Kurz vor Abschluss seiner "Harmonia Caelestis" war Esterhazys Antrag auf Akteneinsicht beim "Amt für Geschichte" - dem ungarischen Pendant zur Gauck-Behörde - bewilligt worden. Aber statt einer Stasi-Akte über ihn und seine Familie werden ihm vier vergilbte Agentendossiers vorgelegt, in denen er die Handschrift seines Vaters Matyas erkennt: unter dem Decknamen "Csanadi" hatte dieser von 1957 bis 1980 regelmäßig als inoffizieller Mitarbeiter an die ungarische Geheimpolizei berichtet. Für den Autor bricht eine Welt zusammen - denn mit Harmonia Caelestis, dem weltweit gefeierten "Familienroman", hatte er seinem geliebten Vater ein literarisches Denkmal errichtet. In "Verbesserte Ausgabe" macht Esterhazy zahlreiche Passagen aus den Berichten seines Vaters an die berüchtigte "Abteilung III/III" der ungarischen Stasi zugänglich. Neben die dokumentarischen Auszüge treten Zitate aus Harmonia Caelestis, deren "Wahrheit" er an dem neuen Befund misst, und Tagebuchaufzeichnungen seit der Zeit der Enthüllung - anrührende Notate voller Scham und Schmerz, in denen er seinen Vater betrauert und bedauert, aber nie freispricht von Schuld.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2004
"Verbesserte Ausgabe" ist nicht eigentlich eine verbesserte Ausgabe von Peter Esterhazys Hauptwerk "Harmonia Coelestis", sondern ein Nachtrag. Kurz vor Beendigung des Romans nämlich, für den der Autor allseits gerühmt wurde, stellte sich heraus, dass sein Vater, das Zentrum des vielstimmigen und genealogisch sehr viel tiefer reichenden Werks, für die ungarische Staatssicherheit gearbeitet hatte. Mit dem nun vorliegenden Buch verarbeitet Esterhazy diesen Schock, der ein mehrfacher ist. Zur schlichten Tatsache des Verrats kommt die bei der Lektüre der Akten sich einstellende Erkenntnis der entwürdigenden Banalität der mitgeteilten Privatsachen auch aus dem engsten Freundeskreis, die Erkenntnis der aus seinen Berichten sprechenden "Servilität" des Vaters. Der Rezensent Lorenz Jäger lobt "Verbesserte Ausgabe" als "gutes Buch", jedoch nicht ohne Vorbehalt: Bedauerlicherweise fehle es Esterhazy, der fraglos ein großer Erzähler sei, an der gedanklichen Tiefe, die zur Durchdringung des Ganzen denn doch dazugehören sollte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2003
Kurz vor dem Abschluss seiner "Harmonia Caelestis", die Ilma Rakusa zufolge einer Hommage an seinen Vater gleichkommt, hat Peter Esterhazy von dessen langjähriger Spitzeltätigkeit für den ungarischen Geheimdienst erfahren und seinem großen Werk nun mit "Verbesserte Ausgabe" eine fiktionale Berichtigung zur Seite gestellt. Damit, so Rakusa, hat er "zweifellos richtig gehandelt", doch verrate er auch "seine bisherige Ästhetik", "die auf dem fiktionalen Spiel mit Realitätsversatzstücken, Dokumenten, Zitaten usw. beruhte" und beschränke sich auf den Kommentar der von der Realität vorgelegten Textsorten. Dieser aber gerate ihm zu einer Sammlung von "Befindlichkeitsprotokollen", weil er "partout keinen kühlen Kopf bewahren will" und eben doch so sprachverliebt, selbstbezogen und intertextuell agieren müsse wie eh und je. Literarisch, urteilt Rakusa, sei diese Aufarbeitung deshalb gescheitert, auch wenn sie gesellschaftlich das richtige Signal gesetzt habe.
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