Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 67 von 86

Magazinrundschau vom 22.08.2006 - New Yorker

Paul Goldberger stellt den jüngsten Bau von Daniel Libeskind, das Denver Art Museum vor. Im Gegensatz zu seinem Projekt für Ground Zero werde hier viel von Libeskinds Ideen und Visionen sichtbar - was offenbar geschätzt wird. "George Thorn, der mit dem Museum und anderen zusammen in der Nachbarschaft Wohnanlagen mit Eigentumswohnungen errichtet hatte, erzählt, dass sich nicht diejenigen Wohneinheiten mit Blick auf die Rocky Mountains am leichtesten verkauft hätten, was in Denver bei Immobilien gewöhnlich der Fall sei, sondern die mit Blick auf das Museum. Es erschließt sich leicht, warum. Viele dieser Wohnungen haben große Fenster, die direkt auf Libeskinds kaum fünfzig Fuß entfernte Seitenfassade mit ihren kristallinen Scherbenformen hinausgehen. Vielleicht ist es dieser Blick, den Libeskind die ganze Zeit im Kopf hatte. Von hier aus fühlt sich das Museum nicht mehr wie ein Stück Architektur an. Sondern eher wie eine gewaltige Titanskulptur, die als Dekoration für Ihr Wohnzimmer entworfen wurde."

Weitere Artikel: Malcolm Gladwell erklärt, was das "irische Wirtschaftswunder" mit der Finanzkrise von General Motors zu tun hat (Renten!). Adam Gopnik kommentiert George W. Bushs Sommerlektüre, darunter Camus' "Der Fremde". Zu lesen ist außerdem die Erzählung "How Was It to Be Dead?? von Richard Ford.

David Denby rezensiert zwei neue Bücher über Leben und Werk von Upton Sinclair: den "intimen und intellektuell scharfsinnigen" Band "Radical Innocent: Upton Sinclair" von Anthony Arthur (Random House) und die "politische und anekdotenreichere" Studie "Upton Sinclair and the Other American Century? von Kevin Mattson (John Wiley & Sons). Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Studie über die menschliche Stimme, die spekuliert, dass Al Gore und John Kerry an "mangelndem stimmlichen Charisma" gescheitert seien. Peter Schjeldahl führt durch die Ausstellung "Napoleon on the Nile: Soldiers, Artists and the Rediscovery of Egypt" im Dahesh Museum. Und Anthony Lane sah im Kino "Factotum" - "ein Film mit Aplomb" über den Schriftsteller Henry "Hank" Chinasky - des norwegischen Regisseurs Bent Hamer mit Matt Dillon in der Hauptrolle und den Dokumentarfilm "This Film Is Not Yet Rated" von Kirby Dick über die Arbeitsweise, Funktion und moralischen Kriterien der Motion Picture Association of America.

Nur im Print: ein Artikel über den Albtraum Lampenfieber, der Versuch der Beantwortung der Frage, wer die Poincare-Vermutung tatsächlich gelöst habe und Lyrik.

Magazinrundschau vom 15.08.2006 - New Yorker

Seymour M. Hersh untersucht die "Interessen Amerikas an Israels Krieg". Trotz der bei Beginn der Auseinandersetzungen offiziell abwartenden Haltung des amerikanischen Außenministeriums stehe fest: "Die Regierung Bush war eng in die Pläne für die israelischen Vergeltungsschläge einbezogen. Präsident Bush und Vize Dick Cheney waren, wie mir derzeitige und frühere Geheimdienstleute und Diplomaten erzählten, davon überzeugt, dass eine erfolgreiche Bombenattacke der israelischen Luftwaffe gegen die Hisbollah ... Israels Sicherheitsbedenken beruhigen und zugleich als Auftakt zu einem möglichen amerikanischen Präventivschlag dienen könnte, um die Atomanlagen des Iran zu zerstören."

