Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
26.07.2004. Diese Woche lesen Sie: Warum Buchhändler über die Zeit schimpfen. Warum die Internetbuchhändler nur noch eingeschränkt Rabatte geben dürfen. Warum Random House sein Programm nicht mehr in Supermärkten anbietet. Von Sandra Evertz.

buchreport.express

Empört sind die Sortimenter über einen Zeit-Artikel aus der Feder von Jochen Jung. Der hatte den Buchhändlern mangelnde Service-Bereitschaft unterstellt. "Vor allem die kleinen und mittelständischen Buchhandlungen sehen es nach wie vor als ihre oberste Pflicht an, dem Kunden jeden Wunsch von den Augen abzulesen", hat der Buchreport in einer Umfrage herausgehört. Zwar wird der Kunde in kaum einer anderen Einzelhandelsbranche mit soviel Service wie im Buchhandel umgarnt, doch liegen die Probleme auf der Hand: In 2003 ist die Zahl der Buchhandlungs-Mitarbeiter um 4,1 Prozent zurückgegangen - bei weiter wachsender Verkaufsfläche. Hier der vollständige Artikel.

Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels triumphiert nach monatelangem Streit um Bonus-Systeme über die Internetbuchhändler Amazon und Buch.de. In zwei Grundsatzurteilen begrenzte das OLG Frankfurt die Möglichkeiten der Rabattgewährung erheblich. Verboten sind von nun an Amazons 5-Euro-Start-Gutscheine, die Neukunden für den Kauf preisgebundener Bücher einsetzen konnten. Buch.de darf zwar weiter am "Miles & More"-Programm der Lufthansa teilnehmen, die bisherige Praxis wurde jedoch für rechtswidrig erklärt. Grundsätzlich gilt jetzt: Vergeben Buchhändler selbst Bonus-Punkte, kommen als Prämien nur nicht-preisgebundene Waren in Frage.

Dass die Einigung zwischen Börsenverein und Bertelsmann Club (siehe Börsenblatt) in erster Line einen Erfolg für den Club bedeutet, ist der Tenor eines Meinungsbeitrags im Buchreport. Der Erfolg liege darin, dass die Bertelsmänner überhaupt eine Anpassung an veränderte Marktbedingungen erreicht hätten. "Als wäre die Preisbindung unter den aktuellen Marktbedingungen weniger gefährdet als früher", wundert sich der Kommentierende und bezweifelt, dass der Club mit den neuen Regeln seine wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommt. Wenn "ja", werde Konkurrent Weltbild animiert, wenn "nein", werde der Club abermals an der gezwungenermaßen angelegten Kette zerren. "Einen dauerhaften Frieden dürfte der Börsenverein nicht erreicht haben."

Vor einem Jahr hatte Random House die Sortimenter mit der Ankündigung geschockt, Teile seines Programms künftig unter eigenem Label auch in Supermärkten und SB-Warenhäusern anzubieten. Das Konzept scheint nicht aufgegangen zu sein, denn die Verlagsgruppe zieht sich im August von ihrer Probefläche in einem Toom-Markt zurück. Dass das Ende des ersten Tests auch das Ende des gesamten Vertriebs-Ansatzes ist, wollte die Verantwortliche, Random House-Vertriebschefin Claudia Reitter, dem Buchreport nicht bestätigen. Das Projekt liege auf Eis, sagte Reitter.

Georg Reuchlein und Regina Kammerer treten zum Jahresanfang gemeinsam die Nachfolge des Luchterhand-Verlegers Gerald J. Trageiser an. Daneben bleibt Reuchlein Verleger von Goldmann, Manhattan und btb, Kammerer Programmleiterin bei btb. Andreas von Stedmann, seit wenigen Wochen Chef des Nicolai Verlags, hängt seinen zweiten Job als Geschäftsführer des DuMont Reiseverlags an den Nagel. Mohn-Tochter Brigitte soll im Januar 2005 ins Präsidium der Bertelsmann Stiftung aufrücken (das Präsidium hat die Funktion eines Vorstands, das Kuratorium die eines Aufsichtsrats), Gunther Thielen im September 2007 seinen Sessel als Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG gegen den Vorsitz im Präsidium der Stiftung tauschen. Damit sei die Stiftung als entscheidendes Instrument im Machtgefüge des Medienkonzerns vor Überraschungen sicher, kommentiert der Buchreport die Personalien.

