Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 27.03.2018 - New York Times

Nathalie Cabrol, Foto: Seti Institut
In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazine porträtiert die Historikerin Helen MacDonald die französische Astrobiologin Nathalie Cabrol und begleitet sie in die Atacama Wüste Chiles, wo Cabrol Leben unter extremen Bedingungen studiert, um daraus Erkenntnisse über das Leben auf dem Mars zu ziehen: "Schmal und leicht, mit kurzem silbernem Haar und einer bemerkenswerten, fein herausgemeißelten Attraktivität, erinnert die 54-jährige Cabrol an Isabella Rossellini, mit einem außerirdischen Schlag David Bowie. Ihre Augen ähneln grün-grauem polierten Granit, nachdrücklich mit Eyeliner umrandet, sogar wenn sie in der Wüste ist. Sie ist charismatisch, warm und sehr lustig, aber hat auch eine unbestimmbare, unvorhersehbare Wildheit: Mit ihr zu sprechen erinnert mich manchemal beunruhigend an Begegnungen mit Waldtieren, wenn ich nicht wusste, ob ich fliehen oder mich verteidigen sollte. ... Die Suche nach erdfernem Leben hat in den letzten Dekaden neue Richtungen genommen. Einige Theorien legen nahe, dass bis zu 100 Millionen Planeten in der Milchstraße über komplexe multizelluläre Lebensformen verfügen könnten. Wir haben gelernt, dass Planeten nicht unbedingt der Erde gleichen müssen, um Leben zu gewährleisten. Unterirdische Ozeane auf weit entfernten Monden wie Saturns Enceladus und Titan etwa könnten mikrobiologische Organismen beherbergen. Das Universum, erklärt Cabrol, ist möglicherweise voll von solch einfachen Lebensformen. Der Zweck ihrer Expeditionen ist es, Methoden zu entwickeln, solches Leben oder die entsprechenden Biomarker zu finden, Zeichen für Leben, Organismen oder die von ihnen geschaffenen Strukturen oder chemischen Verbindungen."

Magazinrundschau vom 06.03.2018 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazine erklärt Bruce Falconer, wer die Farben macht, nicht etwa irgendein Farben-Nerd, sondern die Firma Pantone: "Farbenvorhersager wie die von Pantone haben enormen Einfluss auf die visuelle Seite der globalen Wirtschaft, den Teil, der designed, hergestellt und verkauft wird, obgleich ihre Arbeit unsichtbar bleibt. Erinnern wir uns an eine Szene aus 'Der Teufel trägt Prada', in der Meryl Streep ihrer Assistentin erklärt, wieso sie gerade einen Pullover in Coelinblau trägt: Coelinblau tauchte erstmals in einer Kollektion von Oscar de la Renta auf, so Streep im Film, wurde von anderen einflussreichen Designern aufgenommen und begann dann seinen Abstieg durch die Warenhäuser bis auf den Wühltisch, von dem du den Pulli hast, Schätzchen … In Wirklichkeit wurde die Farbe von Pantone ausgewählt. Sechs Jahre vor dem Film ernannten die Vorhersager von Pantone Coelinblau zur ersten Farbe des Jahres. In den zwei folgenden Jahrzehnten, als digitales Design und soziale Medien sich ausbreiteten, wurde die Marke Pantone weltbeherrschend. Seine Farbvorhersagen gehören zu den einflussreichsten, obwohl die Konkurrenz nicht auf sich warten ließ und mit Tumblr und Pinterest und ihrer Neigung Farbtrends aufzugreifen und sie unter ihre Followern zu verbreiten, stark zunahm. Für die Kaste der Fashion- und Industrial Designer, die Pantones Kundenstamm ausmachen, gehört die Farb- und Farbschattierungswahl zur wichtigsten Entscheidung des Jahres. Unternehmen zahlen viel Geld für den richtigen Ton, und die seltene, beinahe mystische Kunst, ihn zu treffen, ist Pantones Geschäft."

Außerdem: Wil S. Hylton trifft Leopoldo Lopez, den venezolanischen Oppositionsführer mit Hausarrest, und träumt von einem anderen Venezuela.

