Haruki Murakami

Kafka am Strand

Roman
Cover: Kafka am Strand
DuMont Verlag, Köln 2004
ISBN 9783832178666
Gebunden, 638 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. "Als mein fünfzehnter Geburtstag gekommen war, ging ich von zu Hause fort, um in einer fernen, fremden Stadt in einem Winkel einer kleinen Bibliothek zu leben." Der Erzähler dieser Zeilen heißt Kafka Tamura und seine Reise führt in Wirklichkeit aus der realen Welt hinaus in sein eigenes Inneres, entlang an den Ufern des Bewusstseins. Eine schicksalhafte Prophezeiung, der Geschichte von Ödipus gleich, lenkt Kafkas labyrinthischen Weg. "Kafka am Strand" heißt das Bild an der Wand von Saeki, der rätselhaften Leiterin jener kleinen Bibliothek. Und "Kafka am Strand" heißt auch der Song aus der Zeit, als Saeki noch Pianistin war und einen jungen Mann leidenschaftlich liebte, sie waren ein Paar wie Romeo und Julia. Die Wege des Erzählers Kafka kreuzen sich auf geheimnisvolle Weise mit den ihren und denen eines alten Mannes, der die Sprache der Katzen versteht und Spuren folgt, die in eine andere Welt weisen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.11.2004

"Beruhigend absurd" lautet das Etikett, mit dem Isabelle Erler den neuen Haruki Murakami beklebt und meint das als höchstes Lob. Die ungefähre Handlung: 15-jährig haut Kafka Tamura von zu Hause ab, nachdem ihm sein Vater eine ödipale Prophezeiung eingebrockt hat: irgendwann werde er seinen Vater umbringen und mit der Mutter und der älteren Schwester schlafen. Beide kennt Kafka nicht mehr, da sie die Familie zu früh verlassen haben und für den Vater hat er auch nicht viel übrig, also könnte durchaus was dran sein am väterlichen Orakel... Am Ende kommt der Ausreißer dann gereifter nach Hause, aber einen klassischen Entwicklungsroman habe Murakami mit "Kafka am Strand" nicht abgeliefert. "Realistische Absurditäten, vieldeutige Bilder, philosophische Blicke in fantastische Innenwelten" bietet der neue Roman des Kultautors, verspricht die hingerissene Rezensentin. Aber kann ein Buch mit so vielen "Stellen", Passagen sexuellen Inhalts also, überhaupt ein Jugendbuch sein, als das es hier präsentiert wird? Zweifellos, verspricht Isabelle Erler, denn Murakami greift "tiefsinnig und wunderbar klar" Fragen auf, die Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen beschäftigen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2004

Karl-Markus Gauß' Rezension dieses Buches des japanischen Kultautors ist eine Abrechnung. Und zwar nicht nur mit dem Buch selbst - "Schmonzette", voller "Plattitüden", es geht zu wie in der "schwäbischen Stube Hermann Hesses", das alles ist "quälend langatmig" -, sondern auch mit dem "gestrengen Feuilleton", das hier offenkundig auf einen fatalen postmodernen Blender hereingefallen ist. Wild und ohne Besinnen werfe Murakami hier nämlich alles Mögliche durcheinander, einen Jungen, der zu klug, einen Alten, der zu dumm für die Welt ist, "griechische Tragödie", "haarsträubende Handlung", Fantasie und Wirklichkeit, Sex (vielleicht, ganz klar scheint das nicht zu werden) und Sinnfindung. Was immer man zitieren mag aus dieser Kritik, es klingt unfreundlich, sehr unfreundlich. Zwar gelinge es Murakami, seine "Versatzstücke" miteinander zu "verzahnen", aber, leider, doch nur nach Art des "Irgendwie". Nein, kein positives Wort über dieses Buch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.04.2004

