Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 31.07.2018 - New York Times

Im aktuellen Heft des Magazins beschäftigt sich Robert F. Worth mit dem Imperium des indischen Yogi Baba Ramdev. Was steckt alles hinter dem religiösen Traditionalismus des Gründers, der mit Ayurveda-Kuren und Yoga-Camps zum Milliardär wurde? "Ramdev ist mehr als ein Heiliger, er ist der perfekte Bote einer aufsteigenden Mittelklasse, die nach religiöser Bestätigung hungert und genug hat vom sozialistischen, rationalistischen Erbe Jawaharlal Nehrus. Er hat sehr erfolgreiche Kampagnen gegen die Korruption geführt und den wirtschaftlichen Nationalismus gegen 'neokoloniale Schurken' ausgespielt. In gewisser Weise hat er den Hinduismus transformiert, indem er Patriotismus, Gesundheit und Religion darunter vereint hat. Es ist ein härterer Hindu-Nationalismus, der oft aggressiv gegen Indiens 172 Millionen Muslime auftritt … Auf seine Art ist er Indiens Antwort auf Donald Trump. Es wird spekuliert, ob er für den Posten des Premiers kandidieren wird. Wie Trump führt er ein Multimilliardendollar-Imperium, und wie Trump hat er eine starke Fernsehpräsenz, und seine Beziehung zur Wahrheit ist dehnbar. Außerdem lässt er keine Chance zum Branding aus, sein Name und sein Gesicht sind in Indien überall, auf Nudeln, Bodenreiniger und SIM-Karten … Oberflächlich betrachtet ist sein gesegnetes Auftreten von Trump meilenweit entfernt. Doch seine Aktivitäten bemänteln eine reaktionäre Kampagne zur Transformation der Nation. Fühlt er sich herausgefordert, zeigt er mit dem Finger auf 'korrupte' Mitglieder innerhalb der säkularen Elite. Letztes Jahr verhinderte ein Richter die Veröffentlichung einer kritischen Ramdev-Biografie und verhängte einen Maulkorberlass über die Autorin. Sie durfte das Buch nicht einmal in den sozialen Medien erwähnen. In gewisser Weise ist Ramdev mächtiger als jeder Premier. Vielleicht gehört er einer ganz neuen Kaste an; ein populistischer Tycoon, geschützt vor seinen Kritikern und sogar vor dem Gesetz durch eine riesige Gefolgschaft und den Ruf heiliger Absichten."

Außerdem: Taffy Brodesser-Akner sucht das Geheimnis hinter Gwyneth Paltrows megaerfolgreicher Wellness-Marke Goop. Und Stephen Kearse untersucht die Verwerfungen in postmodernen Partnerschaften.

Magazinrundschau vom 03.07.2018 - New York Times

In einem Beitrag des aktuellen Magazines stellt Joel Lovell die amerikanische Bürgerrechtsunion ACLU vor. Seit der Wahl von Donald Trump sind sie plötzlich wieder "cool", so Lovell: "Zuvor wurde die ACLU mit ihrem Purismus in Sachen Meinungsfreiheit assoziiert oder mit linker Subversion. Etwas weniger plakativ wird die Union als Kollektiv von Verfassungsverteidigern betrachtet, das Verfahren führt und seine Newsletter an Ex-Hippies verschickt. Nach der Wahl stieg die Mitgliederzahl von 400.000 auf 1,85 Millionen, Spenden von 3 bis 5 Millionen stiegen auf über 120 Millionen Dollar … Seitdem hat ACLU 170 Aktionen gegen Trump angestrengt, Untersuchungen, administrative und ethische Beschwerden und Anforderung von Dokumenten nach dem Informationsfreiheits-Gesetz. Außerdem gab es 83 Verfahren, mehr als in jeder vergleichbaren Zeitspanne in der Geschichte der ACLU, in Sachen Imigration Transgender, Abtreibungsrecht, Meinungsfreiheit, Wahlrecht und Geburtenkontrolle …" Aber haben sie damit wirklich eine Chance gegen die Regierung? Allein das Justizministerium beschäftigt 11.000 Anwälte, lernt Lovell. Doch die ACLU verlässt sich nicht nur auf Prozesse. Sie hat von der erfolgreichsten Bürgerbewegung der USA gelernt: Der Waffenlobby NRA.

Für einen weiteren Artikel besucht Thomas Chatterton Williams Adrian Pipers große MoMA-Schau und stellt fest: "Pipers Arbeiten, unterhaltsam und streitlustig, wie sie sind, gehen von der Prämisse aus, dass Rassismus zunächst stets etwas Zwischenmenschliches ist, erst dann institutionell oder strukturell."