Zu lesen sind außerdem ein Kommentar von Hendrik Herzberg über den wachsenden Widerstand gegen den Irakkrieg und die Erzählung "The Spot" von David Means. Adam Kirsch bespricht unter der schönen Überschrift "Der bekiffte Philosoph" die englische Erstveröffentlichung von Walter Benjamins "Über Haschisch" und die "Berliner Kindheit". Joan Acocella schreibt über israelischen Tanz im Lincoln Center. Alex Ross stellt drei neue amerikanische Opern vor. Und David Denby sah im Kino Oliver Stones Film "World Trade Center" über den 11. September. Er fand ihn wider Erwarten gar nicht so schlecht: "Stone bahnt sich seinen Weg zu unseren Gefühlen mit dem gewöhnlichen Nachdruck, aber mit mehr Klarheit, Vernunft und Maß als in der Vergangenheit."

Nur im Print: ein Brief aus New Orleans über ein verlorenes Jahr, ein Text, der sich mit der sich nicht unmittelbar erschließenden Frage beschäftigt, ob Surfen je wieder sein wird, was es einmal war, eine Untersuchung, was Dirigenten Musikern eigentlich übermitteln, und Lyrik.

Magazinrundschau vom 01.08.2006 - New Yorker

Der bekannte Reporter Jon Lee Anderson schickt eine sehr lange und instruktive Reportage aus dem Libanon, für die er auch mit einigen Funktionären der Hisbollah sprach, und bringt recht traurige Perspektiven mit: "Auch wenn es Israel gelingen sollte, die Hisbollah-Kämpfer zu vertreiben, wird Nasrallah wohl der mächtigste Politiker des Landes bleiben, auch weil das Chaos der letzten Wochen die Schwäche der libanesischen Regierung offenbarte. Die meisten libanesischen Kommentatoren, mit denen ich sprach, machten keinen Hehl aus ihrer Überzeugung, dass die Hisbollah gestärkt aus dem Konflikt hervorgehen würde."

Weitere Artikel: John Updike greift die letzte Essaysammlung von Edward Said auf, in der dieser über das Spätwerk von Komponisten nachdenkt (Auszug), und liefert einige Meditationen über das Spätwerk Shakespeares, Nathaniel Hawthornes und Melvilles. Benjamin Kunkel, der neue Shooting Star der amerikanischen Literatur (ein Auszug aus "Indecision" und mehr hier) macht sich Gedanken über Becketts Prosa. Sasha Frere-Jones stellt die japanische Kultband "The Boredoms" vor. Außerdem wird eine Short Story von Edward P. Jones veröffentlicht: "Bad Neighbors".

Anthony Lane sah die Filme "13 Tzameti" und "Conversations with Other Women". Letzterer, schreibt er, ist die Geschichte eines Mannes und einer Frau, die sich bei einer Hochzeit treffen und die Nacht miteinander verbringen. Die zwei sind durch den Kinobildschirm getrennt, der in zwei Hälften geteilt ist. "Der ideale Zuschauer wäre natürlich Jean-Paul Sartre, der menschliche Plattfisch, dessen unabhängig voneinander rollende Augen es ihm erlaubten, gleichzeitig Simone de Beauvoir und einem 15-jährigen Schulmädchen nachzugucken, die in die entgegengesetzte Richtung über den Boulevard Saint Germain spazierten."

Magazinrundschau vom 25.07.2006 - New Yorker

In einem sehr unterhaltsamen und detailreichen Essay beschreibt Stacy Schiff den Kampf zwischen Wikipedia und Expertenwissen und kommt zu dem Schluss: "Die Internetenzyklopädie bleibt vorläufig ein bruchstückhaftes Work in Progress. Was soll man auch über eine Enzyklopädie sagen, die manchmal stimmt, manchmal nicht und manchmal völlig ahnungslos daherkommt?" Die Leute haben Mainstream-Medien und Autoritäten satt, sie wollen sich nicht mehr still füttern lassen, sondern antworten. Das zeigt auch das von Wikipedia selbst entwickelte Autorenprofil: "Es gibt Wikipedianer mit Asperger Syndrom (72), zweipolige, vegetarische, antivegetarische, existenzialistische und Pro-Luxemburg Wikipedianer und solche, die nicht kategorisiert werden wollen. Eine Seite von Wikipedia bekundet das lebhafte Interesse des Unternehmens, Leute zu plagen: 'Computerprogrammierer, Wissenschaftler, Hochschulabsolventen, Game-Show-Kandidaten, Nachrichtenjunkies, Arbeitslose, Bald-Arbeitslose sowie Leute mit vielseitigen Interessen und gutem Gedächtnis im Allgemeinen'. Möglicherweise bewegen Sie sich ja in höheren Kreisen, aber das deckt so ziemlich das gesamte Personenspektrum ab, das ich kenne."

