Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

802 Presseschau-Absätze - Seite 66 von 81

Magazinrundschau vom 01.02.2005 - New York Times

Vor acht Jahren hat der Physiologe und Geograf Jared Diamond mit seiner Studie "Guns, Germs, and Steel", in der er die Gründe für die Entstehung der heutigen Nationen beleuchtete, einen Riesenerfolg gelandet. In "Collapse" (erstes Kapitel) untersucht er nun, ob diese Nationen bestehen bleiben. Gregg Easterbrook geht vor beiden Bänden auf die Knie. "Zusammen repräsentieren sie eines der bedeutendsten Projekte, das je ein Intellektueller unserer Generation angegangen ist. Es sind wunderbare Bücher. Außergewöhnlich ihre Gelehrsamkeit und Originalität, packend ihre Fähigkeit, das digitalisierte Pandämonium der Gegenwart mit den schweigenden ländlichen Sonnenaufgängen der Vergangenheit zu verbinden. Beim Lesen habe ich mir gedacht, wie die Literatur wohl wäre, wenn jeder Autor so viel wüsste, so klar schreiben und seine Argumente mit solcher Sorgfalt formulieren würde. Das alles macht die beiden Bücher atemberaubend, denn beide kommen zu wahrscheinlich falschen Schlussfolgerungen."

Weitere Artikel: Der Autor Stephen Johnson fragt sich, ob die Schreibarbeit mit dem Computer nicht auch das Denken verändert. Wendy Shalit beklagt in einem Beitrag die Inflation der Schriftsteller, die sich als jüdische Ultra-Orthodoxe ausgeben, deren Insiderberichte aber nur von ihrem Unwissen zeugen. Aus den weiteren Besprechungen: "Gründlich und brillant" stellt der Englischprofessor Robert M. Polhemus den Lot-Komplex vor, lobt Karthryn Harrison, die jetzt alles über die Hingezogenheit sehr junger Mädchen zu älteren Herren weiß. Bruce Barcott verreißt "State of Fear", den neuen Thriller von Michael Crichton, der gar kein Thriller, sondern eher ein Vehikel für Crichtons Ansichten über die globale Erwärmungslüge ist, und deshalb sogar "ärgerliche" Fußnoten aufweist. Hier der Anfang, noch ohne Fußnote.

Michael Ignatieff fordert im New York Times Magazine erbost, die irakische Demokratie und vor allem die demokratischen Iraker nicht von vornherein aufzugeben. "Der Defätismus der Washingtoner Think Tanks und Leitartikel übersieht eine einfache Tatsache: die einzigen Beispiele politischer Besonnenheit und demokratischen Muts, seit die Amerikaner 2003 in den Irak gerollt sind, kamen von den so verachteten Irakern, und nicht von ihren vermeintlich allwissenden imperialen Wohltätern."

Drake Bennett stellt den Chemiker Alexander Shulgin vor, der zurückgezogen in Nordkalifornien lebt und als Doyen der psychedelischen Drogen gilt. 1976 hat er in seinem Hinterhoflabor etwa Ecstasy als Droge entdeckt. "Nach Shulgins eigener Zählung hat er fast 200 psychedelische Substanzen geschaffen, unter anderem Stimulanzien, Beruhigungsmittel, Aphrodisiaka, 'Empathogene', Krampfmittel, Drogen die das Hören verändern, Drogen die das Zeitgefühl verlangsamen, Drogen die es beschleunigen, Drogen die gewaltsame Ausbrüche auslösen, Drogen die Emotionen abtöten - kurz gesagt, ein wahres Lexikon der sinnlichen und emotionalen Erfahrung." Bisher wurde ihm die Aufnahme in die seriöse Wissenschaftlergemeinde verweigert. Doch gerade wird getestet, ob eine seiner Entdeckungen die Todesangst von Krebspatienten zu lindern vermag." (Hier eine Website, auf der Shulgin Fragen über Drogen beantwortet.)

Weitere Artikel: Matt Bai schreibt ein großes Porträt von Andy Stern, der die größte und am schnellsten wachsende Gewerkschaft der USA leitet, die Service Employees International Union (S.E.I.U.). Stern hat große Pläne und keine Angst, die anderen Gewerkschaften und auch die Demokraten in unerhörter Weise zu kritisieren. So forderte er im November 2004 die Dachorganisation der Gewerkschaften ultimativ auf, ihre 58 Gewerkschaften in 20 zusammenzufassen; anderenfalls würde die S.E.I.U. die Dachorganisation verlassen. Deborah Solomon unterhält sich mit Performancekünstlerin Laurie Anderson, die gerade ihre Zeit als erste und wahrscheinlich einzige Hauskünstlerin der NASA abgeschlossen hat. Und Robin Marantz Henig besucht den an Progeria erkrankten Sam, der einen Vorteil hat: seine Mutter Dr. Leslie Gordon ist zu einer Koryphäe und mit ihrer Progeria Research Foundation auch zu einer einflussreichen Lobbyistin auf dem Gebiet geworden.

