Ernüchtert
zeigt sich Andrew Sullivan von der Lektüre zweier Bücher, die sich mit
Folterungen durch amerikanische Militärs beschäftigen: "
The Abu Ghraib Investigations. The Official Report of the Independent Panel and Pentagon on the Shocking Prisoner Abuse in Iraq", herausgegeben von Steven Strasser, und "
Torture and Truth. America, Abu Ghraib, and the War on Terror" von
Mark Danner (
Leseprobe). "Jetzt kann niemand mehr behaupten, dass diese Vorfälle auf ein Gefängnis in Baghdad beschränkt waren," meint Sullivan. "Es gab sie
überall: von Guantanamo Bay bis Afghanistan, Baghdad, Basra, Ramadi und Tikrit und, nach allem was wir wissen, in zahlreichen versteckten Gefängnissen." Die Regierung kommt ebenfalls nicht gut weg. "Diese Dokumente zeigen unmissverständlich, dass die
Entscheidungen des Präsidenten und des Verteidigungsministers zur Verwirrung, Unklarheit und Unordnung beitrugen, die wiederum direkt zu Missbrauch und Folter geführt haben."
Robert D. Kaplan
meint, dass Folter manchmal durchaus zu
wichtigen Erkenntnissen führen kann. Er will sich nach dem Studium des von
Sanford Levinson herausgegebenen und hochkarätig besetzten Sammelbands
"Torture" aber auf keine theoretische Seite schlagen. Vielmehr sympathisiert er mit den
Vernehmungsspezialisten, von denen einer unter dem Pseudonym
Chris Mackey zusammen mit dem Journalisten Greg Miller einen Band über seinen Job herausgegeben hat ("The Interrogators",
erstes Kapitel). Kaplan meint, mit einer besseren Ausbildung, mehr Geld und mehr Zusammenarbeit zwischen den Geheimdiensten wäre die Folter nicht mehr so notwendig. "Als ich mit den Army Special Forces in Afghanistan war, war ich schockiert, wie eine
schwerfällige Bürokratie die Jagd nach Terroristen an der pakistanischen Grenze behindert. Eine Regierung, die solche Probleme
dynamisch angeht, wird der Öffentlichkeit mehr Sicherheit verschaffen als eine, die die Grenzen zur körperlichen Folter ausweitet."
Weiteres: In einem Essay
schildert Rachel Donadio die Diskussion um
Stephen Greenblatt, dessen fiktional angereicherte Shakespeare-Biografie
"Will in der Welt" von den Lesern begeistert, den Kollegen aber eher feindselig aufgenommen wurde. Und zwei weitere Besprechungen: Patricia T. O'Conner
freut sich schon auf
Carole Cadwalladrs zweites Buch. Ihr Debütroman "The Family Tree", in dem sie mit "verschlagenem Humor" drei Generationen einer
bizarren englischen Familie vorstellt, sei zwar manchmal ein wenig unübersichtlich, aber "ambitioniert". "Fesselnd"
findet Neil Genzlinger
Harold Evans Porträts von
amerikanischen Erfindern und Pionieren, die ihr Land und natürlich die Welt vorangebracht haben (
hier die Einleitung). So erfährt man etwa, dass Levi Strauss es vorzog, seine Jeans
"hüftlange Overalls" zu nennen.
Im
New York Times Magazine berichtet Eliza Griswold aus
Bangladesch, das sich unerwartet von einem Hoffnungsmodell der Demokratie und Toleranz zu einem Sammelbecken für Militante entwickelt. Im Nordwesten des Landes etwa basteln
Bangla Bhai und seine etwa 10.000 Anhänger mit Terrormethoden an einer
islamischen Revolution im Talibanstil. Untersuchungen gibt es nicht, Geschichten aber genug, so wie jene, die Griswold von einem Ladenbesitzer erfährt. "Er erzählte mir, dass er in den vergangenen Monaten mehr als 50 Männer gesehen hat, die mit
angebundenen Füßen von einem Bambusgestell herunterhingen und mit Hämmern, Eisenstangen und
Hockeyschlägern geschlagen wurden, in Bangladesh recht übliche Waffen. Bei der Erinnerung an diese Grausamkeiten verzog er sein Gesicht für eine Sekunde, dann verlor sein
fleischiges Gesicht jeglichen Ausdruck." Der Widerstand formiert sich auch im
Internet.
Weitere Artikel: John Leland
besucht den 29-jährigen
Punk-Priester Jay Bakker, dessen Eltern einst eine religiöse
Fernsehshow und mit Heritage USA den drittgrößten Themenpark der Vereinigten Staaten betrieben. Der tätowierte Bakker hält nun Messen unter anderem in Clubs und
entschuldigt sich, wenn er zu predigerhaft wird. In der Titelgeschichte
untersucht Daniel Bergner, wie man zum
Kinderschänder wird - durch die eigene Vergangenheit, den Charakter oder das Internet? Außerdem
beäugt Christopher Caldwell die neue
Politik des gespielten Gefühls, und Deborah Solomon
befragt den Sachbuchautor und Katastrophenexperten
Simon Winchester ("Krakatau") nach dem
Bösen in der Natur.