Magazinrundschau vom 27.02.2018 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazines erzählt Charles Duhigg die Geschichte des britischen Preisvergleichsportals Foundem.com und seines Kampfes gegen die Google-Suchmaschine und erklärt den Sinn kartellrechtlicher Bemühungen gegen den Monopolisten: "Bei Kartellklagen geht es nicht nur um Kosten und Fairness. Es geht nicht darum, ob wir den Monopolisten lieben oder nicht. Vor einem Jahrhundert hatten die Menschen Sympathien für einen Riesen wie Standard Oil und in den 1990ern mochten sie Microsoft genauso, wie sie heute Google mögen. Kartellgesetze drehen sich um den Fortschritt, darum, wie Technologien wachsen, nicht um eine Gerechtigkeit, die Erfolg in die Schranken weist. Sie sind ein Instrument der Gesellschaft, um Start-ups zu helfen, sich gegen einen Monopolisten durchzusetzen. Wenn so ein Start-up gedeiht und selbst zum Monopolisten wird, beginnt der Zyklus von vorn. Wenn Microsoft Google vor 20 Jahren zerschmettert hätte, hätte es niemand gemerkt. Wir würden heute Bing benutzen, ohne zu ahnen, dass es einmal eine bessere Alternative gegeben hat. Stattdessen können wir uns freuen, dass eine abenteuerliche wettbewerbsrechtliche Klage das verhindert konnte und Kartellanwälte das Gedeihen von Google garantierten. Anders gesagt, wenn du Technik liebst, davon überzeugt bist, dass wissenschaftlicher Fortschritt etwas Gutes ist und du stets die neuesten Geräte kaufst, solltest du vielleicht die Kartellanwälte in deine Gebete einschließen. Es gibt keine bessere Methode, den Markt konstruktiv und kreativ zu halten, als ein Rechtssystem, das einschreitet, wenn ein Unternehmen, egal wie sehr es geliebt wird, so groß wird, dass es den Himmel verdunkelt. Wenn wir Google lieben, sollten wir hoffen, dass die Regierung es verklagt. Denn wer weiß, welche wunderbaren neuen Erfindungen in seinem Schatten auf uns warten."

Außerdem: Marcella Valdes erinnert an die Aktualität des peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa. Und Willa Paskin porträtiert die Theater-Schauspielerin Laurie Metcalf, bekannt vor allem aus der Sitcom "Roseanne".

Magazinrundschau vom 20.02.2018 - New York Times

Für das neue Heft des Magazins liefert Karl Ove Knausgard einen literarischen Reisebericht aus dem Herzen Russlands. Was erzählen einander die Russen so? Knausgard folgt seinen inneren Bildern der Landschaft und trifft eine Frau von 102 Jahren, die das Zarenreich miterlebt hat: "Etwas, das ich mit Russland assoziiere und das ich immer habe sehen wollen, ist das archetypische russische Dorf aus den Romanen des 19. Jahrhunderts. Eine Ansammlung von Holzhütten, Zäunen und Gemüsegärten, Hühner, die herumlaufen, ein paar schattenspendende Bäume, ein langsam fließender Fluss, umgeben von endlosen Feldern. Oft auf meiner Reise habe ich solche Orte in der Ferne gesehen, zuerst auf dem Weg zu Turgenjews Haus, dann entlang der Bahnstrecke nach Kazan. Dann, als die typische Ansammlung von Häusern plötzlich wieder auftauchte, hielt ich an und stieg aus … Normalerweise schaue ich keinem länger als einige Sekunden in die Augen. Ich möchte niemanden bedrängen und vielleicht möchte ich auch nicht, dass man mich bedrängt. Aber kurz bevor wir die alte Frau verließen und ich sie ansah und sie mich, dachte ich, dass ich ihr in die Augen schauen sollte. Diese Augen, die die Welt zur Zeit der Zaren gesehen hatten und die Welt danach für hundert Jahre. Wir sahen einander lange an. Zuerst schien sie überrascht, als überlegte sie, was ich wohl wollte, doch dann, ganz langsam, begann sie zu lächeln. Mir kamen die Tränen, so wunderbar war dieses Lächeln."

Magazinrundschau vom 06.02.2018 - New York Times

Nellie Bowles berichtet von einem Modellprojekt in Puerto Rico: Puertopia oder Sol, ein Krypto-Utopia mit virtuellem Geld und Verträgen, die für jedermann einsehbar sind, initiiert von einem Dutzend Unternehmern aus der Bitcoin-Branche in den USA. Was wie ein neokolonialistischer Ansatz wirken könnte, hat handfeste Hintergründe: "Puerto Rico bietet unschlagbare Steuervorteile: Keine Einkommenssteuer, keine Kapital- oder Unternehmenssteuer, und alles, ohne die amerikanische Staatsbürgerschaft aufgeben zu müssen. Bis jetzt scheint die  Regierung die Krypto-Utopier willkommen zu heißen. Der Gouverneur wird auf der Gipfelkonferenz 'Puerto Crypto' der Unternehmer im März sprechen … Die Bewegung macht die frühere Generation von Steuerflüchtlingen nervös. Hedgefonds-Manager Robb Rill, der eine 'Selbsthilfegruppe' für Steuerflüchtige in Puerto Rico leitet, erklärt: 'Der Idee, 250.000 Morgen Land zu kaufen, um eine Krypto-Stadt in der Stadt zu errichten, kann ich nicht zustimmen.'"