Magazinrundschau vom 25.01.2005 - New York Times

Ernüchtert zeigt sich Andrew Sullivan von der Lektüre zweier Bücher, die sich mit Folterungen durch amerikanische Militärs beschäftigen: "The Abu Ghraib Investigations. The Official Report of the Independent Panel and Pentagon on the Shocking Prisoner Abuse in Iraq", herausgegeben von Steven Strasser, und "Torture and Truth. America, Abu Ghraib, and the War on Terror" von Mark Danner (Leseprobe). "Jetzt kann niemand mehr behaupten, dass diese Vorfälle auf ein Gefängnis in Baghdad beschränkt waren," meint Sullivan. "Es gab sie überall: von Guantanamo Bay bis Afghanistan, Baghdad, Basra, Ramadi und Tikrit und, nach allem was wir wissen, in zahlreichen versteckten Gefängnissen." Die Regierung kommt ebenfalls nicht gut weg. "Diese Dokumente zeigen unmissverständlich, dass die Entscheidungen des Präsidenten und des Verteidigungsministers zur Verwirrung, Unklarheit und Unordnung beitrugen, die wiederum direkt zu Missbrauch und Folter geführt haben."

Robert D. Kaplan meint, dass Folter manchmal durchaus zu wichtigen Erkenntnissen führen kann. Er will sich nach dem Studium des von Sanford Levinson herausgegebenen und hochkarätig besetzten Sammelbands "Torture" aber auf keine theoretische Seite schlagen. Vielmehr sympathisiert er mit den Vernehmungsspezialisten, von denen einer unter dem Pseudonym Chris Mackey zusammen mit dem Journalisten Greg Miller einen Band über seinen Job herausgegeben hat ("The Interrogators", erstes Kapitel). Kaplan meint, mit einer besseren Ausbildung, mehr Geld und mehr Zusammenarbeit zwischen den Geheimdiensten wäre die Folter nicht mehr so notwendig. "Als ich mit den Army Special Forces in Afghanistan war, war ich schockiert, wie eine schwerfällige Bürokratie die Jagd nach Terroristen an der pakistanischen Grenze behindert. Eine Regierung, die solche Probleme dynamisch angeht, wird der Öffentlichkeit mehr Sicherheit verschaffen als eine, die die Grenzen zur körperlichen Folter ausweitet."

Weiteres: In einem Essay schildert Rachel Donadio die Diskussion um Stephen Greenblatt, dessen fiktional angereicherte Shakespeare-Biografie "Will in der Welt" von den Lesern begeistert, den Kollegen aber eher feindselig aufgenommen wurde. Und zwei weitere Besprechungen: Patricia T. O'Conner freut sich schon auf Carole Cadwalladrs zweites Buch. Ihr Debütroman "The Family Tree", in dem sie mit "verschlagenem Humor" drei Generationen einer bizarren englischen Familie vorstellt, sei zwar manchmal ein wenig unübersichtlich, aber "ambitioniert". "Fesselnd" findet Neil Genzlinger Harold Evans Porträts von amerikanischen Erfindern und Pionieren, die ihr Land und natürlich die Welt vorangebracht haben (hier die Einleitung). So erfährt man etwa, dass Levi Strauss es vorzog, seine Jeans "hüftlange Overalls" zu nennen.

Im New York Times Magazine berichtet Eliza Griswold aus Bangladesch, das sich unerwartet von einem Hoffnungsmodell der Demokratie und Toleranz zu einem Sammelbecken für Militante entwickelt. Im Nordwesten des Landes etwa basteln Bangla Bhai und seine etwa 10.000 Anhänger mit Terrormethoden an einer islamischen Revolution im Talibanstil. Untersuchungen gibt es nicht, Geschichten aber genug, so wie jene, die Griswold von einem Ladenbesitzer erfährt. "Er erzählte mir, dass er in den vergangenen Monaten mehr als 50 Männer gesehen hat, die mit angebundenen Füßen von einem Bambusgestell herunterhingen und mit Hämmern, Eisenstangen und Hockeyschlägern geschlagen wurden, in Bangladesh recht übliche Waffen. Bei der Erinnerung an diese Grausamkeiten verzog er sein Gesicht für eine Sekunde, dann verlor sein fleischiges Gesicht jeglichen Ausdruck." Der Widerstand formiert sich auch im Internet.

Weitere Artikel: John Leland besucht den 29-jährigen Punk-Priester Jay Bakker, dessen Eltern einst eine religiöse Fernsehshow und mit Heritage USA den drittgrößten Themenpark der Vereinigten Staaten betrieben. Der tätowierte Bakker hält nun Messen unter anderem in Clubs und entschuldigt sich, wenn er zu predigerhaft wird. In der Titelgeschichte untersucht Daniel Bergner, wie man zum Kinderschänder wird - durch die eigene Vergangenheit, den Charakter oder das Internet? Außerdem beäugt Christopher Caldwell die neue Politik des gespielten Gefühls, und Deborah Solomon befragt den Sachbuchautor und Katastrophenexperten Simon Winchester ("Krakatau") nach dem Bösen in der Natur.

