Den 28. August, Erstverkaufstag der
Neuauflage des Dudens, nahmen einige Feuilletons zum Anlass,
harsche Kritik zu üben ("Das unmögliche Wörterbuch",
FAZ; "Chaos voran",
SZ). Dem Absatz des neuen Rechtschreib-Standardwerks scheint die gegenwärtige Diskussion um die Reform nicht zu schaden. "Die Bestellungen des Handels bewegen sich auf vergleichbarem Niveau wie bei der letzten Auflage im Jahr 2000", berichtete Duden-Redaktionsleiter
Matthias Wermke dem
Börsenblatt. Zu den Neueinträgen des Dudens gehören zum Beispiel "googeln", "Ich-AG", "Dosenpfand" und "Moin, Moin!"
Branchenkenner
Arnd Roszinsky-Terjung rät den Buchmachern zu einer
Konzentration aufs Kerngeschäft und haut damit in dieselbe Kerbe wie Ex-
Aldi-Manager
Dieter Brandes, der sein Erfolgrezept auf eine kurze Formel bringt: "Komplexität vermeiden!" "Diversifikation", erklärt Roszinsky-Terjung im
Börsenblatt, "ist gerade keine Strategie für die Krise, sondern eine Schönwetter-Strategie." Im Krisenfall werde das Nebengeschäft häufig zum Hauptmanagement-Thema und absorbiere überproportional viel Kraft. Die Welle der Vereinfachung schwappt langsam auf die Buchbranche über: In jüngster Vergangenheit trennten sich die Verlage
Vandenhoeck & Ruprecht sowie
Heymanns von ihren Buchhandlungen,
Club Bertelsmann und
Weltbild setzen auf ein Schmalspur-Angebot.
Autorin
Eva Demski hat ihre Verlagsanteile von
Schöffling & Co. an Verleger
Klaus Schöffling zurückgegeben. Vor zehn Jahren hatte sie damit geholfen, das Unternehmen "auf die Füße" zu bekommen. Das Engagement sei von vornherein befristet gewesen, erzählte der Verleger, der künftig Alleingesellschafter ist, dem
Börsenblatt. Am Namen Schöffling & Co. solle sich nichts ändern. "Co. - das sind künftig die Autoren."
Promis könnten bald selbst entscheiden, was über sie berichtet wird, und das ärgert nicht nur
Bild und
Bunte. Nach dem vom
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gefällten so genannten Caroline-Urteil, welches besagt, dass Fotos aus dem Privatleben von Prominenten sowie entsprechende Wortbeiträge nicht ohne Zustimmung veröffentlicht werden dürfen, sehen viele Verleger und Journalisten die
Pressefreiheit beeinträchtigt. 40 Chefredakteure von Zeitungen und Zeitschriften schrieben während der Einspruchszeit einen offenen Brief an den Bundeskanzler. "Wenn die Bundesregierung gegen dieses Urteil keine Berufung einlegt, werden allen seriösen Journalisten die Hände gebunden", zitiert das
Börsenblatt die Verfasser. (Boersenblatt.net
meldet später, dass die Bundesregierung nicht gegen die Straßburger Entscheidung vorgehen will).
Frankfurter Buchmesse-Splitter: Erstmals präsentieren sich in diesem Jahr Anbieter von
DVDs auf dem weltweit größten Branchentreff; sie werden sich an einem Gemeinschaftsstand im Forum Film & TV einrichten. Fast 2.000 englischsprachige Aussteller haben ihr Kommen zugesagt - darunter auch
US-Verlage, die 2003 auf eine Teilnahme verzichtet hatten.
Personalien: Der
Berliner Buchhändlerkeller hat nach dem Tod seines langjährigen Vorsitzenden
K. P. Herbach einen neuen Vorstand gewählt: den Literaturagenten
Axel Haase und den Juristen
Hartmut Mangold. Der Fotograf und Mitbegründer des
Pendo Verlags,
Bernhard Moosbrugger, ist gestorben.
Meldungen: Die
Stiftung Buchkunst nimmt im Rahmen ihres traditionellen Wettbewerbs noch bis zum 31. Oktober Vorschläge für die "schönsten deutschen Bücher des letzten Jahres" entgegen: Kriterien sind Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung.
Bertelsmann setzt in Zukunft auf die Erfahrung der "Älteren" und hebt die Pensionsgrenze für Manager, die bisher bei 60 Jahren lag, auf 65 Jahre an. Nachdem sich der
Heymanns Verlag auf seine Kernkompetenzen konzentrieren will (siehe
Archiv) und sich von seinen neun wissenschaftlichen Buchhandlungen getrennt hat, ist für vier Läden mit Standort in Frankfurt, Ulm und Erlangen die Übernahme noch nicht geklärt: Für sie sind in der vergangenen Woche Insolvenzanträge gestellt worden. Die Hamburger
Groenewold Verlage werden künftig mit dem Berliner Verlag
Philo & Philo Fine Arts kooperieren.