Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
07.06.2004. In dieser Woche: Was sich die Branche von der Wahl des Lieblingsbuchs der Deutschen verspricht. Und wie die Auseiandersetzung zwischen Verlagen wie Diogenes und Buchhändlern wie Amazon um die Rabatte weitergeht. Von Sandra Evertz

Börsenblatt

Das ZDF lässt diesen Sommer, in Kooperation mit dem Börsenverein und der Stiftung Lesen, das Lieblingsbuch der Deutschen wählen. Der Startschuss zur Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" fällt in der Lesen!-Sondersendung am 6. Juli. Im Börsenblatt rufen Lesen!-Moderatorin Elke Heidenreich und Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann die Sortimenter auf, die "beispiellose Leseinitiative" zu unterstützen und Kunden zu motivieren, sich an der Wahl zu beteiligen. Für die Buchhändler könnten die demografischen Details des Wahlergebnisses (Was lesen Frauen, Männer, die verschiedenen Altersgruppen usw.?), die in ihrer Größenordnung deutschlandweit einmalig wären, interessant sein.

Der Bertelsmann Club geht weiter in die Offensive und setzt seine Prioritäten stärker aufs stationäre Geschäft. Bis Ende 2004 sollen in Berlin fünf und in Köln zwei Promotionshops, so genannte Smart Shops, eingerichtet werden. Für 2005 sind drei weitere geplant. Der Club wolle für die Dauer von drei bis vier Monaten vor allem Leerstände in Toplagen nutzen, beschreibt das Börsenblatt das neuerliche Konzept der Kundenwerbung. Im Berliner Europa-Center seien auf diese Weise in zwei Wochen 200 neue Mitglieder gewonnen worden.

Taschenbuch-Verlage sehen sich einem steigenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt. "Präsenz im Handel" und "Wahrnehmung der Marke" sind derzeit wichtige Stichworte in den Marketingabteilungen der Verlage, schreibt das Börsenblatt. In den Häusern Aufbau, S. Fischer, Piper, Rotbuch, Rowohlt und Suhrkamp wird es in Kürze Sonderaktionen geben. Bei Rowohlt Taschenbuch erscheint beispielsweise im November das Paket "10 Meisterwerke für unterwegs". Dabei handelt es sich um Spitzentitel, deren Umschläge jeweils ein weltbekanntes Gemälde zeigen. Als Zusatz-Bonbon erhalten die Käufer eine Postkarte und ein Lesezeichen mit dem Cover-Motiv.

Stationäre Buchhändler mit eigenem Online-Auftritt haben im vergangenen Jahr nur einen geringen Teil ihres Umsatzes im Internet erwirtschaftet - eines der Ergebnisse einer Umfrage des Börsenvereins. Die Erwartungen an das Online-Geschäft seien nach wie vor hoch. Rund 70 Prozent der Sortimenter hätten 2003 im Vergleich zum Vorjahr mehr Geld über das Internet eingenommen.

Die Verfilmung von "Harry Potter III" läuft seit Donnerstag in den deutschen Kinos. Die meisten Buchhändler rechneten mit einem leichten Anstieg der HP-Nachfrage, besonders die Filialisten erwarteten mehr Umsatz, ergab ein Rundruf des Börsenblatts. Die Lager seien aber noch gut gefüllt, Nachbestellungen die Ausnahme.

Im Comic-Bereich deuten sich neue Trends an. Schwere Zeiten könnten bald auf Comic-Buchhandlungen zukommen. This Kahn, der demnächst seine "Comic-World" in Zürich schließt, erklärt im Börsenblatt: "Junge Comicleser laden sich neue Titel direkt aus dem Internet herunter. Der Manga-Hype hat zudem bei den Verlagen zu einer Vernachlässigung der anderen Comic-Genres geführt."

Wolf Jobst Siedler junior tritt in die Fußstapfen seines Vaters und startet im Herbst einen Verlag. Mit wjs will sich Siedler junior inhaltlich auf Bücher zur Zeitgeschichte und Politik konzentrieren. Der vor 20 Jahren von Wolf Jobst Siedler senior gegründete Siedler Verlag gehört mittlerweile zur Random House-Gruppe.