Magazinrundschau vom 19.06.2018 - New York Times

Jack Hitt erzählt die bizarre Geschichte des Bostoner Joyce-Experten John Kidd, der auszog, die ultimative Edition des "Ulysses" zu erschaffen - und sich im Klein-Klein eines Akademikerstreits verhedderte, um dann wie vom Erdboden zu verschwinden. Auch wenn Gerüchte intriganter Kollegen Kidd bereits für tot erklärten, fand der Reporter ihn quicklebendig in Rio de Janeiro: "Ich fragte ihn erneut zum perfekten 'Ulysses'. Er war so nah dran. In den 1960er Jahren und noch einmal in den 80ern. Was wurde aus seiner Arbeit in Boston? Warum können wir das Ding nicht einfach herausbringen, selbst, wenn es nicht ganz perfekt ist? Kidd erzählte mir eine Parabel. 'Es gibt die Gauchos und die Gauleiter, meinte er. Es handelt sich um eine gemischte Metapher, aber eine, die Kidds Weltsicht und die der Joyce-Gelehrten ganz gut einfängt. Gauchos waren argentinische Cowboys, Gauleiter waren Gemeinde-Bürokraten im Nationalsozialismus, gefährliche Appartschiks also. Die Gauchos reiten kühn durch die Landschaft des Verstehens. 'Sie schweifen durch die Pampa', so Kidd. Sie kümmern sich um ein riesiges Gebiet, mit dessen Weite sie vertraut sind. Zur gleichen Zeit am Rand der Pampas, in der Zivilisation, da sind die Gauleiter. Sie sind überall, geschäftig, übermächtig. Die Gauchos sind nur wenige, Bilderstürmer wie Kidd oder der vereinzelte Joyce-Fanatiker wie Jorn Barger, ein Universalgelehrter, der viele brillante Analysen zu Joyce auf seinem Weblog veröffentlichte. Aber all das zählt nicht, meint Kidd. Am Ende siegen stets die Gauleiter. Und weshalb? Wegen ihrer verbissenen Sorge um eine 'verwaltungsmäßige Wirtschaftlichkeit'."

In der Book Review der New York Times zollt Alan Rusbridger einem Urgestein des Journalismus Tribut. Die Autobiografie des investigativen Reporters Seymour Hersh vom New Yorker hält er für ein eigenes Reportageglanzstück: "Die beharrliche Recherche wird oft als Schuhsohlen-Journalismus bezeichnet - sich die Hacken ablaufen, statt zu googlen. Im Fall von Hersh bedeutete das lange Stunden in Bibliotheken zuzubringen oder auch in letzter Minute in ein Kaff zu fliegen, um einen widerborstigen Zeugen zu jagen. Es hieß, mitten in der Nacht an fremde Türen zu klopfen, zu lernen, Dokumente auf dem Kopf zu lesen, während man vorgab, sich Notizen zu machen, und pensionierte Generäle zu bearbeiten, Empathie zu zeigen, Vertrauen zu gewinnen … Es war hart zu sehen, wie Hershs Berichte von 2014 und 2017 über chemische Kriegsführung in Damaskus von dem britischen Blogger Eliot Higgins auseinandergenommen wurden, der Hershs Beschränkung auf einige wenige ungenannte Quellen kritisierte. Higgins gehört zu einer neuen Art Reporter, enzyklopädisch informiert über die Waffensysteme im Syrien-Konflikt, mit Videomaterial, allerhand Quellen und Satellitenfotos ausgestattet. Hersh nimmt solche Herausforderungen an und spricht von der 'Wahrheit, wie ich sie vorfand'. Die Erschöpfung des 80-Jährigen ist zu spüren, wenn er sagt: 'Ich erlaube der Geschichte gerne, meine jüngere Arbeit zu beurteilen' … Wir brauchen Reporter wie Hersh, Skeptiker, die an nichts einfach so glauben, die den schweren Weg gehen, um unter die Oberfläche von Glanz und Schrott, Täuschung und Manipulation zublicken. 'Wenn deine Mutter sagt, sie liebt dich, überprüf es', nach diesem Motto handelte Hersh … Werden Nachrichtenportale irgendwann noch einmal in der Lage sein, ihren Reportern die Resourcen und die Zeit zur Verfügung zu stellen, um die Art von Arbeit zu machen, wie Hersh sie in seinen besten Zeiten so großartig erbrachte?"

