Macht das
Hörbuch dem Buch
Konkurrenz? Eine aktuelle Untersuchung des
Börsenvereins zeigt: Nein, Hörbücher können die
Leselust wecken. "Ein Drittel der Befragten mochte Lesen und Hören nicht in unmittelbaren Zusammenhang stellen. Knapp 30 Prozent der Befragten haben über das Hörbuch zum Buch gefunden", zitiert das
Börsenblatt aus den Umfrageergebnissen. Besonders bei jungen Menschen hätte das Hörerlebnis die Lust aufs Bücher lesen verstärkt.
Mit
Diogenes und
Holzbrinck steigen die letzten großen Belletristikverlage ins
Geschäft mit Hörbüchern ein - für das
Börsenblatt das "Thema der Woche". Man verhandele um die Hörbuch-Rechte ebenso wie die übrigen Marktteilnehmer, hat das Branchenmagazin vom
Argon-Verlagsleiter (zu Holzbrinck gehörig),
Holger Kuntze, erfahren. Auch bei Lizenzen aus Holzbrinck-Verlagen erhalte das beste Angebot den Zuschlag. Zumindest die ersten Programme der Diogenes- sowie Holzbrinck-Hörbuchlabels setzen auf
konzerneigene Inhalte. Diogenes plant 20 Hör-Novitäten pro Jahr, Holzbrinck 70.
Schlechte Nachricht für die
Verlage: Sie könnten bald durch eine
Umverteilung der VG Wort-Tantiemen (
mehr zur VG Wort) belastet werden. Dafür mache sich das
Deutsche Patent- und Markenamt, das die Aufsicht über alle Verwertungsgesellschaften hat, stark, berichtet das
Börsenblatt. Die Behörde berufe sich dabei auf
§ 63a des Urheberrechtsgesetzes. Eigentlich hätte die Regelung zusammen mit dem
Zweiten Korb des UrhG geändert werden sollen, doch der liege bis zur Wahl auf Eis. Dass das Patentamt versucht, auf eigene Faust Fakten zu schaffen, will der
Börsenverein "mit gerichtlicher Hilfe" verhindern.
Als wäre
"Harry Potter V" nicht gewesen, stürzt sich die
britische Buchbranche auch beim sechsten Band wieder in einen
Preiswettbewerb. Teilweise liege der Preis bei Vorbestellung bei der Hälfte des empfohlenen Verkaufspreises von 16,99 Pfund, schreibt das
Börsenblatt und hat in der Fachzeitschrift
The Bookseller nachgelesen, dass es am Erstverkaufstag des letzten "Potters" elf Millionen Pfund Nachlass gegeben hätte. Insgesamt sei aber an jenem Tag mit 1,7 Millionen Exemplaren ein Umsatz von 17,5 Millionen Pfund erzielt worden.
Der Wahl-Münchener
Thomas Lang (
mehr) hat für die Erzählung "Am Seil", eine "Vater-Sohn-Geschichte", den mit 22.500 Euro dotierten
Bachmann-Preis 2005 erhalten.
Fest steht die Eröffnung des
Zanolli-Insolvenzverfahrens (
Archiv) am 1. August. Bis dahin hofft die Kanzlei des Insolvenzverwalters auf Käufer für das Unternehmen bzw. für einzelne Teile. Die Mitarbeiter müssten in dieser Woche die ausstehenden Löhne nachgezahlt bekommen, 70 Angestellten ist aber bereits betriebsbedingt zum 30. Juni gekündigt worden. "Um den Wert der Firma besser einschätzen zu können, wurde eine körperliche Inventur durchgeführt, das heißt jedes der
rund zehn Millionen Bücher aus dem Lager in die Hand genommen und erfasst", erläutert das
Börsenblatt.
Bertelsmann Club-Mitglieder werden mit einer neuen "Qualitäts- und Preisgarantie" geködert: Sie können künftig Bücher umtauschen, die ihnen
nicht gefallen haben. Außerdem sollen die Angehörigen des Clubs eine
100-Euro-Prämie erhalten, für den Fall, dass ein Titel woanders billiger angeboten wird.
Im Streit um
Maxim Billers Roman "Esra" - er soll, so die Klage,
Persönlichkeitsrechte verletzen (siehe
Archiv) - will der
Kiepenheuer & Witsch Verlag möglicherweise vor die höchste Instanz, das
Bundesverfassungsgericht, ziehen. Ob sich
deutsche Autoren von dem kürzlich gefällten Urteil des
Bundesgerichtshofs, einem
Verbot des Romans, einschüchtern lassen,
hier.
In einem weiteren Rechtsstreit scheint schon jetzt Bewegung zu kommen, die nächste Instanz angerufen zu werden. Als wahrscheinlich gilt, dass die Anhörung von
Subito, Dokumentlieferdienst der Bibliotheken, letzte Woche vor dem
Landgericht München nur formellen Charakter hatte (der
Börsenverein hält den elektronischen Dokumentenversand von Subito für rechtswidrig). "Gut möglich ist, dass die Bayern den Fall zur Vorlage an den
Europäischen Gerichtshof weiterleiten", spekuliert das
Börsenblatt.
Meldungen: Beim
Bibliotheksindex der
Bertelsmann-Stiftung und des
Deutschen Bibliotheksverbands (verglichen wurden mehr als 200 öffentliche Büchereien) kam in der Kategorie Großstädte die
Stadtbibliothek Würzburg auf den ersten Platz, bei den Fachhochschul- und Uni-Bibliotheken lag u.a. die
Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen vorn. Das Calwer
Hermann-Hesse-Stipendium, eines der höchstdotierten Stipendien in Deutschland, geht in diesem und im nächsten Jahr an
Hartmut Lange,
Gerd Loschütz,
Ursula Krechel (alle Berlin) und
Angela Krauß (Leipzig). Zum 50. Todestag von
Thomas Mann (
mehr) am 12. August hat der
S. Fischer Verlag ein
Online-Portal eingerichtet - es verknüpft biografische Informationen mit Tonaufnahmen, Forschungsergebnissen und Publikationen.
Suhrkamp will den neuen
Allende-Titel "Zorro" über den in der Verlagsbranche weniger üblichen Weg der
Fernsehwerbung zur Prime Time vermarkten.