Weitere Artikel: David Remnick kommentiert die "verwirrenden" Reaktionen des Westens auf den jüngsten Nahostkonflikt: Nur Jacques Chirac habe eine klare Erklärung abgegeben. Jon Lee Anderson besuchte ein Schauspiel-Ferienlager für Kinder in Beirut. Paul Simms glossiert eine Meldung über die Nebenwirkung einer Schlaftablette: schlafwandelnde Heißhungerattacken. Paul Goldberger stellt die "Neuerfindung des Convention Centers" in Mailand vor, die der italienische Architekt Massimiliano Fuksas für die Mailänder Messe realisiert hat. Frances Fitzgerald beschreibt das Rennen um die Gouverneursposten in Ohio als Testfall für die Macht der christlichen Rechten. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "First Defeat" von Alberto Mendez.

Besprechungen: John Updike porträtiert den kenianischen Schriftsteller, Dramatiker, Journalisten und Wissenschaftler Ngugi wa Thiong'o und stellt sein erstmals vom Autor selbst aus der Gikuyu-Sprache ins Englische übersetzte Buch "Wizard of the Crow" vor; darin schreibt er über die imaginäre Freie Republik Aburiria, in der unheilvolle dämonische Kräfte, aber auch gütige Magie und Hexerei wirken. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Übersetzung des Briefwechsels zwischen Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salome (Norton). Peter Schjeldahl führt durch die "beste New Yorker Kunstausstellung dieses Sommers", eine Jackson Pollock-Schau im Guggenheim Museum. Und David Denby sah Michael Manns Neuverfilmung der TV-Kultserie "Miami Vice" mit Colin Farrell und Jamie Foxx sowie die Independant-Komödie "Little Miss Sunshine" von Jonathan Dayton und Valerie Faris und bemerkt dazu: "Independant heißt in diesem Falle: ohne Owen Wilson, Ben Stiller, Jim Carrey oder gar Vince Vaughn."

Nur im Print: eine Reportage über "Castros letzte Schlacht" zur Aufrechterhaltung der Revolution, das Porträt eines Hummerzüchters, der versucht, den Kabeljau wieder an seine Laichplätze vor der Küste von Maine anzusiedeln (hier ein Interview mit dem Autor), und Lyrik.

Magazinrundschau vom 18.07.2006 - New Yorker

Peter Schjeldah besuchte das "Golden Girl" in der Neuen Galerie, das Klimt-Porträt "Adele Bloch-Bauer I", das der Kosmetikhersteller und Sammler Ronald S. Lauder kürzlich für die Rekordsumme von 135 Millionen Dollar erwarb. "Ist sie das wert?", fragt er sich und antwortet: "Noch nicht. Derart besondere Gemälde stehen nicht häufig zum Verkauf, und die 104 Millionen Dollar, die vor zwei Jahren für einen mittelmäßigen Picasso - "Boy with a Pipe" - ausgegeben wurden, markierten jenen irrationalen Überschwang, der zum neuen Motto des boomenden Kunstmarkts werden könnte."

Weiteres: Für die USA rätselt Adam Gopnik: "Warum hat Zidane das gemacht?" Alex Ross überspielte eine Mozart-Gesamtausgabe von Philips aus dem Jahre 1991 auf seinen iPod und hört sich nun durch 9.77 Gigabytes Köchelverzeichnis. Jerome Groopman beschäftigt sich mit der Enträtselung einer Schwangerschaftsstörung namens Präeklampsie. Sasha Frere-Jones porträtiert die britische Band Scritti Politti und ihre "Theorie für Gefühle". Und Anthony Lane sah der zweiten Teil von "Piraten der Karibik", und "Edmond". Lesen dürfen wir schließlich die Erzählung "Folie a deux" von William Trevor.

