteller, Dramatiker, Journalisten und Wissenschaftler
Ngugi wa Thiong'o und stellt sein erstmals vom Autor selbst aus der
Gikuyu-Sprache ins Englische übersetzte Buch
"Wizard of the Crow" vor; darin schreibt er über die imaginäre Freie Republik Aburiria, in der unheilvolle dämonische Kräfte, aber auch gütige
Magie und Hexerei wirken. Die
Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Übersetzung des Briefwechsels zwischen
Rainer Maria Rilke und
Lou Andreas-Salome (Norton). Peter Schjeldahl
führt durch die "beste New Yorker Kunstausstellung dieses Sommers", eine
Jackson Pollock-Schau im
Guggenheim Museum. Und David Denby
sah Michael Manns Neuverfilmung der TV-Kultserie
"Miami Vice" mit Colin Farrell und Jamie Foxx sowie die
Independant-Komödie "Little Miss Sunshine" von Jonathan Dayton und Valerie Faris und bemerkt dazu: "Independant heißt in diesem Falle:
ohne Owen Wilson, Ben Stiller, Jim Carrey oder gar Vince Vaughn."
Nur im
Print: eine Reportage über "
Castros letzte Schlacht" zur Aufrechterhaltung der Revolution, das Porträt eines Hummerzüchters, der versucht, den
Kabeljau wieder an seine Laichplätze vor der Küste von Maine anzusiedeln (hier ein
Interview mit dem Autor), und
Lyrik.