Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
14.03.2005. Diese Woche lesen Sie: Warum die DVA Rolf Hochhuths Memoiren nicht veröffentlichen will. Wer 2006 und 2007 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse wird. Wer gerade den Hörbuchmarkt aufrollt. Und wie die deutschen Bibliothekare Google Konkurrenz machen wollen. Von Sandra Evertz.

Börsenblatt

"Es wird keinen Rücktritt vom Rücktritt geben", bekräftigt Jürgen Horbach, Chef der Deutschen Verlags-Anstalt, im Börsenblatt: Die DVA bleibt bei ihrem Entschluss, die geplante Veröffentlichung der Autobiografie des Dramatikers Rolf Hochhuth zu stoppen. Grund ist Hochhuths in einem Interview mit der Jungen Freiheit geäußerte Sympathie für den britischen Holocaust-Leugner David Irving ("... ein fabelhafter Pionier der Zeitgeschichte"). Mittlerweile hat sich der Theatermacher von seiner Aussage distanziert. Weitere Infos im Internet-Angebot des ARD-Kulturmagazins "TTT", das den "Fall Hochhuth" in seiner vorletzten Sendung aufgerollt hat.
Der Branchentreff Leipziger Buchmesse wartet in 2005 abermals mit Rekordzahlen auf. Mehr als 2100 Aussteller aus 30 Ländern sollen vom 17. bis 20. März mehr als 100.000 Besucher anlocken. Neben der Zahl der Aussteller wuchs auch die Ausstellungsfläche um zwölf Prozent auf annähernd 50.000 Quadratmeter. "Wir haben dieses Jahr einen Riesensprung gemacht", so die Vorab-Bilanz von Messe-Direktor Oliver Zille letzte Woche im Berliner Büro des Börsenvereins. Mehr.

Anders als im Jahr 2003, in dem Random House und Bonnier die Verlagsgruppe Ullstein Heyne List untereinander aufteilten, ist das vergangene Jahr ohne aufsehenerregende Übernahmen zu Ende gegangen. "Insgesamt wechselten in 2004 18 Verlage den Besitzer, ebenso viele wie 2003", ergibt eine Studie der Unternehmensberatung Cross Media Consulting. Gemessen am Umsatz der beteiligten Unternehmen kam es auf dem Schulbuchmarkt zur größten Transaktion: Hier verleibte sich die Berliner Cornelsen Verlagsgruppe die Münchener Oldenbourg Verlage ein.

Nach der Entscheidung für Indien als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2006, steht nun auch das Gastland für 2007 fest: Katalonien. Zum ersten Mal wird eine Region eines Landes, ein historischer Kulturraum im Mittelpunkt stehen. Messe-Direktor Volker Neumann spricht von einer "neuen Herangehensweise an das Konzept des Gastlands". Um die Messe einer kulturell interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren, werde man sich auch in Zukunft sämtliche Optionen offen halten. International bekannte katalanische Autoren sind zum Beispiel Carlos Ruiz Zafon und Juan Goytisolo.

Das Lesefestival lit.Cologne (diesmal vom 16. bis 20. März) wird im kommenden Jahr von fünf auf neun Tage ausgedehnt und erstreckt sich dann über zwei Wochenenden. "Mit 50.000 Besuchern und knapp 90 Veranstaltungen an nur fünf Tagen ist das Festival an seine logistischen Grenzen gestoßen", erklären die Veranstalter im Börsenblatt.

Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann gibt im Börsenblatt-Interview zu, dass der kulturelle Auftrag des Branchenverbands in den vergangenen Jahren "etwas auf der Strecke geblieben" ist und sieht die Gründe in der Auseinandersetzung mit der Politik und in internen Umstrukturierungen. In Zukunft gehe es darum, sich darauf zu besinnen, was den Börsenverein in seinem Wesen ausmache. Er sei eben nicht nur ein Wirtschafts-, sondern auch ein Kulturverband. Das müsse wieder stärker nach außen kommuniziert werden.