Meldungen: Die Verhandlungen im Verkauf der Filmrechte des Bestsellers "Der Schwarm" (Kiepenheuer & Witsch) sind weit fortgeschritten, bestätigte Autor Frank Schätzing im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Im Rahmen einer Studie des Meinungsforschungsinstituts inter polis gaben 36 Prozent der Befragten an, heute seltener Bücher zu kaufen als früher, darunter 22 Prozent, weil sie sich inzwischen "weniger für Bücher interessieren", 14 Prozent aus Spargründen. Die im Zuge der Ullstein Heyne List-Filetierung Bonnier zugesprochenen Taschenbuch-Reihen Heyne Fantasy und Heyne Esoterik wandern in die Backlists der Bonnier-Töchter Piper bzw. Ullstein - ob die Bonnier-Beschwerde, Random House habe lukrative Fantasy- und Esoterik-Titel zurückgehalten und in die Allgemeine TB-Reihe eingegliedert, weiter verfolgt wird, entscheidet das Kartellamt diese Woche. Und: Konnte Bill Clinton mit seiner Autobiografie Diät-Queen Susanne Fröhlich von Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerliste verdrängen?

Börsenblatt

Der Streit zwischen Bertelsmann Club und Börsenverein um Parallelausgaben ist mit einem außergerichtlichen Vergleich beigelegt worden. "Der Club verpflichtet sich damit, die Regelungen des Potsdamer Protokolls einzuhalten - diese waren zuvor vom Börsenverein und dem Club an die Veränderungen des Markts angepasst worden", erläutert das Börsenblatt. Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann sprach von einer Lösung "im Sinne der gesamten Buchbranche". Was Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels von der Einigung hält, hier.

Immer noch behandeln viele Publikumsverlage ihre Internetseiten stiefmütterlich. "Händler, Lehrer, Lizenznehmer und Journalisten finden auf den Homepages häufig nicht die gewünschte Unterstützung", so das Fazit einer Studie, die die Unternehmensberatung Heinold, Spiller & Partner gemeinsam mit der Content Business Agentur econcon durchführte. Wenig fortschrittlich ist beispielsweise, dass nur zwei von zwölf befragten Verlagen ihren Geschäftskunden geschlossene Online-Bereiche anbieten. DTV schnitt mit seinem Online-Auftritt am besten bei den Kunden ab, gefolgt von Diogenes und Random House.

Darf klassische Literatur für den Schulgebrauch vereinfacht werden? fragt das Börsenblatt auf seiner Meinungsseite. Dafür spricht sich Eleonore Kunz aus: "Für leseschwache Schüler ist auch die bearbeitete Klassikerausgabe alles andere als ein Angebot zur Bequemlichkeit", gibt die Redaktionsleiterin Deutsch im Cornelsen Verlag zu Bedenken. Sie sieht in den Light-Versionen keinen Ersatz der Original-Klassiker, sondern eine Ergänzung, ein zusätzliches Angebot, aus dem Lehrer für ihre Schüler die passende Lektüre wählen können. "Not amused" von der Modernisierung der Klassiker ist Georg Behütuns. Für den Schulleiter und Vorsitzenden des Fachverbands Deutsch in Bayern ist sie "Kulturfrevel" und der "Missbrauch wehrloser Autoren".

In die festgefahrene Auseinandersetzung um allgemeine Vergütungsregeln für Urheber kommt Bewegung. Unter Vermittlung des Bundesjustizministeriums hätten Verleger und Autorenvertreter ihre Positionen ausgetauscht, nun liege ein Kompromissvorschlag auf dem Tisch, berichtet das Börsenblatt. Neu ist eine klare Abkehr von einheitlichen Vergütungsregeln hin zu einer Genre spezifischen Vergütung. In vielen Punkten habe sich das Ministerium den Positionen der Verlage angenähert. Bis zur Buchmesse sollen die Parteien Vorschläge für eine Modifizierung des Papiers einreichen.

Meldungen: Zur Halbzeit der ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" haben mehr als 60.000 Leser ihr Lieblingsbuch nominiert. Der vom Börsenverein initiierte Branchen-Monitor Buch hat für das Sortiment im ersten Halbjahr 2004 einen Anstieg des Barumsatzes von 0,3 Prozent (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) berechnet.
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