Magazinrundschau vom 04.07.2006 - New Yorker

In einem wie immer bestens recherchierten Bericht erklärt Seymour M. Hersh das Problem des amerikanischen Militärs mit der Iran-Politik des Präsidenten: "Entscheidend für die Vorbehalte des Militärs, sagen die Offiziere, ist die Tatsache, dass weder die amerikanischen noch die europäischen Geheimdienste konkrete Hinweise auf geheime Atom-Aktivitäten oder versteckte Anlagen gefunden haben. Die Kriegsplaner wissen nicht, worauf sie zielen sollen. 'Das Angebot an Zielen im Iran ist groß, aber nicht fassbar', sagte mir ein hochrangiger General. 'Die Frage, vor der wir stehen, lautet: Wann wird aus harmloser Infrastruktur eine gefährliche?' Der hochrangige General fügte hinzu, dass die Erfahrungen des Militärs im Irak, bei dem die Informationen über Massenvernichtungswaffen so fehlerhaft waren, seine Haltung gegenüber dem Iran verändert hätten. 'Wir haben im Irak eine große Schimäre aufgebaut, und nichts war da.'"

Weitere Artikel: David Remnick kommentiert die Attacken des Weißen Hauses gegen die New York Times. Judith Thurman beschreibt ein Treffen mit Charlotte Rampling. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Phone Call" von Alexander Solschenizyn.

Besprochen werden Peter Beinarts Buch "The Good Fight: Why Liberals - and Only Liberals - Can Win the War on Terror and Make America Great Again", Chris Andersons Studie über den Niedergang von Megaverkaufsschlagern "The Long Tail: Why the Future of Business Is Selling Less of More" (Rezensent John Cassidy hat für die beispielgebenden Firmen Amazon, Google eBay etc. einen weniger freundlichen Namen: Oligopole. Mehr zum Buch hier) und David Frankels Filmkomödie "The Devil Wears Prada" mit Meryl Streep als Vogue-Biest Anna Wintour - "schillerndes Unterhaltungskino wie in den Tagen von George Cukor oder Stanley Donen", findet David Denby.

Nur im Print: ein Bericht über einen Geheimagenten, der gute Chancen hatte, den 11. September verhindern zu können (online zu lesen ist ein Interview mit dem Autor), Artikel über die HipHop-Radiostation Hot 97 sowie über die Sorte Humor, die Hollywood gar nicht lustig findet. Außerdem Lyrik von Mary Stewart Hammond und William Logan.

Magazinrundschau vom 27.06.2006 - New Yorker

Unter der Überschrift "Also aß Zarathustra" widmet sich Woody Allen einer in Heidelberg gefundenen Schrift: "Friedrich Nietzsches Diät Buch". Deren Echtheit werde von "einigen Nörglern" zwar bezweifelt, Kenner des Werks, so Allen, bescheinigten ihm dagegen, dass "kein anderer westlicher Denker so dicht daran war, Platon und die Pritikin-Diät unter einen Hut zu bringen". Allen zitiert Auszüge: "Fett ist eine Substanz oder die Essenz einer Substanz oder eine Form dieser Essenz. Das große Problem setzt ein, wenn es sich auf den Hüften anlagert. Bei den Vorsokratikern war es Zeno, der meinte, dass Gewicht eine Illusion sei, und egal, wie viel ein Mensch auch esse, er immer nur halb so fett wäre wie einer, der nie Liegestützen mache."