Magazinrundschau vom 30.01.2018 - New York Times

Im Magazin der New York Times berichtet Ronen Bergman, wie die Israelis Arafat nach dem Leben trachteten - und wie der ihnen immer wieder entwischte: "Als Reporter in Israel habe ich Hunderte Geheimdienstmitarbeiter und Angestellte des Verteidigungsministeriums gesprochen und Tausende geheime Dokumente gelesen, die eine verborgene Geschichte erzählen, die sogar für Israel überraschend klingt … Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Israel Attentate und gezielte Tötungen, oft unter Inkaufnahme ziviler Opfer, in einem Ausmaß vorgenommen wie kein anderer westlicher Staat. Aber ebenso bin ich auf eine lange Geschichte interner Debatten gestoßen, darüber, wie der israelische Staat am besten geschützt werden kann. Darf eine Nation zum Terror greifen und Zivilisten töten? Was ist der Preis, wo ist die Grenze? … Kein Ziel hat den israelischen Tötungsapparat derart beschäftigt wie Arafat. Manchmal entkam er einfach, manchmal zogen die Verantwortlichen die Notbremse, weil das Ziel nicht eindeutig identifiziert werden konnte oder zu viele Zivilisten im Spiel waren. Das andauernde Verlangen, Arafat zu töten, brachte Israel ins Zentrum der Debatte darüber, was ein Staat tun darf, um sich selbst zu erhalten."
Stichwörter: Israel, Arafat, Jassir

Magazinrundschau vom 23.01.2018 - New York Times

In der neuen Ausgabe des New York Times Magazines schreibt sich Leslie Jamison den Ärger von der Seele. Weiblicher Zorn, was ist das eigentlich? "Das Phänomen weiblichen Zorns wurde oft gegen sich selbst gewendet, die Gestalt der wütenden Frau nicht als verletzte, sondern als bedrohliche Figur. Sie ruft eine Reihe bedrohlicher Archetypen auf: Die Harpyien mit ihren Klauen, die Hexe mit ihren Zaubersprüchen, die gelockte Medusa. Die Vorstellung, weiblicher Zorn sei unnatürlich oder zerstörerisch, wird früh gelernt. Kinder akzeptieren Wut von Jungs eher als die von Mädchen. Laut einer Berkeley-Studie von 2000 kommt Wut bei Mann und Frau etwa gleich häufig vor, Frauen empfinden in der Folge aber größere Scham. Die Bezeichnungen 'zickig' oder 'feindselig' für weiblichen Ärger ist durchaus gängig. Männliche Wut wird eher als 'stark' konnotiert. Männer agieren ihre Wut an Gegenständen oder verbal an anderen aus. Frauen weinen dann eher, so als würde ihr Körper sie zu dem Gefühl zurückzwingen, mit dem sie in aller Regel assoziiert werden - Traurigkeit."

Außerdem: Steven Johnson erklärt, was Kryptowährungen wie der Bitcoin alles können sollen (z.B. das Netz zu einer dezentralisierten, egalitären Angelegenheit machen). Jennifer Percy besucht das Malheur National Wildlife Refuge in Oregon, das vor zwei Jahren von bewaffneten Mitgliedern des Patriot Movement besetzt wurde, und wittert noch immer viel Wut in der Region. Und in der Tagesausgabe der New York Times vom 21. Januar erscheint Katharine Q. Seelyes aufwühlender Artikel über den Alltag von Drogenabhängigen und ihrer Familien.