Magazinrundschau vom 04.06.2018 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times geht Mattathias Schwartz den Todesfällen bei den Protesten in Kiew im Februar 2014 nach und berichtet, wie ein Team unabhängiger ziviler Ermittler mittels Videos und Autopsieberichten das Geschehen rekonstruieren und die Todesschützen unter den paramilitärischen Kräften von Präsident Janukowytsch ausmachen konnten: "Die Maidan-Proteste waren die Art von Aufruhr, wo durch öffentliche Unzufriedenheit und soziale Medien angeheizter Massenprotest eine Regierung ernsthaft in Schwierigkeiten bringt. Ob Gaza, Nicaragua, Türkei - die Reaktion der internationalen Gemeinschaft hängt stets davon ab, ob die Regierung die Gewalt rechtfertigen kann. Um zu vermeiden, als autoritär gebrandmarkt zu werden, muss die Regierung mehr tun, als die Menge zu kontrollieren, sie muss das Narrativ kontrollieren. Forensische Mittel, wie im Fall der Untersuchungen in der Ukraine, können entscheidend sein, wenn es darum geht, die Wahrheit herauszufinden … Sofort nach den Todesfällen begann die Desinformationskampagne in den sozialen Medien, laut Washington Post ein Werk des russischen Militärnachrichtendienstes GRU. In Fake-Accounts auf Facebook und auf dem russischen Äquivalent Vkontakte stellte der GRU die Proteste als Werk der bewaffneten Nationalisten dar. Der GRU schuf ferner Onlinegruppen, die die Abspaltung der Krim forderten. Das Ganze war eine Art Vorankündigung der russischen Einmischung in die US-Wahlen 2016."

Außerdem: Vanessa Grigoriadis stellt die düsteren Methoden der Nxivm-Sekte vor. Und Leora Smith hinterfragt die strittige forensische Methode der Blutspurenanalyse.

Magazinrundschau vom 22.05.2018 - New York Times

Erwartbar mokant fällt Nellie Bowles' Porträt des kanadischen Psychologen Jordan Peterson aus, der zum ersten Mal in weiteren Kreisen von sich reden machte, als er an einer kanadischen Uni das genderisierte Sprechen verweigerte. Nun tourt er als eine Art maskulinistischer Superstar durch Kanada und die USA und zieht ein enormes Publikum an. Natürlich spricht Bowles ihn auf den "Incel" Alek Minassian an, der in Toronto aus Hass auf Frauen seinen Lieferwagen in die Menge jagte (unsere Resümees). Die Unterhaltung liest sich so: "'Er haderte mit Gott, weil die Frauen ihn zurückwiesen. Das Mittel dagegen ist verordnete Monogamie. Aus diesem Grund ist die Monogamie überhaupt aufgekommen.' Peterson sagt das ganz ohne Pause, verordnete Monogamie ist für ihn schlicht die vernünftige Lösung. Sonst werden Frauen nur Männer mit dem höchsten Status auswählen, und das wird keines der Geschlechter glücklich machen. 'Die Hälfte der Männer gehen leer aus', sagt er, womit er meint, dass sie sich nicht fortpflanzen. 'Und niemand kümmert sich um die Männer, die leer ausgehen.' Ich lache, weil es so absurd ist. 'Sie lachen über sie', sagt er mit enttäuschtem Blick. 'Das liegt daran, dass Sie eine Frau sind.'"

Magazinrundschau vom 15.05.2018 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times versucht sich Keith Gessen an einer Erklärung dafür, warum das Verhältnis der USA zu Russland jüngst so problematisch geworden ist: "Das Dauermysterium amerikanischer Russland-Politik in den letzten 25 Jahren lässt sich so beschreiben: Jede Regierung trat an, die Beziehungen zu seinem ehemaligen Gegner im Kalten Krieg zu verbessern, jede scheiterte in vergleichbarer Weise. Die Clinton-Jahre endeten mit einem nahezu katastrophischen Patt über das Kosovo, Bush mit der Bombardierung Georgiens durch die Russen und Obama mit der Annexion der Krim und dem Versuch russischer Hacker, die US-Wahlen zu beeinflussen. Russische Beobachter behaupten, dieses Muster sei das Ergebnis russischer Unnachgiebigkeit und russischen Revisionismus. Andere glauben, unnachgiebig seien die USA, die nie von dem Gedanken hätten absehen können, den Kalten Krieg 'gewonnen' zu haben, und nun amerikanische Lebensart verbreiten wollten … Unter Trump wurde es unvorhersehbar. Kein US-Präsident ist je ins Amt gekommen unter dem Verdacht, vom Kreml erpresst worden zu sein. Noch wurde je eine Präsidentschaftskampagne verdächtigt, mit Russland konspiriert zu haben, um die Wahlen zu unterminieren. Doch in anderer Hinsicht entspricht die Trump-Präsidentschaft genau dem Muster, das Angela Stent, Russlandkennerin, benennt in dem Versuch, zunächst die Beziehungen zu reparieren, nur um dann in eine noch tiefere Krise zu stürzen."