Weiteres: Joan Acocella stellt zwei neue Biografien des Romanciers und zweimaligen britischen Premierministers Benjamin Disraeli vor, die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Studie über die CIA und die "One Percent Doctrine", eine von Vizepräsident Dick Cheney ausgegebene Losung, wonach jede "Drohung", die auch nur zu einem Prozent stimmen könne, ernst genommen werden müsse. Alex Ross hörte die letzten drei Konzerte von Daniel Barenboim mit dem Chicago Symphony Orchestra und überwand vor allem nach Beethovens Neunter ("fünfzehn Minuten stehende Ovationen") den "Widerwillen" gegen den "plumpen und chaotischen Klang", den er bei dessen Amtsantritt vor gut zehn Jahren empfunden hatte. Joan Acocella begeisterte sich im Rahmen des New Yorker Diamonds Projects für eine Choreografie von Bolschoi-Chef Alexei Ratmansky ("die Ankunft eines Adlers auf dem Bauernhof"). Hilton Als stellt zwei Theaterproduktionen vor ( "King Lear", "The House in Town"), und Anthony Lane sah im Kino "Superman Returns", dessen Publikumszusammensetzung einem "zufällig anwesenden Demografen reichlich Stoff zum Nachdenken" geliefert hätte. Zu lesen ist außerdem Erzählung "Carnival, Las Tablas" von Cristina Henriquez.

Nur im Print: ein Bericht über Neurochirurgie und die Anpassungsfähigkeit des Gehirns, Porträts eines "heimlichen Architekten" des Kriegs gegen den Terror und des spanischen Modemachers Cristobal Balenciaga, außerdem Lyrik.

Magazinrundschau vom 20.06.2006 - New Yorker

Der Dadaismus war ein Vorläufer des Cool, konstatiert Peter Schjeldahl nach einem Tag in der aus Paris stammenden Schau im Moma. "Wer sich fragte, was dahinter steckt, hat es nie erfahren. Man musste dabei gewesen sein, weshalb die informativsten der im Moma gezeigten Objekte die Filme sind, besonders der irre 'Entr'acte'(1924) von Rene Clair und Picabia, mit einem Soundtrack von Erik Satie (mehr). Eine tanzende Ballerina, gefilmt von unten durch Glas, stellt sich als fett und bärtig heraus. Duchamp und Man Ray spielen Schach auf einem Dach, bis ein Wasserstrahl das Brett leerfegt. Ein drolliger Schütze mit Tirolerhut wird erschossen. Sein Leichenwagen bricht von dem Kamel weg, das ihn zieht. Die Trauergäste folgen in einem absurden Gespringe, und das alles in Zeitlupe. Der Leichenwagen zerschellt auf einem Feld. Der wiederbelebte Tote berührt die Trauergäste, die verschwinden."

Weitere Artikel: Sasha Frere-Jones wünscht sich mehr Bands wie Radiohead, die sich von ihrem Label befreit haben, um über den Vertrieb im Internet nachdenken. David Denby sah die Filme "The Road to Guantanamo" und "Nacho Libre". Louis Menand stellt Robert Greenfields "erschöpfende Timothy-Leary-Biografie vor. Der Autor David Sedaris hält ein humoriges Memoriam auf seine Zeit in Princeton, als sie einen Gott namens Sashatiba anbeteten, und er Vater- und Muttermord studierte. Außerdem zu lesen ist Ruth Prawer Jhabvalas Kurzgeschichte "Innocence".

Leider nur im Print: Joshua Hammers Brief aus Zimbabwe. Bill Bufords Porträt eines Küchenchefs für Desserts! Und Ian Fraziers Bericht über Utopia in der Bronx: Co-op city.

Magazinrundschau vom 06.06.2006 - New Yorker

Als Teil seines Sommer-Erzählungsspecials bringt der New Yorker vier Beschreibungeb über das Lebens in Kriegszeiten. Zu lesen sind Texte von Chimamanda Ngozi Adichie über Sierra Leone 1997, Tony D'Souza über die Elfenbeinküste 2000, Aleksandar Hemon über Jugoslawien 1991, Neal Sheehan über Vietnam 1966 und Wendell Stevenson über den Irak im Jahr 2004: Er saß mit einer Gruppe Journalisten im Cafe eines Hotels und sie tauschten Horrorgeschichten aus. "Die Diskussion kreiste wie die Whiskyflasche. Die Spanier wollten ihre Truppen abziehen; Dolmetscher würden auf dem Highway über den Haufen geschossen; es gebe Todesdrohungen und Scharfschützen auf den Dächern von Sadr City. (...) Später, betrunkener, glitt die Diskussion ab und drehte sich um Scheiß-Dschihads, blutpredigende Imame und diese gottesverrückten Idioten, die anderen die Köpfe abhackten. Habt ihr gesehen, dass sie Enthauptungen jetzt auf ihren Handy-Displays zeigen? Stop: Lasst uns über Coetzee, Orwell und V. S. Naipaul reden und warum Chalabi so ein Dummkopf ist. Es ergab sich eine politische Diskussion und mir fiel auf, dass wir Ausländer sehr wenig kapierten."