Zwischenbuchhändler Libri startet ein Sortiment mit E-Books. Die vom Börsenblatt befragten Buchhändler äußerten sich überwiegend skeptisch zu dem dem neuen Angebot.

Rainer Moritz
, Chef des Hamburger Literaturhauses, ist in seiner aktuellen Glosse den Lesevorlieben der Frauen auf der Spur.

Meldungen: Das Literarische Colloquium Berlin vergibt in diesem Jahr erstmals das Stipendium Autorenwerkstatt Prosa 2005 für deutschsprachige Autoren. Digital Publishing stellt ein kostenloses Übersetzungsportal für Englisch und Französisch ins Netz; das 500.000 Einträge umfassende Wörterbuch liefert Übersetzungen von Einzelwörtern und Texten mit bis zu 500 Zeichen.
Archiv: Börsenblatt

buchreport.express

"Thalia forciert Wachstum unter einheitlicher Marke", titelt der Buchreport und vermutet, dass im Herbst sowohl die zum Unternehmen gehörenden schweizerischen Jäggi-Filialen als auch die österreichischen Amadeus-Filialen das Thalia-Erscheinungsbild verpasst bekommen. In Deutschland will der Branchenprimus in 2005 mindestens zehn neue Buchhandlungen eröffnen. "Mit 448,6 Mio. Euro Umsatz in 2004 ist die Douglas-Tochter als erstes buchhändlerisches Unternehmen in die Größenordnung der Filialisten anderer Einzelhandelsbereiche gewachsen", erläutert der Buchreport. Hier der vollständige Artikel.

Ein Mini-Plus von 0,36 Prozent machte der Buchhandel laut Buchreport-Umsatztrend im Februar. "Kein Befreiungsschlag, aber doch ein Hoffnungsschimmer", kommentiert das Branchenmagazin die Zahlen, die sich diesmal, auf Grund der gleichen Anzahl der Verkaufstage, ohne Wenn und Aber mit den Vorjahreszahlen vergleichen lassen. Der Buchreport geht davon aus, dass die Neuerscheinungen den Umsatz des letzten Monats angekurbelt haben. In den Bestsellerlisten (siehe auch unten) seien 29 neue Eintragungen registriert.

Brigitte mischt den Hörbuch-Markt auf. Zwar sind erst drei von zwölf Einzeltiteln der Edition "Starke Stimmen" (eine Kooperation der Hamburger Frauenzeitschrift und des Labels Random House Audio) herausgekommen, doch schon ist jedes vierte verkaufte Hörbuch unter den "Top 100" ein Brigitte-Titel, hat der Buchreport errechnet.

Gegenwind für Google kommt von den deutschen Bibliothekaren. Im Buchreport warnt Claudia Lux, Vorsitzende des Bibliotheksverbands, vor "Google Print" (siehe Archiv). Lux fürchtet, "dass wir irgendwann unser eigenes Kulturgut bei amerikanischen Anbietern in digitaler Form kostenpflichtig abrufen müssen" und fordert stattdessen ein nationales Digitalisierungsprojekt. Mit einem Etat von acht Millionen Euro jährlich könne binnen zehn Jahren eine digitale Bibliothek aufgebaut werden.

Personalien: Walter Kempowski, der sich mit seinen Romanen den Ruf eines "Chronisten des deutschen Bürgertums" erworben hat, erhält den mit 10.000 Euro dotierten Hans-Erich-Nossack-Preis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Michael Justus zeichnet seit 1. März alleinverantwortlich als Geschäftsführer der Verlage J. B. Metzler Stuttgart und Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar.

Meldungen: Gemauert wird auf den ersten Plätzen der Spiegel-Bestsellerlisten. Besonders wenig Veränderung zeigt sich in der Rubrik Taschenbuch Sachbuch: Hier sind die vorderen elf Ränge von dieser und letzter Woche mit den gleichen Titeln besetzt.
Stichwörter: Der Spiegel