Magazinrundschau vom 16.01.2018 - New York Times


Margot Robbie als Tonya Harding in dem Film "I, Tonya"

In der Times versucht Taffy Brodesser-Akner das wahre Gesicht der ehemaligen amerikanischen Eiskunstläuferin Tonya Harding zu enthüllen, deren Leben gerade mit Margot Robbie in der Hauptrolle verfilmt wurde. Hardings Karriere endete 1994, als ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan im Auftrag von Hardings Ex-Mann, angeblich ohne Hardings Kenntnis mit einer Eisenstange am Knie verletzt wurde, so dass Harding die US-Meisterschaft gewann: "Sie glaubt, wenn die Medien sie damals nicht so niedergemacht hätten, stünde sie heute woanders. Wir würden staunen, was sie alles überstanden hätte. Der Film über sie hätte ein triumphales Ende wie 'Rocky'. Die internationalen Wettkampfrichter hatten sie immer geliebt, glaubt sie … Alles, was sie damals getan habe, sei doch nur eine Fortsetzung dessen gewesen, wofür man sie vorher immer belohnt hatte, ihre Rauheit, ihre Erfindungsgabe und Überlebenskunst. Hätte sie vielleicht nach den Regeln spielen und ihr Talent in ihrem außergewöhnlichen Körper einfach verrotten lassen sollen? Sie sagt, dass es Mädchen wie sie nirgendwohin führt, brav und fair zu sein. Hätte es geklappt, hätte sie als Inbegriff des Amerikanischen Traums gegolten … Vieles, was Harding mir erzählte, ist nicht wahr. Sie widersprach sich, aber sie erinnerte mich auch an so viele andere Traumatisierte, die ihre Geschichte wieder und wieder erzählen, um zu erklären, was ihnen widerfahren ist, aber auch, um es sich anzuverwandeln. Was sie sagte, war falsch, aber spirituell wahr, das heißt, es entsprach ihrer Vorstellung."

Magazinrundschau vom 09.01.2018 - New York Times

Die Autorin Eva Hagberg Fisher wurde als Studentin von einem Professor ihrer Universität sexuell belästigt. Als sie ihn verklagte, war es für sie besonders schwierig, vor Gericht das richtige Erscheinungsbild abzugeben. Ständig wechselte sie ihr Outfit, um nie zu feminin oder zu mädchenhaft, zu aggressiv und privilegiert zu erscheinen, wie sie im Rückblick schreibt: "Vertraulichkeit zu bewahren, ist eine der größten Herausforderungen, die ein juristisches Verfahren von einem abverlangt. Wenn ich (auf Instagram) nicht direkt heraus sagen konnte, was ich da tat, konnte ich zumindest Fotos von meinen Halbschuhen posten. So konnte ich meiner Anwältin auch zeigen: die Last des Patriarchats erdrückt mich zwar, aber Spaß versteh ich noch! Ich habe schon zu viel Zweifel unter Opfern wahrgenommen. Spürte das Raunen in der Luft, wenn eine Frau anfing, ihre Geschichte zu erzählen. Sicher, vielleicht glauben wir ihr, dass sie belästigt wurde. Aber die Nachwirkungen einer Belästigung zeigen sich subtil und schleichend: sie veranlassten mich dazu abzuwägen, wer auf meiner Seite stand und wer nicht; mein Misstrauen gegenüber fast jedem, dem ich im Flur meines ehemaligen Instituts begegnete, wuchs; Scham überkam mich, als man mir sagte, mein ehemaliger Jahrgang habe meinen Fall größtenteils aufgegeben. Gefolgt von einer Doppel-Scham, Begriffe wie 'Scham' und 'aufgegeben' überhaupt gebrauchen zu müssen - all diese Nachwirkungen meiner Anklage wurden schließlich zu einer Antriebskraft, mit meinem Kleidungsstil genau dagegen anzukämpfen."
Stichwörter: Instagram, Patriarchat, Fishnet

Magazinrundschau vom 02.01.2018 - New York Times

Die Welt staunt immer noch, dass einige der bestbezahlten Menschen auf dieser Welt - Hollywoodstars! - den krudesten sexuellen Belästigungen ausgesetzt waren und darüber schwiegen. Wie mag es da erst den Frauen gehen, die in einer Fabrik arbeiten? Susan Chira und Catrin Einhorn haben das für eine Reportage recherchiert. Der Chicagoer Zweig des Autokonzerns Ford war in den 90ern schon einmal zu 22 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt worden, im August musste er sich wegen derselben Vorwürfe wieder vergleichen, diesmal für zehn Millionen. "Von Anfang an sind die Frauen Zielscheiben. Die erste Warnung kommt oft schon während der Einführung, wenn die Neuankömmlingen durch die Werkstraßen geführt werden. Shirley Thomas-Moore, eine Lehrerin, die zu Ford ging, um mehr Geld zu verdienen, erinnert sich an diese Szene in den Achtzigern: Ein Mann schlug mit seinem Hammer aufs Geländer, um die Aufmerksamkeit auf die Frauen zu lenken. 'Frischfleisch!', brüllten die männlichen Arbeiter."