Darüber zu schreiben, "wie es ist, verlassen zu sein, und auf welche überraschende Weise man aus dieser typischen Falle des Anfangs herauskommt" - keiner kann das wie Haruki Murakami, meint Burkhard Müller, der dem neuesten Roman des Japaners deshalb viele junge Leser voraussagt und wünscht. Was nicht heißen soll, dass er keinen Reiz für den erfahrenen Literaturkritiker bietet, und dieser Reiz lässt sich am besten als Trost beschreiben; die Einzigartigkeit von Murakamis poetischer Prosa liege darin, "wie er Menschen, die sich einsam und unverstanden fühlen, einander finden und verstehen lässt. Das Muster, dem diese Beziehungen zustreben, ist das geschwisterliche." Und die verbindenden Symbole entstammen der europäischen Kultur - Kafka beispielsweise ist im Buch mehr als nur der gewählte Name des 15-jährigen Helden, der sich auf die Flucht und auf die Suche begibt. Leider, so Müller, lasse es Murakami bei dieser zarten Geschichte eines jungen Menschen, der den Geheimnissen des Lebens gegenübertritt, nicht bewenden, sondern füge weitere Bedeutungs- und Handlungsebenen hinzu, auf denen er vom Geheimnisvollen ins Mystische wechselt, als würde er Stephen King nacheifern wollen. Doch der Rezensent will das gar nicht zu großer Kritik aufbauschen, sondern freut sich lieber an dem Ton des Textes, der "zugleich der Jugendsprache angehört und doch eine feinfühlige Intelligenz widerspiegelt". Und das, vermutet er, sei wohl ein Verdienst der Übersetzerin Ursula Graefe.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2004

Susanne Messmer ist entzückt. Haruki Murakamis neuer Roman, einer seiner drei besten, wie sie gleich zu Beginn versichert, sei nämlich eines jener seltenen Bücher, die man so langsam wie möglich lese, "vor lauter Angst, dass sie zu schnell zu Ende gehen und dann lange keins wie dieses mehr kommt". Als Grundmotiv des Romans identifiziert die Rezensentin die Bewegung, sowohl auf inhaltlicher - sie bezeichnet den Roman als "Road Novel" - als auch auf sprachlicher Ebene. Die geschmeidige Art und Weise, wie Murakami die Geschichten des jungen Kafka Tamura und des heiligen Narren Nakata erzählt und schließlich ineinander fließen lässt, gefällt Messmer außerordentlich. Den "Zauber" von Murakamis Büchern erklärt sie sich aus der "Lust am Spiel mit dem Bedürfnis, allen Dingen einen Sinn zu geben". Nie rutscht der Autor dabei in Esoterische ab, weil er immer wieder das Bedeutsame mit dem Banalen bricht, lobt die Rezensentin, und weil er seine Geschichte in einer "bestrickend einfachen" Sprache erzählt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004

Für Helmut Böttiger ist der Bestsellerautor Haruki Murakami der japanische Hermann Hesse, nur dass Murakami im Gegensatz zu seinem deutschen Ahnherrn "verdammt cool" ist. Der 15-jährige Kafka Tamura begibt sich bei der Suche nach dem "Sinn des Lebens" auf eine Reise, die ihn auch in die eigene Seele führt, fasst der Rezensent die Handlung zusammen. Er attestiert dem Autor, mit seiner Geschichte einen "beträchtlichen Sog" zu erzeugen, der vor allem aus dem Nebeneinander von "naturalistisch" gezeichneter Realität und fantastischen Elementen entsteht. Murakami scheut weder vor "Fantasy" noch vor "existentialistischem Pathos" zurück, stellt Böttiger fest und lobt, dass der Autor durchaus "bedeutsam" und dabei "sehr einfach" schreiben kann. Allerdings kann keine noch so interessante "Anspielung auf die Erwachsenkultur" wie beispielsweise die eingehende Interpretation einer Schubertsonate davon ablenken, dass dies ein Roman für Jugendliche ist, die "in die Geheimnisse des Lebens" eingeweiht werden wollen, stellt der Rezensent etwas nüchtern fest.
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