Außerdem: Jennifer Egan berichtet über opioidabhängige Mütter und ihre Babys. Und Sasha Weiss porträtiert den Choreographen Justin Peck vor.

Magazinrundschau vom 02.05.2018 - New York Times

Das aktuelle Magazin der New York Times bringt einen Text von Gideon Lewis-Kraus über den Facebook-Prozess und die spannende Frage, ob der alte Antagonismus von Privatsphäre und Öffentlichkeit noch trägt: "Es geht um den Unterschied zwischen Staat und Unternehmensmacht, aber auch um subtilere und weitreichendere Effekte, nicht nur darum, ob jemand mithört, was wir im Schlaf reden. Nach Meinung des Datenschutzrechtlers Daniel J. Solove sollten wir uns weniger über die Gedankenpolizei sorgen und mehr darum, wie unsere Profildaten die unsichtbare Architektur unseres Alltags bestimmen. Ob uns jemand beobachtet, ist gar nicht der Punkt. Aber die Verfügbarkeit von Krediten, Jobs, Partnern, Hotelzimmern nimmt bereits still und leise ab für 'Leute wie uns', Leute mit unserer politischen Haltung, Hautfarbe, Freundeskreisen, Neigungen und Gehältern. Oder unsere politische Zugehörigkeit wird, wie im Fall des Cambridge Analytica Skandals, nach unseren Schwachstellen sortiert … Die beste aktuelle Definition von Privatheit braucht nicht viel, um zu bekräftigen, warum wir weiter auf unser Gefühl eines gewissen Unwohlseins hören sollten. Die Philosophin Helen Nissenbaum definiert Privatheit nicht als ein Recht, das mit anderen ins Gleichgewicht gebracht werden soll, sondern als Bedingung dessen, was sie 'kontextuelle Integrität' nennt. Sprechen wir über Privatheit, so Nissenbaum, so sprechen wir nicht über den Unterschied zwischen der Intimität unseres Schlafzimmers und der Öffentlichkeit der Straße, sondern eher über die spezifischen Normen und Erwartungen, die die Kommunikation zwischen verschiedenen Gruppen zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten bestimmen. Die herkömmliche Unterscheidung von Öffentlichkeit und Privatheit, so Nissenbaum weiter, postuliert 'nur zwei Kontexte mit je unterschiedlichem Normen-Repertoire - die Beschränkung aufs Private innerhalb der Privatsphäre, das Anything-Goes in der Öffentlichkeit. Das Konzept der kontextuellen Integrität hingegen geht von einer Vielzahl von sozialen Kontexten aus, jeder mit einem eigenen Regelrepertoire, das den Informationsfluss steuert.' Es gibt Dinge, die wir mit unserem Partner besprechen, aber nicht mit unserem Chef, und es gibt Dinge, die wir mit einem Arzt besprechen, aber nicht mit einem Anwalt usw."

Magazinrundschau vom 17.04.2018 - New York Times

Die New York Times bringt einen langen Text über die Korruption von Mandelas Erben. Norimitsu Onishi und Selam Gebrekidan führen sie unter anderem auf Mandels Unfähigkeit zurück, der schwarzen Bevölkerung Südafrikas die ökonomische Unabhängigkeit zu sichern: "In der Generation nach 1994 sind zig Milliarden Dollar aus öffentlichen Fonds, die eigentlich dazu bestimmt waren, die Wirtschaft und das Leben der schwarzen Bevölkerung zu verbessern, von A.N.C.-Führern abgezweigt worden, also von der Organisation, die angetreten war, Gleichheit und Gerechtigkeit zu bringen. Korruption hat die A.N.C.-Spitze und ihre Geschäftspartner, weiß und schwarz, reich gemacht. Die eigentlichen Empfänger vieler Regierungsprojekte wurden desillusioniert. Während Armut nach dem Ende der Apartheid zurückging, stieg die Ungleichheit noch … Politiker, die lange dabei zusahen, wie die Korruption sich ausbreitete, sitzen jetzt an der Spitze des A.N.C. … Südafrika hat eine fortschrittliche Wirtschaft, eine freie Presse und eine Menge unabhängiger Organisationen, die alle ein Auge auf die Staatsgeschäfte haben. Aber selbst eine lebendige Demokratie konnte die Misswirtschaft nicht verhindern."