Magazinrundschau vom 18.01.2005 - New York Times

Nach zwanzig Jahren hat die New York Times Book Review wieder eine Reihe junger Autoren wie Jonathan Safran Foer, Susan Choi, Zadie Smith oder JT Leroy nach ihren literarischen Vorbildern gefragt. Nell Freudenberger glaubt nicht, dass man von anderen Schriftstellern etwas lernen kann: "Die meisten wünschen sich das auch gar nicht. Wie Zirkuskünstler wollen sie vor einem Publikum auftreten, dass sich zurücklehnt und verführen lässt - und nicht nach Hause rennt und Trapezstunden nimmt."

Unsere Intuition ist meist sogar besser als langes Nachdenken, behauptet Malcolm Gladwell in "Blink" nach einem wilden Ritt durch mehrer Wissenschaftsdisziplinen. David Brooks kann das nicht ganz glauben, ist aber trotzdem begeistert: "Wenn sie meinem ersten Eindruck glauben möchten, kaufen Sie dieses Buch: Sie werden entzückt sein. Wenn Sie meiner reflektierteren zweiten Einschätzung folgen möchten, kaufen Sie es: sie werden entzückt sein, aber frustriert, und verstört mit dem Willen nach mehr zurückgelassen werden." Hier das erste Kapitel.

Weitere Artikel: Elissa Schappell empfiehlt Curtis Sittenfelds Debütroman "Prep" (erstes Kapitel) wegen der "schneidenden und unparteiische Art", mit der Sittenfeld über Klassenunterschiede an Eliteschulen schreibt: Die Heldin lerne nämlich, dass "die Reichen nicht nur komplex und interessant sind, sie können ein Mittelklassemädchen etwas über Toleranz und Grazie lehren". In einem Essay entdeckt Virginia Postrel in der Neuauflage des erfolgreichen Handbuches zur Arbeitssuche "What Color Is Your Parachute?" eine Gegenthese zu Max Webers protestantischer Ethik: Hier muss die Arbeit nicht nur Erfüllung sein, sondern auch Spaß machen.

Im New York Times Magazine warnt Roger Lowenstein titelgebend davor, was die Regierung in den nächsten vier Jahren alles mit dem amerikanischen Sozialsystem anstellen will. Das "könnte mehr dazu beitragen, den New Deal rückgängig zu machen, als Goldwater, Stockman und Reagan sich je hätten träumen lassen."

Weitere Artikel: Arthur Lubow porträtiert Thom Mayne, den Lieblingsarchitekten der Regierung: Die großen öffentlichen Ausschreibungen der vergangenen Zeit hat sein Büro Morphosis fast alle gewonnen (ein Buch hat er auch schon darüber geschrieben). Andreas Killen blickt zurück zurück und schildert die ersten Flugzeugentführungen in den Siebzigern, als in den USA allein alle zwei Wochen ein Jumbo gekidnappt wurde. Und Deborah Solomon befragt den Schotten Craig Ferguson, warum er als Moderator für die Late Late Show eingestellt wurde, obwohl er so gut aussieht.

Magazinrundschau vom 11.01.2005 - New York Times

Im New York Times Magazine sieht sich Christopher Caldwell den ehemaligen englischen BBC-Talkshowmoderator Robert Kilroy-Silk an, der als prominentes (unter anderem wegen seiner Vorankündigungen in Frageform) Zugpferd der antieuropäischen UKIP (The U.K. Independance Party) jetzt zwölf Sitze im europäischen Parlament verschafft hat. Die meistdiskutierte britische Partei fordert den Ausstieg aus eben jenem Parlament. Caldwell analysiert distanziert. "Die UKIP, wie viele Verweigerungsparteien im übrigen Europa, sieht die Nation bedroht von einem abgelegenen Clan von haarspalterischen, verbildeten, privilegierten liberalen Bürokraten, für die die europäische Union der Gipfel der politischen Evolution der Menschheit ist. Oft, aber nicht immer, verbinden solche Parteien Nativismus und klassenbezogene Ressentiments. Sie verlassen sich oft auf eine charismatische Figur, um ihnen den Weg anzuzeigen. Kilroy-Silk scheint wie gemacht für diese Aufgabe."

Weitere Artikel: Ted C. Fishman glaubt nicht, dass die chinesische Produktpiraterie bald eine Ende haben wird. Denn sie nützt Partei und Wirtschaft. Iain Webb stellt den britischen Accessoire-Designer Judy Blame vor, dessen postpunkiger Charme bis nach Amerika vorgedrungen ist. Deborah Solomon fragt Christine Gregoire, die neue Gouverneurin von Washington, wie es ist, mit handausgezählten 0,0046 Prozent Vorsprung zu gewinnen.

In der New York Times Book Review bespricht die Autorin Marilynne Robinson recht wohlwollend zwei neue Bücher von Steven M. Wise und von Adam Hochschild, die den langen Weg schildern, der zum Verbot der Sklaverei zunächst in England und schließlich den USA führte. Beide Autoren sehen den entscheidenden Wendepunkt im Prozess Somerset gegen Stewart 1772, bei dem der Vorsitzende Richter Lord Manfield den schönen Satz geäußert haben soll: "Die Luft Englands ist zu rein, als dass sie von einem Sklaven eingeatmet werden sollte."

