Mit 108.000 Besuchern (6000 mehr als im Vorjahr), zehntausenden Interessierten bei den 1500 Veranstaltungen des
Lesefestivals "Leipzig liest" und 2142 Ausstellern aus 31 Ländern hat die gestern zu Ende gegangene
Leipziger Buchmesse Rekorde aufgestellt, zieht der Onlinedienst des
Börsenblatts eine erste Bilanz.
Börsenvereins-Vorsteher
Dieter Schormann wertete die Literaturschau als "vollen Erfolg".
"Not amused" sind die Buchhändler über die
Bezugsbedingungen für "Harry Potter and The Half-Blood Prince", die ihnen letzte Woche ins Haus flatterten. Unterschreiben müssen die Sortimenter dem für den Vertrieb zuständigen
Berlin Verlag beispielsweise, dass sie den neuen Potter nicht vor dem 16. Juli, eine Minute nach 1 Uhr (00:01 Uhr der britischen Sommerzeit) verkaufen. Ferner ist es den Sortimentsmitarbeitern verboten, das Buch vorher anzuschauen oder zu lesen, und damit nicht genug: Selbst das
Fotografieren der geschlossenen Kartons, die das Werk enthalten, wird in dem 13 Punkte umfassenden Verkaufsvertrag untersagt.
Mit
Bauchentscheidungen und
ohne klares Profil können die Verlage heutzutage keinen Blumentopf gewinnen, glaubt Marketing-Fachmann
Rainer Groothuis (
mehr) und widerspricht auf der Meinungsseite dem vor zwei Wochen abgedruckten
Beitrag des Verlegers
Vito von Eichborn. Marken seien, die Buchbranche betreffend, weit mehr als blaudosige Verpackungen, schreibt Groothuis, nämlich
Image,
Orientierung und ein
erlebbares Versprechen für die Leser. Den Verlagen diene die Markenbildung zur
Existenzsicherung, sie mache unabhängiger von Zufällen, gestrigen Worten und vergessenen Taten.
Die
unabhängige Literatur- und Verlagsszene muss als wichtiger Bestandteil der
kulturellen Vielfalt begriffen werden, mahnt
Das Wunderhorn-Verleger
Manfred Metzner und fordert die Buchhändler mit der
Parole "Slow Buch statt Schnelldreher" auf, ausgefallenen Verlagsprogrammen Platz zu schaffen.
Das
Literarische Quartett gibt sich anlässlich des 200. Todestags
Friedrich v. Schillers noch einmal die Ehre: Zur "gewohnten" Sendezeit, an einem Freitag (29. April, 22:35 Uhr, ZDF), streitet sich die Diskussionsrunde mit
Marcel Reich-Ranicki,
Hellmuth Karasek,
Iris Radisch und Gast
Elke Heidenreich über Schillers Dramen. Fehlt allerdings
Sigrid Löffler.
Der Dachverband der deutschen Bibliotheken,
BID (
mehr), fordert die Einrichtung einer
Bibliotheksentwicklungsagentur. Diese solle, erläutert das
Börsenblatt, unter anderem
verbindliche Qualitätsstandards erarbeiten.
BID-Sprecher
Georg Ruppelt fordert, dass "Bibliotheken nicht mehr nur als Medienanbieter, sondern als Institutionen der Bildung betrachtet und entsprechend
in Bildungsprojekte einbezogen werden".
Personalien: Der Münchener Verleger
Karl Blessing verstarb nach einer langen, schweren Krankheit im Alter von 63 Jahren.
Peter Lieger ist schon nach einem halben Jahr als Geschäftsführer der
Lübbe Verlagsgruppe zurückgetreten.
Meldungen: Laut einer aktuellen Konjunkturumfrage des Kölner
Instituts für Handelsforschung rechnet ein gutes Fünftel der Sortimenter fest mit einen
Aufschwung. Der österreichische
Karikaturist Gerhard Haderer wurde für seinen Band "Das Leben des Jesus" in Griechenland wegen der "Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft" zu sechs Monaten Haft verurteilt. Der
Campus Verlag startet im April mit
Campus-Digibook den Vertrieb digitaler Bücher via Internet - der Kunde erwirbt dabei für einen Titel Lese-, Druck- und Kopierrechte und bekommt über ein Passwort befristet Zugang zu den HTML-basierten Inhalten.
Audible.de bietet mit seinem neuen
Angebot "Podcast" den
Download von vertonten Blogs, Tagebucheinträgen im Netz, an.