Außerdem in der aktuellen Ausgabe erkundet Linda Villarosa die Benachteiligung schwarzer Mütter und ihrer Babys in den USA: "Die Gründe für Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß bei der Kinder- und Müttersterblichkeit sind seit Jahrzehnten Diskussionsstoff unter Wissenschaftlern und Ärzten. Doch erst seit kurzem geht man von einem schockierenden Sachverhalt aus: Für schwarze Mütter kann die unausweichliche Atmosphäre systematischen Rassismusses eine Art physiologischen Stress bedeuten, der zu Bluthochdruck und Schwangerschaftstoxikose und zu höheren Todesraten unter Müttern und Babys führt. Außerdem ist festzustellen, dass gesellschaftlicher Rassismus sich in allgegenwärtigen, andauernden rassistischen Vorurteilen niederschlägt, Unaufmerksamkeit gegenüber legitimen Beschwerden und Symptomen inklusive. Das führt zu einer schlechten Geburtenquote sogar unter privilegierten schwarzen Frauen."

Magazinrundschau vom 10.04.2018 - New York Times

Die New York Times veröffentlicht die IS-Files, interne Dokumente, die verraten sollen, warum sich der Islamische Staat im Irak so lange an der Macht halten konnte. Rukmini Callimachi gehörte zu einer Reihe von Journalisten, die Papiere aus den zerstörten Ministerien sichern konnten: "Für sich betrachtet dokumentiert jedes Papier eine einzelne Routinesache: den Transfer von Land, den Verkauf einer Tonne Weizen, eine Strafe für unpassende Kleidung. Aber insgesamt offenbaren die gefundenen Dokumente das Regelwerk eines komplexen Regierungssystems. Sie zeigen, dass die Gruppierung, wenn auch nur für einen endlichen Zeitraum, ihren Traum vor sich sah: die Etablierung ihres eigenen Staates, eine Theokratie, die sie sich als Kalifat dachten, gegründet auf ihre strengen Auslegungen des Islams. Die Welt kennt den Islamischen Staat für seine Brutalität, doch seine Soldaten herrschten nicht nur durch das Schwert. Macht übten sie mit zwei sich ergänzenden Instrumenten aus: Brutalität und Bürokratie … Diese Dokumente und Interviews mit Dutzenden Menschen, die unter dieser Herrschaft lebten, zeigen, dass der Islamische Staat seinen Bürgern mitunter den besseren Service bot als der Staat, den er ersetzen wollte. Sie legen auch nahe, dass die Militärs aus den Fehlern der USA bei ihrer Invasion des Irak im Jahr 2003 gelernt haben. Etwa aus der Fehlentscheidung, sich der Mitglieder von Saddams Partei zu entledigen. Das führte zur Ausradierung der Baathisten, höhlte jedoch auch die staatlichen Institutionen des Landes aus und schuf das Machtvakuum, das der IS zu füllen wusste."

Magazinrundschau vom 03.04.2018 - New York Times

Ganze Kleinstädte auf dem Wasser bilden die Boote von zehntausenden, in Kambodscha lebenden Vietnamesen. Diese Volksgruppe fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Die Einheimischen sehen das allerdings oft anders: "In Kambodscha, wo die Konzepte von Nationalität und Ethnie unentwirrbar verflochten sind, werden die Mitglieder der vietnamesischen Minderheit als 'Yuon' bezeichnet, eine allgegenwärtige Verunglimpfung, die manchmal mit 'Wilder' übersetzt wird", erzählt der Reporter Ben Mauk in seiner Reportage für das New York Times Magazine. "Seit 1979 hält die regierende Kambodschanische Volkspartei (mit Hun Sen, einem ehemaligen Kommandanten der Roten Khmer an der Spitze), die ethnischen Vietnamesen in einer Art Limbus fest, indem sie ihnen informell Rechte mal gewährt, mal entzieht, je nachdem, wie gerade das lokale politische Klima ist. Die Oppositionspartei, die Nationale Rettungspartei Kambodschas, ist in ihrer Fremdenfeindlichkeit beständiger, sie droht die vietnamesischen Eindringlinge auszuweisen ... Der ehemalige Führer der Partei, Sam Rainsy, versprach einst, 'die Yuon-Immigranten zurückzuschicken' und vor den Wahlen 2013 erklärte er, 'wenn wir unsere Nation nicht retten, ist es in vier oder fünf Jahren zu spät - Kambodscha wird voller Vietnamesen sein. Wir werden die Sklaven Vietnams."