Weitere Artikel: Der Englischprofessor William Deresiewicz verteidigt in einem Essay die englische Sprache gegen ihre selbsternannten Wächter: "So etwas wie Korrektes Englisch gibt es nicht und hat es nie gegeben." Den Wächtern bescheinigt er: "Linguistischer Snobismus wird geschürt durch die soziale Unsicherheit von Emporkömmlingen." Wenig begeistert ist Alan M. Dershowitz von John Grishams neuem Werk "The Broker": Ein "fachmännischer" Spionageroman, mehr nicht. (Hier eine Leseprobe.) Und Charles McGrath erlebt dank Wayne Coffeys "The Boys of Winter" (Leseprobe) ein berühmtes Gefecht des Kalten Kriegs noch einmal ganz genau: den Sieg der Amerikaner über die Sowjetunion im Eishockeyfinale der Olympischen Spiele 1980.

Magazinrundschau vom 04.01.2005 - New York Times

In der großen, elfseitigen Titelreportage des New York Times Magazine stellt Samantha M. Shapiro den neuen arabischen Nachrichtensender Al Arabiya vor, der aus Dubai sendet und in Abgrenzung zum großen Konkurrenten Al Jazeera mehr moderate Töne in die politische Diskussion einbringen will. Es ist ein vielversprechender Versuch, berichtet Shapiro. "Auf Anweisung des Chefredakteurs Al-Rashed nennen die Nachrichtensprecher von Al Arabiya die amerikanischen Truppen nun 'multinationale Kräfte' und nicht mehr 'Besatzungstruppen'. Er wies den Produzenten von 'The Fourth Estate', einer Sendung, die westliche Medien zusammenfasst, nicht mehr den Guardian und den Independent zu zitieren, zwei linksorientierte englische Blätter, deren Inhalt vorher einen Großteil des Sendematerials ausmachte. Eine Moderatorin von Al Arabiya erzählte mir, dass er angewiesen wurde, anti-amerikanische Parolen schwingende Interviewpartner zu unterbrechen, und andere Moderatoren mit denen ich sprach, sagten, dass sie die Order bekommen haben, hartnäckiger nachzufragen."

Weiteres: Daniel Menaker stellt die junge Sängerin Nellie McKay vor und zählt erst einmal 26 Stars auf, mit denen McKay bisher verglichen wurde, unter anderem auch Doris Day, ihr tatsächliches Vorbild. Emily Bazelon erklärt, wie im Commonwealth von Virginia Delinquenten nach einer mathematischen Risikoformel ins Gefängnis wandern. Elizabeth Weil fährt nach Starr County und versucht herauszufinden, warum die Hälfte der Kinder dort zu dick sind. Wegen der Armut? Sind es die Gene? "Oder geht etwas anderes vor?" Deborah Solomon unterhält sich mit der Leiterin von Bushs Vereidigungskomitee, was für Bälle demnächst so anstehen und was der neue alte Präsident gerne isst (Erdnussbutter).

Cynthia Ozick (mehr) hat 38 Jahre nach ihrem Erstling nun erstmals eine Promotion-Tour für ihren neuen Roman gemacht und plaudert in der New York Times Book Review aus dem Nähkästchen des Literaturwerbebetriebs. "Die ignorante Autorin weiß nicht, was ein Mediencoach ist oder was er macht. Aber der Mediencoach ist brillant! Aufmerksam! Beruhigend! Er spielt jede mögliche Art von Interviewer: Kess; schlau; gelangweilt; dreist; dumm; angestrengt; uninteressiert. Die Autorin kapiert und spuckt markige, bestsellermäßige Antworten aus, sie meistert die Technik. Dank dem Mediencoach ist die Autorin nun bereit, ein Millionenpublikum zu erobern."

Weitere Besprechungen: Will Blythe hofft, dass George Plimpton sehr hart an den Artikeln und Essays der posthum veröffentlichten Sammlung "The Man in the Flying Lawn Chair" (erstes Kapitel) gearbeitet hat. Denn es würde sein Weltverständnis erschüttern, wenn "dermaßen elegante und leichte Prosa, die anscheinend mit solcher Mühelosigkeit zu Papier gebracht wurde", ohne Mühen entstehen kann. War Christopher Marlowe besser als sein Zeitgenosse Shakespeare, fragt sich John Simon nach der Lektüre von David Riggs "ehrenwertem" Porträt des in Kneipenschlägereien aufblühenden, aber jung verstorbenen Dramatikers. Trinken und schneller Sex, das kann wunderbar inspirierend sein, meint Jonathan Miles und stellt einige Neuerscheinungen vor, die das "Low Life" anpreisen.