Weiteres: Alex Ross schreibt über die Abschiedsgala für den General Manager der Metropolitan Opera Joseph Volpe. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "My Parents' Bedroom" von Uwem Akpan.

Elizabeth Colbert bespricht wird eine Biografie über den Gouverneur von Louisiana, Huey P. Long, der im Jahre 1930 den Onkel seiner Sekretärin und Geliebten offenbar kurzerhand entführen ließ ("Kingfish: The Reign of Huey P. Long", Random House). Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einem Buch über Tamerlan, einen indischen Warlord des 14. Jahhrunderts. Nancy Franklin stellt die TV-Westernserie "Deadwoods" vor, und David Denby sah im Kino "A Prairie Home Companion" von Robert Altman und Garrison Keillor und den "epochalen Dokumentarfilm "An Inconvenient Truth" über Al Gore von Davis Guggenheim.

Nur im Print: Auszüge aus Briefen, E-Mails und Tagebüchern von Soldaten aus dem Irak, das Porträt eines Kampfpiloten und Dichters, eine Erzählung von Italo Calvino und Lyrik.

Magazinrundschau vom 30.05.2006 - New Yorker

Sasha Frere-Jones erklärt, was es braucht, damit britische Popmusiker auch in Amerika erfolgreich sind: "Ihre Lyrik sollte erhebend sein, sie sollten keinen erkennbaren englischen Akzent haben und jeden britischen Slang vermeiden." Die wahren, nicht-amerikanischen Helden der Popmusik stellt er im Online-Interview mit Ben Greenman vor: "Schweden haben keinen Akzent. Sie sind alle Genies. Sie sind blond. Sie singen auf Englisch."

Margaret Talbot porträtiert die italienische Journalistin und Autorin Oriana Fallaci, deren streitbare, emanzipatorische Haltung sie früher bewunderte. Das ist heute anders. "Die herrlich rebellische Oriana Fallaci kultiviert wie es scheint heutzutage die Ressentiments des Kleinbürgertums. Sie ist gegen Abtreibung, es sei denn, sie 'wäre von Bin Laden oder Zarqawi vergewaltigt und schwanger geworden'. Sie ist entschieden gegen die Homo-Ehe ('Genau wie die Muslime gerne hätten, dass wir alle Muslime werden, hätten sie gerne, dass wir alle homosexuell werden') und misstrauisch gegenüber jeder Form der Immigration."

Weiteres: Adam Gopnik stellt zwei Studien vor, die einen neuen Blick auf die Französische Revolution und die damit verbundene Schreckensherrschaft werfen: "The Terror: The Merciless War for Freedom in Revolutionary France" (Farrar, Straus & Giroux) und "Fatal Purity: Robespierre and the French Revolution" (Metropolitan). Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem dem wunderbaren Porträt eines "obdachlosen Psychopathen" von Alexander Masters (deutsch: "Das kurze Leben des Stuart Shorter", Kunstmann). Und David Denby sah im Kino die dritte X-Men-Folge "X-Men: The Last Stand" von Brett Ratner und den Dokumentarfilm "The Cult of the Suicide Bomber" des CIA-Offiziers Robert Baer, dessen Erlebnisse im Mittleren Osten als Vorlage für George Clooneys Rolle in "Syriana" dienten. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Dimension" von Alice Munro.

Nur im Print: ein Porträt des Vorstandsvorsitzenden von Sony Howard Stringer und Lyrik von Rosanna Warren und Landis Everson.