Ein Wilder Mann ist mit der Untergrundbahn unterwegs, er geht im Waggon auf und ab oder hält sich im Gedränge an einer Haltestange fest. Seine Seelenlage ist nicht einfach nur angespannt, nein: hochexplosiv. Mindestens. Wer immer da neben ihm steht oder ein- und aussteigt in den vielen Stationen von Peripherie zu Peripherie einer Metropole - alle Mitfahrer steigern nur seine Wut, sie ekeln ihn an. Besser, er wäre zu Hause geblieben. Aber warum er? "Nein, ihr gehört nach Hause, ihr. Warum bleibt ihr nicht endlich einmal vollzählig und ganztägig in euren Löchern und Unterschlupfen?" Der Weltekel des Wilden Mannes ist allumfassend, nichts als Scheinleben, Verlogenheit und Hässlichkeit um sich herum nimmt er wahr, und immer mehr redet er sich in Rage, wirkt angsteinflößend und komisch zugleich. Er erfindet den einzelnen Passagieren Geschichten, die unversehens zu Beschimpfungen werden; er liest ihnen die Leviten ... bis eine Zusteigende ihn zum Schweigen bringt und den Konterpart gibt, ohne daß er noch einmal zu Wort kommt.
In seiner Serbien-Begeisterung und Landschafts-Besessenheit ist er ihm im Laufe der Jahre irgendwie "egal" geworden, der Autor Peter Handke, meint Andreas Merkel. Im jüngsten Theaterstück aber sei er plötzlich wieder da, der rücksichtslose Dichter, der es sich leidenschaftlich gerne mit allen verdirbt. Der "Untertagblues" ist (beinahe) nur ein einziger Monolog, eine nichts auslassende U-Bahn-Fahrer- und damit Allerweltsbeschimpfung. Der Herr, der da spricht, heiße nur "Wilder Mann" und erweise sich im Laufe seiner "furiosen" Tiraden als "großer Verzweifler". Fasziniert ist der Rezensent vor allem vom "Heidegger-Deutsch" Handkes, das trotz ständiger sprachkritischer Nachfragen und Wiederholungen rasch "zu rocken" beginne. Nur die "Wilde Frau", die am Schluss noch auftritt, die hätte es nicht gebraucht.
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