Magazinrundschau vom 28.12.2004 - New York Times

Köstlich zu lesen ist Walter Kirns Lobpreisung der grandiosen Sammlung der "Complete Cartoons of the New Yorker". 2000 sind im Buch abgedruckt, der Rest findet sich auf den beiden beigelegten CDs (eine kleine Auswahl hier). Nach Ansicht der jüngeren Beispiele scheint es Kirn, dass das Genre seine Reifezeit erreicht hat. "Obwohl es dumm wäre anzunehmen, dass ... eine Renaissance und ein Wiederaufleben nicht immer noch möglich wären (Amerika wählt vielleicht auch mal wieder einen demokratischen Senat), beschleicht einen das Gefühl, dass die Cartoons den Job erledigt haben, den zu erfüllen sie einst angetreten sind: ihrem relativ gut betuchten Publikum jeglichen Rest an Puritanismus auszutreiben und ihn mit einer klugen Selbstwahrnehmung zu ersetzen, die sich plötzlich - schauen sie sich einfach mal um - nutzlos, einsam und lähmend anfühlt. Aber trotz allem amüsant."

Weitere Besprechungen: Der Kapitalismus ist genial, und das nicht nur an Weihnachten, lernt Richard B. Woodward aus der von Maud Lavin herausgegebenen Essaysammlung zum Thema Feiertagskommerzialisierung. Warum ist Deutschland nach der Landung der Alliierten nicht viel schneller zusammengebrochen, fragt sich Max Hastings in seiner "großartigen" Darstellung der letzten acht Kriegsmonate des Zweiten Weltkriegs in Europa, wie James Sheehan berichtet. Und Steven Merritt Miner empfiehlt Richard Overys "gründlichen und überzeugenden" Vergleich der Diktaturen von Hitler und Stalin. Nur eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen internationalen Reputation vermisst Miner.

Auch dieses Jahr ist die letzte Ausgabe des New York Times Magazine wieder voll mit Nachrufen auf in diesem Jahr dahingeschiedene Persönlichkeiten. Zum Beispiel auf Koose Muniswamy Veerappan. Suketu Mehta porträtiert den Bandit aus dem indischen Dschungel, der als Robin Hood des Subkontinents galt und der Polizei zwanzig Jahre lang entkommen konnte. "Veerappans Schnurrbart, in Indien ein Zeichen der Männlichkeit, streute Angst in die Herzen der Haarlosen. Sein Bart bedeckte großzügig seinen Mund und seinen Kiefer; es sah so aus, als ob ein kleines pelziges Tier dort gestorben wäre."

Mit einem Artikel bedacht werden unter anderem die Kolumnistin Mary McGrory, die Fotografen Avedon, Cartier-Bresson und Newton, der Schauspieler Tony Randall und der Mann, der die Frauen "wirklich, wirklich liebte", Russ Meyer.

Magazinrundschau vom 21.12.2004 - New York Times

Christopher Hitchens (mehr) taucht mit Hilfe von drei Neuerscheinungen tief und amüsiert in die Hippiezeit ein und ist hocherfreut, dass man durch die Lektüre die Epoche erleben kann, ohne sie je erlebt haben zu müssen. "Die Fotos (und ein gewisser durchdringender Qualm, den manche Leute, so wie ich, nie inhaliert haben) sind die beste Gedächtnisstütze. Das Durchblättern der glänzenden Seiten von 'Hippie' heißt, tiefe Züge zu nehmen. Ich schlug mein Exemplar bei einem Manifest von Frank Zappa auf, in dem er zugab, dass 'Ein Freak ist kein Freak, wenn alle Freaks sind', um wenig später festzustellen: 'Exzentrisch aussehen und sich dementsprechend benehmen IST NICHT GENUG.' Wie wahr. Und doch, wie lange hat es gedauert, um das herauszufinden."

Rachel Donadio untersucht, was an den immer lauter werdenden Klagen der amerikanischen Literaturszene über Zensurmaßnahmen der Regierung dran ist und warum die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi die Außenhandelskontrollbehörde verklagt hat. Tatsächlich gibt es "strenge Einfuhrbeschränkungen für Bücher aus dem Iran, Sudan, Kuba und anderen Ländern, die unter einem US-Embargo stehen. Nach diesen Regelungen wird der Kauf von Rechten ungeschriebener Bücher oder die editorische Arbeit an Werken ohne eine solche Lizenz als 'Servicebeitrag' gewertet, was mit Handel mit dem Feind gleichzusetzen ist. Das wiederum kann mit Gefängnis oder Geldstrafen bis zu einer Million Dollar geahndet werden. Die Verleger argumentieren, dass diese Regelung den ersten Zusatz der Verfassung verletzt."