Claudia Lux hat am 1. Juni den Vorsitz des Deutschen Bibliotheksverbands übernommen. Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Die Cornelsen-Kulturstiftung beteiligt sich mit 250.000 Euro an den Kosten für die Restaurierung des Albert-Einstein-Hauses in Caputh (Potdam/Mittelmark).
Archiv: Börsenblatt

buchreport.express

Auch der Buchreport beschäftigt sich mit dem Bertelsmann Club. Die Verträge mit den zurzeit noch rund 80 Partner-Buchhandlungen - sie präsentieren das Club-Programm in ihren Verkaufsräumen und erhalten dafür eine verkaufsabhängige Provision - sollten zu Ungunsten der Sortimenter neu gefasst werden, heißt es in der Titelgeschichte. Geplant sei das Zurückfahren der Provision, die Umlage zentraler Marketingkosten und die Einführung einer Lizenzgebühr.

Diogenes hat mit seiner Amazon-Auslistung (siehe Archiv) an einem Thema gerührt, über das in der Branche geschwiegen wird: die Superrabatte. Fakt ist, dass Verlagsrabatte an Buchhändler, die 50 Prozent übersteigen, gegen die Preisbindung verstoßen. Ob die Schallmauer der Preisbindung in den letzten Jahren nicht längst - wenn auch unbemerkt - durchbrochen worden sei, fragt sich der Buchreport. Aufträge von Amazon, Weltbild oder anderen ganz Großen müssten nämlich nicht öffentlich ausgeschrieben werden, sondern würden von Fall zu Fall und ohne Zeugen ausgehandelt. Selbst im Diogenes-Fall, bleibt offen, was Amazon gefordert hat.

Das Gebrauchtbuch-Geschäft wächst rasant. Wichtiger Umschlagplatz ist das Internet: Über dreistellige Wachstumsraten freut sich das Dresdner Elbeteam, das 1,1 Mio. gebrauchte Bücher online anbietet. Alle 13 Sekunden wird beim deutschen Ebay-Ableger ein Roman ersteigert, alle zwei Minuten ein Hörbuch - Tendenz steigend. "Mittelfristig wird ein Angebot an antiquarischen bzw. gebrauchten Büchern das Neubuchangebot jeder Buchhandlung ergänzen", prognostiziert ZVAB-Chef Rolf von Rheinbaben im Buchreport.

Die EU-Kommission will mehr Geld (bislang jährlich zwischen einer und 1,3 Mio. Euro) für Übersetzer ausgeben. Ob deutsche Übersetzer in den Genuss der Fördermittel kommen würden, daran zweifelt der Buchreport unter Berufung auf einen dpa-Bericht. Darin erklären die Brüsseler Diplomaten, dass gerade die kleineren EU-Länder nicht genügend qualifizierte Übersetzer hätten, um gute Literatur gut zu übersetzen.

Für die Verfilmung von Patrick Süskinds "Parfum", mit der der designierte Regisseur Tom Tykwer schon im vergangenen Jahr anfangen wollte, fehlen immer noch die Hauptdarsteller. An der Gage kann's nicht liegen: Produzent Bernd Eichinger will sich das Projekt 50 Mio. Euro kosten lassen.

Meldungen: Die Buchhandelsumsätze von Mai 2004 sind im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,77 Prozent gesunken, allerdings fehlten in diesem Jahr gegenüber 2003 zwei volle Verkaufstage (hier der vollständige Artikel). In der Warengruppen-Statistik für Mai 2004 hat, verglichen mit dem Vorjahres-Mai, nur das Hörbuch zugelegt, und zwar bemerkenswerte 13,35 Prozent. Thomas Anz hat bei dtv die "erste durchgeschriebene Biografie" von Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki (mehr im Perlentaucher-Archiv) vorgelegt. Die Autobiografie von Johannes Paul II hält sich auf der Bestsellerliste weit oben. Welche Titel es außerdem in die aktuellen "Top 50" geschafft haben, hier.
Stichwörter: Tom Tykwer