Weiteres: Die größten Romanfiguren des Christopher Isherwood waren immer er selbst, hat Brooke Allen aus Peter Parkers etwas zu voluminöser Biografie (erstes Kapitel) der englischen Dichter- und Homosexuellenikone herausgefunden. Die Auswahl "Living with Jazz" (ein Auszug über Armstrong und Ellington), in der 136 von Dan Morgensterns Jazzkritiken und Essays versammelt sind, preist Alfred Appel Jr. als eines der "essentiellen Bücher über Musik" und zählt es zur Grundausstattung eines ernstzunehmenden Bücherregals. Ruth Franklin dankt Imre Kertesz (mehr) dafür, dass er mit seinem Roman "Liquidation" (erstes Kapitel) die literarische Beschäftigung mit Auschwitz erneuert hat. Als "passend, vielleicht sogar hilfreich" in diesen dunklen Zeiten lobt Jay Winik Michael Kauffmans Buch "American Brutus", das die Hintergründe des Attentats auf Abraham Lincoln untersucht. Damals sollte nämlich nicht nur Lincoln, sondern die ganze Regierung in einer koordinierten Anschlagserie ermordet werden. Hier das erste Kapitel.

Im New York Times Magazine porträtiert die famose Lynn Hirschberg den unabhängigen Filmvermarkter Bob Berney, der so schwierige Kleinproduktionen wie "Monster" und "My Big Fat Greek Wedding" oder Heikles wie "The Passion of the Christ" zu Riesenerfolgen machte. Hirschberg besucht Berney, als dieser gerade darüber grübelt, wie man "The Woodsman" mit einem pädophilen Kevin Bacon an den Mann bekommen soll, und das in den USA. "Man muss Kevin Bacons mutige Rollenwahl betonen und gleichzeitig den Inhalt des Films herunterspielen. Das ist knifflig: Das Wort 'pädophil' kommt in der 38-seitigen Pressebroschüre nicht vor, und das Poster ist ein Foto Bacons, wie er auf eine schimmernde rote Kugel herunterschaut."

Weitere Artikel: Jonathan Cohn macht darauf aufmerksam, dass gemeinnützige Krankenhäuser, die von der Steuer befreit sind, damit sie auch die Armen versorgen, angefangen haben, mittellose Patienten zu verklagen. Jeffrey Rosen untersucht, wie Blogs das Privateste verschwinden lassen. Und in der Titelgeschichte stellt Michael Lewis die neue Heilsfigur des Football vor, den 21-jährigen Quarterback Eli Manning.

Magazinrundschau vom 13.12.2004 - New York Times

Laura Miller hat eine Internetseite gefunden, die sich zu besuchen lohnt. Die Zeitschrift Paris Review stellt unter dem Titel The DNA of Literature in den nächsten Monaten all ihre Interviews mit Schriftstellern online, beginnend mit den Fünfzigern. In diesen Gesprächen, schwärmt Miller, "haben die Schriftsteller des 20. Jahrhunderts Bemerkungen gemacht, die wir noch heute zitieren - dort sagte Faulkner (mehr): 'Wenn ein Schriftsteller seine Mutter ausrauben muss, wird er nicht zögern; die Ode on a Grecian Urn ist jede alte Frau wert'."

Anlässlich einer von der Tochter betreuten Neuausgabe von Sylvia Plaths Gedichtband "Ariel" erinnert sich Erica Jong ("Angst vorm Fliegen") daran, wie es war für eine Frau, die in den 60er Jahren schriftstellerische Ambitionen hatte. Der Kritiker Anatole Broyard erklärte den Studentinnen in Barnards, sie hätten nicht die nötige Lebenserfahrung, um Schriftstellerinnen zu sein. "Wir betranken uns nicht in den Bars von Pigalle oder nahmen Prostituierte in heruntergekommene Left Bank Hotels oder liefen mit den Stieren in Pamplona. Unser Leben war zu beschränkt. Wir tranken nicht genug. (Noch nicht jedenfalls.) Wir kotzten nicht auf die Straße (Noch nicht, jedenfalls.) Wir waren 'verdammt', zukünftige Ehefrauen zu sein. Gezähmte Tiere, zukünftige Mütter (viele Male, wie sich herausstellte), wir fuhren nicht im angemalten Bus von Neal Cassady oder rezitierten Blake mit Ginsberg oder rissen auch nur Barnard-Mädchen auf, wie es Broyard tat. Wir waren zu damenhaft."

Weiteres: Cristina Nehring klagt in ihrem Brief aus Paris über den schwachen Bücherherbst in Frankreich und liefert en passant eine nette Beschreibung der intensiven Beziehung zwischen Lesern und Schriftstellern im Hoheland der Kultur. Red Grooms liest Mark Stevens' und Annalyn Swans Biografie des Künstlers Willem de Kooning und kommt aus dem Bewundern nicht mehr heraus. "Er war so ein wilder Mann, dabei immer ein Vagabund, aber seine Errungenschaften werden größer und größer, je mehr wir von seiner Geschichte wissen." (Hier ein paar Fotos von de Kooning und seinen Werken.) John Leonard bespricht Amos Oz' "A Tale of Love and Darkness". Als Einführung in die iranisch-amerikanischen Beziehungen hält Ernest R. May Kenneth Pollacks "The Persian Puzzle" (erstes Kapitel) für "konkurrenzlos". Jonathan Teppermann gibt einen Überblick über die Neuerscheinungen, die sich aus jeweils verschiedenen politischen Perspektiven mit dem Phänomen des Antiamerikanismus beschäftigen. "Bewundernswert", wie "frisch" Teresa Riordan ihre Geschichte der weiblichen schönheitssteigernden Utensilien "Inventing Beauty" (erstes Kapitel) angegangen ist, lobt Liesl Schillinger. Und hier die Liste der zehn besten Bücher des Jahres.


Im New York Times Magazine widerspricht Michael Ignatieff der Annahme von Präsident Bush, dass mit der Verbreitung der Demokratie Gottes Werk vollbracht wird. Er zählt aber gute Grunde auf, warum es langfristig keine Alternative zur Demokratisierung gibt. "Für Demokratie zu werben, ist riskant, aber Autokraten zu unterstützen, verschiebt nur den Tag, an dem man dem Volkszorn entgegentreten muss. Während des Kalten Krieges unterstützten die Vereinigten Staaten autoritäre Regimes wie das des Schah im Iran, was die USA auf die falsche Seite eines Volksaufstandes brachte, die Revolution von 1979. Die Vereinigten Staaten haben seither den Preis dafür bezahlt, mit Terrorismus, der Verbreitung nuklearer Waffen und Feindseligkeiten."

Den Großteil des Magazins füllt eine Liste der Ideen des Jahres von A bis Z. Clive Thompson berichtet etwa von robotergestützten Untersuchungen in Frankreich, um herauszufinden, wie man am besten einen Stein übers Wasser hüpfen lässt. "Um die rekordbrechenden 41 Male zu schaffen, müsste man einen Stein von zehn Zentimeter Durchmesser mit 60 Meilen pro Stunde und einem Winkel von zehn Grad loswerfen. Man sollte diesen Trick auch auf einem spiegelglatten Teich versuchen, da die Tests der Wissenschaftler in einem perfekt ruhigen Experimentaltank gemacht durchgeführt wurden. Die Wissenschaftler geben zu, dass ihre Erkenntnis wahrscheinlich keinen praktischen Nutzen hat."

Magazinrundschau vom 07.12.2004 - New York Times

Fernanda Eberstadt hastet für das New York Times Magazine einige Tage hinter Gerard Mortier (mehr) her, nach der Station bei der Ruhr Triennale nun Direktor der Bastille, der Nationaloper in Paris. Eberstadt beschreibt Mortier als visionär, modern und kontrollbesessen. Als ein Beispiel erzählt sie von einem kleinen Scharmützel Mortiers mit seiner künstlerischen Assistentin Hedwig Dewitte, die fragt, ob Esa-Pekka Salonen auch eine seiner eigenen Kompositionen spielen darf, falls er danach fragen sollte. "Mortier, der mittlerweile per Telefon die Neujahrsfeier organisierte und Zugfahrpläne nach Brüssel studierte, wirkte fassungslos. "Darf? Ich - will - das - unbedingt." Dewitte schnitt eine Grimasse in meine Richtung und äffte die diktatorische Art Mortiers nach, als sie bemerkte, dass ihr Chef sie durch einen Spiegel auf dem Kaminsims beobachtete. "Ich spiele Drei-Wege-Schach", warnte Mortier."

Weitere Artikel: Cathryn Jakobson Ramin erzählt von ihrem Selbstversuch mit Adderall (mehr), ein Medikament, das alternden Amerikanern hilft, ein Gedächtnis wie ein Zwanzigjähriger zu haben. Matt Bai unterhält sich mit dem altgedienten demokratischen Abgeordneten Richard Gephardt, der sich einen iPod zulegen und die präsidentiellen Wahlmänner abschaffen will. Und Hiroshi Sugimoto hat seltsam schöne Objekte fotografiert, mit denen deutschen Studenten um die Jahrhundertwende Trigonometrie nahegebracht wurde.

In der New York Times Book Review kündigt Sarah Glazer die Wiedergeburt der E-Books an: Die Verkäufe sind 2003 um 71 Prozent gestiegen, weil mittlerweile fast jeder ein Handy mit großem Bildschirm hat, der den neuesten Dan Brown komfortabel anzeigen kann. Außerdem steige die Akzeptanz für kostenpflichtige Inhalte im Netz, und am allerwichtigsten: Die Frauen scheinen die neue Form des Lesens akzeptiert zu haben - zumindest in den USA.

"Ich kenne den französischen Antiamerikanismus sehr gut, weil ich ihn tausend Mal bekämpft habe", schreibt Bernard-Henri Levy. Nun musste er erkennen, dass es auch amerikanische Frankophobie gibt. Offenbart hat ihm dies "Our Oldest Enemy: A History of America"s Disastrous Relationship With France" von John J. Miller und Mark Molesky. "Das ganze Buch ist eine verrückte Anklage (deren einziges Äquivalent die faschistische französische Literatur der Dreißiger ist) gegen eine diabolische Nation, die Verkörperung des Bösen, dem Körper und der Seele seiner Bewohner das Stigmata eines kranken Willens aufdrückend, der durch die Jahrhunderte nur das eine Ziel hatte: Die Erniedrigung von America the great." (Hier eine Leseprobe aus dem Buch.)

Dabei haben die Amerikaner Frankreich einmal geliebt - einige tun es sogar heute noch: Wenn Charles A. Riley II. nicht gerade die Fakten durcheinander bringt, schafft es seine Geschichte des "Jazz Age in France" durchaus, die Eleganz und den Esprit der 20er Jahre, der Fitzgeralds und Murphys, wieder aufleben zu lassen, lobt Nicholas Fox Weber.

Weiteres: Neil Gaiman ist hingerissen von einer Ausgabe mit Märchen der Brüder Grimm ("grimmer than you thought"), die Maria Tatar zum Teil neu übersetzt und mit Anmerkungen versehen herausgebracht hat. Vor allem die Ursprungsfassungen haben es ihm angetan: "In der ersten Ausgabe fragt Rapunzel die Zauberin nach den Besuchen des Prinzen, warum ihr Bauch dicker wird." Wie sehr sie den Paten Michael Corleone vermisst hat, merkt Sarah Vowell beim Genuss von Mike Winegardners "feiner, wirbelnder" Fortsetzung der Mafia-Familiensaga "The Godfather Returns". Und Computer-Guru David Gelernter (mehr hier und hier) feiert Charles Nicholls "gescheites wie brillantes" Porträt von Leonardi da Vinci.

Magazinrundschau vom 30.11.2004 - New York Times

Unerwartet kurz ist die Besprechung von Tom Wolfes neuem Roman "I Am Charlotte Simmons" (Auszug). Denn Jacob Weisberg findet Wolfes Inspektion der Campuswelt einfach schlecht. "Wie alles, was Wolfe schreibt, packt 'I Am Charlotte Simmons'' einen von Anfang an und lässt jegliches Interesse an anderen Dingen versiegen, bis man fertig ist. Dennoch ist das Buch bei weitem sein schwächster Roman. Wolfe gibt zu schnell dem journalistischen Interesse nach, seine Charaktere zu erklären, statt sie einfach ihrem eigenen Leben zu überlassen." Überhaupt wundert sich Weisberg, warum Wolfe, den er für einen Journalisten hält, sich die Mühe macht, seine Reportagen in Romane umzuschreiben.

Sturz der Favoriten. Auch V.S. Naipauls neues Stück "Magic Seeds" (erstes Kapitel) kann die Book Review nicht erregen. Müde murmelt James Atlas: "Der Folgeband zu 'Half a Life' von 2001 ist eine subtile , wenn nicht schlanke Produktion, ein Roman der die Themen - Exil, Identität, die Gefährdung der Zivilisation - wieder aufnimmt, mit denen Naipaul seit mehr als fünf Jahrzehnten ringt."

Jedes neunte Buch, das in den USA verkauft wird, kommt aus dem religiösen Bereich, weiß Rachel Donadio. "Politische Bücher werden viel diskutiert, selten gelesen und schnell vergessen. Religiöse Bestseller bauen sich dagegen langsam auf, sobald es sich in den Gemeinden herumspricht." Passend dazu spricht James Wood im Aufmacher Marilynne Robinson und ihrem "ernsten wie luziden" Roman "Gilead" (Auszug) eine "spirituelle Kraft" zu, wie es sie in der zeitgenössischen Belletristik nur selten gebe.

Weitere Artikel: Thomas Frank stellt vier Studien vor, die sich mit der amerikanischen Identität beschäftigen, mal durch die Linse der Wirtschaftspolitik, mal durch die Untersuchung von Parteiklischees. Brenda Maddox lobt die Bestsellerautorin Barbara Goldsmith für ihre "exzellente" Biografie der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie. Lesely Downer freut sich, dass Donald Richie seine "Japan Journals, 1947-2004 " veröffentlicht, in denen er erzählt, wie er fast alle Künstler und Kulturschaffenden getroffen hat, die sich in den vergangenen fünfzig Jahren in Japan aufhielten, von Akira Kurosawa bis Truman Capote.

Das New York Times Magazine versucht, das Verhältnis von Kindern und Konsum zu beleuchten. In der Titelreportage besucht Jon Gertner Gepetto, eine Werbeagentur, die auf Kinder und ihre Mütter spezialisiert sind. "Gepettos Art, eine Kampagne anzugehen, basiert auf Rachel Gellers psychologischen und anthropologischen Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen. Geller hat Gepetto etwa dabei unterstützt, die 'acht Spaßarten', die 'sechs Kindertypen' und die 'neun Prinzipien des Familien-Brandings' zu entwickeln.'' Ach ja, nicht zu vergessen die "sieben Gesichter der Mutter".

Weiteres: Ann Hulbert erklärt, was es mit der neuen Zielgruppe der "Tweens" auf sich hat. Elizabeth Weil berichtet in leicht sarkastischem Ton, wie das Design nun auch in den Kinderstuben Einzug hält. Und Francisco Goldman wünscht sich Robosapien, einen neuen und erstmals erschwinglichen Spielzeugroboter. "Sie wollen durchkrabbeln. Sie wollen draufklettern. Sie wollen reinbeißen."